Kramnik gewinnt zum siebten Mal in Dortmund

06.08.2006 – Mit einem Doppelsieg in den letzten beiden Runden holte sich Vladimir Kramnik seinen siebten Turniersieg beim Sparkassen Chess Meeting in Dortmund. Sein Opfer in der letzten Runde war ausgerechnet Peter Leko. Kramnik gewann das Turnier dank der besseren Sonderwertung vor dem punkgleichen Peter Svidler, der seine Bemühungen gegen Michael Adams, evtl. ein besseres Ergebnis zu erzielen, frühzeitig eingestellt hatte. In die Siegerliste des Tages trugen sich indes Arkadij Naiditsch (gegen Baadur Jobava) und Boris Gelfand (gegen Levon Aronian) ein. Nachdem das Turnier mit vielen Remispartien begonnen hatte, dominierten in der zweiten Turnierhälfte die entschiedenen Partien. Cheforganisator Gerd Kolbe betonte zudem die hohe Zuschauerzahl von ca. 500 pro Tag. Seine Schlussbetrachtung verknüpft Dagobert Kohlmeyer mit einem Interview mit dem Naiditsch-Trainer Alexander Beliavsky. Dieser seiht Arkadij Naiditsch bald über 2700 und sieht im Wettkampf Topolov gegen Kramnik den Bulgaren als Favoriten an. Turnierseite...Bericht, Endstand, Partien...

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Sieben auf einen Streich: Kramnik gewinnt Dortmunder Schachtage
Von Dagobert Kohlmeyer

Wladimir Kramnik ist und bleibt der Schachkönig von Dortmund. Zum siebenten Mal gewann der Weltmeister aus Russland am Sonntag das Sparkassen Chess Meeting. Im Spitzenduell der Schlussrunde besiegte der Moskauer mit Weiß den Ungarn Peter Leko und fing ihn auf der Ziellinie noch ab. „Maßarbeit“, sagen die einen, „Minimalismus“ die anderen.

Die begeisterten Zuschauer im Schauspielhaus jedenfalls applaudierten dem Weltmeister, der sich am Wochenende mit zwei spektakulären Gewinnpartien noch an die Spitze setzen konnte. Kramnik gewann die Schachtage mit 4,5 Punkten nach Feinwertung vor seinem punktgleichen Landsmann Peter Swidler. Der Großmeister aus St. Petersburg hatte sich zuvor vom Engländer Michael Adams schon zeitig remis getrennt.

In der Spanischen Partie gab Swidler mit Weiß bereits nach 17 Zügen seine Gewinnversuche auf. Er spekulierte wohl damit, dass Kramnik und Leko auch den Punkt teilen und er dann an der Tabellenspitze bleiben würde.

Nach verhaltenem Start sicherte sich Kramnik den Gesamtsieg doch noch, was lange Zeit nicht so aussah. Wladimirs Gegner Peter Leko, den er im Herbst 2004 beim WM-Kampf in Brissago (Schweiz) auch erst in der letzten Partie stoppen konnte, hätte ein Remis zum Erfolg gereicht. So wurde der Ungar zur tragischen Figur des Wettbewerbs und rutschte noch auf Platz 4 hinter Michael Adams ab.

„Es tut mir sehr leid um Peter Leko“, sagte Kramnik nach der Partie, denn er spielte ein gutes Turnier und hätte den Sieg auch verdient gehabt. Aber als sich mir die Gewinnchance bot, habe ich sie eben genutzt. Wichtiger als die Sieg in Dortmund ist für mich jedoch mein WM-Kampf im Herbst gegen Weselin Topalow“. Mit dem Match gegen den FIDE-Weltmeister aus Bulgarien in der kalmückischen Hauptstadt Elista soll die Schachwelt nach 13 Jahren Spaltung wieder vereint werden.

Den größten Kampfgeist aller Spieler in Dortmund zeigte der 38-jährige Turniersenior Boris Gelfand aus Israel, der gegen Adams 117 Züge und gegen Baadur Jobava 113 Züge spielte und am Ende den fünften Platz belegte. Einmal verließ der 38-jährige Turniersenior dabei als Verlierer und einmal als Sieger das Brett. Veranstaltungsleiter Gerd Kolbe bezeichnete die beiden Marathonpartien als Höhepunkte der Schachtage. Er wertete die große Zuschauerresonanz als Indikator für die ungebrochene Anziehungskraft des Turniers. Das kürzeste Spiel produzierten Wladimir Kramnik und Baadur Jobava. Der Weltmeister gewann mit Schwarz schon nach 15 Zügen, weil der Georgier eine Kombination übersah. Es war die kürzeste Gewinnpartie in Kramniks Karriere überhaupt.

Sechster wurde Titelverteidiger Arkadij Naiditsch aus Dortmund, der die Weltelite im vorigen Jahr zu Hause überraschend schlagen konnte. Eine Enttäuschung bedeutet ganz sicher das schwache  Abschneiden des Weltranglistendritten Levon Aronian aus Armenien, der bei seiner Premiere im Revier nur Vorletzter wurde.


Gelfand gewann in der letzten Runden gegen Aronian


Nach 113. Zügen gewonnen: Gelfand gegen Jobava in Runde 5


Levon Aronian ausgebremst

Endstand:

 

Dortmund Sparkassen Chess Meeting, alle Partien...

 

Dortmund: Die Partien des Wettkampfes...



Konnte in der letzten Runde nicht mehr ausgleiche: Elisabeth Pähtz



Elisabeth Pähtz ist...


...Brasilien-Fan

Gewinner des A-Openturniers im Rathaus wurde Olaf Heinzel (München) mit 7,5 Punkten aus neun Partien vor Andrej Orlow (Düsseldorf) und Markus Lammers (Delmenhorst) mit je 7 Punkten.


Olaf Heinzel

Vor der Schlussrunde gratulierten die Organisatoren Großmeister Dr. Helmut Pfleger zum 63. Geburtstag. Der aus dem Fernsehen landesweit bekannte und beliebte Schachkommentator erläutert den Zuschauern in Dortmund seit dem Chess Meeting 1992 die genialen Züge der Großmeister.


TV-Kommentatoren: Dr. Helmut Pfleger und Vlastimil Hort

Auf der Bühne des Schauspielhauses erhielt Pfleger vom Veranstaltungsteam eine Schachkrawatte und eine selbstgebackene Geburtstagstorte.


Dr. Helmut Pfleger mit Torte


Carsten Hendel (re), Manager von Kramnik und Leko am Brett

 

„Ich bin sehr gern Schachtrainer“ Interview mit Alexander Beljawski:
Von Dagobert Kohlmeyer 


Alexander Beliavsky

Sekundant von Arkadij Naiditsch in Dortmund war Alexander Beljawski aus Lwow in der Ukraine, der aber seit langem für Slowenien spielt. Der 52-jährige Großmeister arbeitet schon einige Jahre mit dem Dortmunder Großmeister zusammen. Im Pressezentrum hatten wir am Sonntag kurz vor Beljawskis Abreise Gelegenheit zum Gespräch.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Arkadij Naiditsch zustande?

Der Kontakt erfolgte seinerzeit durch Großmeister Adrian Michaltschischin. Arkadij hat über ihn angefragt, ob ich mit ihm arbeiten möchte.

Wo trainiert ihr?

Meistens treffen wir uns bei Arkadij in Dortmund, um zu arbeiten.

Welches Potenzial hat dein Schützling?

Ich zweifle nicht daran, dass er in Kürze ein 2700er Großmeister wird.

Noch steht Naiditsch auf Platz 46 der Weltrangliste. Schafft er es in die Top Ten?

Warum nicht.

Du selbst spielst schon seit einem Jahrzehnt für Slowenien. Warum?

Mitte der 90er Jahre gab es Probleme mit dem ukrainischen Schachverband. Deshalb erfolgte 1996 mein Wechsel dorthin. Ich habe auch eine Wohnung in Maribor an der Grenze zu Österreich.

Heute ist das ukrainische Team äußerst  stark besetzt, also deine Rückkehr ausgeschlossen?

Als Spieler, vermutlich ja. Aber vielleicht werde ich in meinem Heimatland später einmal als Trainer arbeiten.

Als mehrfacher WM-Kandidat hast du ganz viel Erfahrung und bist als Schachtrainer sehr beliebt.

Es gibt viele Anfragen von Großmeistern. 1993 sekundierte ich Garri Kasparow in London bei seinem WM-Match gegen Nigel Short. Bei der FIDE-WM in San Luis unterstützte ich Alexander Morosewitsch. Er wurde in Argentinien Vierter und qualifizierte sich damit für das nächste WM-Turnier 2007.

Wer ist für dich derzeit stärkster Spieler der Erde?

Für mich ist Weselin Topalow derzeit eindeutig stärkster Spieler der Gegenwart.

Was hältst du von den Gerüchten, die kürzlich kursierten, das Team des Bulgaren hätte bei verschiedenen Gelegenheiten unlautere Mittel während der Partie angewendet?

Nichts. Ich war Augenzeuge beim WM-Turnier in San Luis, und mir ist dort nichts Verdächtiges aufgefallen. Ich kann dazu nur dies sagen: Topalow war in blendender Verfassung und alle anderen nicht in guter Form. Daher sein großartiges Resultat.

Und was war bei den Turnieren in Sofia 2005 und 2006, wo Weselin wie auf Bestellung nach schwachem Start in der Rückrunde jeweils enorm aufdrehte und noch gewann?

Ich glaube nicht an Betrug. Mich wunderte nur seine schlechte Verfassung in den jeweils ersten Partien. Danach erreichte er wieder seine Normalform, - und die genügt eben zurzeit, um die Konkurrenz zu schlagen.

Kann dem FIDE-Weltmeister im Moment keiner, auch Kramnik nicht, das Wasser reichen?

Ich zweifle daran. Weselin Topalow ist meiner Ansicht nach in Elista Favorit. Er steht nicht umsonst an erster Stelle der internationalen Rangliste. Von den Topleuten kann ihm vielleicht Vishy Anand am ehesten Paroli bieten. Die Weltrangliste spiegelt schon ganz gut die Stärke wider.

 


 

Pressemitteilung:

Bilanz des Veranstaltungsleiters Gerd Kolbe


Gerd Kolbe

(Dortmund, 06. August 2006).  Veranstaltungsleiter Gerd Kolbe zieht für das Sparkassen Chess-Meeting 2006 eine positive Bilanz: „Durchschnittlich mehr als 500 Besucher täglich sind ein vorzügliches Ergebnis für das Jahr 2006. Unser Plus sind eine akzeptierte Spielstätte mit dem Dortmunder Schauspielhaus, ein erlesenes Achterfeld sowie ein eingespieltes Organisationsteam im Hintergrund, das dem Niveau einer Veranstaltung von Weltrang entspricht.“

„Nachdem sportlich zunächst ‚einige Remis-Partien zuviel’ beklagt wurden, nahm das Turnier in der zweiten Hälfte eine furiose Fahrt auf“, so Kolbe weiter. Höhepunkte seien unter anderem die Marathon-Partien in der 4. und 5. Runde gewesen.

Für das kommende Jahr will Kolbe den Festivalcharakter weiter ausbauen und die Anzahl der Teilnehmer in den offenen Turnieren verdoppeln. Kolbe: „Angestrebt wird weiter ein Turnier mit zehn Teilnehmern bei den Großmeistern. Ein solches Format hat sich insgesamt gesehen für das Sparkassen Chess-Meeting als das beste herauskristallisiert.“

Kolbe schwebt weiter vor, zur 35. Auflage des Sparkassen Chess-Meetings im kommenden Jahr zwei bis vier frühere Sieger einzuladen und in einem kleinen Turnier über sechs Partien gegeneinander antreten zu lassen. Als Favorit für die Verpflichtung im kommenden Jahr sieht Kolbe den Sieger der Großmeisterturniere 1973 und 1975, Heikii Westerinen.          



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