Jugendweltmeisterschaft auf der Zielgeraden

27.11.2007 – Langsam neigt sich die Jugendweltmeisterschaft ihrem Ende zu. Klar ist, dass die deutschen Spieler den Erfolg von Arik Braun aus dem letzten Jahr nicht wiederholen können. Allerdings gibt die im Vergleich zu anderen Ländern eher kleine deutsche Delegation auch kein schlechtes Bild ab. Ilia Brener liegt in der U18 im 112-köpfigen Feld auf Rang 15 bei einem Rückstand von 1,5 Punkten auf die Spitze. GM Ivan Popov aus Russland ist hier auf Titelkurs, allerdings noch bedrängt. Bei den Mädchen ist Judith Fuchs drei Punkte von der Spitze entfernt und liegt auf Rang 19. Katerina Nemcova aus Tschechien führt mit acht aus neun. Sebastian Bogner hält sich in der U16 mit mit sechs Punkten in der gleichen Tabellenregion auf. Ioan Cristian Chirilia führt dort mit 7,5 P. Jörg Schulz berichtet aus Kemer, wo die Massenveranstaltung "Jugendweltmeisterschaft" das Geschick der Organisatoren auf die Probe stellt, von den Schiedsrichtern viel Beobachtungsgabe und große Durchsetzungskraft erfordert und die Teilnehmer zu präziser Einteilung der Kräfte zwingt (Bild)Turnierseite der Jugend-WM...Bericht Nr. 8, Partien, Bilder....

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Gleichstand
Von Jörg Schulz
Bilder: Thomas Pähtz

Partien der ersten acht Runden...
(editiert von Reinhold Goldau)


Kraft tanken vor der Runde

Als nach weit über 100 Zügen und fast sechs Stunden Spielzeit Sebastian Kaphle korrekt und vom Schiedsrichter akzeptiert dreimalige Stellungswiederholung reklamierte, war der Arbeitstag beendet. Die Reklamation erfolgte in einem Endspiel König und Springer (Sebastian) gegen König und Turm (ein Iraner). Dieses Endspiel hatte Sebastian so gerade eben noch erreichen können, nachdem er lange Zeit auf des Messers Schneide stand.

Mit diesem Remis hatte auch der letzte von unseren Startern, die mit 5,5 Punkten in die 9. Runde gegangen waren, es nicht geschafft, die 6,5 Punkte zu erreichen. Dennis Wagner verlor in einem Drachen, nachdem er sehr viel Zeit in die richtige Planfassung gesteckt hatte und ihm am Ende diese Zeit fehlte. Anna Endress warf gegen eine Inderin eine total gewonnene Partie mit einem einzigen Zug weg. So kommen wir immer einen halben Punkt mehr von der Spitze weg.

Waren vor dieser Runde noch 8,5 Punkte möglich, sind es jetzt „nur noch“ 8. Aber dass diese möglich sind, verdanken wir den Erfolgen von Ilja Brener U18, von Sebastian Bogner U16 und Patrick Zelbel U14, der meine Aufforderung, ein Punkte müsste bei ihm mal wieder her, anscheinend gehört und sogar befolgt hat.


Patrick Zelbel

Durch die beiden Siege von Ilja und Sebastian geht der vollkommen gleiche Turnierverlauf der beiden Mitglieder der Jugendolympiamannschaft weiter. In jeder Runde mit der gleichen Farbverteilung die gleichen Ergebnisse. Mal sehen, ob einer in den letzten beiden Runden noch aus dem Rahmen fällt.

Auf 6 Punkte ist auch Hans Möhn durch einen schön heraus gespielten Sieg gekommen, wie auch Sebastian durch das schon beschriebene Remis. Vorweg kann ich an dieser Stelle schon nehmen, dass es leider morgen in der 10. Runde zu der Paarung Möhn – Kaphle kommen wird, womit ein Sechser schon mal nicht auf 8 Punkte kommen kann, oder vielleicht auch beide, je nachdem wie die Partie ausgeht.

In jeder Runde ragt eine Altergruppe aus dem gesamten Team hervor. Diesmal war es die U16 der Jungs, denn alle 5 Starter konnten einen Erfolg nach Hause bringen, also Siege für Julian Jorczik, Aleksyi Savchenko (endlich!), Hagen Poetsch (schon 5,5 Punkte!) und eben Sebastian Bogner. Bei den Mädchen klappte dies nicht, zwar konnte Elena ihren aufgestauten Frust in einen Sieg gegen eine Libanesin umsetzen, doch Ekaterina verlor wie auch ihr Bruder Alexander in der U14.

Gestern konnte ich freudig davon berichten, dass unseren beiden jüngsten Mädchen ihren Schwarzfluch besiegen konnten, heute verloren dafür Paula Wiesner und Sonja Maria Bluhm beide mit den weißen Figuren, womit ihre weiße Siegesserie zerstört ist. Aber das passt zur WM, kaum kommt Freude auf über einen Erfolg, so folgt unmittelbar darauf der Dämpfer.

In der U10 zeigen unsere Jungs Konditionsprobleme, denn die Aufmerksamkeit sinkt, die Kinder kommen in Zeitnot, da sie anfangen in Stellungen zu überlegen, in denen es logische Züge gibt, die dann aber nicht gemacht werden, zudem kommt es zu kleinen Aussetzern. Ferdinand Xiong überlegte heute fast dreißig Minuten an einem Zug, am Ende fehlte ihm gerade diese Zeit und er verlor. Bei Dominik Nöttling und Jakob Schuhmacher führten kleine Fehler oder ungenaue Züge zu Remispartien. Einzig Christoph Peil führte heute seine Partie zum Erfolg.

Bleiben die U12 der Mädchen. Filiz gewann, obgleich man über viele Züge den Eindruck gewinnen konnte, sie wollte gar nicht gewinnen, so umständlich spielte sie und gab ihrer Gegnerin immer wieder Möglichkeiten zu Gegenspiel. Hanna-Marie Klek verlor und Daniela Schäfer spielte remis.

In der U18 hat Judith Fuchs nach ihrer heutigen Niederlagen keine Chance mehr, ganz nach vorne zu kommen, sie kann maximal auf 7 Punkte kommen. Heute warf sie ein gewonnenes Endspiel weg.

Ihre Unglücksserien konnte endlich Anja Schulz beenden. Vielleicht gibt ihr dieser Punkt ja noch Schwung für die letzten beiden Runde.

Weiter dem Erfolg hinterher läuft in der U14 Felix Graf, der wieder einmal verlor. Eine Niederlage gab es auch für Philipp Kyas in der U12, obgleich er wie vom Trainer immer wieder betont, eine hervorragende Partie spielte, dann aber Gespenster sah und diesen mehr Bedeutung gab als der Wirklichkeit auf dem Brett. Das war eine ärgerliche Niederlage.

Insgesamt ergab das Zusammenaddieren einen Gleichstand von 13 : 13 Punkten und eigentlich lagen auf den Brettern viel mehr Punkte herum, doch leider zählt das ja nicht.

Zwei Runden sind noch zu spielen, die Nervosität im Turniersaal steigt und wird richtig greifbar. Dies führte wahrscheinlich auch zum ersten offiziellen Protest des slowenischen Verbandes, der in der U12 weiblich Einflussnahme von außen reklamierte.



Überhaupt herrscht an den Brettern in dem Turniersaal der Kleinen an den Brettern oftmals Verwirrung, was eigentlich nur auf die unlösbaren sprachlichen Probleme zurückzuführen ist. Die Kleinen sprechen nichts als ihre Muttersprache und da ist es für die Schiedsrichter schwer, Hinweise zu geben, auf Fehler aufmerksam zu machen oder bei Protesten Fakten zu eruieren und Probleme richtig zu lösen. Oftmals kommt es zu Reklamationen, sehr häufig wegen berührt – geführt, und die Reklamationen werden alle zurückgewiesen. Mit Gesten versucht der Protestierende zu erklären, was angefallen ist. Der Schiedsrichter versteht es oder auch nicht, dann wird der Gegner angeschaut, der schüttelt den Kopf, entweder weil er nichts versteht oder den Vorwurf bestreitet, und die Uhren werden wieder in Gang gesetzt. In einigen Fällen versuchen die Reklamierenden energischer ihren Protest Gewicht zu verleihen, was dann zu einer Erhöhung der beteiligten Schiedsrichter führt, teilweise bis zu drei, am Ergebnis aber nichts ändert.

Ein kleiner Inder in der U10 bekam sogar ein Weinschreianfall, aber auch er konnte mit seiner Reklamation nichts erreichen. Im Turniersaal der Großen, wo die Sprachbarrieren schon sehr viel geringer sind, spielen sich solche Szenen nicht ab, aber kleine Trickser gibt es auch dort. Uwe Bade erzählte von einer Reklamation in der U14 in total verlorener Stellung wegen falscher Bauernumwandlung. Zum Pech des Protestführenden stand Uwe Bade direkt neben der Partie und hatte den Vorfall verfolgt. Ein scharfer Blick und ein energisches Kopfschütteln führte dazu, dass der Protest sich durch Aufgabe des Spielers erledigte. Ansonsten verlaufen die Turniere bisher friedlich, einzig die Einflussname von außen ist ein Thema, ab und an müssen Betreuer, Zuschauer ermahnt oder sogar des Turnierraumes verwiesen werden und teilweise werden sogar spielende Kinder und Jugendliche als Spione für die Trainer am Rande eingesetzt, da die Spieler ja unbehelligter an die einzelnen Bretter kommen.


Spielereltern: Moehn, Peil, Graf, Jorczik, Zelbel


Bernd Vökler
 


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