Dato Arthur Tan Malaysia Open 2004

26.08.2004 – Malaysia ist ein Schmelztiegel von Völkern verschiedener Herkunft. Inder, Chinesen und Malayen leben hier zusammen. Die ehemalige Bergarbeiterstadt Kuala Lumpur hat sich zur Hauptstadt des Landes entwickelt und ist nicht nur Architekturfreunden durch die Petronas Twin-Tower bekannt, das zur Zeit noch offiziell höchste Gebäude der Welt (452 Meter. Wird in Kürze durch das Taipei Financial Center abgelöst, 502 Meter). Der August ist ein besonderer Monat: Die Chinesen feiern ihr "Hungry Ghost"-Festival, der 31. August ist zudem der Jahrestag der Unabhängigkeit. Schach spielt in diesem Monat aber auch eine große Rolle. Edwin Lahm (Foto) berichtet aus Malaysia. Mehr...

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1. Dato Arthur Tan Malaysia Open 2004
Najdorf-Syndrom, hungrige Spieler und das Geheimnis des Philippinos...

Der August ist für die Menschen in Malysia ein besonderer Monat, denn am 31.August feiern wir den Nationaltag. Auch in diesem Jahr werden wieder alle zusammen stehen und mit einer Stimme und einer farbenfrohen Parade im Herzen Kuala Lumpurs den 47sten Jahrestag  der Unabhängigkeit begehen. Jung und alt kommen zusammen und zeigen mit kleinen Flaggen Malaysias an den Antennen ihrer Autos und auf deren Dächern ihre nationale Verbundenheit. Das Ganze ist ein großer Straßenkarneval.

Im August findet hier aber auch der Sommerschlussverkauf statt,
Malaysian Mega Sale carnival genannt, ähnlich wie der The Great Singapore Sale’ in Singapur. In dieser Zeit sind die Einwohner ebenso auf Schnäppchenjagd nach günstigen Designersachen wie zahlreiche Touristen aus aus Europa, Ozeanien, Japan und dem Mittleren Osten, die sich hier auf Einkaufsferien aufhalten. Selbst wenn sie Schnäppchen finden, ist es immer noch viel billiger als bei ihnen zu Hause. Das gilt besonders für Japan.

Für die kulturell interessierten Chinesen hier in Malaysia steht der August für das "Hungry Ghost festival". Dieses wird von der chinesischen Gemeinde in der ganzen Welt gefeiert um im siebten Monat des Chinesischen Mondkalenders die Toten zu ehren.

Außerdem ist der August auch als Schachmonat bekannt, denn seit vielen Jahren wird Ende des Monats das Merdeka Mannschaftsschachturnier ausgetragen und mit ihm wird Kuala Lumpur zum Treffpunkt der Schachspieler Malaysias und auch von Spielern aus Indonesien und Singapur, die ebenfalls zu dieser Zeit vorbei schauen.

Malaysia Open 2004…

Insgesamt 111 Spieler trugen sich in die Startlisten des Malysia Opens ein. Die erste Runde brachte keine Überraschungen, denn die Topspieler konnten sich allesamt durchsetzen. Einige kleinere Überraschungen gab es aber doch. So für GM Yu Shaoteng, der gegen den Vietnamesen Nguyen Viet Chung nur remisierte, oder für IM Nelson Mariano, der gegen FM Johan Iskandar aus Malaysia unentschieden spielte.

In der zweiten Runde gab es gute Nachrichten für die Spieler aus Malysia, denn der viel versprechende FM Lim Yee Weng hielt remis gegen den vietnamesischen GM Nguyen Anh Dung. Weitere Hig´hlights waren:

GM Ian Rogers – Le Quang Liem 1-0
IM Jimmy Liew – GM Dao Thien Hai  0-1
GM Ni Hua – FM Nicholas Chan 1-0

Eine kleine Sensation ereignete sich in Runde Drei, als die chinesische WGM Xu Yuanyuan ihren männlichen GM-Kollegen aus Vietnam Dao Thien Hai mit einer hübschen Kombination zur Strecke brachte. WGM Wang Yu schaffte zudem ein remis gegen den Mitfavoriten GM Alexei Barsov mit den schwarzen Steinen.

In Runde vier begann der Kampf der Schwergewichte. GM Ian Rogers traf auf GM Rogelio Antonio und GM Ni Hua spielte gegen WGM Xu Yuhua.


Ian Rogers


Antonio Rogelio


Ni Hua


Xu Yuhua

Die erste Partie endete remis, die zweite gewann Ni Hua, der damit die Führung übernahm.

Nach vier Runden sieht es an der Spitze so aus:

GM Ni Hua                 4.0 points
GM Ian Rogers             3.5 points 
GM Nguyen anh Dung        3.5 points
GM Rogelio Antonio        3.5 points
IM Denny Juswanto         3.5 points
IM Nelson Mariano         3.5 points
FM Irwanto Sadikin        3.5 points
IM Gokhale Chandrashekhar 3.5 points

Diesen Spielern im Nacken sitzen GM Dao Thien Hai, GM Alexei Barsov, GM Yu Shaoteng, WGM Xu Yuhua, WGM Xu Yuanyuan, IM Colm Daly und Lokalmatador IM Jimmy Liew, alle haben drei Punkte.

Ich habe drei Partien ausgewählt, die besonders spektakulär waren. Beobachter erzählen, dass GM Dao vom Ende der Partie ziemlich überrascht wurde.

GM Dao Thien Hai - WGM Xu,Yuanyuan [D18]
Table 02 (3), 22.08.2004
1.d4 d5 2.c4 c6 3.Nf3 Nf6 4.Nc3 dxc4 5.a4 Bf5 6.e3 e6 7.Bxc4 Bb4 8.0�0 Nbd7 9.Qe2 Bg6 10.Rd1 0�0 11.Ne5 Nxe5 12.dxe5 Nd7 13.e4 Qc7 14.f4 Nc5 15.g4 Bxc3 16.bxc3 Nxe4 17.Qf3 Rfd8 18.Rxd8+ Rxd8 19.f5 exf5 20.gxf5 Qxe5 21.fxg6 Qc5+ 22.Be3 Qxc4 23.gxf7+ Kf8 24.Rb1 Rd6 25.Rb4 Rg6+ 26.Kh1 Nf2+ 0
-1

GM Antonio Rogelio - IM Dede Lioe [B22]
Table 04 (3), 22.08.2004
1.e4 c5 2.c3 d6 3.d4 Nf6 4.Bd3 g6 5.e5 dxe5 6.dxe5 Ng4 7.Bb5+ Nc6 8.Qxd8+ Kxd8 9.Bxc6 bxc6 10.f4 f6 11.h3 Nh6 12.Be3 fxe5 13.fxe5 Nf7 14.Nf3 Bg7 15.Nbd2 Nxe5 16.Nxe5 Bxe5 17.0�0�0 Kc7 18.Nc4 Bd6 19.Nxd6 exd6 20.Bf4 Kb6 21.Rhe1 a5 22.Bxd6 c4 23.Re7 Bf5 24.Bc7+ Ka6 25.Rde1 Kb5 26.g4 Bd3 27.R1e5+ c5 28.R7e6 Ra6 29.a4+ 1
-0

IM Mas Hafizulhelmi - WFM Siti, Zulaika [C26]
Table 15 (3), 22.08.2004
1.e4 e5 2.Nc3 Nf6 3.g3 Nc6 4.Bg2 Bc5 5.d3 h6 6.h3 a6 7.Nge2 d6 8.0�0 Be6 9.Nd5 0�0 10.c3 Bxd5 11.exd5 Ne7 12.Qb3 Bb6 13.a4 a5 14.Rd1 Nf5 15.d4 exd4 16.Nxd4 Nxd4 17.cxd4 Re8 18.Qd3 Qd7 19.Bd2 Re7 20.Kh2 Rae8 21.Be1 Ne4 22.b4 axb4 23.a5 Ba7 24.Rab1 c5 25.dxc6 Qxc6 26.Bxb4 Qd7 27.Rb2 f5 28.Qb3+ Kh8 29.Ba3 f4 30.g4 Rf7 31.Bf1 Rc8 32.Bc4 Re7 33.Rd3 Qc7 34.Bd5 Qxa5 35.Bb4 Qc7 36.Qa3 Bb8 37.Rf3 Rce8 38.Ba5 Qc8 39.Kg2 g5 40.Rfb3 Nf6 41.Bxb7 Qe6 42.Bc6 Ba7 43.Bxe8 Qe4+ 44.Rf3 Nxe8 45.Qd3 Qxd4 46.Bc3 1
-0

Zum Nachspielen...

Den Atmen anhalten... 

Wenn man durch die Turnierhalle geht, kann man die ungeheure Konzentration und Anspannung der Spieler beobachten. Manche sind so intensiv mit ihrer Partie beschäftigt, dass sie Stunden lang still sitzen wie eine Sphinx und nur mal kurz aufsehen, um zur Toilette zu gehen. Botvinnik hätte das geschätzt, aber nicht jeder kann das.

FM Mok Tze Meng aus Malysia z.B. bummelt gelegentlich in der Halle herum, wenn sein Gegner am Zug ist. Ich würde das das 'Najdorf-Syndrom' nennen, nach dem bekannten argentinischen Spieler, der auch während seiner Partien sehr kommunikativ war und unruhig umher schritt.

Hungrige Spieler...

Egal ob konzentriert und ruhig oder nervös und kommunikativ, unabhängig von diesem Verhalten kann man bei den Spielern noch verschiedene andere Mittel und Mätzchen beobachten, um sich vier Stunden hoch konzentriert zu halten. Dabei sind Süßigkeiten und Kaugummi die am meisten verbreiteten "Methoden" zur Vermeidung von Kriegsmüdigkeit. Kaugummi ist ja als Stress-Buster allgemein anerkannt. Natürlich mampfen einige Spieler während der Partien auch richtige Snacks oder knabbern an Schokolade.

Das Geheimnis der Philippinen...

Eine Sache ist mir hier aufgefallen, und zwar eine Geheimwaffe der Philippinos. Es ist sicher kein Zufall, dass GM Rogelio, IM Nelson Mariano, Rolando Yutuc and sogar Florencio Campomanes während ihrer Partien die Angewohnheit haben auf "Doppledecker"-Stühlen zu sitzen. Falls Sie nicht wissen, was ich meine, dann schauen sie sich mal das Foto mit GM Rogelio an.


Doppeldecker-Stuhl

Die Philippinos sind gut unterwegs beim Turnier und ich vermute die Doppeldecker-Waffe wurde ihnen von ihreren Zauberern empfohlen. Beim nächsten Turnier probiere ich das auch mal aus. Ciao!

Edwin Lam Choong Wai

 

Über den Autor:



Edwin Lam Choong Wai ist begeisterter Schachliebhaber, nur leider ohne Talent, selber erfolgreich zu spielen. Wenn immer möglich, widmet er seine Zeit dem Schach und seit einigen Jahren Artikel über Turniere, meist für das philippinische Magazin Chess Asia. Hauptberuflich arbeitet Edwin Lam  in einer Werbeagentur.
 

 

 

 

 

 

 

 


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