Garry Kasparov in Berlin

01.12.2005 – Innerhalb kürzester absolviert Garry Kasparov bei seinem Besuch in Berlin ein Mammutprogramm. Auf einem Wirtschaftskongress trat er als Redner auf und verlieh beim Politikaward einen der Preise. Zwischendurch war er Gast bei Sandra Maischberger für n-tv (Ausstrahlung Freitag 17.10, und 22.10, n-tv) und gab Interviews. Außerdem signierte er in der Axel-Springer-Passage seine in der Editions Olms erschienenen Bücher "Meine großen Vorkämpfer" (bisher sind vier von zehn geplanten Bänden erschienen) und "Schachmatt. mein erstes Schachbuch." Dagobert Kohlmeyer berichtet. Kasparov bei n-tv...Mehr...

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Kasparow in Berlin: Gefragt als Redner und Buch-Signierer
Von Dagobert Kohlmeyer


Kasparow in Berlin

Der Schachzar hielt Hof in Berlin. Gemeinsam mit seiner neuen Frau Daria besuchte Garri Kasparow erstmalig nach seinem Rücktritt vom Profischach die deutsche Hauptstadt. Der 42-jährige hatte ein volles Programm. Im Konzerthaus am Gendarmenmarkt nahm er an der Verleihung der diesjährigen Politikawards teil und hielt eine Laudatio auf den ehemaligen SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel. Dieser hatte den Wahlkampf der SPD derart gut gemanagt, dass eine Regierungsbeteiligung erreicht wurde, mit der kaum jemand rechnete. Kasparow lobte, dass Wasserhövel dieses Spiel, das von Anfang an so schlecht ausgesehen hat, wie ein Großmeister gespielt habe.

Tags darauf hielt Kasparow die Eröffnungsrede bei einem hochkarätigen internationalen Wirtschaftsforum. Nach Beurteilung von Augenzeugen hat Garri dort ohne Manuskript gesprochen und eine brillante Figur abgegeben. Eine Einladung ins n-tv-Studio zu Sandra Maischberger bekam Kasparow ebenfalls.

Mittwochnachmittag ging es zum Springer-Verlag, wo Garri sein neues, in der Edition Olms erschienenes Buch „Schachmatt“ signierte, mit dem er Kinder für das königliche Spiel begeistern möchte. 35 Prozent des Erlöses aus dem Verkauf der Bücher gingen an diesem Tag an die verdienstvolle Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“.



Es war eine große Schlange, die sich schon lange vorher formierte, ehe der Exweltmeister mit seiner Begleitung eintraf. Stefan Frübing, der amtierende deutsche Meister U18 von der SV „Glück auf“ Rüdersdorf spielte, um die Wartezeit zu verkürzen, freie Partien gegen interessierte Schachfreunde.



"Kasparow ist mein großes Vorbild“, sagte der 17-jährige Gymnasiast. „Ich bewundere an ihm nicht nur sein unglaubliches taktisches Können, auch die Koordination der Figuren stimmte bei ihm wie bei kaum einem anderen.“


Stefan Frübing

Eine Rentnerin war die Erste, die für ihren Enkel Maximilian das Kinderbuch mit Widmung erstand.

IM Rene Stern, der in der Nähe arbeitet, kam mit seinem Sohn Watson.

Zu kaufen gab es natürlich auch die ersten vier Bände der Kasparow-Reihe „Meine großen Vorgänger“.

Verleger Manfred Olms war aus der Schweiz angereist und freute sich über den Ansturm auf die Bücher. Während Garri fleißig Autogramme für Jung und Alt schrieb, war Gelegenheit für unseren Reporter zum Gespräch mit dem Chef der Edition Olms.



"Die Kasparow-Reihe wird auf zehn Bände ausgedehnt!“
Interview mit dem Verleger Manfred Olms
Von Dagobert Kohlmeyer
 


Manfred Olms mit Garry Kasparov

Herr Olms, Ihre bisher größte verlegerische Herausforderung im Schachbereich ist die Kasparow-Reihe „Meine großen Vorkämpfer“. Wie kamen Sie auf die Idee?

Seit zirka fünf Jahren habe ich Kontakt mit Kasparow. Die Idee kam über das Management von Garri. Von Anfang an war geplant, möglichst zeitgleich die englische, französische und deutsche Ausgabe herauszubringen.

Inzwischen nimmt das Ganze ja viel größere Formen an. In wie vielen Sprachen wird es diese Bücher geben?

Die Weltmeister-Reihe wird gegenwärtig, so viel ich weiß, in elf Sprachen herausgegeben. Insgesamt sollen es einmal 15 werden. Kasparows Manager Owen Williams, der auch nach Garris aktiver Schachkarriere immer noch für ihn tätig ist, hat eine große Aktie daran.

Die Sache hat also eine Eigendynamik bekommen?

So ist es. Ursprünglich waren von uns vier Bände geplant. Garri hat aber beim Schreiben so viel Freude entwickelt, dass die einzelnen Anteile, also Manuskripte pro Weltmeister immer mehr angewachsen sind. Und es sieht nun so aus, dass es nicht vier sind, sondern mehr als das Doppelte. Zwischenzeitlich hatten wir mal sechs Bücher ins Auge gefasst. Jetzt sieht unsere Planung insgesamt zehn Bände vor!

Das heißt, dann bekommen die nächsten Champions jeder einen Band extra…

Ja, ab Bobby Fischer. Der Amerikaner zum Beispiel erhält deshalb einen ganzen Band, weil sein Schaffen so ergiebig ist. Wir schätzen den Umfang auf irgendwo zwischen 500 und 600 Seiten. Es ist der sechste Band, der im April 2006 herauskommen soll.

Und welche Themen behandeln die restlichen Bücher?

Nach dem Karpow-Band gibt es noch ein Buch, das untertitelt ist mit „Eröffnungsrevolution“. In ihm geht es um die Kämpfe in den 80er Jahren gegen Anatoli Karpow. Dort wird die Epoche in diesem Lichte noch einmal beleuchtet. Weil sich damals auf dem Gebiet sehr, sehr viel getan hat. Und der letzte Band wird Garri Kasparows wichtigste Partien enthalten. Dort kommentiert er ausführlich die besten Spiele seiner beispiellosen Karriere.

Nun wissen wir ja, dass Kasparow bei diesem gewaltigen Vorhaben einen Helferstab hat. Allein kann man als viel beschäftigter Mann so eine Arbeit nicht bewältigen. Warum aber, Herr Olms, schrieb er nur über seine Vorgänger? Sind die Nachfolger Kasparows auf dem Schacholymp nicht einer literarischen Würdigung wert, zum Beispiel Wladimir Kramnik, der ihn entthront hat?

Die Reihe war von Beginn an so konzipiert gewesen. Und auf Kramnik ist Garri ja sicher noch böse, weil dieser ihm kein Revanchematch gab. Ich denke, dass ein solches Duell auch nicht mehr stattfinden wird. Aber wer weiß, vielleicht in zehn Jahren?! (lacht).

Waren Karpow und Kasparow in Ihren Augen die letzten großen Champions der Schachgeschichte?

Man könnte den Eindruck gewinnen, weil hinterher die ganzen Querelen mit der FIDE begannen und es bis heute mehrere Schachweltmeister gleichzeitig gibt.

Weselin Topalow, so scheint es, wird nach seinem triumphalen WM-Erfolg von San Luis von der breiten Schachöffentlichkeit wieder als ein großer Champion angesehen. Sollte man ein Buch über den bulgarische FIDE-Weltmeister herausgeben?

Es bietet sich an. Wir wissen, dass Topalow gern ein Buch mit seinen besten Partien veröffentlichen möchte und daran arbeitet. Deshalb verhandeln wir derzeit mit seinem Management über die Modalitäten. So ein Buch hätte bei uns in jedem Fall Priorität.

Vorbild Churchill

Vorab hatte Kasparow der Bild-Zeitung im Nobelhotel Adlon ein Interview gegeben, in dem er Winston Churchill als sein politisches Vorbild bezeichnete. Der britische Staatsmann habe für seine Werte eingestanden, die heutigen Politiker hingegen seien keine Visionäre. Als sein größtes künftiges Ziel nannte es Kasparow, die Opposition in Russland zu einen und gegen Putin anzutreten. Seine politische Arbeit, so verriet Garri, werde von Bargeld-Spendern finanziert, die jedoch anonym bleiben wollen. Seinen Personenschutz bezahle er selbst. Dieser bestehe aus zwei Bodyguards zu Hause und vier Leibwächter auf Reisen.

 

 



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