Die kuriose Freundschaft zwischen Milcíades Lachaga, Albert Becker und Lothar Schmid

von Juan Sebastián Morgado
12.02.2020 – Bei Durchsicht einiger historischer Dokumente stieß der argentinische Schachhistoriker Juan Sebastián Morgado auf Briefe einer Brieffreundschaft, die Lothar Schmid in den siebziger und achtziger Jahren mit Milcíades Lachaga unterhielt. Albert Becker übersetzte die Briefe der beiden ins Spanische und Deutsche, so dass Schmid und Lachaga sich verständigen konnten. Die Briefe geben einen interessanten Einblick in diese Epoche. | Briefe und Information: Juan Sebastián Morgado

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Das Leben der Schachspieler in den siebziger und achtziger Jahren unterschied sich deutlich von der heutigen Realität, vor allem im Bezug auf die Möglichkeit zur direkten Kommunikation, die uns die heutige moderne Technik ermöglicht.

Damals wurde im Inland vor allem telefoniert, und für die Kommunikation mit dem Ausland wählte man den Postweg. Die damalige Zeit machte die Distanzen viel deutlicher. Die Schnelligkeit der Kommunikation hing davon ab, wie schnell die Post vom Absender zum Empfänger brauchte. Es konnte Tage, aber sogar manchmal Wochen oder sogar Monate dauern, bis man eine Nachricht oder Anwort erhielt.

Es bildeten sich Freundeskreise und Gruppen, die sich durch ihre Affinitäten verbanden: Turnierschachspieler, Fernschachspieler, Schachproblembegeisterte, Schiedsrichter, Turnierorganisatoren, Sammler und Journalisten. Oftmals war auch die Sprache ein Hindernis dabei, das aber durch Übersetzer oder Freunde, die beider Sprachen mächtig waren überwunden wurde.

Letzteres war auch in unserem Beispiel der Fall. Milcíades Lachaga (1910-1986) hat einen Rekord aufgestellt, der kaum zu überbieten sein sollte! Er hat alle Partien und Chroniken der Schacholympiaden gesammelt, die in Argentinien zwischen 1939 und 1978 gespielt wurden. Er war Mitglied des "Círculo La Regence" (aus dem Stadtteil Villa del Parque, in Buenos Aires) 1938.

Albert Becker (Wien 1896, Buenos Aires 1984) war der Mannschaftskapitän der deutschen Nationalmannschaft und so Goldmedaillengewinner bei der Olympiade 1939. Er wohnte bis zu seinem Tode in Argentinien.

Lothar Maximilian Lorenz Schmid (1928-2013), Schachgroßmeister, weltbekannter Schiedsrichter, der auch das Match Fischer Petrosian in Buenos Aires 1971 leitete und einer der wichtigsten Schachsammler der Welt.

Artikel auf der englischen ChessBase Webseite

Milcíades Lachaga sprach kein Deutsch und Lothar Schmid kein Spanisch. Aber sie hatten einen gemeinsamen Freund, Becker, der als Übersetzer zwischen beiden hin- und hervermittelte.

Schmid schrieb am 7. Oktober 1975 einen Brief aus Bamberg an Lachaga. Darin erinnert er sich mit Vergnügen an einen Grillabend, den die beiden 1971 zusammen verbrachten, als Schmid in Argentinien zu Besuch war.  [Auszüge.].

Estimado amigo:

En primer lugar, me gustaría agradecerles a usted y a nuestro fiel traductor Albert Becker por la bonita carta del 14 de septiembre. Me resulta doloroso no haberlos tenido a todos cerca de mi corazón por tanto tiempo. El sabor de su "asado", que es tan rico como “poderoso”, todavía está en mi paladar, y se me hace agua la boca cuando pienso en él.

Geschätzter Freund,

Zunächst möchte ich Ihnen und unserem getreuen Übersetzer Albert Becker sehr herzlich für den netten Brief von 14 september danken. Ich empfinde es als schmerzlich, Sie alle, die ich ins Herz geschlossen habe, schon so lange nicht mehr gesehen zu haben. Der ebenso feine wie kraftige Geschmack Ihres "Asado" liegt mir noch immer auf der Zunge, auf der sich kleine Pfützen bilden, wenn ich nur daran denke.

Carta 1

Briefdurchschlag aus dem Achiv von Lachaga, übersetzt durch Becker

Carta 2

Carta 3

Oben der Brief, den Lachaga auf Spanisch an Schmid geschrieben hatte, und darunter die handgeschriebene Übersetzung durch Becker.

Carta 4

Der Brief von Schmid an Lachaga, vom 7. Oktober 1975, in Beantwortung des Briefes, den Lachaga am 14. September 1975 an Schmid geschrieben hatte.

Die Brieffreundschaft der beiden Schachspieler wurde über Jahre fortgeführt. Der Brief von Lothar Schmid an Milcíades Lachaga vom 25. August 1982, als Antwort auf Lachagas Brief vom 10. August 1982, zeigt die stilvolle und höfliche Weise einer echten Brieffreundschaft zwischen zwei Schachfreunden der alten Schule.

Brief von Lachaga an Schmid, vom 10. August 1982. Übersetzung von Albert Becker.

Die Antwort von Schmid an Lachaga am 24. August 1982. [Auszüge.]

Señor Milcíades A. Lachaga

Estimado amigo y colega editor:

Su mensaje del 10 de agosto me alegró mucho, porque despertó el recuerdo de nuestras reuniones humorísticas siempre tan agradables. Espero que usted y su querida esposa estén bien, y me alegro de que incluso el bueno de Alberto (Becker) siga estando activo en el ajedrez.

Su pedido es para mí, por supuesto, una orden, y tengo el agrado de enviarle las fotografías de las partidas del torneo de Brno 1937, del libro de J. Barta. En las páginas 8 y 9 encontrará los primeros nombres de los participantes. 

Geschätzer Freund und Editorenkollege,

Deine Nachricht vom 10 August hat mit viel Freude gemacht, weil sie die Erinnerung an unsere stets angenehmen und humorvollen Treffen weckte.

Ich hoffe, dass es Dir und Deiner lieben Frau gut geht und freue mich darüber, dass auch unser vortrefflicher Alberto nach wie vor schach-aktiv ist.  

Dein Wunsch ist mir natürlich Befehl, und ich schicke Dir in der Anlage gern die Ablichtungen der Partien vom Turnier Brünn 1937 aus dem Buch von J. Barta. Auf den Seiten 8 und 9 findest Du die Vornamen der Teilnehmer.

Brief von Lachaga an Schmid, vom 14. Oktober 1982, in Beantwortung des Briefes vom 24. August, 1982 übersetzt von Becker.

Übersetzung und Editierung: Nadja Wittmann (ChessBase)



Juan Sebastián Morgado, Buenos Aires (Argentinien). Schachhistoriker. Erlangte 1980 den Titel Internationaler Meister und 1983 den Grossmeistertitel. Fizemeister in der Fernschachweltmeisterschaft 1984. Morgado ist Autor diverser Schachbücher. Juan Sebastián Morgado bei Facebook: https://es-la.facebook.com/juansebastian.morgado

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