Berlin - Stadt der Rekorde

02.05.2006 – Berlin war schon immer eine ungewöhnliche Stadt. Kein Wunder, dass auch das Schach in Berlin ungewöhnlich ist. Am Sonntag, den 30. April, übertrafen sich die Berliner jedoch selber und organisierten unter Führung von Matthias Kribben, Präsident des Berliner Schachverbandes, mit der Berliner Mannschaftsmeisterschaft das weltweit bislang größte Schachturnier für Vereine. Das ist einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde wert. Dagobert Kohlmeyer kennt die Einzelheiten. Zum Bericht...

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Schach in Berlin fürs Guinness Buch

Von Dagobert Kohlmeyer

Ein solches Schachereignis hat die Hauptstadt noch nicht erlebt! Die Berliner Mannschaftsmeisterschaft wurde am Sonntag, dem 30. April, erstmals in einer zentralen Endrunde entschieden. Schauplatz war das Estrel Convention Center in der Sonnenallee. Exakt 1 504 Schachspieler aus den 60 Berliner Vereinen setzten in dem riesigen Saal des gleichnamigen Hotels ihre Figuren.


Der Spielsaal


Großer Andrang vor dem Hotel


Der Analyseraum


Das Hotel Estrel - beste Werbung für das Schach


1504 Schachspieler


Der Eingang zum Hotel

Spiritus Rector der einmaligen Veranstaltung war Dr. Matthias Kribben, Präsident des Berliner Schachverbandes. Der bekannte Anlageberater hatte die Werbeagentur Dorland noch als Co-Sponsor mit ins Boot genommen. Die Saalmiete im riesigen Convention Center, wo sonst Megaevents wie Rockkonzerte oder Boxkämpfe stattfinden, kostet pro Tag mehr als 20 000 Euro. "Wir haben den Saal von der Größe eines Fußballfeldes aber zu sehr günstigen Kondition bekommen", erklärte Kribben. "Es wäre wünschenswert, wenn sich im nächsten Jahr ein anderer Sponsor oder eine Gruppe von Förderern findet, um dieses großartige Event wiederholen zu können."


Dr. Matthias Kribben

Der Berliner Schachverband wollte seinen Mitgliedern an diesem Tag nicht nur etwas Besonderes bieten, sondern mit der Veranstaltung auch ins Guinness Buch der Rekorde. Weil es weltweit noch nie ein so großes Schachturnier für Vereine gegeben hat. Dafür waren eine enorme Vorbereitung und viele Helfer nötig. Auf den 752 Brettern mussten über 24 000 Figuren und 24 000 Bauern aufgebaut sowie 752 Uhren exakt justiert werden. 23 Schiedsrichter wachten über den ordnungsgemäßen Ablauf des Geschehens.

"Es gab keinen einzigen Streitfall", konstatierten die Macher am Ende zufrieden. Die Veranstaltung verlief absolut reibungslos. Wo sonst vorwiegend laute Events stattfinden, herrschte an diesem Sonntag wohltuende Stille. Um 9. 30 Uhr hatte Kribben mit dem Megafon das Startzeichen gegeben. Nach sechs Stunden Spielzeit standen Sieger und Verlierer, Auf- und Absteiger in den 20 verschiedenen Spielklassen Berlins fest.

Ältester Teilnehmer war Walter Wuthcke vom Schachclub Rochade. Der fast 92-Jährige hat schon Generationen von Schachspielern ausgebildet. Auch heute noch schlägt der ehemalige Mathematiklehrer auf dem Brett eine scharfe Klinge. Am Sonntag stellte er seinem um viele Jahre jüngeren Gegner eine listige Mattfalle. Walter hatte weiter gerechnet und gewann!


Walter Wuthcke

Unter den mehr als 1 500 Spielern war auch der 70-jährige Dieter Berthold, ein früherer Nationalspieler der DDR. Er hatte bei der Schacholympiade 1958 in München mitgewirkt und danach aus beruflichen Gründen jahrzehntelang nicht aktiv Schach gespielt. Heute im Rentenalter tut er es wieder, und zwar für den SV Turbine. Auch Horst Strehlow vom SC Friesen Lichtenberg, Jahrgang 1931 wie Viktor Kortschnoi, wirkte an diesem denkwürdigen Tag mit und feierte herzliches Wiedersehen mit vielen Schachfreunden.


Horst Strehlow

Etliche Zeitungsjournalisten und Fernsehleute verfolgten das Geschehen, worüber sich besonders der Pressereferent des Berliner Schachverbandes Reinhard Müller. Der Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) schickte ein Kamerateam. Der Präsident des Landessportbundes Berlin, Peter Hanisch, kam auch vorbei. Mit Interesse schaute der Polizeidirektor a. D. den Schachspielern bei ihren Manövern über die Schulter. Ex-Innenminister Otto Schily, ein bekennender Schachfreund, war ebenfalls eingeladen worden, ließ sich aber entschuldigen. Er weilt derzeit in der Toscana.


Smalltalk


Matthias Kribben und Reinhard Müller vor dem Start...


... und nach dem Event

Draußen im Foyer gab es an einem langen Tisch die neusten Schachbücher sowie Produkte von ChessBase zu kaufen. Manfred Mädler war zu diesem Zweck mit seiner Ehefrau Monika extra von Dresden angereist. "Ich bin seit 1972 in diesem Geschäft und damit wohl der älteste aktive Schachhändler", erklärte der 71-Jährige nicht ohne Stolz.


Manfred und Monika Mädler

Rundum eine sehr gelungene Veranstaltung, die möglicherweise 2007 wiederholt wird. So etwas tut Popularisierung des Schachs gut und wird unserem königlichen Spiel ganz sicher neue Freunde gewinnen.

(
Schiedsrichterin Bettina


Zur Spielhalle - hier wurde noch geübt.

Text und Fotos: Dagobert Kohlmeyer


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