Das 9. Dubai Open

27.04.2007 – Für den westlichen Schachspieler, der am Open in Dubai teilnimmt, ist manches fremd. Das bleibt auch dann so, wenn man wie Andreas Albers schon zum vierten Mal am Dubai-Open teilnimmt. So muss man sich erst einmal daran gewöhnen, dass die Kreuze an den Schachkönigen abgesägt werden. Einfacher ist es da schon, wenn man das Motiv nur plakativ verwendet und das Kreuz des grafischen Vorbildes zur Scheibe verändert. Immerhin darf die Verwendung eines bekannten grafischen Motivs als Verbeugung vor westlicher Technologie gedeutet werden. Eine Reihe von starken Großmeistern fand auch dieses Mal wieder den Weg an den arabischen Golf. Nach fünf Runden dominieren die Spieler aus dem Kaukasus. Andreas Albers berichtet.Turnierseite... Statistiken...Mehr...

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Wenn die Gehirne von alleine kochen...
Das Dubai Open ist gestartet
Von Andreas Albers

Rk.   Name Rtg FED Pts.
1 GM Gelashvili Tamaz 2605 GEO 4,5
2 GM Guseinov Gadir 2586 AZE 4,5
3 GM Pantsulaia Levan 2616 GEO 4,0
4 IM Safarli Eltaj 2463 AZE 4,0
5 GM Sadvakasov Darmen 2618 KAZ 4,0
6 GM Anastasian Ashot 2552 ARM 4,0
7 FM Alavi Sayed Javad 2485 IRI 4,0
8 GM Sturua Zurab 2513 GEO 4,0
9 GM Megaranto Susanto 2530 INA 4,0
10 GM Kotanjian Tigran 2560 ARM 4,0

...
126 Spieler...

 

Mittlerweile schon die 9. Auflage des Scheich Rashid Bin Hamdan Al Makhtoum Cups lockte erneut 124 Spieler aus insgesamt 24 Ländern in die Vereinigten Arabischen Emirate, genauer in die Wirtschaftshauptstadt Dubai.

In diesem Jahr lief die Organisation vor dem Turnier etwas schleppend, Emails wurden spät oder gar nicht beantwortet, auf der Turnierhomepage war nichts zu finden. Aber da Andreas Albers dieses Turnier nun bereits zum 4. Mal mitspielt und die arabischen Gepflogenheiten kennt, fanden sich doch auch 3 deutsche Amateure ein. Meine Kollegen Rolf Sander und Exil-Hamburger Michael Klyzcz (wohnt mittlerweile in Oberhausen) sind noch ein wenig skeptisch, aber schon am Dubaier Flughafen stellt sich heraus, es ist wie in jedem Jahr alles perfekt organisiert. Vom Flughafen werden wir abgeholt und direkt ins Hotel gebracht.

Am nächsten morgen geht das Staunen los. Gegen 10 Uhr findet ein kleiner Empfang im Dubai Chess and Culture Club statt.

Der sensationellste Spielort der Welt

Diese Plakate findet man in der ganzen Stadt verteilt



Und hier ist das Motiv, Made in Germany, von dem sich der Künstler hat inspirieren lassen. Es ist der Startbildschirm von Fritz 7 bzw. des Fritzserver-Clients. Das Kreuz musste im islamischen Dubai verschwinden und wurde durch eine neutrale Scheibe ersetzt.


Das Foyer verschlägt einem auch im 4. Jahr den Atem


Der Vater des nun herrschenden Scheich bin Hamdan Al Makthoum

Leider gibt es wie in jedem Jahr ein paar kurzfristige Absagen. Manche Länder haben Probleme mit Visa (Armenien ist besonders betroffen, aber auch meine Freundin Shadi Paridar kann leider nicht kommen), manch anderer hat es sich doch anders überlegt.

Am Ende sind es doch an die 25 Großmeister und über die Hälfte der Teilnehmer tragen einen Titel.


Die Auslosung

Die Farbauslosung übernimmt die Iranische Nummer 1, GM Eshan Ghaem Maghami und die Großmeisterin und stärkste Frau im Feld, Humpy Koneru. Der Rundenbeginn um 17.30 Uhr verschiebt sich ein wenig, nicht etwa wegen zu später Anmeldungen, das ist alles organisiert. Nein, Scheich Rashid Bin Hamdan al Makhtoum (ein Sohn des Herrschers) selbst gibt sich die Ehre und eröffnet das Turnier.


Ansprache

Der Sprecher des Scheichs gegrüßt alle Spieler auf arabisch und heißt uns herzlich willkommen.

Die lokalen Würdenträger. In der Mitte, Neunationaltrainer, GM Edvins Kengis. Endlich ist es soweit, unter großem Blitzlichtgewitter führt der Scheich den ersten Zug für den Topgesetzten GM Jan Ehlvest (ehemals Estland, mittlerweise USA) aus.


Hoheitlich 1.d2-d4


GM Jan Ehlvest vor der ersten Runde


Sein Gegner, der U10 und U12 Weltmeister, FM Srinath Narayanan

Am Ende wird es ein klarer Sieg für den erfahrenen Großmeister, aber Srinath beweist in den nächsten Runden, dass er sicher einmal in die Fußstapfen seiner berühmten Landsmänner treten wird. Erst schlägt er in Runde zwei ganz leicht Rolf Sander und spielt sich wieder nach oben, zur Zeit notiert er bei 2,5/4.


Lehrstunde von dem indischen Supertalent.

Der Junge hatte nach seinem Duell mit Rolf nur eine Frage: "Are you Mister "Pawnsackre?" Kurze Verwirrung, aber dann erklärt er, dass er auf einem Internetserver cirka 50 Partien gegen diesen Spieler gespielt hat und die berühmten Hamburger Varianten der skandinavischen Verteidigung deswegen in- und auswendig kann.

Ravanche nimmt Rolf nach der Partie am Kickertisch.


Rolf gegen Srinath und Pavel Kotsurs Sohn


Großmeisterduell

Wenig später findet sich ein richtiges Großmeisterduell, bei dem keine Rede von Remisen ist: Tigran Petrosian und Pavel Kotsur gegen Darmen Sadvakasov und Eshan Ghaem Maghami.

Mir selbst beschert das Losglück nach einem iranischen Talent mit Elo 2370 die junge Inderin Nadig Kruttika.


Andreas Albers ist nervös

Eine deutliche Niederlage steht auf dem Papier und so finden sich alle Hamburger erst mal im Keller wieder.

Die große Heldin der ersten Runden ist hingegen Shirin Navabi aus dem Iran. 2,5/3 gegen Eloschnitt 2460 sind für jemanden mit Elo unter 2100 schon unfassbar.


Shirin Navabi hat einen Lauf

Zu den Favoriten zählen wie in jedem Jahr die starken Georgier, die immer mit der kompletten Nationalmannschaft anreisen.

Levan Pantsulaia ist auf jeden Fall einer der coolsten.

Und Tamaz Gelashvili einer der lustigsten Großmeister.

Ein Besonderheit im islamischen Schach sind die abgesägten Könige. Aufgrund religiöser Animositäten hat man den klassischen europäischen Königen einfach ihr Kreuz entfernt. Wir hoffen, dass es nun in keiner Zeitnot zu Verwechslungen zwischen König und Dame kommt.

Wozu braucht der König ein Kreuz?

Nach der Runde geht es für uns wieder zurück in die Stadt, in der es eigentlich pausenlos brummt.


Jede Menge Verkehr

Michael Klyzcz wohnt zum Glück direkt am Creek und so liegt es nahe, dass wir eine der kleinen Touren mit dem Flusstaxi machen.


Auch auf dem Wasser ist was los.


Umgerechnet 25 Cent kostet eine Fahrt auf die andere Seite.

Drüben angekommen landen wir direkt in einem der alten Märkte. Im Gegensatz zur City wird man hier noch basarmäßig angesprochen und ein wenig bedrängt: "Do you want a copy of Rolex?" Wenigstens sind sie ehrlich.


Die alten Märkte

Bei 35 Grad im Schatten ist es wichtig viel zu trinken, zum Glück gibt es überall komisch aussehende, aber sehr gute kleine Imbissbuden.

 

Ein wenig weiter den Creek entlang entdecken wir:


Das alte Herrscherhaus, das nun ein Museum ist

Ein dicklicher Mann, der nicht so gerne fotografiert werden möchte (was durchaus üblich im arabischen Raum ist), führt uns durch die Räume.


So wurde früher in Dubai gelebt, allerdings ohne den Plasmabildschirm


Heute sieht man kaum noch solche Gebäude



Das ist auch anders geworden. Mittlerweile wird keine körperliche Arbeit mehr von den Arabern selber gemacht. Dafür holt man haufenweise Gastarbeiter aus Indien oder Pakistan.

Es ist heiß am Mittag und so machen wir uns lieber wieder auf den Weg zum Hotel, vorbei an Hunderten von Souveniershops und seltsam anmutenden Werbeplakaten:


Hmmm?

Es ist ein wenig wie nach Hause zu kommen hier, großes Wiedersehen mit allen Freunden und dazu natürlich das traumhafte Wetter. Wir melden uns wieder in den nächsten Tagen.


Dubaikorrespondent Andreas Albers verschafft sich im Shirt des WM-Dritten Respekt


Nach 0:6 war Krisensitzung im deutschen Lager, dann ging es langsam bergauf.

 

 

 


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