Frisch rezensiert: Evans & Friends Vol.1 & 2 von Andrew Martin

von Jochen Schwarz
29.08.2026 – IM Andrew Martin präsentiert in seinem neuen zweibändigen Kurs ein komplettes 1.e4 Repertoire für Weiß auf Basis des Evans-Gambits (1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4), welches auch das Zweispringerspiel (1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6) und alle relevanten Abweichungen von Schwarz ab dem zweiten oder dritten Zug berücksichtigt. Jochen Schwarz, Vereinsspieler aus Bremen, spielt selbst gerne Gambits und gehört damit zur Zielgruppe für diesen Kurs. Er hat sich das Repertoire genau angeschaut und auf die Praxistauglichkeit für Amateure wie ihn geprüft.

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Andrew Martin ist einer meiner Lieblingsautoren bei ChessBase. Ich mag seinen didaktisch hervorragenden und sympathischen Stil und auch, dass er immer wieder auch seltener gespielten Eröffnungen und Varianten eine Chance gibt. Ich denke hier z.B. an seinen Kurs zum „Black Knights' Tango“ (1.d4 Sf6 2.c4 Sc6), eine Zugfolge, die ich in meiner frühen Jugend in den 1980er-Jahren zusammen mit einem Schachfreund als „Zweispringerindisch“ untersucht habe.

Sehr interessant sind auch seine „60-Minuten-Kurse“ zu diversen seltenen Varianten in bekannten Eröffnungen, die Sie hier finden können:


 

Dieser Kurs ist ein Repertoire nach 1.e4 e5 2.Sf3 mit dem Evans-Gambit als Hauptwaffe.
Wenige Eröffnungen vermitteln die Kunst des Angriffs so unmittelbar wie das Evans-Gambit. Nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 opfert Weiß einen Bauern, um die Stellung zu öffnen, ein mächtiges Zentrum aufzubauen und den schwarzen König sofort unter Druck zu setzen. Das Beste daran: Die taktischen Möglichkeiten entstehen ganz natürlich aus der Stellung – statt auswendig gelernter Varianten. Damit ist das Evans-Gambit die ideale Eröffnung für Vereinsspieler und ambitionierte Nachwuchsspieler, die schärfere Stellungen und mehr Erfolg mit Weiß anstreben. Doch ein starkes Gambit allein macht noch kein vollständiges Repertoire. In diesen beiden Bänden präsentiert IM Andrew Martin ein komplettes Weißrepertoire nach 1.e4 e5 2.Sf3 und liefert gegen jede schwarze Antwort eine klare, sofort einsetzbare Lösung.

 

Ich war deshalb sehr gespannt auf seinen neuen Kurs „Evans & Friends“, da ich bereits einige leicht dubiose Gambits wie z.B. das sizilianische Morra-Gambit und das Schara-Hennig-Gambit in meinem Repertoire habe. Etwas überrascht war ich von Andrew Martins Repertoire-Empfehlung gegen das Zweispringerspiel 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6: abweichend von seinem parallel veröffentlichtem Buch „The Evans Gambit: A Full Repertoire for White after 1.e4 e5“, in dem er die aggressive Variante 4.d4 exd4 5.e5 empfiehlt, greift er hier zur eher positionellen Fortsetzung 4.d3. Seine Begründung ist, dass er im Video-Kurs eine Alternative zum Buch bieten wollte. Wer wie ich der Meinung ist, dass 4.d4 besser zu einem Evans-Gambit-Repertoire passt als 4.d3, kann sich diesen 60-Minuten Kurs zusätzlich anschauen:

Dieser Titel der 60-Minuten-Reihe behandelt die Moderne Variante der Italienischen Verteidigung, in der Weiß früh das Zentrum öffnet: 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Sf6 4. d4 exd4 5. e5!
Diese DVD der 60-Minuten-Reihe behandelt die Moderne Variante der Italienischen Verteidigung, in der Weiß früh das Zentrum öffnet: 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Sf6 4. d4 exd4 5. e5!. Die Variante kann über unterschiedliche Zugfolgen erreicht werden, am häufigsten entsteht sie über Schottisch mit 3. d4 exd4 4. Lc4. Dies ist eine scharfe Variante und Großmeister wie Evgeny Sveshnikov haben sie oft und mit sehr guten Ergebnissen angewandt. Die Variante ist relativ leicht zu lernen, enthält viele Fallstricke und ist für den Klubspieler perfekt geeignet. Auf der DVD werden alle wichtigen Antworten von Schwarz behandelt, darunter 5...d5, 5...Sg4 und 5...Se4, und die Schlussfolgerung lautet, dass Schwarz Probleme hat, auf direktem Wege zum Ausgleich zu kommen. Als Weißer stellt man Probleme, die am Brett nicht einfach zu lösen sind.

Hier wird genau diese Variante besprochen, die auch aus dem Schottischen Gambit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Lc4 hervorgehen kann.

IM Andrew Martin zeigt, warum diese Angriffswaffe aus dem 19. Jahrhundert auch heute noch eine fantastische Wahl für Vereinsspieler ist. Das Evans-Gambit sorgt für spannendes Schach und lehrt die Kunst des Angriffs.
Als das Evans-Gambit im 19. Jahrhundert die Bühne betrat, nannte es ein Bewunderer ein Geschenk der Götter an eine darniederliegende Schachwelt. Fast zwei Jahrhunderte später ist IM Andrew Martin überzeugt: Dieses Geschenk sollte man auch heute noch dankend annehmen.

Ist das Evans-Gambit noch spielbar? In der absoluten Weltspitze vielleicht vor allem als Überraschungswaffe – womit die übrigen 99,99 % von uns es in vollen Zügen genießen dürfen. Denn das Evans-Gambit sorgt für spannendes Schach und lehrt die Kunst des Angriffs.

Neugierig geworden? Sehen Sie sich die kostenlosen Videoproben an: Einführung und Die Immergrüne Partie

Band 1 beschäftigt sich mit dem Evans-Gambit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4  

Das Evans-Gambit teilt sich mit dem Königsgambit den Ruf einer etwas aus der Zeit gefallenen, wildromantischen Eröffnung aus dem 19. Jahrhundert. Für das Königsgambit mag das bedingt zutreffen, denn was erreicht Weiß, wenn Schwarz sich „modern“ und nicht im Stile des 19. Jahrhunderts verteidigt? Das Evans-Gambit hat dagegen eine objektive Rechtfertigung. Für den geopferten Bauern bekommt Weiß, wenn Schwarz ihn langfristig verteidigt, Entwicklungsvorsprung, Initiative, die Aussicht auf ein starkes Zentrum und offene Linien und Diagonalen für seine Figuren. Ein zwingender Vorteil für Weiß lässt sich allerdings nicht nachweisen. In den besten Verteidigungen gibt Schwarz den Bauern rechtzeitig zurück und erreicht eine ausgeglichene Stellung mit Chancen für beide Seiten. 

Das erste Kapitel nennt Andrew Martin „Showcase“. Hier möchte er uns mit interessanten Partien sowohl aus der romantischen Ära, als auch mit aktuellen Meisterpartien Appetit auf das Evans-Gambit machen und eine positive und motivierende Stimmung erzeugen.  

Hier finden sich z.B. auch Partien von Fischer, Kasparov, Carlsen und Erigaisi, die zeigen, dass das Evans-Gambit auch auf Weltklasseniveau vertreten ist.

Es folgen sieben Kapitel mit theoretischen Abhandlungen der verschiedenen Verteidigungen für Schwarz. Der wichtigsten Verteidigung 5...La5 (nach 4...Lxb4 5.c3) sind alleine drei Kapitel gewidmet. Danach werden die Varianten 5...Lc5, 5...Ld6 und 5...Le7 sowie das abgelehnte Evans-Gambit in eigenen Kapiteln behandelt.     

Wie man es von Andrew Martins Kursen kennt, wird kein kein stures „Varianten-Bashing“ betrieben, sondern die Theorie wir anhand von Meisterpartien aus der Praxis sehr einprägsam vermittelt.

Ergänzt wird der Kurs mit den Kapiteln „Practice Repertoire“ und „Play-Out-Positions“ mit denen man das erworbene Wissen über die ChessBase Openings bzw. Fritz App im Browser trainieren kann. Auf interaktive Testvideos im „Fritz Trainer“-Format hat der Autor im ersten Kurs leider verzichtet, was ich ein wenig schade finde.

Hat mich das Evans-Gambit nun als Repertoire-Empfehlung überzeugt? Ich bin mir noch nicht sicher, ob das Evans-Gambit meine bevorzugte Wahl werden wird, aber ich finde es sehr interessant und werde es zunächst in Online- und Trainingspartien einsetzen. Ich habe durch den Kurs eine gutes Gefühl für das Gambit bekommen und die Gewissheit, dass es im Amateurbereich absolut spielbar ist und gute praktische Chancen bietet.

IM Andrew Martin ergänzt seinen Evans-Gambit-Kurs mit einem einfachen und angriffslustigen Repertoire gegen alle Nebenvarianten von Schwarz nach 1.e4 e5.
 IM Andrew Martin beginnt dort, wo es am wichtigsten ist: beim Zweispringerspiel, das Ihnen in etwa der Hälfte aller Partien begegnen wird, in denen Sie Evans Gambit spielen wollen. Seine Wahl: 4.d3 – der Zug, den die heutige Weltspitze bevorzugt. Einen Eröffnungsvorteil verspricht er nicht, dafür aber ein reichhaltiges Mittelspiel im Stil der geschlossenen Spanischen Partie, mit vielen Figuren und viel Spiel – ideal, um auch starke Gegner zu überspielen. Wenig Theorie zum Auswendiglernen, dafür Pläne und Manöver.
Sehen Sie sich die kostenlosen Videoproben an: Einführung und Zweispringerspiel

Band 2 beschäftigt sich mit allen relevanten Abweichungen zu Italienisch im 2. oder 3. Zug.

Die wichtigsten Systeme sind hier das Zweispringerspiel im Nachzug (3...Sf6) und die Russische Verteidigung (Petroff Defence 2...Sf6). Sie werden in Kapitel 1 und 2 ausführlich in mehreren Partiebeispielen behandelt. Alleine dem Zweispingerspiel sind ein Einleitungsvideo, zwölf ausführlich kommentierte Partien und ein abschließendes Resümee gewidmet. Wie bereits in meiner Einleitung erwähnt, basiert Andrew Martins Repertoire auf dem Zug 4.d3 und nicht wie in seinem Buch auf 4.d4.

Gegen die Russische Verteidigung empfiehlt der Autor nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3. Sxe5 d6 4.Sf3 Sxe4 nicht die meist gespielte Hauptvariante 5.d4 sondern 5.Ld3:

Im weiteren Verlauf wird mit c3 und Lc2 der Zug d4 unter günstigen Umständen vorbereitet.

In den Kapiteln 3 und 4 wird das Repertoire mit Empfehlungen gegen diverse Gambits (Lettisches Gambit, Elefanten-Gambit und Staffort-Gambit) und die Philidor-Verteidigung 2...d6 und ähnliche Systeme ergänzt.

Gefreut hat mich, dass es in Band 2 neben den „Practice Repertoire“ und „Play-Out-Positions“ auch einige Testaufgaben im interaktiven Fritz Trainer-Format gibt, denn dieses Format ist quasi ein Alleinstellungsmerkmal der ChessBase Fritz Trainer-Kurse und für mich das „Salz in der Suppe“:

  

Fazit

Ich finde, Andrew Martin kann mit diesen Kursen überzeugen. Er bietet Vereinsspielern mit einer Spielstärke bis ca. 1800 oder 1900 ein sinnvolles Repertoire nach 1.e4 e5 2.Sf3. Gegen das Zweispringerspiel hätte meiner Meinung nach das aggressivere 4.d4 besser in das Repertoire gepasst als 4.d3. Dafür werden auch seltener gespielte Erwiderungen behandelt, was aus den beiden Kursen wirklich ein „Komplettrepertoire“ macht.

Zum Autor:

Andrew David Martin (* 18. Mai 1957 in West Ham, London) ist ein englischer Schachspieler mit dem Titel eines Internationalen Meisters. Martin ist Sieger verschiedener internationaler und nationaler Turniere. Er spielt seit Jahren in der Four Nations Chess League, aktuell (Stand: Juli 2009) für Wood Green Hilsmark Kingfisher, zuvor für den Chamberley Chess Club. Seinen Titel als Internationaler Meister erhielt Martin im Jahre 1984. Seine erste Großmeister-Norm konnte er bei der Britischen Meisterschaft in Brighton im Jahre 1997 erkämpfen. Martin war Kommentator der Schachweltmeisterschaft zwischen Kasparow und Kramnik im Jahre 2000.

Am 21. Februar 2004 erreichte Martin einen neuen Weltrekord im Simultanschach. Er spielte gleichzeitig gegen 321 Schachspieler. Sein Resultat war: 294 Siege, 26 Unentschieden und lediglich eine Verlustpartie. Martin ist bekannt als professionaler Schachlehrer und Cheftrainer des englischen Jugendteams. Er trainiert in acht Schulen (Yateley Manor, Aldro, Millfield, Sunningdale, Waverley School, St Michael’s Sandhurst, Wellington College, Salesian College). Martin ist Schachkolumnist, Schachbuchautor und Autor verschiedener Lehrvideos. Er war Verleger der Serie Trends Publications. Martin lebt in Bramley, England, ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen.

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Dieser Titel der 60-Minuten-Reihe behandelt die Moderne Variante der Italienischen Verteidigung, in der Weiß früh das Zentrum öffnet: 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Sf6 4. d4 exd4 5. e5!
Diese DVD der 60-Minuten-Reihe behandelt die Moderne Variante der Italienischen Verteidigung, in der Weiß früh das Zentrum öffnet: 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Sf6 4. d4 exd4 5. e5!. Die Variante kann über unterschiedliche Zugfolgen erreicht werden, am häufigsten entsteht sie über Schottisch mit 3. d4 exd4 4. Lc4. Dies ist eine scharfe Variante und Großmeister wie Evgeny Sveshnikov haben sie oft und mit sehr guten Ergebnissen angewandt. Die Variante ist relativ leicht zu lernen, enthält viele Fallstricke und ist für den Klubspieler perfekt geeignet. Auf der DVD werden alle wichtigen Antworten von Schwarz behandelt, darunter 5...d5, 5...Sg4 und 5...Se4, und die Schlussfolgerung lautet, dass Schwarz Probleme hat, auf direktem Wege zum Ausgleich zu kommen. Als Weißer stellt man Probleme, die am Brett nicht einfach zu lösen sind.


Jochen Schwarz spielt für die Schachabteilung des SV Werder Bremen - aktuell als Ersatz-spieler in der vierten und fünften Mannschaft. Bei ChessBase ist er seit über 35 Jahren Kunde (erste Version: ChessBase 2.3 für DOS), und schätzt neben den Programmen vor allem das Angebot an interaktiven Trainings-Videokursen (früher Fritztrainer) und das ChessBase Magazin.
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