Ein einzigartiges Erlebnis: Schach in Reykjavik

09.03.2012 – Der Weltmeisterschaftskampf Fischer gegen Spassky 1972 in Reykjavik ist der vielleicht berühmteste Schachwettkampf aller Zeiten. Mit ihm hat Reykjavik Schachgeschichte geschrieben, doch Schach in Reykjavik ist mehr als Fischer-Spassky. Das beweist unter anderem das Reykjavik Open. Dieses Jahr findet es zum 27. Mal statt und das starke Feld mit Spielern wie David Navara, Fabiano Caruana und Hou Yifan sorgt für ein interessantes und spannendes Turnier. Mit dabei ist Alina l'Ami, die sich von der Landschaft und Atmosphäre Islands bezaubern ließ und ihre Eindrücke beschrieben und festgehalten hat.Turnierseite...Impressionen...

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Text und Fotos: Alina l'Ami

Viele Grüße aus Island! Mein Mann, Erwin l'Ami, und ich sind zusammen nach Reykjavik, der am nördlichsten gelegenen Hauptstadt der Welt, geflogen, um am 27. Reykjavik Open teilzunehmen und schon als wir das Flugzeug bestiegen, wusste ich, diese Reise würde schön werden. Ich spiele schon über 20 Jahre lang Schach, ich bin weit gereist und habe viel gesehen und viel erlebt. Man könnte meinen, mich könnte so schnell nichts mehr überraschen, aber genau das geschah in Island. Nicht wegen der Aufregung, die alles Unbekannte mit sich bringt und auch nicht wegen der drei freien Tage, die wir vor Turnierbeginn angereist waren; ganz genau kann ich meine Begeisterung nicht erklären, aber irgendetwas lag in der Luft...etwas, das mein Herz schneller schlagen ließ - vielleicht ansteckende Begeisterung?!

Obwohl die Sonne im Winter nur wenig scheint und das natürlich aufs Gemüt schlägt, wirken die Isländer auf mich ausgesprochen freundlich, gut gelaunt, offen und scheinen in Harmonie mit ihrem Land zu leben. Das übrigens unglaublich schön ist; ich habe erst einen kleinen Teil gesehen, aber kann Ihnen versichern, dass Sie sich am besten selbst überzeugen, wie schön Island ist. Vielleicht beim nächsten Reykjavik Open!

Als Rumänin bereiten mir nur zwei Dinge Schwierigkeiten: der extrem starke Wind und die raschen Wetterwechsel. Ich habe noch nie erlebt, dass sich Sonne, Hagel, Regen, Schnee und wieder Sonne so rasch abwechseln! Im Handumdrehen! In einem Moment genieße ich noch die Sonne und schöpfe neue Kraft, im nächsten werde ich schon in den Atlantik geweht oder bin von Kopf bis Fuß mit Schnee bedeckt. Ich frage mich, wie die armen Meteorologen hier das Wetter vorhersagen.

Trotzdem, der zehnminütige Spaziergang zum Turniersaal ist ein wirkliches Vergnügen. Er führt am Meer entlang, die Luft ist frisch, der Kopf wird frei und man kommt gestärkt zur Partie. Das Turnier geht über neun Runden und gespielt wird mit der üblichen Bedenkzeit von anderthalb Stunden für 40 Züge plus einer halben Stunde für den Rest der Partie und natürlich auch einer Zeitgutschrift von 30 Sekunden pro Zug. Der Turniersaal liegt in einem atemberaubenden neuen Gebäude, das erst vor kurzem fertig gestellt wurde. Es liegt direkt am Wasser und die “Harpa Concert Hall” mit ihren beeindruckenden Fenstern erinnert mich immer an Fischernetze oder sogar an Fischschuppen. Während der Partie tut es gut, nicht immer auf die Verwicklungen der Stellung auf dem Brett zu schauen, sondern seinen Blick gelegentlich über den Hafen schweifen zu lassen.

Ich vermute, diese Blicke wirken inspirierend auf die 200 Teilnehmer, unter denen sich 25 Großmeister und 20 Internationale Meister befinden. Teil des starken Felds sind Weltklassepieler wie Fabiano Caruana, David Navara und Hou Yifan - was dieses wunderbare Turnier noch attraktiver macht. Erwähnt werden sollte auch, dass die Organisatoren alles Erdenkliche getan haben, um den Teilnehmern das ganze Festival hindurch jede Menge zusätzlicher Freizeitaktivität zu bieten: Ausflüge, Vorträge, Partiekommentare, Fußballwettkämpfe, Schach-Quiz-Wettbewerbe, Ausstellungen, Blitzturniere, usw. – für jeden ist etwas dabei!

Dazu spielt man in einer Stadt, in der es jede Menge zu entdecken gibt, die von den Wikingern geprägt wurde, und die durch den berühmten Wettkampf Spassky gegen Fischer 1972 über eine reiche Schachgeschichte verfügt. Hätten wir doch nur mehr Zeit…



Harpa Konzertsaal und Konferenzzentrum - hier spielen wir


Das Innere des Gebäudes - hier gibt es auch ausgezeichnete Restaurants, in denen man Gerichte aus aller Welt essen kann: indisch, isländisch, Bio, usw - für Abwechslung ist gesorgt.


Blick aus dem Turniersaal


Die Eröffnungsfeier








Kurz vor Beginn der ersten Runde


David Navara


Yuriy Kryvoruchko


Das Turnier ist offiziell eröffnet - der erste Zug wurde am Brett von Hou Yifan gespielt.


Hou Yifan vs Gudlaug Thorsteinsdottir (links)


Christin Andersson vs Fabiano Caruana (links)


Welcher Spieler ist das? Sie dürfen raten :)


Offensichtlich hat Fabiano Fans :)


Edward Lee Kai Jie vs Yuriy Kryvoruchko


Hou Yifan




Ivan Cheparinov trägt eine so genannte "Mertenitsa", ein Armband aus roten und weißen Streifen - ein alte bulgarische Tradition, mit der der Frühling begrüßt wird, und die wir auch in Rumänien kennen! Weiß steht für Kraft, Reinheit und Glück, Rot symbolisiert Gesundheit, Blut, Empfängnis und Fruchtbarkeit. Bekommt man eine Martenitsa geschenkt, dann sollte man sie entweder an seiner Kleidung befestigen oder ums Handgelenk oder den Hals tragen - und zwar solange, bis man einen Storch sieht. Ich nehme an, Ivan behält sein Armband, bis er wieder zuhause ist, denn bislang habe ich hier keine Störche gesehen.


Erwin L'Ami vs Johan Henriksson


Ivan Sokolov


Die Zuschauer verfolgen die Partien


Analyseraum






Ansichten auf dem Weg zum Spiellokal












Isländische Landschaften




Pingvellir National Park




Isländische Architektur






Strokkur, ein sehr aktiver Geysir, der ungefähr einmal pro Minute ausbricht.


Es empfiehlt sich, die Finger vom Wasser zu lassen! Aber fast niemand tut das:)


Gute Bilder zu machen ist schwer


Der Gulffoss Wasserfall




Kreno-Krater



Isländische Pferde - sie sind kleiner als die Pferde, die ich kenne.








Die berühmteste Touristenattraktion Islands: Die Blaue Lagune; ich fand's einfach wunderbar! Trotz Hagel, Regen oder Schnee - denn das ist ja gerade das Besondere! Ich habe nie geglaubt, dass ich einmal bei Minustemperaturen im Freien schwimmen würde!









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