Entspannte Züge

03.07.2009 – Für seine Anreise aus Paris wählte der achtfache Dortmundsieger Vladimir Kramnik den Zug: "Das ist viel entspannter als mit dem Flugzeug zu reisen," meinte der Ex-Weltmeister. In seiner Partie gegen Peter Leko musste er aber dann doch einige spannungsvolle Züge machen, um nicht in Nachteil zu geraten. Trotz der bisher acht Turniersiege Kramniks in Dortmund tippen die meisten Zuschauer auf Magnus Carlsen als Sieger in diesem Jahr. Der Norweger hat inzwischen die Schule abgeschlossen und ist nun Vollprofi. Seine Lieblingsfächer waren Geografie und Geschichte. Vielleicht fand er sich ja auch deshalb mit der "Berliner Variante" seines russischen Gegners so gut zurecht und verließ gestern als einziger Sieger die Bühne. Dagobert Kohlmeyer berichtet aus Dortmund. Mehr...

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Kramnik kam mit dem Zug, Carlsen beendete die Schule
Von Dagobert Kohlmeyer

Die 37. Dortmunder Schachtage begannen am Donnerstag mit drei interessanten Partien. Einziger Sieger des Tages war Magnus Carlsen. Das Sechserfeld ist erlesen, zu den Stammgästen Wladimir Kramnik, Peter Leko und Arkadij Naiditsch gesellen sich dieses Jahr Magnus Carlsen, Etienne Bacrot und Dimitri Jakowenko. Vier Spieler gehören zu den Top Ten, die Veranstaltung ergibt die Kategorie 20, gehört also zu den weltweit stärksten Turnieren des Jahres.

Sparkassenchef Uwe Samulewicz, der die Spieler bei der Eröffnung herzlich begrüßte, sagte: „Die Sommerzeit beginnt in Dortmund mit Schach der Extraklasse. Ohne Geld geht nichts. Und die gute Nachricht ist, dass auch der Jahrgang 2010 des Chess-Meetings  gesichert sei. „Die Kulturhauptstadt des kommenden Jahres lässt grüßen“, fügte der Banker hinzu.


Vladimir Kramnik und Uwe Samulewicz

Sein Institut hat sich in den vergangenen Monaten nicht verzockt wie andere und kann dank vieler treuer Kunden getrost in die Zukunft blicken.

„Was die Kulturhauptstadt angeht, so hatte sich Essen seinerzeit beworben, und das ganze Ruhrgebiet ist in die Sache involviert“, erklärte Veranstaltungsleiter Gerd Kolbe. Zur Pressekonferenz gab es das obligatorische Gruppenfoto mit den Großmeistern, nur einer der Schachstars fehlte…




Warten auf Kramnik. Der dreifache Weltmeister aus Russland erschien nicht zur Auftakt-Pressekonferenz der Schachtage, war aber beim Eröffnungsbankett pünktlich zur Stelle. „Ich habe den Zug von Paris genommen“, das ist bedeutend angenehmer als mit dem Flugzeug zu kommen“, erklärte er. „Nicht wegen der momentanen Luftfahrt-Katastrophen, mit der Bahn fährt man einfach viel entspannter.“


Kramnik und DFL-Chef Rauball

Seit seiner WM-Niederlage gegen Anand in Bonn, der er nicht mehr nachtrauert, hat Wladimir kein klassisches Schach mehr gespielt und ist jetzt wieder hungrig auf neue Erfolge. „Beim Chess-Meeting in Dortmund lief es bisher immer sehr gut bei mir“, sagte der achtfache Sieger, aber es ist auch klar, dass ich bei dieser starken Konkurrenz der Gejagte bin“. Gleich in der ersten Runde musste der Russe im Schauspielhaus mit Schwarz gegen Titelverteidiger Peter Leko spielen. Dieser entschied sich für Katalanisch, begab sich also mutig auf Kramniks Territorium. Hinterher sagte der Ungar, der als Einziger ins Pressezentrum kam: „Es war ein Eröffnungsduell, bei dem Wladimir eine Variante spielte, die Topalow als Nachziehender gegen in Elista gewählt hatte. Ich habe eine Neuerung gespielt – 14. Sbd2, aber er hat clever reagiert. Kramnik hatte seinerzeit gegen Topalow im 14. Zug rochiert. Heute hat er sehr präzise gespielt, zum Beispiel war es wichtig, dass er Tab8 zog. So funktionierte ein von mir geplantes Qualitätsopfer nicht mehr so gut. Ich musste also darauf verzichten und Vereinfachungen zulassen. Nach dem Abtausch war es Remis. Wir sahen uns an, und es war klar, die Sache ist remis.“

Insgesamt spielten die beiden zwei Stunden und führten dabei 24 Züge aus. Zuvor ging Kramnik noch zum neuen Kaffeeautomaten hinter der Bühne, um sich zu stärken. Schach ist heute nicht mehr alleiniger Lebenszweck von Kramnik, der mit einer französischen Journalistin verheiratet und seit Ende Dezember Vater einer bezaubernden Tochter ist. Die Familie hat jetzt für den 34-jährigen Figurenkünstler oberste Priorität, denn im Schach hat er ja schon alles erreicht.

Vollprofi Magnus Carlsen

Der Weltranglistendritte aus Norwegen startet nach 2005 zum zweiten Mal in Dortmund. Vorigen Monat hat er erfolgreich die Schule beendet. Der 18-jährige Norweger legte im heimatlichen Lommedalen, einem bekannten Wintersportort, die letzten Prüfungen ab. Damit absolvierte er eine wichtige Etappe seines Lebens. Jetzt kann er sich mit Fug und Recht Vollprofi nennen. Beim Frühstück im Spielerhotel erzählte uns Magnus‘ Vater Henrik, dass es sich um ein Sport-Gymnasium handelte und der dortige Abschluss des Jungstars mit dem Abitur zu vergleichen sei. Magnus, der sich vor allem für Geografie und Geschichte interessiert, habe momentan aber nicht die Absicht, ein Studium zu beginnen. „Dafür spielt er zu gern Schach. Er konzentriert sich in der nächsten Zeit voll auf seinen Beruf“, fügte Carlsen Senior hinzu. Nr. 3 der Schach-Weltrangliste ist Carlsen schon seit vielen Monaten. Vor ihm liegen nur noch der Bulgare Topalow und Weltmeister Anand aus Indien, die beide auch mehrmals in Dortmund spielten. Magnus will aber noch weiter nach oben. Weil er jeden schlagen kann, sehen viele in ihm bereits den künftigen Weltmeister. Auf der Homepage www.sparkassen-chess-meeting.de tippen die meisten auf ihn als Turniersieger.

Die Auftaktrunde wurde von Bürgermeisterin Birgit Jörder am Brett von Leko und Kramnik eröffnet.


Bürgermeisterin Birgit Jörder macht den ersten Zug

Neben ihr stand DFL-Chef und BVB-Präsident Reinhard Rauball, der ebenfalls ein großes Herz für Schach hat. Zuvor hatte Rauball auf der Bühne des Schauspielhauses erfolgreiche Schachkinder geehrt, unter ihnen den deutschen Meister U16 Patric Zelbel aus Dortmund. Sie erhielten Bücher, eine DVD zum 100. Jubiläum von Borussia Dortmund und Eintrittskarten für das erste Heimspiel des BVB. 

Die übrigen Spiele der ersten Runde, zwei Spanier, dauerten bedeutend länger.  Naiditsch gegen Bacrot und Carlsen gegen Jakowenko absolvierten 40 Züge und mehr.

Der Norweger zwang dem Russen mit feinen Manövern in ein ungünstiges Endspiel, das er nach vier Stunden im 49. Zug gewann.

 „Heute war Taktieren und vorsichtiges Abtasten, aber auch Kampf zu sehen“, erklärte Turnierdirektor Stefan Koth seine ersten Eindrücke.  „Keiner will doch gern mit einer Null ins Turnier starten.“

Jakowenko hat es aber erwischt. Für Spannung ist gesorgt.“ 
 

 

 

 



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