Fat Fritz 2.0: Die jüngste Revolution im Computerschach

von Albert Silver
10.02.2021 – Das Alpha-Zero Projekt hat frischen Wind in die Computerschach-Programmierung gebracht. Neben den Alpha-Beta Programmen gibt es nun eine Reihe von Schachengines, die auf der Basis von Neuronalen Netzwerken arbeiten. Der neue Fat Fritz 2.0 ist derzeit die spielstärkste Engine und kommt dabei ohne teure Grafik-GPU aus. Albert Silver erklärt das Prinzip.

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Fat Fritz 2.0: Albert Silver erklärt die jüngste Revolution im Computerschach

Das vergangene Jahr war außergewöhnlich für uns alle. Und das gilt um nichts weniger auch für das Computerschach. Viele glauben, wir hätten dank AlphaZero und all den Entwicklungen, die dadurch inspiriert wurden, die letzte große Revolution auf diesem Gebiet erlebt. Die seinerzeit geschaffene neuronale Netzwerktechnologie war atemberaubend und unglaublich. Doch während sie noch erforscht und verbessert wird, ist die Schachwelt dank des japanischen Brettspiels Shogi nun um eine weitere neue Entwicklung bereichert worden.

Die AlphaZero-Revolution

Obwohl das neuronale AlphaZero-Netzwerk insgesamt extrem leistungsfähig ist – und folglich auch Leela und Fat Fritz –, leidet es unter Notwendigkeit, eine GPU (d.h. ein Grafikprozessor) zum Auslesen verwenden zu müssen. Im Vergleich zu herkömmlichen Highspeed-Engines wie Stockfisch und Komodo wird die Geschwindigkeit hier um einen Faktor von 1.000 verlangsamt. Dass es trotz dieses Handicaps zu einem Konkurrenzkampf mit diesen Engines kam, spricht Bände über die Leistungsfähigkeit dieser neuronalen Netze.

Dies hatte jedoch auch einen Preis. Die Art der Suche, bei der die verschiedenen guten oder schlechten Ergebnisse gemittelt wurden, konnte bei technischen Endspielen oder Stellungen, in denen chirurgische Präzision erforderlich war, fehlschlagen. Der Traum, ein großes und leistungsfähiges neuronales Netzwerk mit der Geschwindigkeit und Genauigkeit von Stockfishs Suche zu vereinen, schien zunächst zu bleiben was es war: ein bloßer Traum.

NNUE - keine High-End Grafikkarte erforderlich!

Als Schachspieler betrachten wir AlphaZero natürlich in erster Linie als eine Schachmaschinenentwicklung, dabei ist klar, dass Go der Ursprung war. Man vergisst auch leicht, dass das AlphaZero-paper seine Anwendung für drei Strategiespiele beschrieb, nicht für zwei, wobei das dritte das japanische Schachspiel Shogi ist. Es überrascht daher nicht, dass die Shogi-Welt durch das AlphaZero-paper nicht weniger erschüttert wurde. Aber anstatt nur zu versuchen, es zu reproduzieren, entwickelte und veröffentlichte ein japanischer Programmierer, Yu Nasu, einen bahnbrechenden Artikel für eine andere neuronale Netzwerkarchitektur namens NNUE, inspiriert von DeepMinds Erfolg, der ausschließlich auf einem Computerprozessor ohne Grafikkarte in voller Stärke lief.

Genau wie AlphaZero und die erste Ausgabe von Fat Fritz baut NNUE auch sein eigenes Schachwissen auf, indem es aus Schachpositionen und Bewertungen lernt. NNUE revolutionierte Shogi-Programme vollständig und führte zu Sprüngen von weit über 100 Elo. Ihre Entwickler teilten ihre Arbeit mit der Schachwelt, indem sie ihren Open-Source-Shogi-NNUE-Code an das Open-Source-Programm Stockfish anpassten.

Fat Fritz 2.0 – größer und besser

Fat Fritz 2.0 wird mit dieser NNUE-Technologie trainiert und basiert auf Stockfish 12. Es verwendet jedoch ein völlig neues und anderes neuronales Netzwerk, das sich in einigen wichtigen Punkten erheblich von Stockfish unterscheidet:

Die Bewertungen und Stellungen stammen nicht von einer Brute-Force-Engine wie Stockfish oder Komodo, sondern von unserem ursprünglichen neuronalen Netzwerk Fat Fritz.

Das neuronale Netzwerk in Fat Fritz 2.0 ist doppelt so groß wie das von Stockfish 12, wobei 512 Neuronen anstelle von 256 verwendet werden. Dadurch ist es möglich, das Wissen und das Verständnis zu verdoppeln.

Wie aber wirkt sich die Verwendung des leistungsfähigeren neuronalen Netzwerks inkl. eines tieferen Schachwissens in der Praxis aus? In einem groß angelegten Vergleichstest über 1586 Partien (Bedenkzeit 1 Minute plus 1 Sekunde Aufschlag pro Zug) liegt Fat Fritz 2.0 gegenüber Stockfish 12 deutlich vorn und übertrifft die bisherige Spitzenengine um fast 50 Elo-Punkte.

Fat Fritz 2.0 – alles Wichtige auf einen Blick

• Die neue Nr. 1 im Computerschach!
(Stand Februar 2021)

• Fat Fritz 2.0 Engine mit völlig neuem neuronalen Netzwerk

• Läuft auf jedem aktuellen Windows-PC oder Laptop. Höchstleistung unabhängig von der Grafikkarte!

• Inkl. aktueller Fritz 17 Programmoberfläche (64 Bit)

• Zudem im Lieferumfang enthalten:
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Fat Fritz 2-0                                       99,90 €
ISBN 978-3-86681-794-4

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Albert Silver ist Redakteur und Autor. Er lebt in Rio de Janeiro in Brasilien.
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