MCT Finale: Nakamura führt 2-0, Carlsen schlägt zurück

von Carlos Colodro
11.08.2020 – Hikaru Nakamura hatte einen guten zweiten Tag im Finalturnier der Magnus Carlsen Chess Tour: er gewann im Halbfinale gegen Daniil Dubov auch den zweiten von insgesamt fünf Wettkämpfen und hat gute Chancen, sich für das Finale zu qualifizieren. Magnus Carlsen, der den ersten Wettkampf gegen Ding Liren verloren hatte, schlug zurück und besiegte die chinesische Nummer eins im zweiten Wettkampf überzeugend. | Foto: Lennart Ootes

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Zwei klare Siege

Nach seiner Niederlage im ersten Wettkampf gegen Ding Liren wirkte Magnus Carlsen beim zweiten Wettkampf entschlossen und konzentriert. Er überspielte Ding in Partie 1 und in Partie 2, um sich dann mit einem leichten Remis in der dritten Partie den Wettkampfsieg zu sichern und die Wettkampfbilanz mit 1-1 auszugleichen.

Hikaru Nakamura brauchte eine Partie mehr, um seinen zweiten Wettkampf gegen Daniil Dubov zu gewinnen. Nach zwei Remis in den ersten beiden Partien gewann Nakamura die dritte und die vierte Partie und entschied den Wettkampf mit 3:1 für sich. Damit braucht Nakamura nur einen Sieg aus den noch verbleibenden drei Wettkämpfen, um sich für das Finale zu qualifizieren.

Nach seinem Sieg gegen Ding Liren deutete Carlsen in einem Interview mit Tania Sachdev an, dass er nichts dagegen hätte, wenn das Format der Magnus Carlsen Chess Tour, in dem drei oder fünf Wettkämpfe mit je vier Partien gespielt werden, auch als Vorbild für den Modus der Weltmeisterschaftskämpfe dienen würde.

Ich glaube, es kommt vor allem darauf an, was man erreichen möchte — will man einen Weltmeister im klassischen Schach haben oder will man herausfinden, wer der beste Spieler der Welt ist? Ich habe immer erklärt, dass das System, das wir im Moment haben, nicht besonders gut geeignet ist, um herauszufinden, wer der beste Spieler der Welt ist. [...] Bei [den klassischen WM-Kämpfen] hat man nicht viel Spielraum, um zu beweisen, dann man der bessere Spieler ist.

Magnus Carlsen Chess Tour 2020

M. Carlsen 2½ : ½ Ding Liren

Peter Leko und Yasser Seirawan, die live kommentierten, bezeichneten die zweite Partie des Wettkampfes als strategische Glanzleistung. Carlsen meinte anschließend:

In diesem Fall ging es darum, einen Plan zu finden, den Plan auszuführen und die die Partie zu gewinnen. Das sieht man natürlich nicht sehr oft.

Der Weltmeister wies zugleich darauf hin, dass der Computer nicht alle Züge des Schwarzen für gut befindet. Aber für das menschliche Auge wirkte die Partie klar und logisch.

Carlsen opferte zeitweilig einen Bauern, um Drohungen gegen den weißen König aufstellen zu können, um dann jedoch in ein vorteilhaftes damenloses Mittelspiel abzuwickeln:

 

29...Df4 30.Dxf4 exf4 31.d4 Notwendig war 31.Ta2, um den Bauern zu decken. 31...Txa4 32.d5 Se5 33.Se7+ Kh7 34.Sxg6 Kxg6

 

35.c5 bxc5 36.Tb8 und Weiß gab auf — Springer, Turm und König des Schwarzen sind zu aktiv.

 

H. Nakamura 3 : 1 D. Dubov

In den ersten beiden Partien des zweiten Satzes – oder Wettkampfs – hatten beide Spieler jeweils Vorteile, aber konnten sie nicht nutzen. Aber in der dritten Partie kam Nakamura dann in einem Sizilianer mit Weiß zu einem Sieg: er stellte Dubov kontinuierlich vor Probleme, um am Ende mit seinem Freibauern auf der b-Linie zu gewinnen:

 

Weiß ist schneller: 34.b7 d5 35.Sa5 Le5 36.g3 Dg6 37.Dc2 Td6 38.Tdc1 Lf4

 

39.Dc8+ Td8 40.Dxd8+ Txd8 41.Tc8 De8 42.Txd8 Dxd8 43.gxf4 und Schwarz gab auf.

In der vierten Partie musste Dubov unbedingt gewinnen und entsprechend scharf legte er die Partie auch an. Aber Nakamura zeigte sich unbeeindruckt und parierte alle weißen Drohungen, um am Ende auch diese Partie für sich zu entscheiden und den Wettkampf mit 3-1 zu gewinnen. 

 

Übersetzung aus dem Englischen: Johannes Fischer

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Carlos Colodro stammt aus Bolivien und ist Spanisch-Philologe. Seit 2012 arbeitet er als freier Übersetzer und Autor. Schach, Literatur und Musik sind seine großen Leidenschaften.
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Herbert Christmann Herbert Christmann 11.08.2020 02:46
Ich bin hier konservativ. Für mich ist der Weltmeister im Schach derjenige, der im klassischen Schach sich als der Stärkste erwiesen hat. So wie es seit über 100 Jahren ausgespielt wird. Von mir aus mag es zusätzlich einen Weltmeister im Schnellschach geben, oder einen im 5 Minuten Blitz, und und und. Das sind durchaus attraktive Schachvarianten, und es gibt für die Spitzenleute viel Geld zu verdienen. Klassisches Schach kostet viel Zeit (Vorbereitung und Ausführung), in welcher einige Schnellschachturniere Platz haben. Was die Weltspitze im Schnellschach für Partien hinzaubert, ist oft fantastisch.
Natürlich ist klassisches Schach für einen Magnus Carlsen nicht so attraktiv. Für uns Normalsterbliche aber schon.
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