Hat Niemann betrogen? - Ein Interview mit Dr. Ken Regan, Experte für Computerbetrug

von Albert Silver
20.09.2022 – Die Debatte um die Betrugsvorwürfe gegen Hans Niemann hält an und wurde durch Weltmeister Magnus Carlsen, der in der 6. Runde des Julius Bär Generation Cups nach 1.d4 Sf6 2.c4 lieber aufgab, als gegen Niemann zu spielen, neu angefacht. Professor Dr. Kenneth Regan, ein Experte für die Aufdeckung von Computerbetrug im Schach, hat alle Partien, die Niemann in den letzten zwei Jahren online und offline gespielt hat, einer statistischen Analyse unterzogen. Wie er das gemacht hat und zu welchen Ergebnissen er gekommen ist, verrät er in einem Interview mit Albert Silver.

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Die Schachwelt diskutiert weiter erbittert darüber, ob Hans Niemann seine zahlreichen Erfolge Computerbetrug verdankt, oder ob die diesbezüglichen Vorwürfe gegen ihn zu Unrecht erhoben wurden. Die einen fragen sich, warum ein "Betrüger" in einem Turnier wie der Meltwater Chess Championship spielen darf, andere machen Carlsen Vorwürfe und beklagen einen Mangel an gesicherten Fakten, die ein fundiertes Urteil erlauben würden.

Amateure haben ihre eigenen Urteile gefällt: Sie haben Tabellen erstellt, in denen sie die Ergebnisse von Hans Niemann bei Turnieren, die live übertragen wurden, mit seinen Ergebnissen bei Turnieren, die nicht übertragen wurden, verglichen haben, andere haben Elo-Tabellen mit schönen Glockenkurven erstellt, und wieder andere haben seine Partien bei Turnieren wie dem Capablanca Memorial (das er gewonnen hat) durch Engines analysieren lassen, um seine Schuld zweifelsfrei zu beweisen. Wie ein Großmeister mir unter vier Augen verriet: "Das Capablanca-Video ist ziemlich belastend."

Das Problem dabei ist, dass diesen Untersuchungen wissenschaftliche Strenge und Tiefe fehlt, um stichhaltige Erklärungen zu liefern. Andererseits ist in Ermangelung besserer Informationsquellen alles möglich.

Wer ist Professor Kenneth Regan?

Ken Regan war eher als Schachspieler bekannt, bevor er Akademiker wurde. Er wurde bereits als Jugendlicher IM und qualifizierte sich sogar für die US-Meisterschaft. Aber wie er sagt, hatte er trotz seines Talents und seiner Freude am Spiel nie vor, eine Schachkarriere einzuschlagen, sondern hat stattdessen Mathematik studiert und in Oxford mit einer Doktorarbeit über Komplexitätstheorie promoviert.

2006, während der berüchtigten "Toiletgate"-Kontroverse beim WM-Kampf zwischen Vladimir Kramnik und Veselin Topalov, wurde er hinzugezogen, um sich als Experte zu den Betrugsvorwürfen zu äußern, die das Topalov-Team gegen Vladimir Kramnik vorgebracht hatte.

Der Vorwurf lautete, dass Kramniks Züge in der zweiten Partie zu mehr als 80% mit den Vorschlägen der damals besten Engine der Welt, Rybka, übereinstimmten, ein unrealistisch hoher Wert. Dr. Regan bestätigte diese Übereinstimmung, aber entkräftete die Betrugsvorwürfe. Er wies nach, dass viele der Züge, die mit der Engine übereinstimmten, forciert waren, und dass die Zahl der Züge, die mit der Engine übereinstimmten, wenn man diese forcierten Züge nicht berücksichtigte, tatsächlich ziemlich normal war.

Dr. Ken Regan auf dem Cover von Chess Life

Durch seine gründlichen und rigorosen Analysen rückte Regan sofort als neuer Top-Experte ins Rampenlicht, auch wenn viele die Tiefe seiner Untersuchungen nicht verstanden oder akzeptierten. Seitdem berät er der FIDE bei der Untersuchung von Betrugsvorwürfen, wie sie zum Beispiel gegen Sébastien Feller und Igor Rausis erhoben wurden, oder bei der generellen Kontrolle wichtiger Turniere.

Regan hat in einer Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten, die auf seiner Homepage zugänglich sind, statistische Methoden zum Nachweis von Betrug entwickelt.

Das Interview

Dr. Ken Regan war so freundlich, einem Interview zuzustimmen, in dem er nicht nur erklärt, wie seine Methoden funktionieren, sondern auch die detaillierte Arbeit erläutert, die er in der Carlsen-Niemann-Affäre geleistet hat, und welche Schlussfolgerungen er daraus gezogen hat.

Dies ist eine leicht gekürzte Version des vollständigen Interviews, das man weiter unten im Artikel findet.

Sind die Ergebnisse in Partien, die übertragen wurden, verdächtiger?

In dem Interview habe ich bestimmte Punkte, die online diskutiert wurden, angesprochen, z. B., ob es einen Unterschied zwischen Partien gibt, die übertragen wurden und Partien, die nicht übertragen wurden.

"Was ich damit sagen will, um zu erklären, dass ich mir nicht die Zeit nehmen muss, die Turniere einzeln zu untersuchen, um zu sehen, welche übertragen wurden und welche nicht, ist, dass, wenn es irgendeine Verzerrung in meinen Daten gibt, diese in Richtung der übertragenen Partien geht (d.h. davon werden mehr analysiert, weil sie verfügbar sind), aber dennoch zeige ich etwas völlig Normales."

Über die Qualität seines Systems

"Mein System verwendet bewusst kein spezifisches Schachwissen, sondern basiert auf den quantitativen Daten aus den Bewertungen der Züge durch den Computer, die in eine Nutzenfunktion umgewandelt werden, die dann in ein analytisches Vorhersagemodell eingespeist wird, das im Großen und Ganzen ähnlich funktioniert wie die analytischen Vorhersagemodelle der Wirtschaftswissenschaftler, die auf Nutzenfunktionen basieren."

Screenshot des Computers von Dr. Ken Regan, der eine Auswertung der Partien zeigt

Regan erwähnt auch, dass das System in der Lage ist, Spieler hervorzuheben, die besser als andere darin sind, ihre Gegner zu Fehlern zu verleiten. Zu nennen sind hier Mikhail Tal und Alexey Shirov.

Über das Ergebnis im Capablanca Memorial

Das Capablanca Memorial wird sehr ausführlich besprochen, einschließlich einer Aufschlüsselung von Niemanns Fehlerquote, der Fehlerquoten seiner Gegner und wie gut seine Gegner gegen ihn gespielt haben.

Wie sich zeigt, hat Niemann bei der Zuggenauigkeit fast genau die von ihm erwartete Leistung erbracht, allerdings haben seine Gegner gegen ihn unterdurchschnittlich abgeschnitten. Die 0,152 auf der rechten Seite in Blau ist die Fehlerquote seiner Konkurrenten.

Die Wahrscheinlichkeit eines Wunders bei Schachergebnissen

"Littlewoods Law besagt, dass, wenn man eine Million Ereignisse beobachtet, eines davon mit einer Wahrscheinlichkeit von einer Million zu eins eintritt. Wenn man also eine Million Dinge pro Tag sieht, dann geschieht jeden Tag ein Wunder. Und beim Online-Schach sind eine Million Partien pro Tag die Norm."

Ergebnis

Dr. Regan hat alle Partien analysiert, die Hans Niemann in den letzten zwei Jahren gespielt hat, einschließlich der Online-Partien, die er bei Chess.com und bei Chess.com Turnieren gespielt hat, und seine Schlussfolgerung lautet, dass es keinen Grund gibt, Niemann des Betrugs zu verdächtigen.

Dass die große Bandbreite der Ergebnisse, von denen einige gut und einige schlecht sind, zu einer Glockenkurve führt, ist dabei eigentlich ein Zeichen für eine gesunde Verteilung der Ergebnisse. Viele der so genannten Verdachtsmomente sind in Wirklichkeit ganz normal, und der Betrugsverdacht ist in Wirklichkeit das Ergebnis einer fehlerhaften Analyse durch eifrige Amateure. Auch online weisen seine Partien keine Ungewöhnlichkeiten auf.

Die vollständigen Daten findet man unter diesem Link

Das gesamte Interview

Die Carlsen-Niemann Kontroverse in der Presse:

Übersetzung aus dem Englischen: Johannes Fischer


Albert Silver ist Redakteur und Autor. Er lebt in Rio de Janeiro in Brasilien.
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Matthias Ruf Matthias Ruf 25.09.2022 02:55
Als Wort zum Sonntag kann jeder etwas aus der Vergangenheit lernen, gemäß dem Motto "Erfahrung macht klug". Darum stelle ich heute in Bezug auf Betrug und dessen Erkennung einen anderen Vergleich an:

Wissen die werten Schachfreunde woher die Redewendung “das ist getürkt” entstammt?

Eine Zeitreise in das Jahr 1769 unternehmend, stoßen wir auf den österreichisch-ungarischen Hofbeamten und Mechaniker Wolfgang von Kempelen. Dieser erlangte durch eine spezielle Konstruktion zu solch einer großen Berühmtheit, die ihm sogar Einladungen an Königshöfe verschaffte. Der erste Schachroboter war als mechanischer Schachspieler mit orientalischem Aussehen geboren. Als umgangssprachliche Bezeichnung setzte sich der “Schachtürke” durch. Die meisten Leser werden wissen, dass sich anstelle eines ausgeklügelten Uhrwerks, ein kleinwüchsiger, menschlicher Schachspieler hinter der Fassade verbarg. Die mechanische Übermittlung der Spielzüge geschah jedoch über Jahrzehnte wie von Geisterhand, ohne das verborgene Geheimnis preiszugeben. Es ist ja so, dass ein Magier seine Zaubertricks nicht offenbart, denn sonst würden seine Einnahmen wegfallen. Aber irgendwie kam der Schwindel doch ans Licht. Es mag sein, dass ein Zuschauer auf dem Jahrmarkt “Feuer, Feuer” gerufen, oder Friedrich der Große eine große Geldsumme geboten hat, um zu seiner Enttäuschung dahinter zu kommen.

Laut einem noch älteren weisen König gibt es nichts Neues unter der Sonne. Alles was war, wird wieder so sein. Salomo, der missmutige Prediger Israels, wird bezüglich des wiederholten Umkreisens der Planeten um die Sonne die Wahrheit aussagen. Aber könnte die Geschichte des ersten Schachroboters heute zu uns nicht auch in anderer Weise sprechen?
Ellrond Ellrond 25.09.2022 09:03
Wieviel Anscheinsbeweise braucht es noch? Wir haben jetzt Legion davon. War bei Lance Armstrong genauso, zig Anscheinsbeweise, dieselben Reaktionen (abstreiten, attackieren, das ewige Unschuldsgeschrei usw)
saber-toothed saber-toothed 23.09.2022 08:14
Carlsens Verhalten steht auf demselben Niveau wie die Me-Too-Kampagne, die die New York Times losgetreten hat. Andeutungen, anonyme Beschuldigungen und das wichtigste: keinerlei vorgelegte Beweise und keine Möglichkeit für den Beschuldigten, sich zu verteidigen. Die Ankläger umgehen damit die Beweislast, die ihnen jedes öffentliche Gericht abverlangen würde, und vertrauen auf den öffentlichen Druck, den die hysterische Hexenjagd gegen den Beschuldigten mit sich bringt. Die Me-Too-Kampagne hat zahlreiche unschuldige Opfer, fälschlich beschuldigte Personen, bis in den Selbstmord getrieben, von für immer zerstörten Karrieren prominenter Künstler ganz abgesehen. Carlsen setzt ein Zeichen, aber eines, das Abscheu erregen sollte. Der Weltmeister sollte genauer darüber nachdenken, was er da tut.
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 23.09.2022 06:09
@Matthias Ruf, Danke für den Link. Es ist nicht entscheidend, ob jemand glaubt, dass Niemann betrogen hat oder nicht. Anders ausgedrückt: Ohne einen echten Beweis (!) gilt auch der überführte Online Bescheißer H. Niemann als unschuldig. Daran ändert auch nicht das nette Filmchen eines YouTubers (über ein gefilmtes Interview (!) mit Niemann), der sich auf das Lesen der Körpersprache versteht und sich als Spezialist geriert. Es ist lediglich ein Indiz, denn auch die Körpersprache ist nicht zweifelsfrei deutbar, lässt sich auf eine ganz bestimmte eindeutige "wahre" Weise interpretieren.
Matthias Ruf Matthias Ruf 23.09.2022 03:49
Bekanntlich beschäftigten sich einige Schachspieler gerne mit Poker, weil sich damit mehr Geld verdienen ließ. Ich denke da gerade an meinen Stubenkameraden bei der Sportkompanie Warendorf. GM Matthias Wahls hatte zum Zeitvertreib seinen Spaß am Liegestützenschach und besiegte mich zudem im Backgammon. Der überaus fleißige Hamburger war in mehreren Feldern sehr erfolgreich. So gründete der Jungunternehmer PokerStrategy.com, um online zu zeigen, wie man im Glücksspiel durch Wahrscheinlichkeitsrechnung gewinnt. Der vom Himmel gefallene Pokergott Mike Postle kannte sich mit Evidenzen auch gut aus. Sein entscheidender Vorteil war jedoch nicht, eine Pokerschule besucht zu haben, sondern die aktuellen, verborgenen Karten der Gegner durch sein Smartphone auf dem Schoß angezeigt zu bekommen. Der Betrüger wurde im übrigen auch durch seinen Gesichtsausdruck und seine Gesten entlarvt. Ein Spezialist in diesem Gebiet ist der Verhaltensanalytiker Derek van Schaik. Ich empfehle allen Zweiflern besonders sein YouTube Video "watch how chess cheater Hans Niemann gets caught with body language!"
schachkwak schachkwak 23.09.2022 09:49
https://chess24.com/tour/carlsen-sails-into-semis-niemann-eliminated/

"Niemann, meanwhile, was knocked out by Vietnam’s Liem Quang Le meaning a re-run of his match with Carlsen now can’t happen in this Meltwater Champions Chess Tour event."
oegenix oegenix 23.09.2022 06:54
Auf der Turnierseite des Julius Bär Cups ist unter "standings" der Nsme Niemann durchgestrichen.
oegenix oegenix 22.09.2022 08:15
Wenn der Weltmeister erklärt, dass Computerbetrug beim Schach zu leicht sei, sollten die Alarmglocken klingeln. Der UCI, Weltradsportverband, hat auch den technischen Betrug mit Minielektromotoren im Rahmen und in der Sattelstütze lange zu leicht genommen.. Inzwischen hat man nachgerüstet und misst mit hohem technischen Aufwand die Wärmeentwicklung. Von der Fide hört man zu dem Thema nichts, vielleicht scheut sie die Kosten für die Durchsetzung eines sauberen Sports. .
Carlsen setzt jetzt ein Zeichen und weigert sich, gegen einen überführten Betrüger zu spielen. Manche sehen das als Überreaktion. Solange das Thena vom Verband tief gehängt wird, halte ich sein Vorgehen für gut und richtig. Er ist finanziell unabhängig und kann hier vorangehen. Bravo!
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 22.09.2022 06:29
Man stelle sich vor, Keymer hätte seine Schnellschachpartie gegen Carlsen, wo er zwischenzeitlich komplett auf Sieg stand, gewonnen... TBG meinte in seiner Aufbereitung der Partie, dass Keymer vermutlich der Mut verliess nachdem er Carlsen komplett überspielt hatte. Und das trifft eben nicht auf jeden der aufstrebenden jungen Spieler zu, die Carlsen beerben wollen. Ein Amerikaner, der es wissen will, der absolut keine Scheu hat in die Vollen zu gehen, wenn es um die Wurst geht... Warum denn nicht? Man kann sich halt nicht seinen Nachfolger aussuchen. Für Alireza war es zu früh, der Druck einfach zu hoch. Aber jemand, dem alles egal ist, den niemand so richtig auf der Rechnung hat, der kann auch einen Weltmeister dessen hübsche Serie zerstören.
Es werden noch viele Niederlagen auf Carlsen warten. Schach ist auch ein mentales Spiel.
schachkwak schachkwak 22.09.2022 04:41
Und genau das geht nicht. Carlsen sagt weiterhin, dass er nichts sagt außer dass etwas ist.

Entweder er sagt direkt, was los ist oder er muss es lassen. Es geht nicht, dass jemand sagt, dass er nichts sagt, aber denkt euch selbst etwas aus. Carlsen hat doch genug Geld und er kennt sicher auch genug Wissenschaftler, die da saubere Statistiken erstellen können nach Carlsens Vorgaben. Wobei dann genau geschaut werden muss, dass die Vorgaben das Ergebnis nicht verfälschen. Dopingsünder werden ja auch in anderen Sportarten oft noch Jahre später geschnappt. Und auch in anderen Sportarten gibt es Indizienbeweise. Z.B. wurde Claudia Pechstein wegen zu vieler roter Blutkörperchen gesperrt.

Entweder es wird sauber gearbeitet, wobei sich Niemann auch verteidigen kann, oder es ist eine Hexenjagd. Das hat nichts mit Naivität zu tun.
oegenix oegenix 22.09.2022 09:29
Carlsen hat sich heute Morgen gemeldet, nachzulesen bei ntvNachrichten, und u.a. dem Manager von Niemann hervorragende Arbeit bescheinigt.
Buzzard Buzzard 22.09.2022 08:42
Matthias und Ellrond haben natürlich Recht. Wie naiv seid ihr eigentlich?
schachkwak schachkwak 22.09.2022 03:03
Trotzdem kann Carlsen natürlich auf vernünftige Weise auf das Thema Cheating aufmerksam machen. Aber sein derzeitiges Verhalten sorgt zwar für Schlagzeilen und damit eventuell sogar für Umsatz, aber das kann man eigentlich nicht akzeptieren.
schachkwak schachkwak 22.09.2022 02:58
Wie bei uns Patzern gecheatet wird, ist völlig uninteressant.

Und es ist noch etwas uninteressant. Solange Carlsen nichts Substantielles beiträgt, ist seine persönliche Meinung uninteressant. Es ist einfach unsportliches Verhalten und Wettbewerbsverzerrung und sollte sanktioniert werden. Er sollte vom laufenden Turnier gesperrt werden. Ich bin mir sicher, dass er sanktioniert werden muss, z.B. weil üble Nachrede gegen Fair Play verstößt.

Ich möchte das nicht genau recherchieren, habe auf Anhieb nur so etwas gefunden (also nichts):
https://www.lawinsport.com/topics/sports/olympic/item/defamation-in-sport-a-comparison-of-the-law-in-france-england-and-australia?category_id=179


Zu den Indizien gegen Hans Mocke Niemann:
Die mathematischen Modelle schwanken zwischen erdrückend und Freispruch. Der eine sagt, es gäbe keine statistischen Auffälligkeiten (1), der andere sagt, er spielt bei online übertragenen Turnieren deutlich besser (2).

Zu (1): Eventuell genügt es, wenige kritische Züge zu cheaten. Vermutlich ist häufig zu sehen, dass hier ein kritischer Zug oder eine kritische Zugfolge zu spielen ist. Danach kann ein 2500er wahrscheinlich viele Stellungen ganz genauso korrekt behandeln.

Zu (2): Eventuell kann man sich bei den übertragenen Turnieren auch viel besser vorbereiten (ohne dass ich es geckeckt habe, ob das andere zum großen Teil Open waren). Wir haben seine Vorbereitung gegen den Weltmeister gesehen. Dass danach das Adrenalin schwindet und/oder verrückt spielt, wenn man gerade den Weltmeister geschlagen hat, das sollte akzeptiert werden. Er möchte einerseits verschleiern, warum er die Variante kannte (Jan Gustavsson hat es erklärt) und andererseits spielen gerade die Hormone verrückt. Der Mann ist 19.

Ich habe hier jeweils ein Argument gegen (1) und (2) gebracht. Ich persönlich kann ohne weiteren Input keine Schlüsse ziehen.

Wie geschrieben: Ohne Substantielles muss Carlsen wegen unsportlichen Verhaltens vom Turnier gesperrt werden.
Naseweis Naseweis 21.09.2022 06:49
Als Amateur bin ich zweimal betrogen worden. In einem Fall wurde der Gegner in flagranti erwischt (habe dies aber nicht gemeldet an den Schiedsrichter! - weil ich nicht dessen junge ,,Karriere" zerstören wollte). In einem anderen Fall waren die Indizien erdrückend.
Beiden war gemeinsam, deren DWZ um 1200 & 1600: Beim Nachspielen am Rechner stellte ich fest, daß die Züge bis etwa zum 25 Zug jeweils zu 100% übereinstimmten mit dem Erstvorschlag (!!!) des Schachmoduls. Sowas leistet niemals ein Nichtprofi.
Tulipano Tulipano 21.09.2022 12:06
Wir alle wissen nicht, ob Hans M. Niemann bein Sinquefield Cup gegen den Weltmeister betrogen hat.
Vielleicht weiß Magnus Carlsen mehr. Oder er hat die arrogante Haltung "Wenn dieser Nobody gegen mich gewinnt, kann es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein".

Spätestes nach seiner Partieaufgabe beim Julius Baer Onlineturnier muss Carlsen Beweise vorlegen, finde ich.
Ansonsten wäre sein Verhalten ganz grob unsportlich und rufschädigend.
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 21.09.2022 11:50
Bei Carlsen sieht es so aus, als ob da jemand gegen seinen eigenen Bedeutungsverlust ankämpfen möchte. Er wähnt sich immer noch als Weltmeister, als der, der das Online Schach und das OTB Schach dominiert und geprägt hat, wie außer ihm nur Kasparov zu seiner Glanzzeit. Derzeit läuft im Online Schach nichts ohne Carlsen. Er ist der Macher, der dem die wichtigen Plattformen gehören wie Chessable, Chess24 und Chess.com. Er bezahlte mit seiner Firma die ganzen Preisgelder, lädt die Leute für diese Wettkämpfe ein und diktiert das finanzielle Geschehen, mit anderen Worten: ohne Carlsen gibt es kein Geld! Aber diese unausgesprochenen und unbewiesenen Anschuldigungen gegen Niemann sind ein schwerer Schlag gegen sein eigenes Renommee. Er greift damit nicht nur einen Menschen an, übt massiv psychischen Druck aus, sondern greift in die laufenden Wettbewerbe ein. Das ist an Selbstherrlichkeit nicht mehr zu toppen. Wenn er es ernst meinte, müsste er sämtliche Plattformen auffordern, Niemann auf alle Ewigkeit zu bannen, er müsste die Fide zwingen, Niemann von allen Wettbewerben auszuschließen. Ersteres könnte er ohne Problem durchsetzen, wie man am Beispiel von Chess.com gemerkt hat, aber auf die Fide hat er keinen Einfluss (mehr)! Und ich glaube, letzteres ist im Grunde das, was ihm allermeisten schmerzt - nichts gegen die Fide ausrichten zu können. Niemann könnte ihm schließlich egal sein, aber nicht mehr als der weltbeste Schachspieler zu gelten, das dürfte ihn am allermeisten schmerzen.
crizzy crizzy 21.09.2022 11:37
Mir mißgefällt diese Voreingenommenheit einiger gegen einen jungen Menschen. Für Jeden gilt die Unschuldsvermutung bis eine Schuld bewiesen ist. Wo sind Beweise?
Nun hat ein angesehener Experte wie Prof. Dr. Reagan (IM in jungen Jahren, promovierter Mathematiker, Berater der FIDE in Fragen von cheating) nach Analyse aller Partien von Niemand in den letzten zwei Jahren bestätigt, "dass es keinen Grund gibt, Niemann des Betrugs zu verdächtigen."
Harte Fakten!
In Erklärungsnot ist m.E. Magnus Carlsen, unser Noch-Weltmeister.
juechess3 juechess3 21.09.2022 10:37
Keine Beweise, keine Worte, eine Partie spektakulär aufgegeben. Starke Anklage von MC. Ich finde Hans Niemann nicht sympathisch, jedoch gefällt mir, daß er sich wehrt. Ganz abgesehen davon gilt die Unschuldsvermutung. Hier hilft kein "gesunder Menschenverstand" oder die beständige Beschuldigung weiter. Sollte Niemann ein Cheater sein, es sprechen etliche wohlfeile Argumente dafür, dann gilt jedoch weiterhin: ohne Beweise gibt es einen Freispruch. Nigel Davis weist darauf hin, wessen Aufgabe es ist: die Fide muß sich der Sache annehmen. Das Verhalten MCs ist unangemessen und darf so auch nicht im Raum stehen bleiben.
Arelius Arelius 21.09.2022 10:13
Dieser arrogante und unsportliche M. Carlsen sollte zukünftig von allen Turnieren ausgeschlossen werden, solange er keine klaren Beweise durch sein Handeln auf den Tisch legt.
boheme boheme 21.09.2022 09:33
Nahezu genauso schlimm wie das Betrügen ist es, jemanden fälschlicherweise des Betruges zu verdächtigen und damit seinen Ruf und ggf. die Karriere zu ruinieren. Es ist erschreckend, wie schnell das Schachvolk auf jemanden eindrischt, ohne dass es Beweise gibt. Nicht einmal erdrückende Indizien lassen sich erkennen. Nur die Beschuldigung eines durchdrehenden noch-Weltmeister namens Carlsen. Insgesamt wird in der Sache viel zu milde mit Carlsen umgegangen.
Ellrond Ellrond 21.09.2022 08:49
Es gibt einige "Anscheinsbeweise" die alle in dieselbe Richtung gehen, und es gibt keinen einzigen "Anscheinsbeweis" der in die andere Richtung geht. Wieviel Anscheinsbeweise genügen? In der Vergangenheit hat sich immer herausgestellt, wenn so viele Anscheinsbeweise in dieselbe Richtung gehen und keiner dagegen, dass es stimmte (TdF schlimmes Beispiel, Tour de France)

Und wir haben dieses "Punin Pattern" : Turbo in "some phase in some games with some engines". Dieses Pattern findet sich ausschließlich in übertragenen Partien. Es ist keine einzige nicht übertragene Partie von H.N. bekannt in der das Punin Pattern auftritt. Und das Punin Pattern tritt so nur bei H.N. auf. Für mich ist das eindeutig.
Ollip Ollip 21.09.2022 03:48
Den Psychterror, den Carlsen ausübt, ist menschenverachtend. Er nutzt seine Machtstellung im Top-Schach aus, um Niemann`s Ruf zu zerstören, weil er genau weiß, welche Auswirkungen sein Verhalten haben. Es gibt nicht den leisesten Beweis, dass Niemann beim Sinquefield Cup gegen ihn betrogen hat. Er nutzt dabei geschickt die Jugendsünden von Nieman aus.

Über seine Motive lässt er die ganze Schachwelt im unklaren. Wie feige ist das denn? Das lässt zwei Schlüsse zu: 1.Carlsen hat keine Beweise
2.das Ziel ist ausschließlich Nieman.

Auch wenn Niemann in manchen Augen ein unsympatischer, unangepasster Sonderling ist, so sind derartige böswillige Anfeingungen nicht zu entschuldigen. Fair geht anders!

Carlsen's Verhalten wird immer selbstherrlicher.
Es hat schon damit angefangen, dass er das WM-Match gegen Nepo abgelehnt hat und nur angetreten wäre wenn Firouza das Kandidatenturnier gewinnt.
Matthias Ruf Matthias Ruf 20.09.2022 09:27
Auf dem You-Tube Kanal des ukrainischen FM Andrii Punin mit Name Chess Fan MWP wird aufgezeigt, dass Niemann die ersten Empfehlungen von älteren Computerprogrammen wie Rybka und Stockfish 11 gespielt hat. Dazu bemerkte IM Atle Grønn in der Zeitung Dagbladet: In normalen Partien spielte der US-Amerikaner meist seinem Ranking entsprechend, in besonders wichtigen Partien(GM-Normen) spielte Niemann nahezu unglaublich präzise und über seinen Verhältnissen. Niemann spielte in manchen analysierten Partien reihenweise Computer-Züge am Stück und erlaubte sich keinen Fehler. Das ist schwer zu glauben - vor allem, da es sich um wichtige Spiele handelte, in denen der Druck auf den Youngster besonders groß war.

Magnus Carlsen gibt einfach beim Julius-Bär-Generationen-Cup nach dem ersten Zug auf, geht offline und gießt damit mehr Öl ins Feuer. Das ist jedoch nicht eine Hexenjagd, sondern ein starkes Statement gegen einen Cheater mit großem Mundwerk. Der Weltmeister ist sich wie sein norwegischer Landsmann sicher, dass es aus Schach-Perspektive nicht möglich ist, so zu spielen und die Wahrscheinlichkeit dafür gegen null geht, auch wenn viele Schachfans an das Gute im zweifachen Betrüger Hans Moke Niemann glauben. Auf The Zugzwang Blog gibt es ein YouTube-Video von Alexei Shirov mit schönen Partiebeispielen, die auf Computerzüge hindeuten. Es ist in Spanisch mit deutschen Untertiteln.
Kaje Kaje 20.09.2022 09:00
@gustav
Sie gehen da leider aber mit der Prämisse hinein, dass Niemann immer noch schummelt. Das ist aber nicht belegbar. Genauso gut kann es eben auch der Wahrheit entsprechen, dass Niemann eben nicht mehr geschummelt hat seit dem. Es ist ohnehin schon fragwürdig gewesen, dass er es zugegeben hat im Alter von 12 und 16 geschummelt zu haben. Er hätte auch einfach darüber schweigen können und wäre damit sogar dann durchgekommen. Jedenfalls sehe ich nicht wie das angeblich die Regan-Methode untergraben soll.

Interessant wäre es, wie bereits angemerkt, wenn Regan eben noch jene Jahre mit hinzu nimmt in denen Niemann geschummelt hat. Dann ließe sich sehr schnell und genau feststellen, ob die Regan-Methode funktioniert.
ChEdEm ChEdEm 20.09.2022 08:38
Ich habe mir die vollständigen Daten der Analysen angeschaut - und frage mich, was wohl ein minderwertiger Zug aus Sicht des verwendeten Computers sein soll. In einigen Partien gelten bereits die allerersten Züge als minderwertig. Daher auch die Frage, wie gut kann so eine Berechnung sein?
nudgegoonies nudgegoonies 20.09.2022 08:30
Wie hier schon mehrere geschrieben haben, es wurden nur die Partien der letzten zwei Jahre untersucht und keine aus dem Zeitraum, wo Hans cheating zugegeben hat.

Aber es wäre interessant gewesen, wenn die Partien von Hans im Alter von 12 und 16, wo er gecheatet hatte, auch analysiert worden wären. Denn da müssten ja Auffälligkeiten zu Tage treten, wenn die Methode korrekt ist. Quasi als Gegenbeweis, dass die Methode funktioniert.
clemming clemming 20.09.2022 07:47
ich glaube nicht, dass der doc ALLE partien von nieman bei chess.com, inklsv der partie, die nieman im alter von 12 jahre spielte, untersucht hat. es gibt keinen grund, diesem fundierten forscher nicht zu vertrauen.
Ziegelei Ziegelei 20.09.2022 07:32
Man muss IMMER RICHTIG LESEN! Es sind die Partien der LETZTEN ZWEI JAHRE untersucht worden und die BETRÜGERPARTIEN sind deutlich älter. D. h. seine Methode kann sehr wohl funktionieren!
Snaporaz02 Snaporaz02 20.09.2022 07:09
Sehr gut scheint die Methode von Dr. Regan ja nicht zu funktionieren, wenn er bei den online-Partien keinen Betrug feststellen konnte, obwohl Niemann ja zugeben musste, betrogen zu haben.
Es wäre für mich interessant, daß der Betreiber sagt, wie oft und wann Niemann betrogen hat, denn dieser möchte es ja so darstellen, daß das Jugendsünden im Alter von 12 oder 16 Jahren gewesen sein sollen und er jetzt aber ein ehrlicher Spieler ist.
DoktorM DoktorM 20.09.2022 06:31
Wenn ein Spieler betrügt und die Gegner gegen den einen oder anderen Computerzug spielen müssen, machen sie natürlich mehr Fehler als sonst. Irgendwelche statistischen Rechnungen entlarven einen Betrüger nicht so leicht wie viele denken. Es bringt auch nichts, alle Partien eines Betrügers zu analysieren. Ein Betrüger muss ja nicht bei allen Partien betrügen, auch nicht bei jedem Zug einer Partie. Wenn ein Spieler gut gespielt hat, seine Züge aber direkt nach der Partie nicht erklären kann, zu auf der Hand liegenden Alternativen gar nichts sagen kann, dann wird er sicherlich keine 2700 ELO haben. Ich habe es bereits vor Wochen geschrieben: Für Carlsen ist die Sache klar. Für mich dann auch.
rollinghills rollinghills 20.09.2022 05:39
Gruselig die Zeiten, wenn künstliche Intelligenz einmal menschliche Richter*innen ersetzen sollte. Sollten die Statistiken stimmen, die hier vor einigen Tagen im Artikel https://de.chessbase.com/post/neueste-entwicklungen-im-carlsen-niemann-schach-skandal veröffentlich wurden, ist ohnehin klar, dass Niemann mit gespaltener Zunge spricht. Wer einmal betrogen hat, dem glaubt man nicht mehr. Da liefert die Analyse von Dr. Regan keine neuen Erkentnisse.
gustav gustav 20.09.2022 05:37
Da Niemann zugegeben hat bei Chess.com geschummelt zu haben, Dr. Regan dort aber nichts ungewöhnliches festgestellt hat, kann man offensichtlich doch schummeln ohne dass es mit der Regan-Methode nachweisbar ist.
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