Liebeserklärung an Valencia

27.09.2009 – In der schnelllebigen heutigen Zeit ist der letzte Woche in Valencia durchgeführte Jubiläums-Wettkampf zwischen den beiden einstigen großen Kontrahenten Anatoly Karpov und Garry Kasparov, die das Schach von 1975 bis 2000 so nachhaltig prägten, schon wieder in den Hintergrund gedrängt. Der Wettkampf hat nicht nur viele Erinnerungen an eine aufregende, aber doch ganz andere Schachzeit wach gerufen. Er hat auch den Austragungsort Valencia und dort nicht nur den gastgebenden "Palau de les Arts" in den Focus des Interesses gerückt. Dagobert Kohlmeyer hat die Ereignisse der letzten Woche noch einmal zusammengefasst und lädt zum Rundgang durch eine bezaubernde Stadt ein. Valencia!...

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Liebeserklärung an Valencia
Von Dagobert Kohlmeyer

Die Schlacht ist geschlagen, der Sieger heißt Garri Kasparow. Fast eine Woche lang sah die Schachwelt nach Valencia, wo zwei Legenden unseres Sports zur Erinnerung an ihr erstes WM-Match die Figuren zogen. Im Palau de les Arts triumphierte Kasparow im Schnellschach mit 3:1 über seinen früheren Rivalen Anatoli Karpow, obwohl er viereinhalb Jahre kein Turnier mehr gespielt hat. Ein wahrer Ausnahmekönner. Im Blitzschach stand es am Ende von acht Spielen deutlich 6:2 für den Jüngeren.



Karpow hatte mit einem Sieg begonnen, es folgte ein Remis, dann hatte Kasparow sich warm gespielt. Er gewann fünf Partien in Folge, die meisten durch Zeit. Anatoli Karpow erklärte später in der Pressekonferenz, er habe gedacht, es gebe wie in den Schnellpartien fünf Sekunden Zeitbonus nach jedem Zug.

Dem war aber nicht so, es gab nur zwei. In etlichen Partien gewann Kasparow nur hauchdünn nach Zeit, er zeigte wie früher mehr Energie am Brett als sein 12 Jahre älterer Gegner. Dennoch applaudierte das Publikum im Saal dem Unterlegenen nicht weniger kräftig als dem Sieger. Das Gesamtergebnis war diesmal ja nicht so wichtig wie bei früheren WM-Kämpfen der beiden K. Gewürdigt werden sollte der 25. Jahrestag ihres ersten Duells um die Krone in Moskau, dem eine ganze Serie dramatischer Zweikämpfe folgte.

Kasparow hatte sich mit Magnus Carlsen vorbereitet, was sichtbare Früchte trug. Karpow trainierte vor Valencia vor allem mit Viorel Bologan.

Während des Wettkampfes wurde er von den Großmeistern Alexander Onischuk und Alexander Rjasanzew unterstützt.


Onischuk und Rjansantew

Onischuk kam mit der ganzen Familie. Seine Frau Olga feierte am gestrigen Donnerstag ihren 29. Geburtstag.



Schachkönig Garri Kasparow residierte im Hotel Melia Valencia Palace. Es gehört zu den Nobelherbergen der Stadt und hat eine schöne Aussicht auf das alte Flussbett des Turia.

Nur ein kurzer Spaziergang durch den Park oder über die Brücke, und man ist sogleich in der Altstadt. Lothar Schmid mit seiner Gattin Ingrid, Thomas Thomsen und wir wohnten auch in diesem Haus. Das Einchecken im Melia Palace ging schnell und höflich über die Bühne. Die Zimmer sind sehr schön und mit zwei Türen zwischen Schlafzimmer und Korridor ausgestattet. Die großen Marmorbäder gefielen vor allem den Frauen, das Frühstück war sehr gut und reichhaltig. Kasparow wohnte mit seiner Frau Daria in einer der Suiten.


Klara und Daria

Morgens vor dem Frühstück zog die Schöne ein paar Bahnen im Swimmingpool, der sich auf dem Dach des Hauses befindet. Die Lage des Hotels ist wirklich ideal. Nach 15 Minuten Fußweg hatte man die Stadt der Künste und Wissenschaft erreicht, wo das Schach-Ereignis im Palau de les Arts stattfand. Kasparow und seine Begleitung, auch Mutter Klara war wieder dabei, wurden natürlich chauffiert.

Anatoli Karpow, der schon eine Woche früher als Kasparow nach Valencia gekommen war, logierte im Hotel Puerta del Mar, das in Strandnähe liegt. Man ging sich wie bei früheren WM-Kämpfen aus dem Weg und traf sich nur am Brett. Dennoch war die Stimmung zwischen den beiden Protagonisten diesmal bedeutend friedlicher als zu den Zeiten, als sie ihre Duelle noch unter sowjetischer Flagge austrugen. „Die Zeit heilt alles“, hatte Kasparow zum Auftakt in Valencia erklärt. Und lobend erwähnt, dass Karpow versucht habe, ihn im Gefängnis zu besuchen, nachdem er Ende 2007 in Moskau wegen seines Engagements als russischer Oppositioneller verhaftet worden war. Karpow räumte seinerseits freundlich ein, dass sein alter Rivale wohl immer noch zu den besten Spielern der Welt gehöre. Was Kasparow dann bei ihrem 12-Partien-Duell auch eindrucksvoll zeigte.

Valencia zieht Touristen aus aller Welt an.

Man braucht mehrere Tage, um nur die wichtigsten Orte zu besichtigen. Die Kathedrale, die Stadttürme Torres de Serranos und Torres de Quart und die zum Weltkulturerbe erklärte Lonja de la Seda (Seidenbörse) sind nur einige Beispiele aus Valencias Blütezeit. Die Stadt erlebte während des 14. Und 15. Jahrhunderts ihr goldenes Zeitalter.


Die Kathedrale


Die Stierkampfarena


Die Seidenbörse

Valencia besitzt einen der größten Altstadtkerne mit Gebäuden aus Gotik, Renaissance und Barock sowie spanischem Jugendstil, darunter den Mercado Central, die größte geschlossene Markthalle Spaniens.




Moderne Weltklasse-Architektur, darunter die Stadt der Künste und Wissenschaften von Santiago Calatrava oder der Kongresspalast von Sir Norman Foster geben der ehrgeizigen Metropole am Mittelmeer das Gepräge.

Und Valencia gehört zu den spanischen Städten mit der größten Dichte an Jugendstilbauten. Unter den öffentlichen Gebäuden dieser Art sind vor allem die Estación del Norte (Hauptbahnhof) und die Markthalle Mercado de Colón nennenswert. Letztere wurde 2003 restauriert und in ein Freizeit- und Kulturzentrum umgestaltet. Als größte Markthalle Europas umfasst der Mercado Central eine Fläche von 8.000 Quadratmeter und beherbergt fast 1.500 Stände, an denen eine reiche Auswahl an frischen Nahrungsmitteln angeboten wird.



Der Palast der Künste, geschaffen vom spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava, ist zweifelsohne das künstlerische Meisterwerk der Stadt. Seit Oktober 2006 bietet der Palau de les Arts ein umfassendes Programm, das Valencia in die internationalen Kreise der Opern- und Bühnenkunst aufsteigen ließ. In vier Sälen werden von klassischen bis zeitgenössischen Werken die verschiedensten Stilrichtungen geboten.

Der Hauptsaal hat 1.380 Sitzplätze. Vom Parkett aus kann eine Oper über Digitalbildschirme auch in verschiedenen Sprachen verfolgt werden. Der Orchestergraben gilt als drittgrößter in Europa und kann durch vier bewegliche Flächen in verschiedenen Positionen und Höhen eingestellt werden. Somit wird je nach Vorführung oder Darbietung des Dirigenten eine maximale Tonqualität erreicht.

Valencia ist eine bekannte Sportstadt und auch Austragungsort des Großen Preises von Europa in der Formel 1. Die Straßen um das Hafengelände und den Strand wurden in einen Stadtkurs umgebaut, wo mehr als 100 000 Zuschauer Platz finden. Jedes Jahr wird die Stadt zur Bühne für das größte Ereignis des Motorsports. Die 5,4 km lange Rennstrecke wurde von dem Deutschen Hermann Tilke entworfen.

Anfang November findet in Valencia ein großes Tennisturnier statt. Das Tennis Open Valencia ist das einzige Turnier der Kategorie 500 in Spanien, das in einer Halle auf Hartplatz gespielt wird. Die Agora - eine spektakuläre Mehrzweckhalle, die 5.500 Personen Platz bietet - ist Teil der von Santiago Calatrava entworfenen modernen Stadt der Künste und Wissenschaften.


Agora-Halle

Sie stellt den einzigartigen Rahmen für ein Turnier auf demselben Niveau dar, wie es in Washington, Tokio, Peking, Dubai oder Barcelona veranstaltet wird. Valencia wird mit diesem Turnier eines der großen Events der Tennissaison sein. Unter denen, die ihre Teilnahme bereits zugesagt haben, befinden sich die Top-Ten-Spieler Andy Murray (Großbritannien) und Andy Roddick (USA).
Im Dezember wird Valencia auch das Daviscupfinale veranstalten.

Es gibt in der drittgrößten Stadt Spaniens also nicht nur Fußball. Der FC Valencia steht derzeit auf Rang 6 in der Primera División. Zuletzt verlor man gegen den FC Getafe mit 1:3. Sport wird in der Stadt mit über 800 000 Einwohnern seit je her groß geschrieben. Schwimmer zieht es an die feinen Sandstrände von mehr als sieben km Länge. Sie wurden wegen ihrer Sauberkeit mit der blauen Fahne ausgezeichnet.

Wenn die Sonne untergeht, verwandelt sich Valencia in eine Stadt mit tausend Gesichtern.


Kathedrale bei Nacht

Das Nachtleben beginnt erst gegen 24 Uhr, man kann zwischen Lokalen mit verschiedenen Musikstilen wählen, ohne das jeweilige Viertel verlassen zu müssen.


Nachtleben

Pubs sind bis circa 3.30 Uhr geöffnet, Diskotheken bis zum Sonnenaufgang. Wir waren zum ersten Mal hier und können voller Überzeugung sagen: „ Eine Reise nach Valencia lohnt sich!“ Auch wenn es an zwei Tagen geregnet hat, nehmen wir unvergessliche Eindrücke mit nach Hause.



Im Rathaus


 

 

 


 

 

 


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