Heldenepos in Island

17.03.2008 – Das Schachfestival von Reykjavik gebar viele Helden. Neben den Supermännern aus China (Bild: Wang Yue und Wang Hao), die sich im Open und beim Blitzturnier vorne platzierten, wurden auch die Veteranen nicht vergessen. Mit Benkö, Hort, Portisch und Olafsson spielten vier Weggefährten zu Ehren des kürzlich auf Island verstorbenen Bobby Fischer. Einer der größten Helden der Veranstaltung ist jedoch deren Organisator Björn ("Bär") Thorfinsson, meint Dejan Bojkov in seinem Bericht aus der nördlichsten Hauptstadt Europas. Bericht, Bilder, Partien...

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Drei Sieger im Reykjavik-Open
Impressionen aus Island - In Memoriam Bobby Fischer

Von Dejan Bojkov

Alle Partien des Opens (Runde 1 bis 9, pgn)...


Die Partien des Fischer Memorials...
 





 

Politiker:


Eröffnungsansprache von Lilja Grettarsdottir


Eröffnung mit Musik

“Als Mikhail Tal damals, 1964, beim ersten Reykjavik-Open gegen Jon Kristinsson die Dame opferte, glaubte niemand, dass das korrekt war. Doch Tal meinte, er wäre nicht so weit gereist, um Remis zu machen, sondern um gutes Schach zu spielen. Er gewann das Turnier mit 12,5/13. Das ist alles, was wir wollen – wenn Ihr am Schachbrett kämpft, dann sind wir zufrieden“, erklärte Lilja Gretarsdottir bei ihrer Eröffnungsansprache. Lilja ist nicht nur Präsidentin des Isländischen Schachverbands, sondern vertritt im isländischen Parlament als Abgeordnete auch die links gerichtete Partei der Grünen. Damit ist sie eine der 63 isländischen Parlamentsmitglieder. “Ich bin keine typische Politikerin. Ich konnte einfach nicht mehr ertragen, was sie unserer Natur antun und beschloss zu tun, was in meiner Macht stand, um sie zu stoppen.” Auch der isländische Premierminister Geir Haarde stattete dem Turnier einen Besuch ab.


Lilja und Geir


und Ottar Felix

1972 hat er einmal als Schachjournalist für die Zeitung Morgunbladid gearbeitet. “Geir gehört politisch zur Opposition, aber durch unsere Schachleidenschaft verstehen wir uns gut”, lächelt Lilja.

Sieger:

Gleich zum Auftakt kam es zu einer Sensation, als der Turnierorganisator Björn Thorfinsson den Elo-Favoriten Wang Yue aus China schlug.


Der erste Zug 1.d4 vom Bürgermeister von Reykjavik


Thorfinsson schlägt Wang

Tatsächlich starteten die drei späteren Sieger alle schlecht ins Turnier.




Die drei späteren Sieger

Stefansson remisierte seine erste Partie und nur Wang Hao gewann in der ersten Runde, spielte danach aber zwei Remis. Wang war sehr motiviert und in den nächsten fünf Runden erzielte er fünf Siege in Folge. Auch Stefansson spielte gut und gewann vier Partien. Zwischenzeitlich hatte sich Fabiano Caruana mit 4,5/5 an die Spitze gesetzt (wobei er gegen Halkias außerdem noch einen Mehrbauern hatte, aber nicht gewinnen konnte).


Kveiny-Caruana

Doch die siebte Runde wurde für den italienischen GM zur Katastrophe. Irgendwie ging seine Vorbereitung schief und das gab seinem Gegner Wang Hao die Chance, überzeugend zu gewinnen. In der vorletzten Runde einigten sich die beiden Chinesen schnell auf Remis, während es dem Lokalmatador Hannes Stefansson gelang, V. Mikhalevski aus Israel zu überspielen und ebenfalls an die Spitze der Tabelle vorzurücken. In der Schlussrunde spielte Wang Hao gegen Stefansson auf Gewinn, um alleiniger Turniersieger zu werden, aber der Isländer verteidigte sich geschickt und kurz vor der Zeitkontrolle einigte man sich auf Remis. Das gab dem Sieger der Partie Halkias-Wang Yue die Chance, den ersten Platz zu teilen.


Halkias -Yue

In einer sehr angespannten und nervösen Partie übersah der griechische GM ein forciertes Remis und musste kurz danach aufgeben.


Georg Meier


Antoaneta Stefanova

Die Dame für zwei Leichtfiguren zu geben war in den letzten beiden Runden sehr beliebt. Modern, chic, aber nicht sehr gewinnträchtig. Al Modiakhi und Tiger Hillarp-Persson verloren beide – gegen Kveinys bzw. gegen Mikhalevski. Aber während Al Modiakhis Opfer überoptimistisch war, hatte der schwedische GM etwas sehr Interessantes und Ungewöhnliches in der Eröffnung vorbereitet, was weiterer praktischer Tests bedarf.


Elisabeth Pähtz mit Halikas im Bus


Zweimal Wang: Yue und Hao

Piranhas:

Dann gab es ein paar noch recht junge Spieler, deren Namen bereits der FM-Titel zierte. Und wissen Sie auch warum? Weil sie alle amtierende oder zukünftige Juniorenweltmeister sind. Drei von ihnen erzielten IM-Normen. Der Glücklichste von ihnen war Sahaj Grover aus Indien, der sechs Punkte und seine zweite IM-Norm holte. In der entscheidenden Runde schlug er Ray Robson, die größte Nachwuchshoffnung der USA.

Übrigens hat Ray bereits alle seine IM-Normen erzielt und holte hier seine vierte. Auch Nils Grandelius aus Schweden holte eine Norm. Und auch von Iljya Nyzhnik aus der Ukraine


Ilya Nishniyk (11)

und Srinath Narayanan aus Indien werden Sie noch hören.

GM-Normen:

Ein Erfolg war auch Inna Gaponenkos GM-Norm. Sie startete sehr gut, aber verlor in der vorletzten Runde und glaubte, damit seien all ihre Chancen dahin. Deshalb bereitete sie gegen mich in der letzten Runde eine remisträchtige Variante vor – aber leider gelang ihr dann kein Remis, sondern ein Sieg gegen mich L, was zur Norm zu reichen scheint. Auch Espen Lie aus Norwegen holte eine Norm. Er spielt sehr solide, rein positionell. Selbst in der letzten Runde gegen Adly, als ihm nur ein Sieg zur Norm verhelfen konnte, ging er kein großes Risiko ein, aber gab seinem Gegner die Möglichkeit, fehlzugreifen.


IM-Norm für Sahaj Grover


Bild mit dem Weltmeister

Ehrenturnier:

Vier von Fischers Zeitgenossen und Weggefährten waren eingeladen worden, ein Turnier zu seinen Ehren zu spielen.








Helgi Olafsson kommentiert

Dies ist das erste Turnier nach Fischers Tod, das nach ihm benannt wird, aber mit Sicherheit werden noch viele mehr folgen. Kommentiert wurden die Partien von William Lombardy und Schiedsrichter war kein Geringerer als der zehnte Weltmeister und ehemalige Rivale Fischers: Boris Spassky.

Boris Vasilievich hätte gerne selbst in dem Turnier gespielt, aber er hatte gerade eine Augenoperation hinter sich und musste eine dunkle Brille tragen, die ihn beim Spielen hinderte.

Mit typischem Humor gab er den Spielern in der Ehrengruppe den Rat, “Gabeln, Löffel, Abzugsschachs und vor allem Matts zu vermeiden!” Lajos Portisch und Vlastimil Hort folgten seinem Rat, gewannen zwei Partien und machten den Rest Remis, um sich schließlich den Gesamtsieg zu teilen.


Heikki Westerinen

Immer wieder bewundere ich die Schachkultur in diesem Land. Man trifft hier Menschen aus allen Lebensbereichen, die alle gerne Schach spielen. Wie der Fischer – das war sein Beruf! – im Hotel, der mir erzählte, dass er seit 1972 kein Schach gespielt hat, aber gerne gegen irgendeinen der Turnierteilnehmer eine Partie spielen würde. Oder der Mann an der Hotelrezeption, der ein IM zu sein schien. Ich glaube, der Behauptung, 98 Prozent aller Isländer wissen, wie man Schach spielt, kann man ruhigen Gewissens zustimmen.

Runar:

Die Person auf dem Bild ist Runar. Er ist Segler. Und weil er darauf wartete, mit seinem Boot in See stechen zu können, nahm er nicht an dem Turnier teil. Dann schlug das Wetter um und er blieb. Er hat keine einzige Partie des Turniers verpasst. Über ihn sagte einer meiner isländischen Schachfreunde: ”Sein taktisches Können ist enorm, sein Gedächtnis verblüffend. Er kennt viele Partien in- und auswendig, alle mit scharfen Opfern und wundervollen taktischen Schlägen. Wenn man gegen ihn spielt, muss man aufpassen. Und obwohl er so gewaltig aussieht (1,99 m groß, 109 Kilo schwer) ist er Dein bester Freund, wenn Du Schachspieler bist. Er nimmt oft an der Europäischen Vereinsmeisterschaft teil und kennt die meisten Spieler dort.” Einmal hat er beim Besuch einer Discothek zu ausländischen Spielern gesagt: ”Wenn ihr was trinken wollt, bestellt einfach – ich zahle dann …” 

Der Bär

Björn bedeutet im Isländischen “Bär”. “Er hat mich vollkommen unterschätzt”, erklärte der glückliche Turnierorganisator Björn nach seiner Partie gegen Wang Yue aus der ersten Runde. Björn lieferte eine starke Vorstellung ab: Er holte eine IM-Norm und mit einem Sieg gegen Kietel Lie in der letzten Runde hätte er sogar Chancen auf eine GM-Norm gehabt.


Thorfinsson gegen Lie

Björn ist einzigartig. Die Glitnir Bank war eine der Sponsoren des Turniers, aber er arbeitet für eine ihrer größten Rivalen – Kaupthing. Übrigens organisiert die Kaupthing Bank diesen Mai wieder das Open in Luxemburg. Das Reykjavik-Open findet normalerweise alle zwei Jahre statt, aber die Schachspieler haben bereits die Zusage der Stadt Reykjavik, dass es in Zukunft jedes Jahr stattfinden wird.

 

Blitzturnier


Adly -Caruana

 

Final-1/8:
Thorfinnsson Bragi 0-2 GM Moradiabadi Elshan
Wang Hao 2-1 GM Kveinys Aloyzas
Mikhalevski Victor 1,5-1,5 FM Kjartansson David
Malakhatko Vadim 0-2 GM Adly Ahmed
Caruana Fabiano 2-0 GM Miezis Normunds
Halkias Stelios 1,5-1,5 GM Lie Kjetil A
Meier Georg 2-0 GM Stefansson Hannes
Hammer Jon Ludvig 0-2 GM Dizdar Goran

Final-1/4

Moradiabadi Elshan 2-0 GM Dizdar Goran
Wang Hao 2-0 GM Meier Georg
Mikhalevski Victor 2-1 GM Halkias Stelios
Adly Ahmed 1-2 GM Caruana Fabiano

Final 1/2

GM Moradiabadi Elshan
1,5-0,5 GM Caruana Fabiano
GM Wang Hao 2-0 GM Mikhalevski Victor



Final

GM Moradiabadi Elshan 0,5-1,5 GM Wang Hao

 


Siegerehrung:



Die besten Spieler


Sieger im Blitz


Die Teilnhmer des Fischer Memorials


Premierminister, Verbandspräsidentin und Autor

 


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