Kompromisslösung bei Fortführung der Bundesliga

von André Schulz
13.07.2020 – Am Samstag trafen sich die Vertreter der Bundesliga in einer Videokonferenz, um über die Fortsetzung des Spielbetriebs zu beraten und einen Beschluss zu fassen. Einen Konsens kam nicht zustande, aber es wurde ein Kompromiss gefunden.

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Der Spielbetrieb in den deutschen Schachligen wurden im März 2020 schon recht früh ausgesetzt, nachdem sich das Ausmaß der Corona-Pandemie andeutete. Seitdem ruht der Spielbetrieb in allen Ligen. Die zuständigen Vereine und Verbände beraten sich regelmäßig über mögliche Lösungen, wobei es für die einzelnen Ligen unterschiedliche Entscheidungsträger gibt. Die Erste Bundesliga organisiert sich als Verein im Deutschen Schachbund selbst, der Deutsche Schachbund ist für die Zweiten Ligen zuständig, die Landesverbände für die Regionalligen.

Als der Corona-Lockdown amtlich wurde, befanden sich die Ligen je nach Terminplan in ganz unterschiedlichen Stadien ihres Spielbetriebes. Die Bundesliga hatte etwa die Hälfte der Wettkämpfe gespielt. In den zweiten Ligen stehen nur noch ein oder zwei Wettkämpfe an. Auch in den Regionalligen ist die Situation von Land zu Land und von Liga zu Liga ganz verschieden. Da ja alle Ligen durch Auf-und Abstieg miteinander verbunden sind, wäre eine einheitliche Lösung wünschenswert. Ob dies gelingt, ist jedoch völlig unklar und hängt von den externen Bedingungen ab. Niemand kann heute vorhersagen, wie es in Deutschland mit dem Sport und Kulturleben weiter geht. 

Am Samstag trafen sich die Vertreter der Mannschaften der Bundesliga zu einer Videokonferenz, um möglichst einen Beschluss zur Fortführung der ersten Bundesliga zu fassen. Auf die Frage, wie die unterbrochene Saison 2019/20 der Bundesliga fortgesetzt, werden kann, gibt es kaum eine einfache Lösung, die allen Anforderungen gerecht wird. Da es derzeit keine verlässliche Perspektive gibt, ob und unter welchen Bedingungen die Saison 2019/20 noch einigermaßen fristgerecht zum Abschluss gebracht werden kann, wurden zwei Szenarien diskutiert. Die Saison wird ins Jahre 2021 ausgedehnt - diesen Vorschlag hatte der Deutsche Schachbund schon vor einigen Wochen für den Spielbetrieb der Zweiten Ligen gemacht. Oder man beendet die Saison mit einer zentralen Veranstaltung im Herbst des Jahres, bei der innerhalb einer Woche alle noch ausstehenden Wettkämpfe ausgetragen werden. Die OSG Baden-Baden hatte sich angeboten diese zentrale Schlussveranstaltung auszurichten und auch zu finanzieren.

Eine Reihe von Vereinen befürwortete diese Lösung. Es gab aber auch Vereine, die sich lieber eine Ausdehnung der Saison auf das Jahr 2021 wünschten. Für die Profimannschaften wäre die Lösung mit einer zentralen Veranstaltung sicher die bessere Lösung. Spieler, die aber einen anderen Beruf ausüben, also keine Schachprofis wind, müssten sich für eine Zentralveranstaltung eine Woche Urlaub nehmen, was manche Spieler nicht möchten oder gar nicht können. Natürlich spielte auch die Reisebeschränkung für einige Spieler bei der Diskussion eine Rolle. Aus manchen Ländern, derzeit zum Beispiel Russland, ist eine Einreise nach Deutschland bis auf Weiteres nicht möglich. 

Kompromisslösung

Für eine einvernehmliche Lösung wäre eine Dreiviertelmehrheit nötig gewesen. Diese kam jedoch nicht zustande. Die Bundesligavereine fanden aber einen Kompromiss, der folgendermaßen aussieht.

1. Die Saison 2019/20 wird auf das Jahr 2021 ausgedehnt, also zur Saison 2019/21.

2. Die OSG Baden-Baden organisiert in der zweiten Septemberhälfte eine Deutsche Mannschaftsmeisterschaft, an der alle Mannschaften teilnehmen, die beim derzeitigen Tabellenstand noch theoretische Chancen auf die Meisterschaft haben, nämlich neben der OSG Baden-Baden noch die SG Solingen, der SC Viernheim, die SF Deizisau, Werder Bremen und möglicherweise der SV Hockenheim.

 

Pressemitteilung des Schachbundesliga e.V. vom 12. Juli 2020

Im Rahmen eines Sonderevents in Karlsruhe oder Baden-Baden wird in der zweiten Septemberhälfte der Deutsche Mannschaftsmeister 2020 ermittelt. Dies hat der Schachbundesliga e.V. am 12. Juli 2020 mit den Stimmen sämtlicher Erstligavereine sowie des Deutschen Schachbundes entschieden.

Ausrichter der Veranstaltung ist das Schachzentrum Baden-Baden e.V. in Zusammenarbeit mit der OSG Baden-Baden 1922 e.V. und der GRENKE Gruppe. Die Teilnahme aller Spitzenvereine der höchsten deutschen Spielklasse wird angestrebt. Alle Partien werden ausschließlich online präsentiert.

Wegen weiterhin bestehender internationaler Reisebeschränkungen wird den Vereinen die Nachmeldung von Spielern ermöglicht. Ein Hygienekonzept zum wirksamen Infektionsschutz aller Akteure ist Bestandteil der Veranstaltung. Details werden im Zusammenwirken mit den zuständigen Gesundheitsbehörden ausgearbeitet.

Das im März 2020 aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochene reguläre Spieljahr wird im Frühjahr 2021 fortgesetzt und abgeschlossen.

Markus Schäfer, Präsident des Schachbundesliga e.V.: „Mit diesem Beschluss senden die Vereine der 1. Schach-Bundesliga ein starkes Signal zur Wiederaufnahme des Spielbetriebes unter Gewährleistung besonderer Vorkehrungen für den Gesundheitsschutz. Das Sonderevent in Karlsruhe oder Baden-Baden wird für alle Beteiligten und die Online-Zuschauer hochattraktiv. Die Auswirkungen der weltweiten Corona-Krise haben naturgemäß auch die Ausübung unserer Sportart beeinträchtigt. Umso mehr freue ich mich, dass alle Erstligisten entschlossen sind, gemeinsam eine neue Perspektive aufzuzeigen.“

Pressemitteilung der Schachbundesliga...

Beitrag beim Solinger Tageblatt...

Beitrag beim Berliner Sonntagsblatt...




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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ir77 ir77 15.07.2020 12:53
Will jemand einen "Deutschen Meister", der aus 6 Mannschaften ermittelt wird? Wie kann der Deutsche Schachbund so einem Käse zustimmen?
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