Die Leuven-Falle

von André Schulz
20.06.2018 – Früher konnten die Schachprofis mit ihren Spezialeröffnungen und manchen kleinen Fallen viele Punkte ergattern, bevor sich das herumsprach. In Zeiten des Internets klappt das meist nicht mehr. Aber es gibt Ausnahmen. Hikaru Nakamura gewann beim Blitzen in Leuven drei Partien mit dem gleichen Trick. | Fotos: Lennart Ootes

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Beim Blitzturnier in Leuven gewann Hikaru Nakamura mit den weißen Steinen drei Partien mit dem gleichen kleinen Trick. In der 10. Runde spielte er gegen Anish Giri 1.Sf3 Sf6 2.b3 g6 3.Lb2 Lg7 4.e3 0-0 5.d4 

 

Giri antwortete 5... c5 und nun folgte 6.dxc5.

 

Nun, den Bauern bekommt sicher auf die gewohnte Weise zurück, mit Da5+ und Dxc5. Über solche Manöver denken Profis keine Nanosekunde nach. Sie wissen, dass es so ist. Doch hier hat die Sache einen Pferdefuß.

Nakamura spielte nämlich nach 6...Da5 den Zug 7.c3.

 

Nach 7...Dxc5 folgte nun 8.La3 und der Bauer e7 kann etwas überraschend nicht mehr gedeckt werden, weil der d-Bauer noch nicht gezogen hat. Eine etwas ungewöhnliche Konstellation, die den Autopiloten des Super-GMs hier aus dem Ruder geworfen hat. Anish Giri sah dies und zog 7...Te8. Nach 8.b4 hatte er aber auch keine große Freude mehr an der Partie.

 

In der 14. Runde probierte Nakamura gegen Fabiano Caruana auch 1.Sf3 und 2.b3, doch sein Landsmann umschiffte die Falle schon mit 2...d5.

In der 16. Runde spielte Nakamura mit Weiß gegen Shakriyar Mamedyarov und es kamen die Züge 1.Sf3 Sf6 2.b3 g6 3.Lb2 Lg7 4.e3 0-0 5.d4 aufs Brett. Mamedyarov, der Nakamuras Partie gegen Giri offenbar nicht gesehen hatte - wie auch, er spielte ja selber - zog, der Leser ahnt es, 5...c5. Über 6.dxc5 musste Nakamura nicht lange nachdenken (Diagramm siehe oben).

Mamedyarov ließ sich auf 6...Dxc5 7.La3 ein und gab nach 7...Db6 8.Lxe7 den Bauern e7 her, gezwungenermaßen.

 

Nach 8...Te8 9.Lxf6 Lxf6 10.Le2 spielte Weiß mit einem gesunden Mehrbauern und gewann auch diese Partie.

 

 

 

In der letzten Runde traf Nakamura auf Wesley So und es geschah wieder 1.Sf3 Sf6 2.b3 g6 3.Lb2 Lg7 4.e3 0-0 5.d4. 

Wesley So, Hikaru Nakamura

Auch Wesley So war vorher mit seinen eigenen Partien beschäftigt, hatte Nakamuras Partien gegen Giri und Mamedyarov nicht gesehen und antwortete ebenfalls 5...c5. Nach 6.dxc5 Da5 7.c3 Dxc5 8.La3 folgte hier 8...Dc7. Schwarz verlor den e-Bauern, schaffte es später aber, nach ein paar weißen Ungenauigkeiten, plötzlich ein starkes Gegenspiel zu bekommen, verpasste dann aber ein Mattmotiv und verlor die Partie. Dritter Sieg für Nakamura mit diesem Trick.

 

Die Position nach 1.Sf3 Sf6 2.b3 g6 3.Lb2 Lg7 4.e3 0-0 5.d4 hatte Hikaru Nakamura übrigens in den letzten Jahren schon häufiger auf dem Brett.

Doch bislang zog nur Grischuk 5... c5, letztes Jahr beim Blitzturnier in Paris.

 

Nakamura spielte damals 6.d5, die Partie endete remis. In der Zwischenzeit hat er sich die Stellung offenbar noch einmal angesehen.

Wenn man sich die Statistiken in der Mega-Database genauer anschaut, stellt man fest, dass Schwarz überraschenderweise ein Riesenscore in der Variante hat.

Wie kann das sein? Es liegt offenbar daran, dass der Trick nicht so bekannt ist. Giri, Mamedyarov und So kannten ihn jedenfalls nicht. Selbst nach 6.dxc5 Da5 ist nicht 7.c3 der meist gespielte Zug, sondern 7.Sbd2, mit schlechtem Erfolg übrigens.

Und wer war eigentlich der erste Spieler, dem dieser Trick aufgefallen ist? Das war der Berliner Ralf Axel Simon. Er spielte beim Lenk Open 1990 als erster diese Zugfolge, mit der Absicht auf c5 zu nehmen und c3 und La3 folgen zu lassen.

 

Übrigens sind die führenden Engines nicht wirklich überzeugt, dass Weiß nach dem Bauerngewinn tatsächlich so gut steht. Aber das ist ein anderes Thema.

Heute geht es in Paris mit dem Schnellschach-Turnier weiter. Samstag und Sonntag wird auch wieder geblitzt.

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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