Kandidatinnen-Turnier: Remis und taktisches Feuerwerk

von André Schulz
27.10.2022 – Inna Bazhenova, die Herausgeberin von "The Art Newspaper" eröffnete die 2. Partie zwischen Anna Muzychuk und Humpy Koneru, die sich zu einem scharfen taktischen Gefecht entwickelte. Sie endete mit Dauerschach. Auch Mariya Muzychuk und Lei Tingjie spielten remis.| Fotos: Michal Walusza

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Als die FIDE nach dem Zweiten Weltkrieg die Organisation der Weltmeisterschaften übernahm, führte sie einen dreijährigen WM-Zyklus ein. Erst wurden zunächst Zonenturniere gespielt, dann Interzonenturniere und ein Kandidatenturnier und schließlich der WM-Kampf. Damit war nach dem Kandidatenturnier 1962 aber Schluss. Bobby Fischer beschuldigte die Sowjetspieler Tigran Petrosjan, Efim Geller und Paul Keres der Ergebnisabsprache und er hatte recht mit seiner Behauptung.

Die FIDE schaffte daraufhin die Kandidatenturniere ab und ersetzte sie durch Kandidatenkämpfe. Nach dem Split der Weltmeisterschaften 1993 führte der FIDE-Präsident Kirsan Ilyumzhinov 1997 K.o.-Weltmeisterschaften ein. Und als diese vom Tisch waren und es 2006 endlich zur Wiedervereinigung der Weltmeisterschaften kam, wurde zunächst das System der Kandidatenkämpfe wieder aufgenommen. Lange Wettkämpfe, so wie früher, waren inzwischen aber zu kostspielig und kurze Matches erwiesen sich als langweilig, weil die Spieler nichts riskierten. Am Ende entschied oft ein Stichkampf. So wurden wieder Kandidatenturniere gespielt. 

In der Organisation des Frauenschachs ist sowieso alles immer etwas anders. Vor dem Krieg wurden fast nur Weltmeisterschaftsturniere gespielt, nach dem Krieg lange Zeit Weltmeisterschaftswettkämpfe. 1999 wurde auch im Frauenschach die K.o.-Weltmeisterschaften eingeführt. Dann gab es das widersinnige System mit wechselnden Weltmeisterschaft im K.o.-Format und im Wettkampfsystem.

Die neue FIDE-Führung unter Arkady Dvorkovich schaffte schließlich Ordnung und passte das System der Frauenweltmeisterschaften an das absolute Weltmeisterschaftssystem an. Die erste Herausforderin im neuen Format wurde Aleksandra Goryachkina, nachdem sie ein Kandidatinnenturnier gewann.

2022 ist Krieg in Europa. Russland hat die Ukraine angegriffen und fünf der acht Kandidatinnen kommen entweder aus dem einen oder aus dem anderen Land. Die FIDE hielt es für geboten, die Spielerinnen der beiden Nationalitäten nicht am gleichen Ort spielen zu lassen und teilte sie in zwei Gruppen ein. Die vier Spielerinnen jeder Gruppe tragen nun wieder Kandidatinnen-Wettkämpfe aus, allerdings in  sehr kurzer Distanz. Nur vier Partien werden pro Runde gespielt. Bei Gleichstand folgt ein Stichkampf mit kurzen Bedenkzeiten. Erste das Finale wird mit sechs regulären Partien gespielt. Man könnte befürchten, dass die Wettkämpfe mit diesen wenigen Partien zu vielen Remisergebnissen führen würden und dann erst im Endspiel entschieden würden. Das sah nach der ersten Partie in beiden Wettkämpfen nicht so aus. Koneru und Lei Tingjie gewann gleich zum Auftakt, beide mit Weiß, gegen Anna und Maryia Muzychuk.

Den unterlegenen Spielerinnen bleibt wenig Zeit, um den Rückstand aufzuholen. Die besseren Chancen haben die Spielerinnen, wenn sie die weißen Steine führen. 

In Runde zwei der Kandidatinnenkämpfe stand zweimal die Russische Verteidigung auf dem Brett. Mariya Muzychuk stand in ihrer Partie gegen Lei Tingjie immer leicht besser, doch mehr als ein Remis konnte die Ukrainerin nicht erreichen.

Anna Muzychuk zündete gegen Humpy Koneru ein scharfes taktisches Feuerwerk. 

 

 

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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