Die Ethikkommission der FIDE verhängt sechsmonatiges Spielverbot für Karjakin

von ChessBase
21.03.2022 – Als Reaktion auf die öffentlichen Äußerungen von Sergey Karjakin über den Krieg in der Ukraine hat die FIDE und die Ethik- und Disziplinarkommission Karjakin mit Wirkung vom 21. März 2022 für sechs Monate "von der Teilnahme als Spieler an FIDE-gewerteten Schachwettkämpfen". Daher wird Karjakin nicht am Kandidatenturnier teilnehmen können, das vom 16. Juni bis zum 7. Juli in Madrid, Spanien, stattfinden wird. Großmeister Sergei Shipov, der regelmäßig als Kommentator tätig ist, wurde von der FIDE wegen seiner Äußerungen über den Krieg nicht gesperrt, weil "Sergei Shipov im Vergleich zu Sergey Karjakin wesentlich weniger bekannt ist und daher eine weniger starke Plattform hat." | Bild: Sergey Karjakin, Sergei Shipov | Bild: FIDE

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FIDE Pressemitteilung, 21. März 2022

Die FIDE-Ethik- und Disziplinarkommission (EDC) hat ein Urteil im Fall 2/2022 gefällt, in dem es um öffentliche Äußerungen der Großmeister Sergey Karjakin (FIDE-ID 14109603) und Sergei Shipov (FIDE-ID 4113624) geht.

Die EDC-Kammer erster Instanz, die aus Yolander Persaud (Guyana), Ravindra Dongre (Indien) und Johan Sigeman (Schweden) als Vorsitzendem besteht, beschloss einstimmig Folgendes:

Sergey Karjakin wird des Verstoßes gegen Artikel 2.2.10 des FIDE-Ethikkodexes für schuldig befunden und mit einer weltweiten Sperre von sechs Monaten für die Teilnahme an FIDE-gewerteten Schachwettkämpfen ab dem Datum dieser Entscheidung, dem 21. März 2022, bestraft.

Sergei Shipov wird des Verstoßes gegen Artikel 2.2.10 des FIDE-Ethikkodexes für nicht schuldig befunden.

Der Artikel 2.2.10 des Ethikkodex lautet wie folgt:

"(...) Disziplinarmaßnahmen in Übereinstimmung mit diesem Ethikkodex werden in Fällen von Vorkommnissen ergriffen, die das Schachspiel, die FIDE oder ihre Verbände in einem ungerechtfertigten ungünstigen Licht erscheinen lassen und auf diese Weise ihren Ruf schädigen."

"Die Äußerungen von Sergey Karjakin zum laufenden militärischen Konflikt in der Ukraine haben zu einer beträchtlichen Anzahl von Reaktionen in den sozialen Medien und anderswo geführt, die größtenteils negativ gegenüber den von Sergey Karjakin geäußerten Meinungen waren", heißt es in Punkt 7.37 des 10-seitigen Dokuments, in dem die EDC die Gründe und den rechtlichen Hintergrund für ihre Entscheidung erläutert.

Weiter heißt es: "Eine notwendige Voraussetzung für die Feststellung der Schuld ist, dass die Äußerungen an die Öffentlichkeit gelangt sind. Dieser Begriff bezieht sich bei den Verrufsklauseln im Sport nicht auf die Weltöffentlichkeit, sondern auf die Sportart, die der Beschuldigte ausübt, wie z. B. Schach. Informationen über das Verhalten des Angeklagten, die nicht in den Medien veröffentlicht werden, aber von Personen, die in der Schachwelt oder einem relevanten Teil davon tätig sind, ohne großen Aufwand in Erfahrung gebracht werden können, sind allgemein bekannt und erfüllen das Element der öffentlichen Bloßstellung. Die EDC-Kammer ist überzeugt, dass diese Bedingung in diesem Fall erfüllt ist."

"Die EDC-Kammer ist vor dem oben genannten Hintergrund zu der Überzeugung gelangt, dass die Äußerungen von Sergey Karjakin, die durch seine eigene Wahl und Darstellung mit dem Schachspiel in Verbindung gebracht werden können, den Ruf des Schachspiels und/oder der FIDE schädigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Äußerungen das Ansehen von Sergey Karjakin persönlich schädigen, ist ebenfalls beträchtlich", heißt es abschließend.

Die Kammer begründet ihre Entscheidung, Sergei Shipov nicht zu sanktionieren, mit folgendem Argument: "Im Vergleich zu Sergey Karjakin ist Sergei Shipov wesentlich weniger bekannt und hat daher eine weniger starke Plattform. Die Äußerungen von Sergei Shipov haben auch einen etwas anderen und weniger provokativen Charakter als die von Karjakin. Bei einer Gesamtbewertung der potenziellen negativen Auswirkungen auf das Schachspiel und/oder die FIDE ist die EDC-Kammer nicht hinreichend davon überzeugt, dass die Äußerungen von Sergei Shipov als Verstoß gegen Artikel 2.2.10 zu werten sind."

Sergey Karjakin wurde von der EDC darauf hingewiesen, dass gegen diese Entscheidung bei der Berufungskammer der EDC Berufung eingelegt werden kann, indem innerhalb von 21 Tagen nach Erhalt dieser Entscheidung beim FIDE-Sekretariat eine schriftliche Berufungsmitteilung eingereicht wird. In der Beschwerdeschrift müssen alle Gründe für die Beschwerde klar angegeben werden. Wird dieses Recht nicht ordnungsgemäß ausgeübt, so wird die Entscheidung der EDC-Kammer endgültig.

Mitteilung bei der FIDE


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