FIDE kündigt Wiederaufnahme des Kandidatenturniers an

08.09.2020 – Das Kandidatenturnier 2020 in Jekaterinburg wurde noch gestartet, nachdem sich die Corona-Pandemie schon über die Welt ausbreitete, musste dann aber doch unterbrochen werden. In einer Presseerklärung kündigte die FIDE heute die Wiederaufnahme am 1. November 2020 an, wahrscheinlich in Jekaterinburg, ersatzweise in Tiflis.

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Pressemitteilung der FIDE

FIDE kündigt Wiederaufnahme des Kandidaturschachturniers für den 1. November 2020 an

Es war das einzige Spitzensportereignis der Welt, das inmitten des Coronavirus-Ausbruchs auf halber Strecke ausgesetzt wurde

Acht der besten Spieler der Welt wetteifern darum, Magnus Carlsens Herausforderer für den Weltmeistertitel zu werden

Der Internationale Schachverband (FIDE) freut sich, die Wiederaufnahme des Kandidatenturniers bekannt zu geben, indem der Herausforderer für den Wettkampf mit Weltmeister Magnus Carlsen ermittelt wird.

Das Kandidatenturnier in Jekaterinburg musste wegen der beginnenden Corona-Pandemie nach Ende des ersten Umgangs abgebrochen werden. Es soll nun mit Beginn des 2. Umgangs, der 8. Runde, in Jekaterinburg fortgesetzt werden.

In Anbetracht der epidemiologischen Situation hat die FIDE jedoch einen Reservespielort bestimmt: Die Stadt Tiflis in Georgien wurde offiziell als Ersatzort bestimmt. Tiflis ist bereit, das Turnier im gleichen Zeitraum auszurichten. 

Das Kandidatenturnier, an dem die besten acht Schachspieler der Welt mit Ausnahme des Weltmeisters selbst teilnehmen, begann am 15. März in Jekaterinburg (Russland), zu einem sehr frühen Zeitpunkt des Coronavirus-Ausbruchs. Mit nur 8 Teilnehmern wurde die Veranstaltung für sicher befunden, unter der Bedingung, dass sie hinter verschlossenen Türen, ohne Publikum im Auditorium und mit einem auf ein Minimum reduzierten Personalbestand durchgeführt wurde. Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre wurden zweimal täglich auf COVID-19 getestet.

"Die Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen waren denen sehr ähnlich, die derzeit beim US-Tennis Open und anderen Sportveranstaltungen angewendet werden, aber damals war all dies Neuland", erklärt der Präsident des Internationalen Schachverbands, Arkady DVorkovich.

Das Ereignis fand jedoch ein jähes Ende, als die Verschärfung der Pandemiesituation die russische Regierung zwang, ihre Grenzen präventiv zu schließen. Die durch diese Entscheidung hervorgerufene Unsicherheit und die Gefahr, dass die Spieler am Ende des Turniers auf russischem Territorium festsitzen könnten, zwang die FIDE, den Wettbewerb auszusetzen. Die FIDE charterte einen Privatjet und brachte die nichtrussischen Teilnehmer außer Landes. 

Das doppelrundige Turnier wurde wurde nach der 7. Runde ausgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt lagen Großmeister Maxime Vachier-Lagrave (Frankreich) und Ian Nepomniachtchi (Russland) mit 4,5 Punkten in Führung. Da bereits die Hälfte der Partien gespielt wurden sieht das Reglement vor, dass die Ergebnisse bestehen bleiben und das Turnier nicht von vorne beginnen muss.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein internationales Schachereignis unter außergewöhnlichen Umständen wie diesen unterbrochen wird. Im Jahr 1914 wurde ein Turnier in Mannheim (Deutschland), mit 18 der besten Spieler zu jener Zeit abgebrochen, als Deutschland Russland zu Beginn des Ersten Welkrieges den Krieg erklärte.

Die meisten Teilnehmer beeilten sich, in die Heimat zurückzureisen, mit einer bemerkenswerten Ausnahme: der Russe Efim Bogoljubow blieb in Deutschland. Er heiratete eine deutsche Frau und nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an. Etwas Ähnliches passierte 1939 während der Schacholympiade in Buenos Aires, als auf halbem Wege des Turniers der Zweite Weltkrieg begann. Die englische Mannschaft gab den Wettbewerb sofort auf, aber die meisten anderen spielten weiter. Deutschland gewann die Goldmedaille, verlor aber bekanntlich den Krieg. Einige Teilnehmer blieben für die Zeit des Krieges in Südamerika, andere fanden in Argentinien eine neue Heimat, wie der in Polen geborene Miguel Najdorf.

"Die heutige Ankündigung über die Wiederaufnahme der Kandidaten ist ein weiterer positiver Schritt für Schachfans und Spieler. Der Weltmeisterschaftszyklus ist eine der ältesten Sporttraditionen der Welt, und es ist die Pflicht der FIDE, sie zu schützen und ihren Fortbestand zu sichern. Dies ist auch ein wichtiges Turnier, um die Popularität des Schachspiels in der Welt zu erhöhen", erklärt der FIDE-Präsident. "Wir sind uns bewusst, dass Millionen von Fans sich darauf freuen, die besten Schachspieler der Welt wieder am Schachbrett zu sehen, und wir haben keine Mühen gescheut, um dies trotz der herausfordernden Umstände möglich zu machen. Wie wir bei mehreren Gelegenheiten betont haben, würden wir den Wettbewerb erst dann wieder aufnehmen, wenn es unter der Leitung der führenden Gesundheitsbehörden als sicher angesehen wird."

"Abgesehen von Tiflis stehen wir auch mit anderen potenziellen Gastgeberstädten aus mehreren Ländern in Kontakt, in die die Veranstaltung verlegt werden könnte, falls in Russland und Georgien wieder zusätzliche Einschränkungen auftreten sollten", erklärt Emil Sutovsky, der FIDE-Generaldirektor.

Übersetzt von André Schulz.

Stand nach sieben Runden (Hinrunde)

1 Ian Nepomniachtchi 4½ 2774  
2 Maxime Vachier-Lagrave 4½ 2767
3 Fabiano Caruana 3½ 2842
4 Anish Giri 3½ 2763
5 Wang Hao 3½ 2762
6 Alexander Grischuk 3½ 2777
7 Liren Ding 2½ 2805
8 Kirill Alekseenko 2½ 2698
 

Paarungen der Runde acht

Fabiano Caruana (USA) - Maxime Vachier-Lagr. (FRA)
Hao Wang (CHN) - Liren Ding (CHN)
Ian Nepomniachtchi (RUS) - Anish Giri (NED)
Kirill Alekseenko (RUS) - Alexander Grischuk (RUS)

 
 


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