Isle of Man: Acht (sechs) Spieler mit Chancen.

von André Schulz
21.10.2019 – Acht Spieler können sich noch Hoffnungen auf den Turniersieg beim FIDE chess.com Grand Swiss machen, allen voran Fabiano Caruana, der alleine führt. Für das Ticket zum Kandidatenturnier bewerben sich noch sechs Spieler, denn Carlsen und Caruana spielen außer Konkurrenz. | Foto: John Saunders

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Vor der gestrigen zehnten Runde lagen vier Spieler in Front: Fabiano Caruana, David Anton, Levon Aronian und Hikaru Nakamura. Dahinter folgte eine Gruppe von elf Spielern mit einem halben Punkt weniger. Die vier führenden Spieler konnten es in den direkten Duellen ausfechten. Caruana spielte gegen Anton und Nakamura gegen Aronian.

Anton und Caruana | Foto: Maria Emelianova

Der Spanier David Anton hatte ein sehr gutes Turnier gespielt und bewies auch gegen einen der weltbesten Spieler sein großes Talent. Nach frühem Damentausch hatte Caruana eine leichte aber dauernde Initiative und wickelte die Partie schließlich in ein Turmendspiel ab, das er richtigerweise als gewonnen beurteilt hatte:

 

46... Tc3 47.g4 c4 48.Kf6 Tg3 49.g5 c3 50.g6 b5 51.g7 b4 52.Kf7 Droht Tg6 52...Txg7+ 53.Kxg7 c2 54.Te1 [Aber nicht reflexartig 54.Tc6 wegen 54...b3 55.f6 b2 56.f7 c1D 57.f8D+ Kd7 und Schwarz liegt vorne.] 54...b3 55.f6 b2 56.f7 c1D 57.f8D+ Kd7 58.Df5+

[Weiß setzt Matt. 58...Kc6 59.Te6+ Kb7 (59...Kd7 60.Dd5+ Kc8 61.Te8#) 60.Db5+ Kc8 61.Te8#]  1-0

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Der zweite Spitzenkampf zwischen Nakamura und Aronian endete in einem Doppelturmendspiel remis. Damit war klar, dass Caruana als alleiniger Spitzenreiter in die Schlussrunde gehen würde und beste Chancen auf den Turniersieg hat. Für die nachfolgenden Spieler bedeutete dies aber, dass der zweite Platz hinter Caruana für die Qualifikation zum Kandidatenturnier reichen würde. Caruana ist ja schon als Verlierer des letzten WM-Kampfes qualifiziert.

Aus der Verfolgergruppe nutzten Wang Hao, Kirill Alekseenko, David Howell und Nikita Vitiugov die Chance, sich in die Verfolger von Caruana einzureihen und vielleicht das Ticket für das Kandidatenturnier zu lösen.

Wang Hao räumte dabei mit Anand ein echtes Schwergewicht und einen direkten Konkurrenten aus dem Weg.

Wang Hao, Anand | Foto: John Saunders

Die Partie wurde mit der Variante der Russischen Verteidigung ausgetragen , die seit Vitiugovs Sieg über Wesley So im Worldcup sehr populär geworden ist. Zu der gespielten Untervariante gibt es eine Reihe von Vorgängern. Eine Fernpartie verlief sogar bis zum 19. Zug gleich und endete dann remis. 

 

Hier geschah in der Fernpartie 19... Th5. Anand setzte mit 19.Dxe4 fort, und nun: 19... dxe4 20.Tg4 La6 [Auf 20...Txe5 geschieht 21.Txg7+ Kxg7 22.fxe5 mit gleichem Spiel.]

21.Te1 Td8 [Schwarz steht etwas aktiver.] 22.Tg3 Tc6 23.f5 [Es droht Lg5 und Lf6.] 23...Td5

[Eine recht komplizierte Stellung, die einigen Rechenaufwand erfordert. In Betracht kam: 

24.h4 Txe5 25.Lb2 Tb5 (25...Txf5 26.Txe4) 26.Lxg7; 

oder 24.Lf4!? mit leichter schwarzer Initiative.]

24.e6?! [Ein Tempoverlust, da der e-Bauer nicht gefährlich werden kann.] 24...Txf5 25.Ta3

[25.e7 Te5 26.Lb2 Txe7 27.Lxg7 Kh7 ist besser für Schwarz. 25.Lh6 g6 26.Ta3 Lb5 27.Txa7 fxe6 mit nur geringem schwarzen Plus, war vielleicht noch ganz OK.]

25...Lc4 26.exf7+

[Besser war noch 26.e7 Te5 27.Txa7 Txe7 28.Lf4 Ld5, aber Weiß muss ums Remis kämpfen.]

26...Lxf7

 

27.c3

[27.Txa7 Txc2 und es droht sehr kräftig Tff2.]

27...a5 28.Txe4? [Besser ein Ende mit Schrecken...?]

[Weiß hätte stattdessen ein Luftloch gebraucht, 28.h4, steht aber nach 28...Lc4 mehr als unbequem. Der Ta3 ist völlig außer Spiel.]

28...Tcf6 [29.Te1 Lc4 30.h4 Tf1+]  0-1

Ein Drama! Anand, der auch noch Chancen auf den Kandidatenplatz hatte, ist damit aus dem Rennen ausgeschieden. Der 15. Schachweltmeister wird am Kampf um den Titel im nächsten Jahr nicht teilnehmen. 

Auch Sergey Karjakin, Vizeweltmeister von 2015, hatte noch Chancen. Er spielte mit Weiß gegen Kirill Alexeenko und war in kämpferischer Stimmung:

 

Auf 7...f6 antwortete Weiß mit 8. cxd5, gab also eine Figur, erhielt dafür ein paar Bauern und einen Freibauern auf b7, der Dauerbewachung erforderte. Die Partie mündete in ein Endspiel, das Schwarz mehr und mehr vereinfachen konnte. 

 

Ganz langsam neigte sich die Waage zugunsten von Schwarz. Karjakin kämpfte noch lange ums Remis, aber es reichte nicht. 

Auch David Howell gelang ein Sieg gegen einen "Großkopferten", gegen Alexander Grischuk.

Howell-Grischuk | Foto: Maria Emelianova/ chess.com

Dem russischen Zeitnotkünstler war in einem Englischen Igel nach und nach Material abhanden gekommen und er landete in einer trostlosen Stellung.

 

Her geschah 33. e4 Tc5 34. Lxd4 wonach noch ein schwarzer Bauer im Kästchen verschwindet. Die Partie dauerte nicht mehr lange.

Nikita Vitiugov besiegte Alexandr Rakhmanov und ist damit ebenfalls noch im Rennen um den Kandidatenplatz dabei.

Und Magnus Carlsen natürlich! Im Hinblick auf den Kandidatenplatz spielt er außer Konkurrenz. Aber er könnte ja noch Turniersiger werden.

Carlsen-Matlakov | Foto: John Saunders

Gegen Maxim Matlakov ließ der Weltmeister sich auf ein Theorieduell in der komplizierten Anti-Moskauer Variante ein.

Nach 11 Zügen waren die Steine so aufs Brett geworfen:

 

Spieler dieser Variante kennen die Stellung natürlich bestens, wobei man immer das Gefühl hat, Weiß müsse um den Ausgleich kämpfen. Im undurchsichtigen Dickicht hatte Carlsen dann aber den besseren Durchblick und gewann allmählich die Oberhand.

 

Schwarz zog hier 32...De3. Nach 33. Lxf7 Kd8 oder 33. Txf7 0-0-0 spielt Schwarz weiter mit, aber nicht nach 33. Df5, was Carlsen zog. Da Carlsen in der Folge aber nicht immer ganz optimal weiterspielte, kamen die Zuschauer noch in den Genuss zu sehen, wie Carlsen mit der Dame eine Fast-Festung mit Turm und Läuferbauer  (auf der 6. Reihe!) knackt.

 

Keine Festung!

Vincent Keymer jüngster deutscher Großmeister aller Zeiten

Die drei deutschen Großmeister spielten remis, Huschenbeth und Keymer gegeneinander. Das Remis gegen Huschenbeth gab es nicht geschenkt und Keymer wollte im Damenendspiel auch noch mehr.

Deutsches Derby | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Vincent Keymer, zur Zeit noch 14 Jahre alt, erreichte bei diesem Turnier mit einer Eloleistung von bisher 2623 seine dritte GM-Norm. Das größte deutsche Schachtalent seit Robert Hübner ist damit der jüngste deutsche Großmeister aller Zeiten!

Matthias Blübaum ist nach ausgezeichnetem Beginn zum Schluss etwas die Luft ausgegangen. Mit 5 aus 10 ist er aber dennoch der Beste im deutschen GM-Trio.

Ergebnisse

Name Pkt. Ergebnis Pkt. Name
Caruana Fabiano 1 - 0 Anton Guijarro David
Nakamura Hikaru ½ - ½ Aronian Levon
Carlsen Magnus 6 1 - 0 6 Matlakov Maxim
Anand Viswanathan 6 0 - 1 6 Wang Hao
Karjakin Sergey 6 0 - 1 6 Alekseenko Kirill
Howell David W L 6 1 - 0 6 Grischuk Alexander
Vitiugov Nikita 6 1 - 0 6 Rakhmanov Aleksandr
Le Quang Liem 1 - 0 6 Maghsoodloo Parham
So Wesley ½ - ½ Robson Ray
Yu Yangyi ½ - ½ Kryvoruchko Yuriy
Svidler Peter ½ - ½ Kovalev Vladislav
Nguyen Ngoc Truong Son ½ - ½ Vidit Santosh Gujrathi
Xiong Jeffery ½ - ½ Sevian Samuel
Hovhannisyan Robert 1 - 0 Vallejo Pons Francisco
Gelfand Boris ½ - ½ Abasov Nijat

...

Partien

 

Stand

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Caruana Fabiano 7,5 2717
2 Wang Hao 7,0 2739
3 Alekseenko Kirill 7,0 2714
4 Carlsen Magnus 7,0 2691
5 Aronian Levon 7,0 2689
6 Vitiugov Nikita 7,0 2661
7 Nakamura Hikaru 7,0 2659
8 Howell David W L 7,0 2649
9 Anton Guijarro David 6,5 2708
10 Paravyan David 6,5 2671
11 Le Quang Liem 6,5 2635
12 Hovhannisyan Robert 6,5 2628
13 Abasov Nijat 6,0 2702
14 Maghsoodloo Parham 6,0 2698
15 Kovalev Vladislav 6,0 2692
16 Rakhmanov Aleksandr 6,0 2689
17 Deac Bogdan-Daniel 6,0 2683
18 Grischuk Alexander 6,0 2682
19 Matlakov Maxim 6,0 2671
20 Kryvoruchko Yuriy 6,0 2670
21 Melkumyan Hrant 6,0 2669
22 Karjakin Sergey 6,0 2658
23 Yu Yangyi 6,0 2658
24 Anand Viswanathan 6,0 2652
25 So Wesley 6,0 2652

154 Spieler

 

Turnierseite...

Ergebnisse bei Chess-results...

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Stefan Eichardt Stefan Eichardt 22.10.2019 10:27
Der Spiegel schreibt:
https://www.spiegel.de/sport/sonst/magnus-carlsen-bleibt-im-schach-in-101-partie-am-stueck-ungeschlagen-a-1292639.html
Arelius Arelius 21.10.2019 02:10
@Schnabelwolke, es wäre interessant zu wissen wie viele Großmeister >2600 dieses Endspiel überhaupt wirklich beherrschen.
Die Aussage: (Und wie jeder ambitionierte Schachspieler schon in der Schule lernt, ist das gewonnen) Das halte ich eher für einen Witz. Selbst Daniel King sagte gestern, er weiß gar nicht, ob das bei richtiger Spielweise überhaupt gewonnen ist. Nun gut, er ist da wohl eher auch kein ambitionierter Schachspieler (beste ELO nur 2560) und hat es auch nicht in der Schule gelernt.
Schnabelwolke Schnabelwolke 21.10.2019 01:01
In der Fast-Festung von Carlsen-Matlakov handelt es sich übrigens _nicht_ - wie derzeit noch der Text behauptet - um einen Springerbauern auf der sechsten Reihe (dann wäre es nämlich tatsächlich remis), sondern um einen *Läuferbauern*. Und wie jeder ambitionierte Schachspieler schon in der Schule lernt, ist das gewonnen (und die guten Spieler wissen auch, wie ...)
Stefan Eichardt Stefan Eichardt 21.10.2019 12:27
Vielleicht wäre es eine Randnotiz wert, dass Magnus Carlsen in klassischen Turnierpartien seit hundert Partien ungeschlagen ist - wie viele davon remis ausgingen, weiß ich nicht. Seine letzte Niederlage bezog Carlsten am 31. Juli in Biel gegen Mamedyarov: www.vg.no/sport/i/JoG8jX/magnus-carlsen-med-100-partier-uten-tap-paa-vei-mot-aa-bli-historiens-fremste-sjakkspiller
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