Kristina Hojul-Radzikowska-Gedenkturnier in Warschau

26.07.2012 – Kristina Hojul-Radzikowska galt Mitte des 20. Jahrhunderts als beste Spielerin Polens. Grund genug für den polnischen Schachverband, mit einem Gedenkturnier an sie zu erinnern. Praktisch auch, dass dieses Turnier zugleich eine gute Vorbereitung auf die kommende Schacholympiade in Istanbul darstellt und jungen polnischen Talenten die Möglichkeit gab, gegen erfahrene Großmeisterinnen anzutreten. Nach 9 Runden hatte die georgische Großmeisterin Inga Charkhalashvili alle ihre Konkurrentinnen hinter sich gelassen und das Turnier souverän gewonnen. Turnierseite...Zum Bericht...

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2. Radzikowska-Gedenkturnier
Text: WGM Beata Kadziolka Fotos: Lena Skrypczak



Das 2. Frauengroßmeisterturnier zur Erinnerung an WGM Krystyna Holuj Radzikowska fand vom 2. bis 9. Juli in Warschau statt. Mit 7 aus 9 wurde WGM Inga Charkhalashvili souverän Erste.

Das Frauengroßmeisterturnier bot eine Mischung auf Schönheit und Intelligenz, Jugend und Erfahrung und begann direkt nach Ende der Fußballweltmeisterschaft. Organisiert wurde das Turnier vom Polnischen Schachverband, der einerseits an die beste Schachspielerin erinnern wollte, die Polen Mitte des 20. Jahrhunderts hatte, aber zugleich auch jungen polnischen Spielerinnen die Möglichkeit geben wollte, gegen erfahrene Gegnerinnen zu spielen. Deshalb gingen neben fünf Großmeisterinnen auch drei Medaillengewinnerinnen der Polnischen U-18 Meisterschaft an den Start. Vervollständigt wurde das Feld durch zwei junge WIMs aus Holland.

Schirmherrinnen des Turniers waren Jagna Marczulajtis Walczak, ihres Zeichens Mitglied im polnischen Parlament und ehemalige Snowboard-Europameisterin, und Henryka Bochniarz, Vorsitzende des Polnischen Verbands der Privatangestellten, Lewiatan. Henryka Bochniarz ist eine herausragende Figur der polnischen Wirtschaft, die durch ihr Engagement für zahlreiche wirtschaftliche und soziale Projekte, die sehr oft Frauenrechte thematisiert haben, bekannt ist. 2005 hat sie für das Präsidentenamt Polens kandidiert.

Weitere Ehrengäste bei der Eröffnungsfeier waren WIM Miroslawa Litmanowicz, ehemalige polnische Meisterin im Schach, die ihr Land zwischen 1957 und 1972 bei fünf Schacholympiaden vertreten hat. Heutzutage kennt man sie vor allem wegen ihrer zahlreichen Schriften zum Thema Schach und wahrscheinlich hat niemand auf der ganzen Welt so viele Schachbücher geschrieben wie sie. Eingeladen war sie aber vor allem als gute Freundin von Krystyna Radzikowska und ihre Erinnerungen an die polnische Schachmeisterin wollte sie den Teilnehmerinnen mitteilen. Bei ihrer Ansprache während der Eröffnungsfeier verriet sie auch, was ihr Traum ist - sie möchte, dass jedes Kind auf der Welt Schach spielen kann. Deshalb richten sich die meisten ihrer Bücher auch an Kinder.


Gespielt wurde im Gebäude des Polnischen Schachverbands


WIM Miroslawa Limanowicz erzählt über ihre Zeit mit WGM Krystyna Holuj-Radzikowska


Henryka Bochniarz eröffnet das Turnier, indem sie den ersten Zug am Brett von WGM Karina Szczepkowska-Horowska ausführt, der Gewinnerin des letztjährigen Turniers.

Nach Ende des offiziellen Teils begann das Turnier. Als Favoritinnen galten die an Eins gesetzte Georgierin WGM Nino Batsiashvili, die amtierende polnische Meisterin IM Iweta  Rajlich und Vorjahressiegerin WGM Karina Szczepkowska-Horowka. Aber Sport ist Sport und Favoriten haben keine Sonderrechte. Klare Siegerin war am Ende die an fünf gesetzte WGM Inga Charkhalashvili, die fünf Partien gewann und vier remisierte. Sie war in phantastischer Form, führte von Beginn an und gewann schließlich verdient.


Die verdiente Siegerin - WGM Inga Charkhalashvili aus Georgien

Platz zwei ging an WGM Nino Batsiashvili, die auf 6,5 Punkte kam. Vor dem Turnier hatte sie vielleicht auf einen Sieg gehofft, aber am Ende landete sie einen halben Punkt hinter ihrer Kollegin.


WGM Nino Batsiashvili


Die Spielerinnen auf den Plätzen drei bis fünf waren weniger zufrieden mit ihren Ergebnissen. IM Iweta Rajlich gewann in der letzten Runde gegen WGM Karina Szczepkowska-Horowska und sicherte sich erst mit diesem Sieg Platz drei.


Karina war ebenfalls unzufrieden mit ihrem Ergebnis, denn natürlich hätte sie ihren Titel gern verteidigt, aber durch ihre Niederlage in der Schlussrunde kam sie nicht einmal auf den geteilten zweiten Platz.


Die ehemalige georgische Nationalspielerin WGM Sofio Gvetadze hatte ebenfalls auf mehr gehofft. Aber sie war nicht in Bestform und kam lediglich auf 50%.

Die Plätze sechs bis acht gingen an die jungen polnischen Spielerinnen. Alle drei gewannen Elo-Punkte hinzu, aber nur WIM Anna Iwanow kam auf 50%. Klaudia Wisniowska und WFM Aleksandra Lach holten 3,5 Punkte und verpassten die Frauen-IM-Norm damit um einen halben Punkt. Diese Ergebnisse sind nicht herausragend, aber mehr oder weniger akzeptabel. Die jungen polnischen Spielerinnen müssen weiter hart trainieren und internationale Erfahrungen sammeln, um bei stärkeren Turnieren mithalten und gewinnen zu können. Trotzdem war es schön zu sehen, wie sie Punkte gegen die Titelträgerinnen geholt haben, man denke nur an Iwanows Gewinn gegen Rajlich.

In jedem Fall ist die Idee des Turniers lobenswert, da junge Spielerinnen in Polen nur selten Gelegenheit haben, gegen anerkannte Großmeisterinnen zu spielen. Zum Beispiel hat Klaudia Wisniowska das erste Mal an einem so starken Turnier teilgenommen und vielleicht hat sie hier in einem Turnier gegen mehr WGMs gespielt als in ihrer bisherigen Karriere überhaupt!


WIM Anna Iwanow – die beste polnische Spielerin


Klaudia Wisniowska – erfolgreiches Debüt im Großmeisterturnier


WFM Aleksandra Lach – der ehemaligen Weltmeisterin fehlte ein halber Punkt zu ihrer letzten WIM-Norm.

Auf den letzten beiden Plätzen landeten die Holländerinnen WIM Anne Haast und WIM Arlette Van Weersel. Sie waren nicht in Bestform, aber unterschätzen durfte man sie nicht. Anne Haast zerstörte Batsiashivilis Hoffnungen auf den Turniersieg, indem sie ihr ein Remis abnahm und Arlette Van Weersel kam gegen die spätere Siegerin zu einem Remis. Die holländischen Spielerinnen werden aus diesem Turnier sicher ihre Schlüsse ziehen und bei der kommenden Olympia besser in Form sein.


WIM Anne Haast


WIM Arlette Van Weersel – eine der wenigen Spielerinnen, die gegen Turniersiegerin Inga Charkhalashvili zu einem Remis kam.

Abschließend kann man sagen, dass die Damen wie in allen Frauenturnieren kompromisslos gekämpft haben und viele Partien erst Remis gegeben wurden, als nur noch die blanken Könige auf dem Brett standen. Ohne das Engagement IM Piotr Murdzias vom Polnischen Schachverband und die großzügige Hilfe durch Partner und Sponsoren wie Budimex, Isolution und Dr. Erina Eris, die das Turnier zum zweiten in Folge unterstützten, wäre das Turnier nicht möglich gewesen. Die Organisatoren hoffen, das Radzikowska Gedenkturnier auch im nächsten Jahr durchführen zu können.

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