05.12.2017 – Fabiano Caruana hat den Bann gebrochen. Mit den schwarzen Steinen besiegte er in der 4. Runde Sergey Karjakin und sorgte damit für die erste, bisher aber auch die einzige Entscheidung bei den London Chess Classic. Die übrigen Partien endeten wieder remis. (Foto: Lennart Ootes)
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Eine neue "London Rule" ?
In den ersten drei Runden der diesjährigen London Chess Classic endeten alle fünfzehn Partien remis und die meisten davon um den 30. Zug herum. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, für die London Chess Classic wäre eine neue Regel in Kraft getreten, eine "London Rule", wonach eine Partie womöglich remis gegeben werden muss, wenn eine Seite um den 30sten Zug herum nicht schon entscheidenden Vorteil hat. Aber das ist natürlich Unsinn. In Wirklichkeit gilt die "Sofia Rule", wonach eine Partie nicht vor dem 30. Zug per Remisvereinbarung beendet werden darf.
Heute wurde also die vierte von insgesamt neun Runden gespielt. Würde es nun endlich eine Partie mit einer Entscheidung geben? Nun ist ein Remis ja keinesfalls ein schändliches Ergebnis und wenn die Partie spannend und gehaltvoll ist, so wie gestern zum Beispiel die Partie zwischen Aronian und Karjakin, die am Ende nur versehentlich remis endete, so ist das mit einem 4:4 beim Fußball zu vergleichen. Wenn die Partien jedoch schon kurz nach der Pflichtzugzahl mit der Punkteteilung enden, dann riecht das doch eher nach einem torlosen Unentschieden. Von den 15 Partien der ersten drei Runden fanden 10 Partien ihr friedliches Ende um den 30. Zug. Zufall?
Der erste Zug der 4. Runde
Die 4. Runde
Heute trafen sich die Spieler im Olympic Center zur 4. Runde. Und wieder: Drei Partien endeten pünktlich um den 30. Zug remis.
Die 4. Runde
Viswanathan Anand und Levon Aronian übten sich in einer speziellen Form des Marshall-Gambits. Die gleiche Variante hatten die beiden Spitzenspieler auch schon vor drei Jahren in ihrer Partie beim World Cup in Khanty-Mansiysk auf dem Brett. Damals konnte Anand gewinnen. Mit seiner Eröffnung zeigte Aronian an, dass er sich die Partie in der Zwischenzeit gut angesehen hatte und vor einer Wiederholung der Züge keine Angst hatte. Anand variierte sein damaliges Spiel etwas, holte aber überhaupt nichts heraus. Nach dem Abtausch der meisten Figuren stand ein Endspiel mit Damen und ungleichfarbigen Läufern auf dem Brett, das für keine Seite eine Perspektive bot. Das Remis an dieser Stelle ist sicher gerechtfertigt.
Das Produkt der Eröffnung zwischen Hikaru Nakamura und Ian Nepomniachtchi war eine Najdorf-Drachen-Hybrid, in dem der US-Großmeister etwas mehr Raum verwalten konnte, aber nicht zu nennenswertem Druck kam. Die Armeen der beiden Spieler lieferten sich eine Art Stellungskrieg in einer Maroczy-Struktur. Schließlich mündete die Partie rasch in ein spannungsloses Läuferendspiel. Der Punkte wurde im 32. Zug geteilt.
Zur Punkteteilung kam es auch in der Partie zwischen Wesley So und Michael Adams. So spielte seine Reti-Eröffnung nach Art des Wolga-Gambits. Tatsächlich folgte die Partie mit vertauschten Farben einige Zeit den Mustern dieser Eröffnung. Weiß hatte natürlich ausreichende Kompensation für seinen geopferten Bauern, mehr aber auch nicht. Nach dem Rückgewinn des Opferbauern verflachte die Partie ziemlich schnell und landete in einem ausgeglichenen Turmendspiel. Also auch hier: Remis, im 31. Zug.
Zehn Züge länger dauerte das Treffen zwischen Maxime Vachier-Lagrave und Magnus Carlsen. Hier gab es eine Italienische Partie. Nach frühem Damentausch versuchte Magnus Carlsen das Spiel mit einem Bauernopfer im Zentrum zu beleben. Als Ausgleich erhielt er etwas Spiel mit seinem Läuferpaar. Sehr ergiebig war das allerdings nicht und so entschloss sich Carlsen zum Remis per Stellungswiederholung.
Schafft es Caruana?
So ruhten die Hoffnungen der Zuschauer auf der Partie zwischen Sergey Karjakin und Fabiano Caruana. Würde hier vielleicht die erste Entscheidung des Turniers geschehen? Caruana verteidigte sich mit der Sizilianischen Tajmanov-Variante und Karjakin wählte eine Mode-Variante mit langer Rochade. Caruana griff nun am Damenflügel an, und er griff auch am Königsflügel an. Seinen König ließ er in der Mitte. Die Partie wurde bald sehr scharf mit Vorteilen bei Schwarz, der das Läuferpaar besaß. Diese Partie konnte doch nicht remis enden! Nach etwa dreieinhalb Stunden wurde die kritische 30-Züge-Grenze erreicht ... und überschritten. Schließlich erreichte Caruana ein gewonnenes Endspiel. Und gewann es auch!
Die Paulsen-Variante ist sicherer und positioneller als ihre große Schwester, die Najdorf-Variante. Aber sie ist nicht weniger ambitioniert! Ramirez hat für Sie ein brandaktuelles Repertoire erstellt - die meistern Partien stammen vom World Cup 2013!
Diese Partie hat bekanntlich seine besondere Vorgeschichte. Beim Kandidatenturnier in Moskau lag Caruana aussichtsreich im Rennen, doch in der entscheidenden Schlussrunde unterlag er in einer scharfen Sizilianischen Partie Sergey Karjakin. Statt Caruana spielte Karjakin im letzten Herbst gegen Carlsen um die Weltmeisterschaft.
Hier der Partiekommentar von Tiger Hillarp Persson:
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Eröffnungsvideos: Sipke Ernst bringt die Ulvestad-Variante auf den neuesten Stand + Teil II von „Mikhalchishins Miniaturen“. Special: Jan Werle zeigt Highlights vom Grand Swiss 2025 im Video. „Wundertüte“ mit 40 Analysen von Ganguly, Illingworth u.v.a.
In diesem Videokurs erkundet Großmeister Ivan Sokolov die faszinierende Welt der Königsindisch- und Pirc-Strukturen – mit vertauschten Farben, wie sie häufig aus der Französischen oder der Sizilianischen Verteidigung entstehen.
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