Blick zurück auf Miskolc

09.06.2009 – Mit 3:5 verlor Peter Leko seinen Wettkampf gegen Vishy Anand. Vielleicht hätte der Ungar den Abstand zum Weltmeister kleiner gestalten können Doch der Herausforderer von 2004, der gerade im Begriff scheint, seinen Stil und sein Eröffnungsrepertoire in Richtung mehr Aggressivität umzustellen, wollte sich keinesfalls verstecken. Allerdings hatte auch der Weltmeister einige spitze Pfeile in seinem Köcher. Neben der nun schon etablierten weißen Zweitwaffe 1.d4 verabreichte er mit Schwarz dem Grünfeldexperten Leko dessen eigene Kost - mit gutem Erfolg. Die Leko-Zweikämpfe in Miskolc gegen die weltbesten Spieler sind inzwischen schon fester Bestandteil des Turnierkalenders. Im Gespräch mit Dagobert Kohlmeyer versprach Bürgermeister Sandor Kali, dass es dort trotz Krise weitergeht, vielleicht sogar in größerem Umfang. Mehr...

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Blick zurück auf Miskolc
Impressionen des letzten Wettkampftages


Versprechungen bei der Eröffnungsfeier. Der indische Schachsportstar, umjubelt von vielen Frauen...


Die Realität..., na ja, im Prinzip...

Der vierte Wettkampftag

Die letzten beiden Partien brachten keine Veränderungen mehr, was das Ergebnis angeht. Leko blieb bei seiner Halbslawischen Verteidigung und durfte diesmal die Moskauer Variante üben. Zuvor standen Meraner und Antimeraner auf dem Programm. Zum Schluss spielte Leko wieder seine "Erstwaffe" 1.e4 und diskutierte mit Anand die Vorstoßvariante in der Caro-Kann-Verteidigung. Beide Partie  endeten remis zum Endstand von 5:3 für Anand.


Die Eröffnung des letzten Wettkampftage








Begrüßung zur letzten Partie


Der offizielle Beginn










Nach der Partie noch ein paar Worte zum Publikum


Die Siegerehrung


Sandor Kali gratuliert Pete Leko...


... und dem Sieger Viswanathan Anand. Vorsicht beim Klatschen, Peter!




Anand macht Scherze


"Wir werden dieses phantastische Ereignis fortsetzen“

Interview mit dem Bürgermeister von Miskolc, Sandor Kali
Von Dagobert Kohlmeyer

Sandor Kali ist ein vielbeschäftigter Mann. Der Bürgermeister von Miskolc, seit sieben Jahren im Amt, kam erst einen Tag vor dem Match zwischen Anand und Leko aus dem Ausland. Freundlich begrüßte der Schirmherr des Duells die beiden Schachstars auf der traditionellen Pressekonferenz und brachte es hinterher auch fertig, Ungarns neuen Ministerpräsidenten bei der Eröffnungszeremonie auf die Bühne des Nationaltheaters zu holen. Premier Gordon Bajnai wünschte den Großmeistern alles Gute für ihren Wettkampf.

Trotz seines dichtgedrängten Terminkalenders gab Sandor Kali dem Schachreporter am Rande des Turniers die Gelegenheit, ihn im Rathaus zu besuchen. Das ganze Gebäude und das Amtszimmer des Bürgermeisters atmen Geschichte, erfuhren wir unter anderem von dem Stadtoberhaupt. Und der beliebte Kommunalpolitiker erzählte uns von seinen Visionen zur Entwicklung im Schach und in anderen Sportarten.

Herr Kali, Miskolc ist als ungarische Kulturstadt 2008 geehrt worden. Wer vergibt diesen Titel?

Es ist eine Auszeichnung unseres Kulturministeriums gewesen, auf die wir sehr stolz sind. Miskolc hat ja die bekannten Bartok-Festspiele, das Opernfestival, die Dixieland-Konzerte in der Burg Diósgyőr, aber auch die Schach-Events kann man dazurechnen.

Sehen Sie Schach ebenfalls als Kulturfaktor an?

Ja, ich sehe das auch so. Schach ist derart komplex, dass es sportliche, wissenschaftliche und auch kulturelle Aspekte in sich hat.

Die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise macht auch um ihre Stadt keinen Bogen. Wie schaffen Sie es immer wieder, Sponsoren für die Matches von Peter Leko zu gewinnen? Und wird es auch im nächsten Jahr weitergehen?

Auf jeden Fall. Wir haben das vor und engagieren uns entsprechend. Nicht nur, weil wir vertraglich bis 2010 gebunden sind. Das Publikum in Miskolc ist sehr dafür, dass wir dieses phantastische Ereignis fortsetzen. Dazu ermutigt uns auch die weltweite Resonanz im Internet. Bei Peters Match gegen Wladimir Kramnik gab es allein auf unserer Miskolc-Homepage vier Millionen Klicks. In diesem Jahr erwarten wir noch wesentlich mehr, denn Anand und Leko zeigten großartiges Schach. Das ist doch eine wunderbare Werbung für die Stadt.

Hier haben mit Karpow, Kramnik und Anand schon drei Weltmeister gespielt. Das ist ja kaum noch zu toppen. Wenn also die hochkarätigen Gegner für Peter Leko langsam ausgehen, können Sie sich auch vorstellen, mal ein Turnier zu veranstalten?

Das ist unser Ziel, hängt aber natürlich von den finanziellen Möglichkeiten ab. Dafür müssen wir weitere Sponsoren gewinnen. Ich glaube, dass wir nach dem Erfolg mit den drei Champions noch andere Geldgeber finden müssen, um auch ein kleines Turnier auf die Beine zu stellen. Das hängt aber vom wirtschaftlichen Aufschwung ab.

Vielleicht hilft Ihr neuer Premierminister, der ja zu Beginn des Matchs hier war, damit Miskolc seinen Ruf als Schachhochburg in Ungarn weiter ausbauen kann?

Der Besuch von Herrn Bajnai am Eröffnungstag war eine wunderbare Sache. Er hat in Miskolc einen Vortrag gehalten und ein Podiumsgespräch mit Unternehmern geführt. Ihm ist sehr daran gelegen, die ungarische Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen. Deshalb gibt es harte Maßnahmen der Regierung. Ich habe zu ihm gesagt, hier besteht die seltene Gelegenheit, den regierenden Schachweltmeister zu erleben. „Miskolc ist immer für nette Überraschungen gut“, sagte er auf der Bühne, als er neben den Großmeistern stand.

Welche Vorzüge hat der neue Regierungschef?

Er ist vor allem ein Wirtschaftsmann, das halte ich für sehr wichtig. Die ungarische Regierung braucht dringend Leute mit Fachkenntnissen. Der Knackpunkt ist, dass die Probleme im Moment sehr stark sind.

Auch die FIDE hat große Probleme. Sie findet für die wichtigen Events keine Sponsoren. Sie sind auch ein Wirtschaftsfachmann, was würden Sie dem schwächelnden Weltschachbund raten bzw. tun, um Geldgeber für das Schach zu gewinnen?

Eine sehr harte Frage. Wir müssen bei den Unternehmern einfach Leute finden, die vom Schach fasziniert sind. Es sind etliche darunter, die gern bereit sind, etwas zu riskieren. Hier bei uns geht es ja nicht nur um ein Rapid-Match zwischen Klassespielern, also nicht nur um die großen Stars, sondern auch um den Nachwuchs.

Sie haben auf diesem Gebiet in Miskolc mit Peter Lekos Schachschule schon Pionierarbeit geleistet.

Richtig. Deshalb haben wir hier in Miskolc vor zwei Jahren diese Leko-Schachschule eröffnet. Spitzenschach und Breitenschach muss man irgendwie koppeln. Sie gehören für mich einfach zusammen. Und die Förderer freuen sich, wenn sie sehen, dass es nicht nur um einen geht, sondern um viele Kinder, die im Kollektiv lernen und etwas Vernünftiges tun. Wir wollen nicht nur ein Ereignis machen, sondern wirklich so viele junge Leute wie möglich auf einen guten Weg bringen.

Wie läuft Peters Schachuniversität für den Nachwuchs?

Sehr erfolgreich. Peter Leko kann natürlich nicht so oft hier sein, er hat aber fähige Mitarbeiter. Wir fördern dort nicht nur die großen Schach-Talente, auch normale Kinder profitieren von dieser Einrichtung. Ein Vater hat mir zum Beispiel erzählt, dass seine Tochter Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule hatte. Seit sie Schach spielt, hat sie diese überwunden und ist wesentlich disziplinierter geworden. Also ein ganz nützlicher Nebeneffekt.

Hat Schach für Sie ein besonderes Erziehungspotenzial?

Selbstverständlich. Eine wichtige Frage ist doch heutzutage, wie bekommt man bei dem ganzen Nachwuchs die Disziplin wieder. Weil es eigentlich überall in Europa beim Lernen und Studieren Probleme gibt und die Kenntnisse der jungen Generation deshalb nicht tief genug sind. Wenn die Kinder aber eine sinnvolle Beschäftigung haben, die das Lernen fördert, dann sind die örtlichen Sponsoren auch gern bereit, sich zu engagieren.

In welchen anderen Sportarten glänzt Miskolc noch, und wofür begeistern Sie sich?

Im Fußball sind wir erste Liga, aber unser Klubfußball ist international sehr schwach. Die Basketballer von Miskolc sind nicht mehr in der obersten Spielklasse. Ich interessiere mich für Fußball, Handball und Eishockey. Die meisten Ungarn sind Fußball-Fans. Wir sind damals mit Puskas und Albert aufgewachsen. Das waren Weltklasseleute. Ähnlich wie im Schach sollte man auch im Fußball wieder mehr auf den eigenen Nachwuchs setzen und nicht nur Spieler kaufen. Dieser Weg ist langsamer, aber wesentlich sicherer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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