Iraner gewinnt in Dresden

29.07.2008 – Die Schacholympiade rückt näher, aber schon vorher tut sich in Sachen Schach Einiges in Dresden. Am Sonntag ging das ZMD-Schachfestival zu Ende und Sieger war Ghaem Maghami aus dem Iran. Da man in Dresden im Swiss-K.O. Modus spielte - endete die reguläre Partie Remis, wurd mit Schnell- und Blitzpartien bis zur Entscheidung weiter gespielt - profitierte Maghami von seiner Stärke im Blitz- und Schnellschach. Wie auch Elisabeth Pähtz erfahren musste. Dagobert Kohlmeyer weiß mehr.Turnierseite...Zum Bericht...

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Irans Nr. 1 verteidigt Schachsieg in Dresden
Text und Fotos: Dagobert Kohlmeyer


Dirk Jordan eröffnet das Turnier

Der Iraner Ehsan Ghaem Maghami hat am Sonntag zum zweiten Mal das ZMD Schachfestival in Dresden gewonnen. Im Finale gegen den ukrainischen Großmeister Sergej Ovsejevitsch setzte sich Ghaem Maghami nach einem Remis in der Normalpartie im Tiebreak (Schnellpartie auch remis, Blitzpartie gewonnen) durch.


Der Sieger: Ghaem Maghami


Zweiter Platz: Sergej Ovsejewitsch

Damit verteidigte der 25-jährige Großmeister aus Teheran seinen Titel aus dem Vorjahr und kassierte 3 000 Euro Siegprämie. Dritter wurde GM Andrej Kowaljow (Weißrussland), der schon 1987 zu DDR-Zeiten bei einem internationalen Turnier in Dresden am Start war, vor Stanislaw Sawtschenko (Ukraine).


Andrej Kowaljow


Stanislav Savtschenko

An dem beliebten Open im Dresdner Ramada Hotel nahmen in diesem Jahr 306 Spielerinnen und Spieler teil - neuer Rekord. Gespielt wurde im "Swiss-K.o.", das heißt, nur einer konnte am Ende durchkommen. Die Verlierer eines jeden Tages fanden sich im Schweizer System wieder. Ein interessanter Modus, der die Favoriten aber auch dazu verleitete, in ihren Partien mit normaler Bedenkzeit schnell remis zu machen, um Kräfte für den Tiebreak am Abend zu sparen.

So musste der Gewinner aus dem Iran auf seinem Weg zum Gesamterfolg im Verlauf der neun Runden insgesamt sechsmal (!) ins Stechen, wobei er sich als ausgesprochener Spezialist erwies. Häufig stand ihm aber dabei jedoch auch das Glück des Tüchtigen zur Seite. Das trifft besonders auf die fünfte Runde zu, als er gegen Elisabeth Pähtz spielte.

Nach einem Unentschieden im Normalschach, wurde auch im Schnellschach, wo Elli Vorteile hatte, der Punkt geteilt. Erst in der Blitzpartie, wo es ebenfalls ganz eng für ihn wurde, konnte Ehsan am Ende nach einem Versehen von Elisabeth seinen Kopf aus der Schlinge ziehen und durch eine kleine Kombination die Oberhand behalten. Ein Tiebreak-Künstler par excellence!


Elisabeth Pähtz: Knapp an einem Erfolg gegen den späteren Sieger vorbei

Bester deutscher Teilnehmer war Alexander Graf auf Platz 6, erfolgreichste deutsche Frau wurde Olympiateilnehmerin Maria Schöne (34.), die sich noch vor Elli Pähtz (40.) platzieren konnte.


Maria Schöne


Die beiden besten deutschen Spielerinnen: Elisabeth Pähtz und Maria Schöne

Eine Sensation gelang der 12-jährigen Filiz Osmanodja aus Dresden am zweiten Spieltag. Mit dem Aserbaidschaner Farhad Tahirow besiegte sie einen ausgewachsenen Großmeister. Eine riesige Zuschauertraube stand lange Zeit um den Schachtisch, an dem das Nachwuchstalent ihren erfahrenen Gegner mit Schwarz in einem packenden Endspiel trotz enormer Zeitnot bezwingen konnte.


Tahirow-Osmanodja

Der anwesende und im Turnier mitspielende Trainer Davit Lobshanidze sah es mit Begeisterung. Filiz hatte bereits zuvor bei den deutschen Meisterschaften in ihrer Altersklasse U12 für Furore gesorgt, als sie den Titel der Mädchen und Jungen gewann.


Davit Lobshanidze


Mitglied des Jugendolympiateams: Judit Fuchs


Schachnachwuchs mit T-Shirt

Ghaem Maghami: "Schach ist bei uns sehr populär"



Unter den Teilnehmern des Dresdner Schachfestivals fiel der dunkelhaarige Sieger, der immer an den ersten Brettern spielte, sofort ins Auge. Ehsan Ghaem Maghami aus Iran ist in der Schachwelt und in Deutschland längst ein Begriff. Schon mit 17 Jahren nahm er in Neu Delhi an der Weltmeisterschaft der Erwachsenen teil. Heute ist Ehsan 25 Jahre alt und verheiratet. Er spielte schon zum dritten Mal in Dresden. Bei seiner Premiere 2005 wurde er Dritter, im vorigen Sommer gelang ihm mit 7,5 Punkten aus neun Partien der erste große Wurf.

"Dieses Jahr will ich meinen Titel erfolgreich verteidigen", sagte er uns am ersten Turnierwochenende im Ramada Hotel. Und fügte hinzu: "Ich bin viel in der Welt unterwegs, und Dresden ist eine meiner Lieblingsstädte. Deshalb komme ich immer wieder gern hierher. Die Organisatoren um Dirk Jordan geben sich sehr viel Mühe, und ich bin überzeugt davon, dass die Schacholympiade im November ebenfalls ein großer Erfolg wird."

Für Ehsan ist es dann bereits die fünfte Olympiade. Schachfreunde in Deutschland können sich neben seinem Namen schon mal die von Amir Bagheri, Elshan Moradi Abadi oder Morteza Mahjoob merken. Das sind iranische Großmeister, die im Herbst beim Turnier der Nationen im Internationalen Congress Center von Dresden an den Brettern hinter der Nr. 1 des Landes, Ghaem Maghami, ihre Figuren schieben werden.

Die Schachtradition in Iran ist lang. Nicht zuletzt, weil das Spiel im frühen Mittelalter von Indien über das damalige Persien nach Europa kam. In den letzten Jahren hat Schach im Land zwischen Kaspischem Meer und Persischem Golf einen gewaltigen Aufschwung genommen. "Es ist bei uns sehr populär und gehört mittlerweile zu den beliebtesten Sportarten. Etwa 20 Millionen Menschen spielen in der Freizeit Schach, mehr als 15 000 tun es aktiv in Klubs oder Vereinen", sagt Ehsan. Es könnten sicher noch mehr sein, aber unter Khomeini stand Schach eine ganze Zeit auf dem Index. Weil es in Iran als Glücksspiel galt, so wie Poker oder Würfeln.

"Dann hat der Ayatollah 1988 persönlich das Verbot aufgehoben", erfuhren wir von dem sympathischen Großmeister. Seither gibt es einen regelrechten Schachboom. Zur Olympiade schickt das Land ein Herren- und ein Damenteam. Die Frauen bzw. Mädchen spielen mit Kopftüchern.

Ghaem Maghami ist seit drei Jahren Direktor der "Novin Chess School" in Teheran, wo er begabte Kinder und Jugendliche in die Geheimnisse des Denksports einweiht. In der Hauptstadt gibt es acht Schachschulen, die sich bemühen, den Sport im Lande populärer zu machen. Inzwischen haben die Iraner fünf Großmeister und eine Frauengroßmeisterin. Die erfreuliche Entwicklung hält an, meint Ghaem Maghami. Von seinen Preisgeldern bei Turnieren kann er nach eigenen Worten gut leben. Was er in Dresden erneut unter Beweis stellte.


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