Doping im Schach: Interview mit Dr. Hans-Joachim Hofstetter

07.08.2006 – Während gerade wieder einmal die Fahrradfahrer mit Dopingfällen in die Schlagzeilen geraten sind, war (medizinisches) Doping im Schach bisher nie ein Thema. Als die FIDE jedoch seinerzeit vom früheren IOC-Präsidenten Samaranch eine mögliche Aufnahme in die Olympischen Spiele in Aussicht gestellt bekam, wurde auf FIDE-Turnieren tatsächlich auch Dopingproben eingeführt. Inzwischen hat der neue IOC-Präsident Rogge klar gemacht, dass es keine neuen olympischen Sportarten mehr geben wird und Schach damit aus dem Rennen ist. Dies führte auch in der FIDE schlagartig zu einer Entkrampfung an der (vermeintlichen) Dopingfront.  Neues Deutschland veröffentlichte ein Interview von Dr.René Gralla mit dem DSB-Verbandsarzt Dr. Hofstetter, der aus medizinischer Sicht Dopingentwarnung gibt und als Augenarzt zudem an einem allerdings geheimen Projekt gegen Schachblindheit arbeitet. Interview bei Neues Deutschland...Nachdruck...

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DSB-Verbandsarzt Dr. Hofstetter gibt Entwarnung: Bisher noch kein Fall Jan Ullrich im Schachsport

Dafür arbeitet der medizinische Berater des Deutschen Schachbundes an einem revolutionären technischen Hilfsmittel, das – streng legal natürlich – die Performance der Aktiven im Punktekampf auf einen Schlag um ein Vielfaches steigern kann …


Dr.Hans-Joachim Hofstetter

Die deutsche Fußballnationalmannschaft vertraut dem Doktor Müller-Wohlfahrt. Und der Deutsche Schachbund (DSB) hat seinen DR. HANS-JOACHIM HOFSTETTER (48); mit dem Augenarzt aus Bad Kissingen hat der Autor DR. RENÉ GRALLA über Doping im Schach und mögliche Parallelen zum Fall Jan Ullrich gesprochen. Im Interview sind dabei zugleich erste Informationen über ein bisher streng geheimes Projekt durchgesickert: eine sensationelle technische Neuerung, die Black-outs am Brett verhindern wird.

DR. RENÉ GRALLA: Sind Sie der Müller-Wohlfahrt des deutschen Schachsports?

DR. HANS-JOACHIM HOFSTETTER: Die Aufgabenbereiche von Herrn Müller-Wohlfahrt und mir lassen sich nicht miteinander vergleichen. Für den Deutschen Schachbund bin ich nicht ärztlich tätig; ich berate den DSB in medizinischen Fragen.

DR. R. GRALLA: Welche medizinischen Fragen sind das?

DR. HOFSTETTER: Ein Beispiel ist das Thema Doping.

DR. R. GRALLA: Der Doping-Skandal um die Rennradler Floyd Landis und Jan Ullrich erschüttert die Tour de France. Hat auch Schach ein Dopingproblem?

DR. HOFSTETTER: Wir haben kein Dopingproblem. Das enthebt uns aber nicht von der Verpflichtung, die Beachtung der Anti-Doping-Regularien auch im Schach zu gewährleisten – so wie in jeder anderen Sportart auch.

DR. R. GRALLA: Doping spielt im Schach keine Rolle? Wozu dann explizit Vorschriften gegen Doping?

DR. HOFSTETTER: Doping ist die Zufuhr von Substanzen, die für den Körper schädlich sind, beziehungsweise die Anwendung von Methoden, die verschleiern sollen, dass derartige Substanzen eingenommen worden sind. Darauf liegt unser Fokus.

DR. R. GRALLA: Viele Werber schnupfen Kokain, um ihre Kreativität zu steigern. Das könnte auch für Schachsportler interessant sein.

DR. HOFSTETTER: Es ist eine verbreitete, jedoch irrige Annahme, dass sich durch Drogen das Bewusstsein erweitern und die geistige Leistungsfähigkeit steigern lässt.

DR. R. GRALLA: Zeitweilig bekämpfte der Weltschachbund FIDE sogar den Genuss von Kaffee, weil das Getränk die Spieler am Brett länger frisch hält.

DR. HOFSTETTER: Koffein stand tatsächlich mal auf der Doping-Liste, wird jedoch inzwischen nicht mehr aufgeführt. Die FIDE hat Kaffeekonsum nicht bekämpft; es war lediglich zu beachten, dass eine sehr hohe Zufuhr von Koffein – zum Beispiel mehr als acht Tassen starker Kaffee – zu einer positiven Testung hätte führen können.

DR. R. GRALLA: Dann wird der ehemalige deutsche WM-Kandidat Dr. Robert Hübner künftig vielleicht wieder für die Republik starten? Der hatte seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt, weil er sich seinen Kaffee nicht verbieten lassen wollte und Doping-Kontrollen ablehnte.

DR. HOFSTETTER: Eine sehr vereinfachte Darstellung des Geschehens. Das war seinerzeit eine Auseinandersetzung, die im persönlichen Bereich des Schachfreundes Dr. Hübner angesiedelt gewesen ist.

DR. R. GRALLA: An US-Soldaten im Irak sollen Aufputschmittel ausgegeben werden …

DR. HOFSTETTER: … das könnten Amphetamine sein, die auch in Speed enthalten sind.

DR. R. GRALLA: Folglich müsste Speed im mentalen Kampfsport Schach effektiv sein …

DR. HOFSTETTER: … das bringt nichts, die Performance während der Partie wird nicht verbessert.

DR. R. GRALLA: Vielleicht verhindern Amphetamine, dass die Spieler ermüden.

DR. HOFSTETTER: Mag sein. Auf jeden Fall haben die Doping-Kontrollen bisher keinen Missbrauch von Amphetaminen nachgewiesen.

DR. R. GRALLA: Noch kein Fall Ullrich im Schachsport ?

DR. HOFSTETTER: So ist es. Wobei ich darauf hinweise, dass aktuell gar nicht feststeht, dass Jan Ullrich tatsächlich gedopt gewesen ist.

DR. R. GRALLA: Wenn Schach eine dopingfreie Zone ist – warum derart viel Aufheben um Doping im Schach?

DR. HOFSTETTER: Eine berechtigte Frage. Das geht zurück auf die Amtszeit des ehemaligen IOC-Präsidenten Samaranch; damals hatten IOC und FIDE vereinbart, dass Schach anstreben könnte, olympische Disziplin zu werden. Vorbedingung: Schach musste sich den Anti-Doping-Vorschriften des IOC unterwerfen. Seit der Ablösung von Samaranch durch den neuen IOC-Chef Jacques Rogge ist aber klar, dass Schach niemals olympische Sportart werden wird …

DR. R. GRALLA: … warum?

DR. HOFSTETTER: Die Haltung von Jacques Rogge ist eindeutig. Zusätzliche Disziplinen werden nicht mehr in das olympische Programm aufgenommen – es sei denn, eine andere Sportart fällt aus dem Programm. Und welche Sportart sollte für Schach gestrichen werden?!

DR. R. GRALLA: Zeit für den Einstieg in den Ausstieg aus der ehrgeizigen Anti-Doping-Politik?

DR. HOFSTETTER: Das wäre ein Kurzschluss. Immerhin haben Länder wie Spanien, Italien, die Niederlande und Frankreich auf nationaler Ebene bereits strenge Anti-Doping-Gesetze verabschiedet; mit der Konsequenz, dass auch bei Schachturnieren Kontrollen durchgeführt werden. Der DSB ist gut beraten, auch künftig klar und unmissverständlich Stellung zu beziehen gegen Doping, wie theoretisch die realen Möglichkeiten dafür nach unserem gegenwärtigen Kenntnisstand vielleicht sein mögen.

DR. R. GRALLA: Neben Ihrem Hauptberuf als Augenarzt und dem Nebenjob beim DSB sind Sie aktiver Denksportler. Sie tragen den Titel eines Fernschachgroßmeisters …

DR. HOFSTETTER: … und mit der deutschen Auswahl sind wir Mannschaftsweltmeister im Fernschach geworden.

DR. R. GRALLA: Die Schacholympia 2006 in Turin, die vor wenigen Wochen zu Ende gegangen ist, hat Sie an der Seite des Bundestrainers Bönsch gesehen. Ihre Kompetenz als Augenarzt war bestimmt hilfreich, schließlich brauchen die Spieler einen scharfen Blick.

DR. HOFSTETTER: Gegenwärtig arbeite ich an einer speziellen Brille gegen Schachblindheit … ( l a c h t ) .

DR. R. GRALLA: … die verhindert, dass ein Aktiver übersieht, dass er einen seiner Steine gerade auf einem Feld postiert, wo der Kontrahent ungestraft sofort zuschlagen kann? Wie das?

DR. HOFSTETTER: Details verrate ich nicht, die bleiben selbstverständlich Betriebsgeheimnis ( l a c h t ) . Sonst treten sofort Nachahmer auf den Plan.


 

 

 

 

 

 

 


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