Lisa Lidows "Chess Sketches" in St. Petersburg

19.04.2006 – Zum zweiten Mal nach September 2004 stellt die amerikanische Künstlerin Lisa Lidow ihre Installationen in einem russischen Museum aus. Diesmal kommen die Kunstfreunde in St.Petersburg in den Genuss, ihre Werke besichtigen zu können. Ausstellungsort ist der Raffael-Saal des Museums der Russischen Akademie der Künste auf der Wassili-Insel. Herzstück der Ausstellung sind die zwischen 1989 bis 1993 entstandenen "Chess Sketches", Schachskizzen. Die lebensgroßen Figuren bilden zusammen ein Schachspiel und verkörpern dabei das männliche und weibliche Prinzip. Ehrengäste der Eröffnung waren Anatoly Karpov, die frühere Juniorenweltmeisterin Polina Malysheva, sowie Mark Taimanov. Auch wenn bei der Eröffnung nicht alles ganz glatt lief, kamen die Eröffnungsgäste dennoch zu einen geistreichen Kunstgenuss. Misha Savinov berichtet und entlockte dem Ex-Weltmeister zudem ein paar Worte zur anstehenden FIDE-Wahl. Mehr...

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Lisa Lidows "Schachskizzen" in St.Petersburg
Von Misha Savinov

Die berühmte amerikanische Künstlerin Lisa Lidow, Schülerin des großen Salvador Dali, zeigte ihre surrealen Installationen in einer Ausstellung im Rafaelsaal des Museums der Russischen Akademie der Künste, das sich auf der Wassili-Insel in St. Petersburg befindet. Nach einer Ausstellung im Museum für Zeitgenössische russische Kunst in Moskau im September 2004 wurden ihre Werke damit bereits zum zweiten Mal in Russland gezeigt.

Die Kunst von Lisa Lidow wurde in der ganzen Welt erfolgreich aufgenommen. Zeichnungen auf flachem Untergrund verwandelten sich kontinuierlich in dreidimensionale Figuren, die dann zu bemalten Gliederpuppen werden – ein Lieblingsmedium der Surrealisten.

Die Ausstellung zeigte "Schachskizzen" "Das letzte Abendmahl" ...

...sowie eine Reihe von Bildern. "Schachskizzen" (1989-1993) ist das Herzstück der Ausstellung und stellte den Höhepunkt der Kunst von Lisa Lidow dar.

So war es recht naheliegend, zur Präsentation nicht nur Künstler, sondern auch Schachspieler als Ehrengäste einzuladen. Anatoly Karpov, Mark Taimanov und Jugendweltmeisterin Polina Malysheva waren da und verrieten, welche Gefühle die Kunst von Lisa Lidow bei ihnen auslöst.


Tajmanov, Malysheva, Karpov


Presserummel


Mark Tajmanov, der kürzlich seinen 80sten Geburtstag feierte

Nach der feierlichen Ausstellungseröffnung gab es einen Wettkampf zwischen Anatoly Karpov und Polina Malysheva, bei der die Installationen "Schachskizzen" der Künstlerin verwendet wurden.

Wegen gesundheitlicher Probleme konnte Lisa Lidow an der Veranstaltung nicht teilnehmen. Bei der Pressekonferenz gab es nur wenig Fragen an die Organisatoren der Ausstellung – Kunst muss für sich selber sprechen. Von Anatoly Karpov wollte man wissen, ob er Kunst mag, und was seine Lieblingskünstler sind.

Er antwortete, dass Kunst seiner Meinung nach jedem gefällt, und er persönlich die Impressionisten mag, und erzählte dann, wie er einmal Salvador Dali getroffen hatte.


Anatoly Karpow und Gouverneur Tarasov





Nach einer offiziellen Eröffnung begaben sich alle in den Rafaelsaal und der Wettkampf begann mit einer Verspätung von etwa 15 Minuten. In dieser Zeit schaute man sich die Kunstwerke an und rückte “die Figuren” zurecht – durch eine für künstlerische Menschen sehr typische Angewohnheit war das Feld a1 weiß, weshalb man beschloss, das Brett um 90° zu drehen. Für manche Installationen erwies sich ein solch schneller Seitenwechsel als zu viel und sie gingen in Stücke, aber eine Schnellreparatur brachte das wieder in Ordnung.

Anatoly Karpov ging den Wettkampf sehr entspannt an, während Polina Malysheva auf eine wirkliche Partie aus zu sein schien. Mark Taimanov versuchte die Partie zu kommentieren, aber seine leise Stimme war in dem großen Saal mit den kiebitzenden Zuschauern gar nicht zu hören. Leider hatte niemand daran gedacht, ein Mikrophon für die Großmeister zur Verfügung zu stellen.









Die folgenden Züge wurden gespielt:

Malysheva-Karpov

1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.c3 Db6 5.Sf3 Ld7 6.Le2 Lb5 7.dxc5 Lxc5 8.b4 Lxf2+

Hier ergriff Polina den König (oder die Dame? Sie spielte mit dem “weiblichen” Figurensatz), um nach f1 zu gehen, aber dies wurde durch das Remisangebot von Anatoly Karpov unterbrochen.

Meine Frage, wie sie die Stellung einschätzt, beantworte Polina so:

– Sie ist scharf und nicht sehr gut erforscht, aber ganz allgemein gesprochen ist die Stellung ausgeglichen.

Ihr geheimnisvolles Lächeln und die Tatsache, dass Karpov über seinen achten Zug lange nachgedacht hat, lassen jedoch leicht vermuten, dass die junge Dame diese Stellung sehr viel besser kennt.

Der Ex-Weltmeister wurde sofort von Autogrammjägern und alten Bekannten belagert, aber fand noch Zeit, zwei schnelle Fragen zu beantworten:

Anatoly Yevgenyevich, verfolgen Sie die Entwicklung des Schachs in St. Petersburg? Was denken Sie über das Wahlergebnis?

(Ohne Begeisterung) Natürlich, ich weiß, was geschehen ist. Gebe Gott, dass das Schach in St. Petersburg ernsthafte Unterstützung erhält. Sollten die Versprechen erfüllt werden, würde mich das sehr freuen.

Diese Frage bedarf der Erläuterung. Kürzlich fanden die Wahlen des Schachbunds von St. Petersburg statt und ein Kandidat, der von der städtischen Obrigkeit unterstützt wurde, unterlag klar gegen einen Wodkaproduzenten, der den Schachspielern 350,000 USD pro Jahr versprach. Karpov erschien im Saal zusammen mit dem für Sport und Kultur zuständigen Vizegouverneur der Stadt, und so ist es kein Wunder, dass er gut informiert und (lediglich wilde Spekulation) ein wenig voreingenommen war.

Können Sie verraten, warum Sie sich dagegen entschieden haben, für das Amt des FIDE-Präsidenten zu kandidieren?

Für das Amt des FIDE-Präsidenten zu kandidieren ... Zunächst einmal war ich nicht allzu erpicht darauf, Präsident zu werden. Zweitens, obwohl ich ordentliche Arbeit geleistet habe und glaube, dass ich gute Chancen gehabt hätte, die Wahlen zu gewinnen, ist mir die Haltung eines anderen Kandidaten der Europäischen Union ein Rätsel geblieben. Ich hatte die Unterstützung des amerikanischen und des französischen Schachverbandes während der russische Schachverband noch unentschieden war. Da wir jedoch nicht die volle Unterstützung aller europäischen Länder erhalten konnten, habe ich mich dagegen entschieden, Europa zu spalten. Wenn Bessel Kok ein so ehrgeiziger Mensch ist, dann soll er versuchen, die Wahlen alleine zu gewinnen.

 

 

 

 

 



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