Lübeck fast durch

18.03.2002 – Mit Solingen nahm Lübeck am Sonntag die letzte große Hürde auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung. Auch in Hamburg freut man sich: Einerseits über den Erfolg des Hansepartners, andererseits über zwei Mannschaftspunkte, die man Heiligenhaus abnehmen konnte. Christian Zickelbein berichtet. Bericht und Partien...

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Der HSK freut sich mit
Von Christian Zickelbein

„Wie steigst, o Lübeck, du herauf
In alter Pracht vor meinen Sinnen
An des beflaggten Stromes Lauf -“


 



Die Partien aus Lübeck:

Hamburg gegen Solingen...

Lübeck gegen Heiligenhaus...
Solingen gegen Lübeck...
Heiligenhaus gegen Hamburg...


Zum einzigen Lübecker Heimspiel in der Saison 2001/02 lud der Deutsche Meister seine Gäste in den ehrwürdigen Bürgerschaftssaal des Lübecker Rathauses – an einen Ort, an dem schon viel „zur Freude und zum Leid der Stadt“ entschieden worden sei, wie Ede Strompowski in seiner Begrüßungsansprache sagte. Für die Lübecker Schachspieler hatte er vor allem an Freude gedacht, und die teilten sie am Sonntag, gut gelaunt, auch mit ihren Hamburger Reisepartnern. Das Hamburger Abendblatt meldete Wilfried Klimeks Angebot eines Kooperationsvertrages mit dem HSK mit dem Ziel, deutsche Spitzenspieler auszubilden, in einer kurzen Notiz. Die Lübecker Nachrichten berichteten dagegen unter der Schlagzeile „Ungewöhnliches Duell an ungewöhnlichem Ort“ im gebührend großen Stil von der „Premiere der Lübecker Schachspieler im Lübecker Rathaus“: „Andrang im Lübecker Rathaus. Aber nicht die Politik lockte, sondern Schachspieler von Weltklasse.“ Obwohl mit Shirov und Bareev zwei Lübecker Weltklassespieler fehlten (wie allerdings auch beim letzten ernsthaften Gegner aus Solingen Morozevitch, Lautier und Piket), war diese Premiere erfolgreich: Nach seinem 4½-3½-Sieg ist der Lübecker SV auf seinem Weg zur erneuten Deutschen Meisterschaft kaum noch aufzuhalten, und wir Hamburger freuen uns, Ede und seine Cracks weiterhin begleiten zu dürfen. Und da Ede in seinen BL-Berichten zuletzt auf die Opern-Zitate des Vorjahres verzichtet hat, wollen wir ihn mit unserem Zitat auf neue Felder locken ...

Neben diesem großen Match zwischen dem Titelverteidiger Lübecker SV und dem Meister vergangener Bundesliga-Jahre, der SG Aljechin Solingen, rückten die Hamburger Wettkämpfe natürlich in die zweite Reihe, am Sonntag wegen der ausschließlichen Internetübertragung des Lübecker Matchs auch im konkret-räumlichen Sinn. Schon am Sonnabend spielten alle so, dass die großen Kontrahenten am Sonntag in der 11. Runde hoch motiviert zur Meisterschaftsvorentscheidung antreten konnten. Die Gastgeber hatten die SGEM Heiligenhaus nach beachtlichem Widerstand mit 7½ : ½ geschlagen, und der HSK hatte das Kunststück des Vorjahres nicht wiederholen können: Mit 5:3 gewann der Scheidt-Achter verdient, obwohl wir nicht ohne Chancen zumindest auf ein 4:4 waren.
Zwei recht schnelle Remisen an den Spitzenbrettern waren aus unserer Sicht erfreulich, besonders Jossif Dorfman steuerte das Remis gegen Rustam Kasindzanov sehr sicher an. Auch Jan Gustafsson war als Weißer in einer scharfen Variante gegen Laurent Fressínet nach 22 Zügen mit einem Remis zufrieden, blieb er so doch auf GM-Norm-Kurs. Lubomir Ftàcnik aber hatte schon früh Probleme mit dem druckvollen Figurenspiel Pedrag Nikolics, und auch Christian Wilhelmi, kurzfristig eingesprungen, war mit seinem Grünfeld-Indisch gegen Alexander Naumann nicht gut aus der Eröffnung gekommen. Hier zeichneten sich zwei Niederlagen ab, die allererst ausgeglichen werden sollten. Zu Recht machten wir uns bei Sune Berg Hansen Hoffnungen: Er konterte mit Schwarz in einem geschlossenen Sizilianer John Emms Angriff gegen seine Rochade in der c-Linie und gewann. Oliver Reehs Vorteil gegen Markus Schäfers Franzosen aber reichte nicht zum Gewinn. Die Entscheidung gegen uns fiel in der Begegnung zwischen den alten Mannschaftskameraden Matthias Wahls und Murray Chandler, der nicht wie im Vorjahr in Zeitnot gegen Thies Heinemann verlor, sondern mit leichter Hand spielte und Matthias’ gelockerte Bauernformation mit aktivem Figurenspiel zu einem Bauerngewinn nutzte.

Wie sagt Lubomir gern: Die Niederlage ist keine „tragedy“, und der Sonntag Morgen brachte uns ja mit dem Absteiger aus Heiligenhaus einen schlagbaren Gegner. Nur Lubomir musste lange arbeiten, um das 6½ : 1½ perfekt zu machen, alle anderen Partien waren schon vor der Zeitkontrolle entschieden: Drei Remisen, zwei an den Spitzenbrettern und allen voran, nachdem er seinem niederländischen Gegner in eine unangenehme Variante geraten war, Dirk Sebastian schon nach elf Zügen. Das größte Problem für uns in diesem Wettkampf war die Frage, ob wir Jan Gustafsson überhaupt spielen oder sein Brett frei lassen sollten. Hätte er gar gegen den elolosen Arnd Lindner spielen müssen, wären seine Normchancen trotz des Top-Resultates 6 ½ aus 8 dramatisch gemindert worden. Andreas Schmitz aber brachte immerhin 2185 Elo-Punkte mit in die Auswertung, und so entschloss sich Jan, da wir keinen Ersatzspieler mehr hätten aufbieten können, im Sinne der Mannschaft zu spielen und die Beeinträchtigung seiner individuellen Performance hinzunehmen. Er wird sie in Wattenscheid und zum Abschluss in Hamburg gegen Neukölln wieder steigern – in so guter Form ist er.

Nach dem nächsten Wattenscheider Bundesliga-Wochenende am 13./14. April wird Jan Gustafsson die Bundesliga-Analyse im HSK-Schachzentrum machen: am Montag, 15. April, um 19 Uhr.

Das abschließende Bundesliga-Wochenende am 27./28. April richten der SC Königsspringer und der HSK gemeinsam bei der HanseMerkur in der Neuen Rabenstaße 28 in der Nähe des Dammtorbahnhofs aus.

 


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