Kampf ums Kopftuch: Shohreh Bayat im Interview der BBC

von Johannes Fischer
24.02.2020 – Im Januar leitete die Iranerin Shohreh Bayat, Generalsekretärin des iranischen Schachverbands, den Frauen-WM-Kampf zwischen Ju Wenjun und Aleksandra Goryachkina als Schiedsrichterin, doch danach kehrte sie nicht in ihre Heimat zurück. Stattdessen floh sie nach London. Während des WM-Kampfs hatte Bayat den Zorn iranischer Geistlicher auf sich gezogen, denen die Art nicht gefiel, in der sie ihr Kopftuch trug. In einem Interview mit der BBC sprach die Iranerin jetzt über das Kopftuchgebot im Iran, religiöse Unterdrückung und warum sie Angst hat, zu ihrem Mann und ihrer Familie in den Iran zurückzukehren.

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"Meine Familie ist im Iran. Meine Heimat ist im Iran."

Die 32-jährige Shohreh Bayat ist die erste und einzige Internationale Schach-Schiedsrichterin der Kategorie A in ganz Asien. Zudem ist sie die einzige weibliche Generalsekretärin eines Sportverbandes im Iran und so berief die FIDE sie zur Hauptschiedsrichterin des Frauen-WM-Kampfs zwischen Ju Wenjun und Aleksandra Goryachkina, der im Januar in Shanghai und Vladivostok stattfand. Doch während des Wettkampfs gab es auf regierungstreuen iranischen Webseiten Anfeindungen gegen Shohreh Bayat, da diese während der Wettkampfleitung angeblich kein Kopftuch getragen hätte, oder aber das Kopftuch so provozierend getragen hätte, dass man es als Protest gegen das Kopftuchgebot verstehen müsse.

Diese Anfeindungen führten dazu, dass Bayat sich dazu entschloss, nach dem Wettkampf nicht mehr in den Iran zurückzukehren. Wie sie Emily Maitlis von der BBC in einem Interview verriet, hielt sie das für zu gefährlich.

"Im Iran sind die Strafen drakonisch, wenn man das Kopftuch nicht trägt: man kann ins Gefängnis kommen oder der Pass wird einbehalten ... Ich war schockiert, und wusste nicht, wie mir geschah, denn das Risiko, in den Iran zurückzukehren und verhaftet zu werden, konnte ich nicht eingehen."

Zuvor hatte Bayat den Präsidenten des Iranischen Schachverbands, Mehrdad Pahlavanzadeh, noch gebeten, für ihre Sicherheit im Iran zu garantieren, aber als er das nicht konnte, entschied sie sich für die Flucht.

Bayat ist verheiratet und befürchtet nun, dass sie ihren Mann und ihre Familie im Iran nicht wiedersehen kann.

Shohreh Bayat im Interview mit der BBC

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".

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