Blitz-WM: Episches Fernduell zwischen Carlsen und Karjakin

von Marco Baldauf
30.12.2016 – Was als Turnier mit 108 Teilnehmern begann, mündete schließlich in einem Fernduell, das sich Sergey Karjakin und Magnus Carlsen in Doha lieferten. Die Konkurrenz auf Abstand haltend, zogen die beiden Kontrahenten ein großes Spektakel ab, das Karjakin schlussendlich hauchdünn für sich entscheiden konnte. Bei den Frauen macht Anna Muzychuk nach ihrem Sieg im Schnellschach das Double perfekt.

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Fotos  Maria Emelianova (Turnierseite)

Wer nach dem gestrigen Tabellenstand auf ein erbittertes Wettrennen zwischen Magnus Carlsen und seinem Kontrahenten von New York, Sergey Karjakin gesetzt hatte, wurde von den beiden nicht enttäuscht. Nach zwölf Runden lagen sie noch punktgleich obenauf, der Vorsprung von eineinhalb Punkten auf die Konkurrenz schrumpfte zwar mal an dieser und jener Stelle, doch letztlich waren die beiden es, die den Kampf um die Krone im Blitzschach unter sich ausmachten.

Carlsen und Karjakin: gestern im direkten, heute im Fernduell

 

Carlsen hatte sich nach Beendigung der Schnellschach-WM noch über seine Anlaufschwierigkeiten an den einzelnen Tagen beschwert, wo er in den jeweils ersten Runden des Tages insgesamt nur einen halben Punkt erzielte. Heute lief es jedoch besser an, Carlsen startete mit einem Sieg über Vachier-Lagrave und lies zwei Remisen folgen. Karjakin erwischte hingegen den Carlsenschen Stotterstart, nach nur einem Punkt in den ersten drei Partien des Tages war ihm sein norwegischer Kontrahent schon um einen vollen Punkt enteilt.

 

Runde 16 stellte dann den Gleichstand wieder her, Karjakin schlug Mamedyarov während Carlsen wie schon im Schnellschach von Ivanchuk an die Wand gespielt wurde.

 

Der Ukrainer schien sich damit als Verfolger Nummer Eins zu etablieren, doch sein Lauf wurde durch zwei Niederlagen in Folge jäh gestoptt. Am Ende reichte es für den frischgebackenen Weltmeister im Schnellschach zu Platz Neun.

Vasily Ivanchuk erwies sich für Magnus Carlsen zum wiederholten Male als Stolperstein.

Das Rennen war nach 16 Runden wieder vollkommen offen, in Runde 18 kam ließ Karjakin gegen Korobov einen halben Zähler liegen, während Carlsen gegen Jobava einen vollen Zähler ermogelte:

 

 

 

Carlsen führte also nach 18 Runden mit einem halben Zähler Vorsprung - das vorläufige Programm Onischuk und Anand meisterte er mit Leichtigkeit, während Karjakin Leko und Wojataszek besiegte. In seiner Partie gegen Leko ließ er seine ganze Klasse auffunkeln:

 

 

 

Vor der letzten Runde hatte Carlsen es also selbst in der Hand, seinen halben Punkt Vorsprung über die Ziellinie zu bringen - doch das Los bescherte ihm mit einer Schwarzpartie gegen Peter Leko keine leichte Aufgabe, denn der solide Ungar hatte sich erst in vier Partien geschlagen geben müssen. Karjakin musste auf einen Ausrutscher hoffen, die knapp bessere Zweitwertung würde ihm im Fall der Fälle allerdings den Titel garantieren.

Die Protagonisten der entscheidenden Schlussrunde: Tabellenführer Carlsen ...

... der mit Schwarz auf Peter Leko traf, sowie...

... Sergey Karjakin im Duell mit ...

... dem immer-kreativen Badur Jobava, der in Doha wie schon zuletzt in der Schachbundesliga mit dunkler Sonnenbrille antrat.

Karjakin erhielt aus der Eröffnung heraus eine gute Stellung, die er relativ problemlos verwertete. Carlsen bekam auch eine vernünftige Stellung aufs Brett und konnte Leko im Mittelspiel etwas unter Druck setzen. Dann unterlief ihm ein kleines Missgeschick und Leko stand plötzlich besser - Carlsen musste auf Ausgleichsmodus umstellen und konnte ein leicht schlechteres Endspiel halten, doch der Sieg war zu keinem Zeitpunkt mehr in Reichweite.

 

Dritter wird Daniil Dubov, der seine Blitzrating damit über 2800 katapultiert. Er lässt Hikaru Nakamura und Titelverteiger Alexander Grischuk hinter sich.

Bronze für den russischen Nachwuchsspieler Daniil Dubov.

Endstand nach 21 Runden:

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Karjakin Sergey 16,5 2740
2 Carlsen Magnus 16,5 2735
3 Dubov Daniil 14,5 2733
4 Nakamura Hikaru 14,5 2720
5 Grischuk Alexander 14,5 2718
6 Vachier-Lagrave Maxime 14,0 2708
7 Dominguez Perez Leinier 13,0 2725
8 Korobov Anton 13,0 2708
9 Ivanchuk Vassily 13,0 2697
10 Anand Viswanathan 13,0 2695
11 Leko Peter 13,0 2678
12 Nepomniachtchi Ian 13,0 2677
13 Salem A.R. Saleh 12,5 2767
14 Wei Yi 12,5 2722
15 Jobava Baadur 12,5 2700
16 Yu Yangyi 12,5 2688
17 Riazantsev Alexander 12,5 2663
18 Onischuk Vladimir 12,5 2634
19 Wojtaszek Radoslaw 12,0 2712
20 Bu Xiangzhi 12,0 2706
21 Matlakov Maxim 12,0 2689
22 Radjabov Teimour 12,0 2671
23 Mamedyarov Shakhriyar 12,0 2670
24 Artemiev Vladislav 12,0 2668
25 Mchedlishvili Mikheil 12,0 2668
26 Li Chao B 12,0 2658
27 Naiditsch Arkadij 12,0 2656
28 Aronian Levon 12,0 2633
29 Mamedov Rauf 12,0 2632
30 Morozevich Alexander 11,5 2723

... 106 Spieler

Quelle: chess-results.com

Die Liverating im Blitz liest sich nun folgendermaßen:

# Name Blitz +/−  
1 ↑1 Carlsen   2914.0 +41.0 26
2 ↑9 Karjakin   2882.6 +82.6 26
3 ↓2 Ding Liren   2875.0 0.0 24
4   Nakamura   2851.0 +9.0 29
5 ↑2 Vachier-Lagrave   2824.6 +1.6 26
6 ↑32 Andreikin   2815.0 +96.0 26
7 ↑1 Shkuro   2814.0 0.0 34
8 ↑11 Grischuk   2813.0 +52.0 33
9 ↑27 Dubov   2803.8 +79.8 20

Partien der Runden 1-19:

 

Das Frauenturnier

Da das parallel durchgeführte Frauenturnier über eine Distanz von 17 Runden gespielt wird. Vor dem heutigen Tag führte Alexandra Kostniuk vor Ju Wenjun, Anna Muzychuk lag mit einem Punkt Abstand in Lauerposition. Wie im Open gab es auch hier einen spannenden Kampf bis zum Schluss. Muzychuk legte mit drei Remisen langsam los, ehe sie in einem furiosen Schlussspurt mit 5.0/5 ihre Konkurrenz am Ende doch hinter sich ließ.

Endstand nach 17 Runden:

Rg. Snr   Name Land Elo Pkt.  Wtg1  K rtg+/-
1 1 GM Muzychuk Anna UKR 2645 13,0 2486 20 18,0
2 3 GM Gunina Valentina RUS 2605 12,5 2482 20 22,2
3 2 GM Lagno Kateryna RUS 2641 12,5 2464 20 2,4
4 6 WGM Tan Zhongyi CHN 2552 11,0 2473 20 10,4
5 10 GM Harika Dronavalli IND 2501 10,5 2499 20 33,8
6 20 IM Charochkina Daria RUS 2375 10,5 2470 20 73,2
7 12 GM Kosteniuk Alexandra RUS 2500 10,0 2484 20 16,8
8 27 IM Kashlinskaya Alina RUS 2286 9,5 2494 20 103,8
9 5 GM Ju Wenjun CHN 2571 9,5 2483 20 -23,4
10 9 GM Koneru Humpy IND 2502 9,5 2464 20 -2,8

...34 Spielerinnen

Source: chess-results.com

Anna Muzychuk macht nach ihrem Sieg im Schnellschach das Double perfekt.

Silber geht an Valentina Gunina ...

... Bronze an Katherina Lagno.

 Elisabeth Pähtz kam heute sehr gut in Fahrt: nach krankheitsbedingt schwerem ersten Tag schien die deutsche wieder bei vollen Kräften zu sein und startete mit 6.0/6 in den Tag, ehe sie gegen die spätere Siegerin Muzychuk und Lagno den Kürzeren zog.

Partien:

 

 

Turnierseite...



Marco Baldauf, Jahrgang 1990 spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Schach. 2000 und 2002 wurde er Deutscher Jugendmeister, seit 2014 ist er Internationaler Meister und spielt für die SF Berlin in der Bundesliga.
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Anton46 Anton46 31.12.2016 01:43
Wo Ende.
Das ist die typische Antwort von Unwissenden. Schach benötigt keine Anstrengungen, auch wenn der Puls mal auf 200 geht wenn mal 7 Std. gespielt wird, der Spieler steht dann zu 120 Prozent neben sich.
Schach ist wie Halma oder "Mensch ärger dich nicht".
DerJumbo DerJumbo 31.12.2016 11:15
"Anton"... Ihr Niveau ist unterhalb der Gürtellinie. Sind wir überhaupt per Du??
Diese Anstrengungen versteh ich natürlich überhaupt nicht. Ich verdien mein Geld nur durch rumsitzen, gearbeitet hab ich noch nie.
Wenn Sie sich die Siegerehrung anschauen... da haben sich alle nach der Einzelsiegerehrung zusammen aufs Treppchen gestellt, nur Carlsen nicht. Haben Sie Grischuks Reaktion gesehen? Carlsen ist das Aushängeschild des Schachsports, er repräsentiert diesen Hochleistungssport mehr als jede/r andere nach aussen. Da sollte er sich zumindest für die 10min bei der Siegerehrung zusammenreißen. Andere können das auch.
Sie sollten sich einfach besser informieren, Meinungen anderer tollerieren und respektieren und sich vor allem vernünftige Umgangsformen aneignen.
Ende der Diskussion.
Anton46 Anton46 31.12.2016 05:23
Jumbo. Du hast anscheinend keinerlei Ahnung über die enormen nervlichen und auch körperlichen Anstrengungen unten denen diese Spieler stehen. nicht Magnus muss an sich arbeiten sondern du. Geh am besten in deine alte oder neue Firma, da kannst du 10 Std. pro Tag "Gesichtskontrolle" vornehmen. Lass aber die Schachspieler damit in Ruhe, die lachen dich nur aus.
DerJumbo DerJumbo 30.12.2016 06:29
Ich mag Carlsen als Schachspieler... aber als (junger) Mensch zeigt er noch einige Schwächen. Auch wenn er der beste Schachspieler ist, punktgleich dann aber "nur" auf den geteilten dritten bzw. zweiten Platz kommt, so gehört es sich nicht, das Gesicht dermaßen missmutig zu verziehen. An seinem Verhalten hat er noch mächtig zu arbeiten, da bekommt er Abzüge in der B-Note... mindestens...
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