Frauenbundesliga: Wie gewonnen, so zerronnen

von André Schulz
12.02.2019 – Das Team des Hamburger SK war die Überraschungsmannschaft der laufenden Bundesligasaison. Nach Siegen über Schwäbisch Hall und Baden-Baden durfte der HSK vom Titel träumen. Doch am Wochenende platzte der Traum - wahrscheinlich. | Fotos: Eberhard Schabel

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Der Hamburger SK ist mit seinem Team eine feste Größe in der Frauenbundesliga, aber in dieser Saison lief das Team zu ganz besonderer Form auf. Gleich am ersten Spieltag sorgte das HSK-Team für einen Paukenschlag, indem es die Mannschaft von Schwäbisch Hall besiegte, wobei Schwäbisch Hall an diesem Spieltag allerdings ohne seine Topspielerinnen auskommen musste. Am Ende stand es 4,5:1,5 für die Hamburgerinnen. Tags darauf ließ der HSK einen weiteren Sieg gegen eine andere starke Mannschaft der Liga folgen. Auch Deizisau wurde mit 4,5:1,5 bezwungen. Zwei Siege gegen zwei Spitzenmannschaften am ersten Doppelspieltag - besser kann man nicht starten. 

Am 4. Spieltag gab es noch ein 3:3 gegen das Team von Königshofen und am 6. Spieltag im Januar lieferte die HSK-Mannschaft ihr "Meisterstück" ab - eigentlich. Mit 3,5:2,5 wurde der Top-Favorit Baden-Baden bezwungen. Der Hamburger SK stand an der Spitze der Tabelle und hatte alle "großen" Aufgaben schon erledigt, und das mit Bravour.

Allerdings war die Saison noch nicht zu Ende. Fünf Runden waren noch zu spielen. In dieser Saison ist die Frauenbundesliga nach einem Jahr Pause auch wieder in die zentrale Runde der Bundesliga in Berlin integriert und spielt dort die letzten drei Runden, die Runden neun, zehn und elf.

Die siebte und achte Runde fand am vergangenen Wochenende statt. Hamburg hatte einen halben Heimkampf, denn einer der Gastgeber der Runde war Reisepartner TuRa Harksheide, der seine Wettkämpfe in Norderstedt austrägt. Dorthin kann man von Hamburg auch bequem mit der Hamburger Hochbahn fahren.

Die Mannschaft von TuRa Harksheide mit Betreuern

Die Gäste waren die Teams von Berlin Pankow und des SK Lehrte. Besonders vor dem SK Lehrte (bei Hannover) hatte der Tabellenführer einigen Respekt, denn mit Fiona Sieber und Lara Schulze spielen dort immerhin zwei Nachwuchsspielerinnen aus den Top 100 der Mädchenweltrangliste.

Der Spitzenreiter aus Hamburg musste an diesem Wochenende ohne seine drei Profis auskommen. Monika Socko, Padmini Rout und Sarasadat Khademalsharie hatten bis dato in ihren insgesamt neun Einsätzen nicht weniger als acht Punkte geholt. Dahinter saßen aber mit Sarah Hoolt, Judit Fuchs und Filiz Osmanodja immerhin drei deutsche Nationalspielerinnen.

Das Hamburger Team: Filiz Osmanodja, Sarah Hoolt, Judith Fuchs, Diana Baciu, Alina Zahn, Jade Schmidt | Foto: Andres Albers

Es lief dann aber so, wie vom Hamburger Mannschaftsführer Andreas Albers in seinen schlimmsten Träumen Albträumen befürchtet.

Sarah Hoolt gegen Constanze Jahn

Am Samstag gewann Hamburg gegen Berlin, aber das sehr umkämpfte Match am Sonntag gegen Lehrte ging verloren. Fiona Sieber und die Österreicherin Elisabeth Hapala punkteten an den beiden Spitzenbrettern gegen Sarah Hoolt und Filiz Osmanodja.

 

Weiß steht mit einem Mehrbauern besser und holte sich jetzt mit 38.Sf5 Txf5 die Qualität. Besser war 38.Kh1. Nun übersah Schwarz den für Weiß sehr peinlichen Zug 38...h5, wonach die schwarze Dame in viele Gabeln laufen kann. Stattdessen spielte sie 38...De3 39.Kh1 Txf5. Maschinell betrachtet steht das Spiel gleich. Im weiteren Verlauf des erbitterten Ringkampfes erwies sich der schwarze Springer in der Nähe des weißen Königs aber als viel gefährlicher und Schwarz gewann.

Eindeutiger und klarer war der Verlauf der Partie zwischen Elisabeth Hapala und Osmanodja.

 

Nach 28.e6 brach die schwarze Stellung auseinander.

An den Bretten drei und vier glichen Judit Fuchs und Diana Baciu gegen Lara Schulze und Nicole Manusina aus. Marine Zschischang (Lehrte) und Alina Zahn (Hamburg) sorgten für das einzige Remis. Claudia Markgraf punktete schließlich gegen Jade Schmidt zum 3,5:2,5 für Lehrte.

Ein kurioses Stellungsbild produzierten Judit Fuchs und Lara Schulze.

 

Schwarz hat das Spiel am Damenflügel fast gewonnen, Weiß das Spiel am Königsflügel in Gänze- und das wiegt schwerer. Auch wenn der Lb1 im Moment nicht mitspielt, hat Weiß doch einigen materiellen Vorteil und setzte diesen dann auch um.

Die Gewinnpartien von Diana Baciu und Claudia Markgraf wurden zu Seeschlangen. Baciu gewann ihr Endspiel im 97. Zug. Markgraf rang Jade Schmidt in 91 Zügen nieder. Die Hamburgerin stand zwischendurch allerdings mit einer Mehrfigur auf Gewinn, der aber nicht trivial war.

 

Das ist wohl die kritische Stellung der Partie. Schwarz ist am Zug und sollte 51...gxh3 spielen. Stattdessen folgte 51...g3. Nach 52.Dd5 war Schwarz gezwungen, auf d5 zu tauschen. 52...Dxd5 53. exd5 und nun wäre 53...Lxe5 am besten gewesen. Nach 51...gxh3 folgte die gleiche Abwicklung, aber Schwarz nimmt den Springer auf g5 mit Schach und behält Vorteil.

Des einen Leid, ist des anderen Freud. Nutznießer der Hamburger Niederlage ist der SC Bad Königshofen. Im Unterschied zu Baden-Baden ist das Team von Königshofen bisher noch ohne Niederlage und kam am Wochenende gegen Schwäbisch Hall zu einem wichtigen doppelten Punktgewinn. Gegen Baden-Baden und gegen Hamburg hatte es in den Runden zuvor jeweils ein 3.3 gegeben. Königshofen führt das Feld nun vor den zentralen Schlussrunden mit 14 Mannschaftspunkten an und hat einem Punkt Vorsprung vor Baden-Baden und Hamburg.

Ergebnisse der 7. Runde

Rodewischer SM - Karlsruher SF  4½:1½
TuRa Harksheide - SK Lehrte  2½:3½
SK Schwäbisch Hall - SV Hofheim  5:1
FC Bayern München - OSG Baden-Baden  0:6
SF Deizisau - SC Bad Königshofen  ½:5½
Hamburger SK - SC Rotation Pankow  5:1

Ergebnisse der 8. Runde

Karlsruher SF - FC Bayern München  5:1
OSG Baden-Baden - Rodewischer SM  4:2
SV Hofheim - SF Deizisau  2½:3½
SC Bad Königshofen - SK Schwäbisch Hall  3½:2½
SK Lehrte - Hamburger SK  3½:2½
SC Rotation Pankow - TuRa Harksheide  2½:3½

Partien vom Samstag

 

Partien vom Sonntag

 

Tabelle

Webseite der Frauen-Bundesliga...

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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