Bundesliga 2026/27: Ohne Wolfhagen und Deizisau, aber mit Berlin und München

von Stefan Liebig
04.05.2026 – Die Gerüchte der letzten Wochen sind offiziell, wie Staffelleiter Jürgen Kohlstädt bestätigte und wie es bereits auf der offiziellen Ergebnisdienst-Seite zu sehen ist, profitieren die Schachfreunde Berlin und der MSA Zugzwang von den Rückzügen der Schachfreunde Wolfhagen und Deizisau. Die beiden Teams die die Saison 2025/26 auf den Rängen 3 und 5 abgeschlossen haben, ziehen ihre Teams zurück und überlassen ihre Startplätze den sportlichen Absteigern aus den deutschen Metropolen. | Titelfoto: Dimitrij Kollars (l.) und Matthias Blübaum müssen sich einen neuen Bundesligaverein suchen. | Fotos: Stefan Liebig (Titel), Angelika Valkova


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Auf der einen Seite steht das Label „Beste Liga der Welt“, auf der anderen Seite die immer wieder wackelige Finanzierung. Gerade noch war Wolfhagen als Aufsteiger mit zehn Siegen und nur zwei Niederlagen bei drei Unentschieden auf Rang 3 der Liga vorgestoßen und sprach vom Fernziel Meisterschaft, da erreichte die Fans schon vor Saisonschluss die Nachricht, dass der Verein aus Nordhessen seinen Startplatz kein zweites Mal in Anspruch nimmt.

Am Endrundenwochenende in Berlin machte zudem das Gerücht eines zweiten Rückzuges die Runde, wenngleich dies eher Spekulationen auslöste. Doch in den letzten Tagen kristallisierte sich der Rückzieher heraus: Es sind die Schachfreunde aus Deizisau. 2017 als Meister der 2. Bundesliga Süd vor dem SC Viernheim (!) in die erste Liga aufgestiegen, etablierte sich der Verein in der ersten Liga. Im dritten Jahr der Ligazugehörigkeit wurden die Deizisauer sogar Vizemeister hinter der OSG Baden-Baden, als dessen Filiale die Deizisauer des Öfteren bezeichnet wurden. Aber auch die übrigen Platzierungen können sich sehen lassen: ein dritter, vier vierte und ein fünfter Platz standen außer dem Vizemeistertitel vor dieser Saison zu Buche. Die gerade beendete Spielzeit startete für die Deizisauer sehr schlecht, doch das Abstiegsgespenst konnte verscheucht werden und dank eines beeindruckenden Schlussspurts landeten die Süddeutschen wieder auf Rang 5.

Am zweiten Spieltag besiegten die Aufsteiger Sfr. Wolfhagen die SF Berlin mit 6:2. Der Wolfhagener Volodymyr Onyshchuk gewann dabei gegen den Berliner Raphael Lagunov. Niemand konnte ahnen, dass die Berliner am Saisonende dank des Rückzugs der Nordhessen in der ersten Bundesliga bleiben. | Foto: Angelika Valkova

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Der Rückzug der beiden Teams stößt im Netz auf Kritik. Eine Kritik, die sich zumeist auch auf die vielen freiwilligen Abschiede aus Deutschlands Topliga beziehen (ChessBase gab vor einiger Zeit einen ausführlichen Rückblick darauf: Rückzüge aus der Bundesliga). Seither sind noch viele weitere Rückzieher hinzugekommen: SG Trier (2017), SK Schwäbisch-Hall (2018), SV Hockenheim, SV Lingen (beide 2021), SC Ötigheim (2024), SK Doppelbauer Turm Kiel (vor der Saison 2024/25).

Die Kritik richtet sich gegen die Ligastruktur und die mangelnde Vermarktung der Liga, ebenso wie gegen die Sponsoren beziehungsweise Mäzene, die oft früher oder später die Lust an der Unterstützung der Klubs verlören. Zudem sei durch die vielen durch ausländische Spieler besetzten Bretter auch die Möglichkeiten für deutsche Top- und Nachwuchsspieler sehr begrenzt, sich in der Liga zu beweisen. Letzteres sowie die zunehmende Zahl von Topturniere und den damit verbundenen Bedeutungsverlust von Mannschaftskämpfen führten wiederum zu mangelnder Identifikation der Fans mit den Bundesligavereinen. Aus Sicht des Legionärsthemas ist zumindest der Rückzug der Deizisauer bedauerlich: Die Topbretter Matthias Blübaum und Dimitrij Kollars kamen auf 13 beziehungsweise 15 Einsätze und mit Rustem Dautov (12 Einsätze), Alexander Graf (8) und Ruben Gideon Köllner (9) waren weitere deutsche Spieler an über der Hälfte der möglichen Spieltage am Brett.

Alles in allem aber eine durchaus schwierige Gemengelage für die Zukunft der stärksten Liga der Welt.

Abschlusstabelle der Saison 2025/26:

Mannschaft 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Sp MP BP BW
1. SC Viernheim  +  6 6 5 7 5 6 15 30 81½ 358½
2. OSG Baden-Baden  +  4 4 4 6 5 4 5 4 7 15 23 72 317
3. Sfr. Wolfhagen 4  +  3 4 5 4 5 6 15 23 70 317
4. FC Bayern München 4  +  6 4 4 4 4 4 5 6 15 18 66 302½
5. Schachfreunde Deizisau 2 4 5 2  +  5 4 4 5 4 6 15 16 60½ 266½
6. Hamburger SK 2 2 4  +  4 4 4 5 7 4 5 15 15 60½ 281½
7. SG Solingen 3 4 4 3 4  +  4 4 2 5 15 15 60 273
8. SV Werder Bremen 3 4 4 4  +  5 3 15 15 56½ 247½
9. SK Kirchweyhe 4 4 4  +  4 3 15 14 59 255½
10. Düsseldorfer SK 4 3 4 4 4  +  6 3 15 14 58 268½
11. SV Deggendorf 1 4 4 3 3 5  +  5 4 15 13 57½ 266½
12. FC St. Pauli 3 3 3 1 6 3  +  5 3 4 15 13 54 246
13. SC Heimbach-Weis-Neuwied 4 4 2 3  +  4 3 15 9 55½ 243½
14. SF Berlin 1 2 3 4 3 3 5  +  4 4 15 9 52 215½
15. MSA Zugzwang 2 4 5 4 4  +  15 7 52 247
16. USV TU Dresden 2 2 3 5 4 5 4  +  15 6 45 214

Aufgestiegen sind: SC Remagen Sinzig, SV Erkenschwick 1923 (beide 2. Bundesliga Nord) und SF Bad Mergentheim (2. Bundesliga Süd).

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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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