Die Ethikkommission der FIDE verhängt sechsmonatiges Spielverbot für Karjakin

von ChessBase
21.03.2022 – Als Reaktion auf die öffentlichen Äußerungen von Sergey Karjakin über den Krieg in der Ukraine hat die FIDE und die Ethik- und Disziplinarkommission Karjakin mit Wirkung vom 21. März 2022 für sechs Monate "von der Teilnahme als Spieler an FIDE-gewerteten Schachwettkämpfen". Daher wird Karjakin nicht am Kandidatenturnier teilnehmen können, das vom 16. Juni bis zum 7. Juli in Madrid, Spanien, stattfinden wird. Großmeister Sergei Shipov, der regelmäßig als Kommentator tätig ist, wurde von der FIDE wegen seiner Äußerungen über den Krieg nicht gesperrt, weil "Sergei Shipov im Vergleich zu Sergey Karjakin wesentlich weniger bekannt ist und daher eine weniger starke Plattform hat." | Bild: Sergey Karjakin, Sergei Shipov | Bild: FIDE

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FIDE Pressemitteilung, 21. März 2022

Die FIDE-Ethik- und Disziplinarkommission (EDC) hat ein Urteil im Fall 2/2022 gefällt, in dem es um öffentliche Äußerungen der Großmeister Sergey Karjakin (FIDE-ID 14109603) und Sergei Shipov (FIDE-ID 4113624) geht.

Die EDC-Kammer erster Instanz, die aus Yolander Persaud (Guyana), Ravindra Dongre (Indien) und Johan Sigeman (Schweden) als Vorsitzendem besteht, beschloss einstimmig Folgendes:

Sergey Karjakin wird des Verstoßes gegen Artikel 2.2.10 des FIDE-Ethikkodexes für schuldig befunden und mit einer weltweiten Sperre von sechs Monaten für die Teilnahme an FIDE-gewerteten Schachwettkämpfen ab dem Datum dieser Entscheidung, dem 21. März 2022, bestraft.

Sergei Shipov wird des Verstoßes gegen Artikel 2.2.10 des FIDE-Ethikkodexes für nicht schuldig befunden.

Der Artikel 2.2.10 des Ethikkodex lautet wie folgt:

"(...) Disziplinarmaßnahmen in Übereinstimmung mit diesem Ethikkodex werden in Fällen von Vorkommnissen ergriffen, die das Schachspiel, die FIDE oder ihre Verbände in einem ungerechtfertigten ungünstigen Licht erscheinen lassen und auf diese Weise ihren Ruf schädigen."

"Die Äußerungen von Sergey Karjakin zum laufenden militärischen Konflikt in der Ukraine haben zu einer beträchtlichen Anzahl von Reaktionen in den sozialen Medien und anderswo geführt, die größtenteils negativ gegenüber den von Sergey Karjakin geäußerten Meinungen waren", heißt es in Punkt 7.37 des 10-seitigen Dokuments, in dem die EDC die Gründe und den rechtlichen Hintergrund für ihre Entscheidung erläutert.

Weiter heißt es: "Eine notwendige Voraussetzung für die Feststellung der Schuld ist, dass die Äußerungen an die Öffentlichkeit gelangt sind. Dieser Begriff bezieht sich bei den Verrufsklauseln im Sport nicht auf die Weltöffentlichkeit, sondern auf die Sportart, die der Beschuldigte ausübt, wie z. B. Schach. Informationen über das Verhalten des Angeklagten, die nicht in den Medien veröffentlicht werden, aber von Personen, die in der Schachwelt oder einem relevanten Teil davon tätig sind, ohne großen Aufwand in Erfahrung gebracht werden können, sind allgemein bekannt und erfüllen das Element der öffentlichen Bloßstellung. Die EDC-Kammer ist überzeugt, dass diese Bedingung in diesem Fall erfüllt ist."

"Die EDC-Kammer ist vor dem oben genannten Hintergrund zu der Überzeugung gelangt, dass die Äußerungen von Sergey Karjakin, die durch seine eigene Wahl und Darstellung mit dem Schachspiel in Verbindung gebracht werden können, den Ruf des Schachspiels und/oder der FIDE schädigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Äußerungen das Ansehen von Sergey Karjakin persönlich schädigen, ist ebenfalls beträchtlich", heißt es abschließend.

Die Kammer begründet ihre Entscheidung, Sergei Shipov nicht zu sanktionieren, mit folgendem Argument: "Im Vergleich zu Sergey Karjakin ist Sergei Shipov wesentlich weniger bekannt und hat daher eine weniger starke Plattform. Die Äußerungen von Sergei Shipov haben auch einen etwas anderen und weniger provokativen Charakter als die von Karjakin. Bei einer Gesamtbewertung der potenziellen negativen Auswirkungen auf das Schachspiel und/oder die FIDE ist die EDC-Kammer nicht hinreichend davon überzeugt, dass die Äußerungen von Sergei Shipov als Verstoß gegen Artikel 2.2.10 zu werten sind."

Sergey Karjakin wurde von der EDC darauf hingewiesen, dass gegen diese Entscheidung bei der Berufungskammer der EDC Berufung eingelegt werden kann, indem innerhalb von 21 Tagen nach Erhalt dieser Entscheidung beim FIDE-Sekretariat eine schriftliche Berufungsmitteilung eingereicht wird. In der Beschwerdeschrift müssen alle Gründe für die Beschwerde klar angegeben werden. Wird dieses Recht nicht ordnungsgemäß ausgeübt, so wird die Entscheidung der EDC-Kammer endgültig.

Mitteilung bei der FIDE


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oegenix oegenix 01.04.2022 11:22
@vucko
Es ist ein Missverständnis, dass jede Meinungsäußerung erlaubt ist. In Deutschland ist z.B. die öffentliche Billigung von schweren Straftaten unter bestimmten Voraussetzungen sogar unter Strafe gestellt. Zu diesen schweren Straftaten gehören auch Kriegsverbrechen. Karjakin hat einen Krieg verteidigt, in dem mit großer Wahrscheinlichkeit von russischer (vermutlich auch ukrainischer) Seite Kriegsverbrechen begangen werden.
Ich finde es schade, dass die Fide Karjakin nicht vorgeladen, entsprechende Fragen gestellt und ihm Gelegenheit gegeben hat, seine Auffassung zu rechtfertigen. Ich bin sicher, danach hätte sich niemand mehr gefunden, der Karjakin verteidigt hätte.
vucko vucko 27.03.2022 01:45
Twitter ist sowas wie die speakers' corner der Welt. Niemand zwingt niemanden Karjakin dort zu folgen und seine Ergüsse zu lesen. War übrigens auch gegen die Sperre von Trump, obwohl ich seine Politik ablehnte.
vucko vucko 27.03.2022 01:43
@Silvio Z: Befürworte Karjakins Gedankengut nicht, aber sein Recht zu äußern, was immer er will. Wenn wir jeden Bekloppten Fanatiker vom Spielbetrieb ausgeschlossen hätten, wäre die Schachgeschichte um zahlreiche interessante Partien ärmer. Seine Sperre halte ich für kontraproduktiv, weil sie Wasser auf seine Mühlen ist: "Schaut her! Diese Nazis haben mir ein Berufsverbot erteilt." Ich denke, dass sich das Problem von ganz alleine gelöst hätte. Man hätte ihn auch ohne Sperre zu keinem Turnier mehr eingeladen, um keinem ukrainischen Spieler zuzumuten, ihm gegenüber zu sitzen. Außerdem ist er Mitglied in irgendeiner Volkskammer Russlands. Auch dadurch hätte man ihn, als offiziellen Vertreter der russischen Politik mit einem Einreise-Bann belegen können.

Aber einen Spieler für irgendwelche Tweets vom Spielbetrieb auszuschließen, schafft einen gefährlichen Präzedenzfall.

Vučko war übrigens das Maskottchen der Olympischen Spiele in Sarajevo, diese wurden nach den Boykotts der Spiele im Moskau und L. A. bewußt im blockfreien Jugoslawien veranstaltet, damit kein weiterer Boykott stattfindet und der Sport nicht unter der Politik leidet.

@Nosferatu: in Deutschland gibt es nur die Meinungsfreiheit, in England freedom of speech. Schau Dir bei YouTube mal Videos von der speakers' corner an. Dort sagen alle Arten von Fanatikern alles Mögliche, wofür sie in Deutschland sofort angeklagt würden. Denke, dass es in England weniger Verständnis für den Ausschluss Karjakins gibt, als in Deutschland.
Nosferatu Nosferatu 26.03.2022 10:31
Für eine Handvoll Banditen-Regime sozusagen Minderheitenrechte einfordern wollen ... in geradezu hündischer Ergebenheit veröffentlichte Huldigungen eines Menschenschlächters nebst Verhöhnung dessen Opfer als Meinungsäußerung zu verstehen ... ... da hilft eine 'Aufklärung' auch nicht mehr.
vucko vucko 26.03.2022 08:30
@Nosferatu: ...und ab welchem Mehrheitsverhältnis darf man Vertretern der Minderheit wegen einer Meinungsäußerung eine Berufsverbot erteilen? Bitte klären Sie mich auf...
Nosferatu Nosferatu 26.03.2022 01:40
Es gibt eine Sicht der Dinge von einigen wenigen Banditen-Regimen (Russland, Belarus, Syrien, Nordkorea und Eritrea) ... (k)eine von ca. 35 Staaten, bei denen offensichtlich das 1-Hirn-Konzept für eine angemessene Entscheidung ebenfalls ;-) nicht hinreichend ist ... und eine Sicht der Dinge von 141 Staaten (zozusagen dem Rest ;-) der Welt). Letztere (Sicht der Dinge) als 'westlich' zu propagieren gehört zum Narrativ der Banditen-Regime.
Silvio Z Silvio Z 26.03.2022 01:46
@vucko

Nicht nur dein letzter Satz war nicht präzise genug. Du verwechselst hier einiges. Und der Eintopf den du hier kochst, wird allmählich ungenießbar.

Nimm bitte zur Kenntnis: Niemand verbietet Schachspielern politische Aussagen. Im Falle Karjakin ist es einfach so, dass er für seine Aussagen zur Rechenschaft gezogen wurde.

Und weißt du, was Doppelmoral ist? : In deinem zweiten Posting verurteilst du den Ukrainekrieg, aber führst dich hier die ganze Zeit als Karjakin-Anwalt auf. Man kann nicht einerseits einen Krieg auf das schärfste verurteilen, aber andererseits sich zum Fürsprecher von Karjakin machen, der genau diesen Krieg auf das schärfste befürwortet.

Das ist Doppelmoral! Oder leidest du unter Schizophrenie? Man kann nicht Friedensengel sein und gleichzeitig neofaschistisches Gedankengut befürworten.
vucko vucko 25.03.2022 10:07
@Ingo Althöfer: Stimme zu, dass mein letzter Satz nicht präzise genug war, wollte nicht polemisieren, sondern nur eine kurze Formulierung wählen, die den Nagel zugegebenermaße nicht auf den Kopf traf. Was ich meinte, ist ein Verband, der eine westliche Sicht der Dinge repräsentiert. Was mich aufregt, ist dass Sergey Karjakin, wenn man der Logik der Ethikkommission folgt, schon seit Jahren permanent gesperrt worden sein müsste. Er hat die Annektion der Krim gefeiert, Putin unterstützt, obwohl dieser in halb Europa Opositionelle vergiften und erschießen ließ usw. Jetzt ist in weltweit anscheinend eine Art Hexenjagdstimmung gegen alles pro-russische entstanden, der diese aktuelle Entscheidung der FIDE wohl geschuldet ist. Die FIDE ist sich andererseits nicht zu schade Turniere und sogar Weltmeisterschaften in Ländern zu veranstalten, die die Menschenrechte mit Füßen treten. Diese Doppelmoral geht mir gegen den Strich. Wenn man Schachspielern politische Aussagen verbieten möchte, dann bitte komplett und nicht selektiv.
Silvio Z Silvio Z 25.03.2022 08:33
@vucko
Dann sei bitte so konsequent, dich in Kreml-vucko oder Karjakin-vucko umzubenennen.
Krennwurzn Krennwurzn 25.03.2022 10:08
Krieg ist ein Verbrechen!
Und Verbrechen sollte geächtet werden und nicht bejubelt!
flachspieler flachspieler 25.03.2022 09:00
@ vucko: Mit den meisten Ihrer Sätze im letzten Posting stimme ich überein. Aber Ihr letzter Satz ist unsinnig und schüttet nur unnötig Öl ins Feuer. Die entscheidende Instanz des FIDE-Ethik-Kommission besteht aus Yolander Persaud (Guyana), Ravindra Dongre (Indien) und Johan Sigeman (Schweden).

Weder Guyana noch Indien noch Schweden sind NATO-Länder. "NATO-Schachbund" trifft es also überhaupt nicht.

Ingo Althöfer.
vucko vucko 25.03.2022 03:19
Die westliche Presse macht es such zu einfach, diesen Krieg als "Putins Privatkrieg" darzustellen. Es ist keine Propaganda, dass seit 2014 im Donbass auch zahlreiche Kriegsverbrechen von ukrainischen nationalistischen Freikorps verübt wurden. Das hat in Russland zu viel Hass geführt, der sich jetzt auf eine bestialische und indiskutable Weise entlädt. Ich möchte bestimmt keine Lanze für Putin brechen und den Beschuss von Zivilisten in irgendeiner Weise relativieren. Aber es gibt in der Realität nicht nur Schwarz und Weiß, wie auf dem Schachbrett. Karjakin vertritt die russische Sicht der Dinge. Das ist sein Recht und hat absolut nichts mit Schach zu tun. Wenn er deswegen gesperrt wird, sollte der "Weltschachbund" wenigstens so konsequent sein und sich in "NATO-Schachbund" umbenennen.
Tischka Tischka 24.03.2022 11:48
Meine Verwandten und meine Freunde kämpfen seit einem Monat in Charkiw und Kiew ums nackte Überleben. In Mariupol werden Menschen direkt auf Kinderspielplätzen zwischen den zerbombten Wohnblöcken begraben. In vielen ukrainischen Städten würde Karjakin deutlich stärker "bestraft" werden. In meinen Augen soll er sich glücklich schätzen, dass er erstmal so glimpfig davon gekommen ist.

Oleg Boguslawski
Monxxta Monxxta 23.03.2022 03:28
Bezüglich @Friedrich Volkmann kann ich michanizm's "Voltaire würde sich im Grabe umdrehen..." nur voll zustimmen. Hier Meinungsfreiheit für Karjakin einzufordern ohne auch nur mit einem Wort darauf einzugehen, dass mittlerweile in Russland 15 Jahre Lager drohen, wenn man mit einem Schild mit GAR nichts drauf auf die Straße geht, ist schändlich.
Im übrigen hat das Voltaire zugeschriebene Zitat eindeutig seine Grenzen, welche durch das Toleranz-Paradox aufgezeigt werden, bei dem nach Popper uneingeschränkte Toleranz unausweichlich zum Verschwinden der Toleranz führt. Ein Blick in die deutsche Geschichte zeigt, wohin Toleranz der Intoleranten führen kann.

Ich toleriere Karjakins Aussagen nicht. Sie sind keine Meinungen sondern feiern die Bombardierung von Kindergärten, Krankenhäusern, Schulen, Wohnblocks und die Tötung eines 96jährigen Holocaustüberlebenden z.B. als "Russian Spring". Ich hoffe, dass Karjakin wirklich, wie ich es bereits woanders gelesen habe, hier beruflichen Selbstmord begangen hat. Ich will ihn nirgendwo mehr am Brett sehen.
Krennwurzn Krennwurzn 23.03.2022 09:43
Der @Friedrich Volkmann verkennt mM wesentlich den Unterschied von individueller und kollektiver Schuld. Da er so wie ich Österreicher ist, kann man uns sowohl als erstes Opfer oder aber als nachträglich nach Unschuld heischendes "Opferlamm" sehen.

Es geht nicht um die persönliche Schuld von Karjakin sondern um die Wirkung seiner Unschuldslammvermutung! Erst mit seiner Bestrafung können seine Fans vielleicht erkennen, dass irgendwas doch nicht so richtig läuft, wie ihnen die Propaganda vortäuschen möchte.
michanizm michanizm 22.03.2022 09:36
@Friedrich:
lass mal den guten Voltaire da raus, der sein ganzes Leben FÜR Menschenrechte gekämpft hat.
Denn wenn Karjakin diesen Krieg huldigt, toleriert er quasi ein Verbrechen GEGEN die Menschenrechte einer ganzen Nation. Voltaire würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sein Zitat in dem Zusammenhang lesen würde.
Silvio Z Silvio Z 22.03.2022 09:22
Wenn ein Karjakin neofaschistisches Gedankengut (frei nach Putin) öffentlich verbreitet, dann hat das nichts mit "freier Meinungsäußerung" zu tun, sondern gehört bestraft.

In diesem Sinne begrüße ich das Urteil der FIDE-Ethikkommission. Ein vergleichsweise mildes Urteil, angesichts der Gräuelnachrichten eines Rechtsverdrehers namens Putin, der freie Meinungsäußerung mit 15 Jahren Lagerhaft bestraft.
Friedrich Volkmann Friedrich Volkmann 22.03.2022 07:57
Ich stimme Endgames und Vucko voll zu und habe das auch schon in einer ähnlichen Diskussion auf chess.com geschrieben: Freie Meinungsäußerung ist ein Menschenrecht und jeder, der jemanden für eine Meinungsäußerung bestraft oder schikaniert, ist ein Verbrecher. Ich erinnere an den Spruch, der Voltaire zugeschrieben wurde: "Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen." Grade diejenigen, die Putin als Diktator ablehnen und bekämpfen, sollten selber am meisten Sensibilität zeigen um nicht wie die Schweine in Orwells Farm der Tiere selber zu Tyrannen zu werden.
Jeder Mensch hat viele Facetten und man kann keinen Schachspieler nur aufs Schach reduzieren. Jeder Schachspieler hat Hobbies, Interessen, einen Bekanntenkreis abseits von Schach und eine politische und religiöse Einstellung. Genauso wie in einem normalen Beruf (Büroangestellter usw.) muss man das Private vom Beruflichen bzw. Schachlichen trennen. Karjakin kann das (er setzt sich nicht mit einem Z am Sacko ans Brett und lehnt es auch nicht ab, gegen Ukrainer zu spielen), und man sollte diese Trennung auch von der FIDE erwarten können. Dass sie darin kläglich versagt hat, liegt vielleicht auch daran, dass der FIDE-Präsident als Russe sich selber einen Maulkorb verpassen muss um nicht selber abserviert zu werden. Die Hauptverantwortung trägt natürlich das Schiedsgericht, und weil ich keine dieser 3 Personen kenne, kann ich nicht mal mutmaßen, was sie so verblendet hat.
michanizm michanizm 22.03.2022 05:39
Hier wird mal wieder deutlich warum die Kommentarfunktion an vielen Stellen im Netzt gesperrt ist, wenns um so brisante Themen gibt.
@vucko: hanebüchener Vergleich: Karjakin hat sich proaktiv und aus freien Stücken pro Krieg positioniert.
Er hat Putins Worte wie Genozid und Entnazifizierung 1:1 wiedergegeben und ist damit Teil einer menschenverachtenden Kriegspropaganda.
Über Liren Dings Gesinnung weiß man man wenig. Er ist klug genug sich politisch nicht zu äußern, weil es für ihn eine Lose-Lose-Situation wäre.

Wie man den Krieg selbst verurteilen kann, aber die menschenverachtende Kriegspropaganda (Karjakin ja proaktiv unterstützt) problemlos als freie Meinung tolerieren kann, darf dein Geheimnis bleiben. Ich finde es inkonsequent und unfassbar unreflektiert.
vponf vponf 22.03.2022 02:21
Eine sehr bedenkliche Entscheidung, Karjakin zu bestrafen. Ab jetzt müßten viele Spieler aus etlichen Staaten gesperrt werden. Und welche Nation hat die meisten kriegerischen Auseinandersetzungen seit 1945 zu verantworten? Sollen jetzt alle Spieler ein politisch korrektes Statement abgeben?
vucko vucko 22.03.2022 12:39
Zur Hall of Shame ließe sich ferner Emil Josef Diemer hinzufügen, der in den 30ern seine Brötchen mit dem Verlegen von Nazi-Propagandaschriften verdiente und bis in die 80er Jahre mitunter seine Gegner auf Schachturnieren fragte, ob sie Juden seien.
flachspieler flachspieler 22.03.2022 11:50
@ Grebredna:
>> Was hat Klaus Junge in einer "Hall of Shame" zu suchen?

KLaus Junge war bekennender Repräsentant des Nazi-Systems.

Man kann für einen ersten Eindruck z.B. bei Google nach
klaus junge schach
suchen und dann auf "Bilder" klicken. Es finden sich viele
Treffer, die KJ mit Hakenkreuz-Armbinde am Schachbrett
zeigen. Er war ein Verblendeter.

Ingo Althöfer.
vucko vucko 22.03.2022 11:02
Ich persönlich verurteile den Überfall auf die Ukraine auf's schärfste. Aber man muss zwischen seinen Emotionen und fragwürdigen Rechtspraktiken trennen. Sonst wird man selbst zum Faschisten.
vucko vucko 22.03.2022 10:54
Ich denke, dass hier ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen wird. Einen Spieler wegen seiner persönlichen politischen Einstellung zu sperren, öffnet Tür und Tor für alle Arten vom Schiebereien. Wenn man z.B. Ding Liren fragen würde, was er vom Vorgehen seiner Regierung gegen die Uiguren hält, könnte er sich gar nicht dem Westen opportun äußern, weil er in der Diktatur, in der er lebt Probleme bekäme. Und schon hätte man einen Ausschlussgrund.
Des Weiteren hat Karjakin in meinen Augen mit seinen Aussagen nur sich selbst geschadet und nicht der FIDE.
Krennwurzn Krennwurzn 22.03.2022 09:51
Die Strafe scheint in erster Lesung sehr gering zu sein, ich gebe aber die Folgewirkung zu bedenken: Es wird für Veranstalter und Vereine in Zukunft viel leichter Karjakin NICHT einzuladen, weil dieser mit einem offiziellen FIDE Bann belegt war.

Einen Antrag auf die "Hall of Shame" haben alle gestellt, die Putin - einem Kriegsverbrecher, Diktator und Mörder - wider besseren Wissens zugejubelt haben. Und das fing schon früh an: am 7. Oktober 2006, wurde Anna Politkowskaja in Moskau ermordet.
Nosferatu Nosferatu 22.03.2022 09:34
@ flachspieler

Wie empathielos muss man eigentlich sein, wenn einem angesichts (nur z.B.) der 108 leeren Kinderwagen von Lwiw nichts anderes einfällt, als sich ernsthaft lächerliche Gedanken über irgendwelche privaten Weltmeisterschaften zu machen?!?
Grebredna Grebredna 22.03.2022 09:09
Was hat Klaus Junge in einer "Hall of Shame" zu suchen?
flachspieler flachspieler 22.03.2022 03:52
Eine fragwürdige Entscheidung.

Ich provoziere jetzt mal: Durch sie wird der aktuelle WM-Zyklus weiter entwertet. Weltmeister Carlsen hatte gesagt, er wolle wahrscheinlich nicht mitmachen. Mit Karjakin wird ein wichtiger Herausforderer ausgeschlossen. Vielleicht können die beiden eine private WM austragen, z.B. für ein Preisgeld in der Höhe von 700 Millionen Rubel.

Und noch eine provokative Frage: Hat Karjakin sich in der "Hall of Shame" einen Platz neben Alexander Aljechin, Klaus Junge und Bobby Fischer verdient?

Ingo Althöfer.
Endgames Endgames 22.03.2022 02:11
Jeder kann gerne den Wert und Sinn Karjakins Meinungsäußerung beurteilen und meinetwegen verurteilen...aber es ist immer noch eine Meinungsäußerung und dass diese mit Spielverbot sanktioniert wird , hat m.E. mit einem normalen Demokratieverständnis nichts mehr zu tun. Auch diese Sippenhaft, dass man russische Sportler von Wettbewerben ausschließt. Was soll das ?? Hat man westliche Sportler ausgeschlossen als Reaktion auf den Irak-Krieg, der nachweislich auf westlichen Lügen beruhte ?? Scheint mir eher die typische westliche Doppelmoral zu sein.
michanizm michanizm 21.03.2022 11:50
Sperre hin oder her. Image zerstört und komplett isoliert in der Schachwelt.
Auch wenn die 6 Monate rum sind. Er wird für sehr lange Zeit oder vielleicht sogar nie wieder eine Einladung zu einem großen Turnier bekommen. Welcher Veranstalter will denn einen Putin-Unterstützer im Spielplan haben?
Allein schon wegen der Sponsoren. Niemand will doch jetzt noch mit ihm in Verbindung gebracht werden und sich so einem schlechten Image aussetzen.
Seine Karriere im Spitzenschach dürfte damit beendet sein.
Connor McLeod Connor McLeod 21.03.2022 11:25
Die Strafe ist meiner Ansicht nach viel zu gering......
MARIO1962 MARIO1962 21.03.2022 06:35
ein richtiges und notwendiges Zeichen. Zwar spät und unlogisch, was den Kommentator betrifft. Bleibt zu hoffen, dass Karjakin komplett von der Bühne verschwindet.
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