Griechische Jugendmeisterschaften in Athen

16.01.2009 – Griechenland fördert begabte jugendliche Schachspieler auf interessante Weise. Landet man bei den Jugendmeisterschaften auf einem der ersten drei Plätze, bekommt man Punkte fürs Examen gut geschrieben. Dieses Jahr fanden die Meisterschaften in Athen statt, neben Saloniki, Athen und Kavala eines der griechischen Schachzentren. GM Dejan Bojkov schickt einen Bericht und viele Fotos aus einer faszinierenden Stadt, in der man bei Schritt und Tritt und auch beim U-Bahnfahren auf Geschichte stößt. Zum Bericht...

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Die griechischen Jugendeinzelmeisterschaften
Text und Fotos: GM Dejan Bojkov

Die griechischen Jugendmeisterschaften U-18 und U-20 fanden vom 2. bis 8. Januar in Athen statt. Fast alle der besten griechischen Jugendlichen nahmen daran teil und kämpften um Medaillen, das Recht, Griechenland bei Welt- und Europameisterschaften zu vertreten und um ein paar Zusatzpunkte fürs Studium. Das griechische Bildungssystem sieht vor, dass ein Spieler oder eine Spielerin, der/die bei einer dieser Meisterschaften unter den ersten drei landet, Punkte gut geschrieben, die aufs Examen angerechnet werden können. Für die Spieler ist das sehr wichtig, da das griechische Bildungssystem anspruchsvoll ist und jeder zusätzliche Vorteil beim universitären Kampf willkommen ist.


Winterliches Athen: Der Syntagma-Platz strahlt immer noch winterlich


Und auch der Weihnachtsmann findet keine Ruhe

Für die U-18 Meisterschaft gibt es in allen griechischen Schachzentren Qualifikationswettkämpfe, während bei der U-20 keine vorherige Qualifikation nötig ist und jeder teilnehmen kann. Die Kosten trägt da jeder selbst, allerdings erhalten die fünf Erstplatzierten ihre Kosten vom griechischen Schachverband erstattet.

Die Elo-Favoritinnen bei den Frauen spielten mehr als überzeugend. Sowohl Zoi Iordanidou (U-18w) als auch Ekaterini Pavlidou (U-20w) sicherten sich den Titel bereits eine Runde vor Schluss. Die Erstgenannte einigte sich in der letzten Runde auf ein schnelles Remis, aber Ekaterini Pavlidou spielte und gewann ihre letzte Partie. Beide Siegerinnen sind anerkannte Spielerinnen. Zoi wird von WIM Vera Papadopoulou trainiert, Ekaterini vom ehemaligen griechischen Nationaltrainer GM Slavoljub Maranovic.


WIM Vera Papadopoulou

Der Serbe lebt und arbeitet als Schachtrainer in der zweitgrößten Stadt Griechenlands - Saloniki. Die Silbermedaille U-18w ging an G. Sirnioti, Bronze holte A. Hristodulaki. Bei der U-20 gingen diese Medaillen an M. Ikonomopoulou bzw. A. Paganoglou.

Bei den Jungen waren die Favoriten weniger klar. Doch das Ergebnis bei der U-20 fiel überraschend deutlich aus. Sieger wurde George Kanakaris, der 7,5/8 holte und damit vor der letzten Runde über 1,5 Punkte Vorsprung verfügte. Zweiter wurde N. Aggelis, Dritter G. Panagiotakopoulos. Der Elo-Favorit Anastasios Pavlidis (Ekaterinis Bruder) wurde nur Sechster.


Anastasios Pavlidis (vorne) gegen den talentierten I. Stathopoulos

Am spannendsten verlief die U-18 Meisterschaft. Vor der letzten Runde konnten noch drei Spieler Gold gewinnen. Glücklicher Sieger wurde schließlich Sebastian Filippas, der an N. Galopoulos und E. Kourousis vorbei zog. Der vierte Platz ging an einen weiteren sehr begabten Spieler - Antonis Pavlidis, der ohne seinen Verlust in der Schlussrunde noch besser abgeschnitten hätte.

Nicht nur Turnierteilnehmer und Zuschauer, sondern auch zahlreiche Trainer waren im Spielsaal anwesend. Darunter der siebenfache griechische Meister GM Christos Banikas, GM Igor Glek (der jetzt auf Kreta lebt und arbeitet), Frauentrainer Nikolaos Gavrilakis, GM Ioannis Papaioannou und viele andere. Banikas wies mich auf einen seiner besten Schüler hin - I. Stathopoulos, ein junges Talent, das bei der U-20 gut abschnitt.

Die großen Schachzentren Griechenlands befinden sich im Moment in Athen und Saloniki, auf Kreta und in Kavala, wo ich lebe und arbeite.

Die Meisterschaft war gut organisiert. Die Webseite des Turniers wurde stets sofort mit Paarungen, Tabellen, Partien und netten Fotos aktualisiert. In der Lobby des Spielsaals genossen die Eltern Erfrischungen und Leckereien gratis, während sie auf ihre Kinder warteten und friedlich miteinander plauderten.

Nach den gewalttätigen Protesten nach dem tragischen Tod eines jungen Mannes in Athen ist die Lage jetzt wieder relativ ruhig. Allerdings kam es während unseres Aufenthalts zu Protesten vor der israelischen Botschaft - und es bestand die Gefahr eines Streiks der U-Bahnbetriebe. Zum Glück für uns wurde der auf später verschoben.


Kein Museum, sondern die U-Bahnstation Syntagma-Platz.

Athen ist eine bemerkenswerte Stadt. Überall ist Geschichte zum Greifen nach (selbst in den U-Bahnstationen!) und die Stadt ist voller interessanter Leute. Das Leben in der Stadt ist hektisch und brodelnd. Die größte Touristenattraktion ist natürlich die Akropolis (was wörtlich übersetzt Stadt am Rand bedeutet), eines der bedeutendsten noch erhaltenen Monumente des Altertums. Die Athener Akropolis ist nicht die einzige in Griechenland, aber die bedeutendste und wird deshalb einfach Akropolis genannt. Aber bekanntlich sagt ein Bild mehr als tausend Worte…


Das Parthenon


Angesichts dieser wie Schachtürme aussehenden Altertümer könnte man meinen, schon die alten Griechen hätten Schach gespielt.


Altertümer überall


Das Theater des Dionysos


Das Theater aus anderer Perspektive


Blick ins Universitätsmuseum


Das Erechtheion


Straße in Athen


Modernes Athen: Indio-Konzert vor McDonalds



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