Eine Schaupartie im Fernsehen: Karpov gegen Maradona, Argentinien 2005

von Carlos Colodro
02.12.2020 – Am 25. November 2020 starb die argentinische Fußballlegende Diego Armando Maradona im Alter von 60 Jahren. Maradona gilt als einer der besten Fußballspieler aller Zeiten und wird in seiner Heimat Argentinien auf beinahe religiöse Weise verehrt. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere versuchte sich Maradona auf verschiedenen Gebieten, unter anderem als Moderator einer Talkshow im argentinischen Fernsehen. Im September 2005 hatte der Fußballer eine Schachlegende zu Gast: Anatoly Karpov. | Foto: Lorenzo Insigne, Stürmer bei Neapel, ehrt Maradona. | Foto: Alessandro Garofalo/LaPresse

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Einzigartig: Diego Armando Maradona

Die argentinischen Fußballfans gehören zu den leidenschaftlichsten der Welt und die Fußballbegeisterung in Argentinien hat Fußballlegenden wie Gonzalo Higuiaín, Paulo Dybala, Ángel Di María, Sergio Agüero und natürlich auch Lionel Messi hervorgebracht.

Genau wie im Schach wird auch im Fußball gerne diskutiert, wer der beste Spieler aller Zeiten war, und Fans aller Altersgruppen untermauern ihre Meinungen dabei gerne mit Statistiken, Geschichten und Argumenten aller Art. War es Pelé? Oder ist es Messi? Oder Maradona? Die Debatten darüber werden wahrscheinlich endlos geführt werden, aber für argentinische Fußballfans — und sogar für die, die Messi für einen besseren Fußballspieler als 'el Diego' halten — gibt es nur ein wirkliches Idol: Diego Armando Maradona.

So schrieb Rory Smith in seinem Nachruf auf Maradona, der am 25. November 2020 im Alter von 60 Jahren starb, in der New York Times:

In Argentinien, Maradonas Heimat, wo nach seinem Tod eine dreitägige Staatstrauer verkündet wurde, gibt es schon lange eine Kirche, die ihm zu Ehren benannt wurde. Für viele war Maradona ein quasi-religiöses Erlebnis.

Über Maradona ist während seines Lebens und nach seinem Tod viel geschrieben worden, aber hier sind noch einmal Aufnahmen von zweien seiner berühmtesten Tore – er erzielte sie beide im gleichen Spiel, im Viertelfinalmatch England gegen Argentinien bei der Fußballweltmeisterschaft 1986 in Mexiko. Sein 60-Meter-Lauf, in dem er fünf Verteidiger der englischen Mannschaft schwindlig spielte, wurde 2002 zum "Tor des Jahrhunderts" gewählt:



Im gleichen Spiel kam es auch zu Maradonas berühmten Tor durch die "Hand Gottes": Maradona hatte den Ball per Handspiel im gegnerischen Strafraum ins Tor gelenkt, aber dieses Handspiel wurde nicht geahndet und das Tor zählte für Argentinien. Durch die beiden Tore Maradonas gewann Argentinien 2-1 gegen England und qualifizierte sich für das Halbfinale. Dort gewannen die Argentinier gegen Belgien und wurden anschließend mit einem Sieg gegen Deutschland im Finale Fußballweltmeister 1986.

Maradona gegen Karpov

2005 stattete Anatoly Karpov, Schachweltmeister von 1975 bis 1985, Argentinien einen Besuch ab, und spielte dabei nicht nur gegen Jugendliche Simultan, sondern war auch Gast in Maradonas Talkshow "La noche del 10". ChessBase schrieb damals:

Die beiden spielten eine Partie Lebendschach, wobei Karpov eine schwarze Augenbinde trug und blind spielte. Maradona hatte Weiß und er war es, der nach wenigen Zügen ein Remis anbot, was Karpov annahm. [...] Nach der Partie überreichte Karpov Maradona ein edles russisches Schachspiel aus Holz und erklärte dabei: "Der König des Schachs überreicht dieses Geschenk dem König des Fußballs." Maradona beschenkte Karpov mit einem signierten Fußball.

Die Partie zwischen Karpov und Maradona verlief ohne jedes Drama und dauerte nur vier Züge.  1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 d6 4.Sc3 und die Spieler einigten sich auf Remis.


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Wie die Zeiung Clarín berichtete, war dies die sechste Folge der Show. In dieser Folge hatte Maradona nicht nur Karpov zu Gast, sondern auch den französischen Fußballstar Zinedine Zidane. Fans des lateinamerikanischen Fußballs könnte interessieren, dass Zidane und Maradona unter anderem über Enzo Francescoli — ein Spitzenspieler aus Uruguay, der wegen seiner eleganten Spielweise "der Prinz" genannt wurde — gesprochen haben, und Zidane verriet, dass er seinen Sohn zu Ehren Francescoli Enzo genannt hätte.

Übersetzung aus dem Englischen: Johannes Fischer

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Carlos Colodro stammt aus Bolivien und ist Spanisch-Philologe. Seit 2012 arbeitet er als freier Übersetzer und Autor. Schach, Literatur und Musik sind seine großen Leidenschaften.
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