Politischer Einsatz für Fischer

12.08.2004 – Der Passauer FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Max Stadler hat sich mit einem Brief an Otto Schily für den in Japan inhaftierten Ex-Weltmeister Robert Fischer eingesetzt. Der Bundesinnenminister und Schachfreund möge seine Einfluss bei der US-Regierung nutzen und sich für eine rasche Freilassung Fischers stark machen. Die Begabungen von Fischer scheinen zwar nur auf schachlichem Gebiet zu liegen, so Max Stadler in einer Presseerklärung, doch gerade deshalb sei es schade, wenn ein Schachgenie in die Mühlen der Politik gerate. Während der Chess Classic Mainz hatte Organisator Hans-Walter Schmitt ebenfalls einen Brief an Otto Schily mit der Bitte um Unterstützung der "Free Fischer"-Aktion geschrieben und mit einer Unterschriftenaktion bei den Teilnehmern für die Aktion geworben (Foto: Der FIDE-Weltmeister von 2002 Ruslan Ponomariov mit "Free Fischer"-T-Shirt). Homepage von Max Stadler...Presseerklärung von Max Stadler, MdB...

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Dr. Max Stadler, MdB
Passau
Presseerklärung
4.8.2004

                      Bitte an Schily um Einsatz für Fischer

Zu den Forderungen aus Schachkreisen um Asyl für den früheren Schachweltmeister Robert Fischer erklärt der aktive Schachspieler und innenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Max Stadler:

Ich habe Bundesinnenminister Otto Schily gebeten, seine sehr guten Beziehungen zur amerikanischen Regierung dafür einzusetzen, dass im Falle des ehemaligen Schachweltmeisters Robert Fischer eine angemessene Lösung und dessen baldige Freilassung erreicht werden kann. An Minister Schily ist, weil er selbst begeisterter Schachspieler ist, laut Presseberichten aus deutschen Schachkreisen der Wunsch herangetragen worden, der deutschstämmige Robert Fischer solle in Deutschland Asyl erhalten. Auf dem morgen beginnenden Turnier „Chess Classic Mainz“ werden dafür Unterschriften gesammelt.

Diese Schachfreunde  übersehen freilich, dass es Sache der japanischen und amerikanischen Behörden ist, wie nach der Verhaftung Fischers in Tokio weiter vorgegangen wird. Zudem ist der ehemalige Schachweltmeister kein politisch Verfolgter. Fischer hat als Staatsbürger der USA 1992 gegen Embargo-Bestimmungen verstoßen, indem er in Jugoslawien einen Schachwettkampf gegen seinen Vorgänger als Weltmeister, Boris Spassky, durchgeführt hat. Daher besteht gegen ihn seit 12 Jahren ein Haftbefehl der USA.

Das Verhalten Fischers ist nicht zu beschönigen. Allerdings scheint seine Begabung ausschließlich auf schachlichem Gebiet zu liegen. Soweit er sich in der Vergangenheit politisch geäußert hat, waren seine Meinungen völlig indiskutabel. Gerade daraus ergibt sich, dass es schade ist, wenn ein Schachgenie in die Mühlen der großen Politik gerät. Außerdem ist seit dem Embargoverstoß ein langer Zeitraum verstrichen.

Es wäre wünschenswert, wenn Fischer nach einer den Gesamtumständen entsprechenden Bestrafung alsbald wieder frei käme und seine einzigartigen Fähigkeiten ausschließlich der Entwicklung der Schachkunst zur Verfügung stellen könnte.

Wenn Minister Schily als Freund des Schachspiels – unter Wahrung der berechtigten politischen Interessen der USA – zu einer solchen Lösung etwas beitragen könnte, wäre dies sehr verdienstvoll.



Mein Brief an den Minister hat folgenden Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Minister Schily,

Sie sind wie ich aktiver Schachspieler. Daher wird Sie ebenso wie mich die Verhaftung des früheren Schachweltmeisters Robert Fischer sehr berührt haben. Wegen eines Verstoßes gegen Embargo-Vorschriften wurde Fischer seit zwölf Jahren aufgrund eines Haftbefehls der USA gesucht und kürzlich in Tokio festgenommen.

Ohne sein Verhalten beschönigen zu wollen, wäre doch zu hoffen, dass im Falle Robert Fischer eine Lösung gefunden wird, die seine baldige Freilassung ermöglicht. Die Schachwelt würde sich wünschen, dass Robert Fischer wieder aktiv am Schachgeschehen mitwirkt und uns noch durch viele meisterhafte Partien begeistert. Nach Presseberichten hat sich der Organisator des Schachturniers „Chess Classic Mainz“, Hans-Walter Schmitt, an Sie, sehr geehrter Herr Minister, gewandt, und Sie gebeten, Robert Fischer Asyl in Deutschland anzubieten, zumal Fischers Vater Deutscher war. Auch die Republik Montenegro soll sich zur Asylgewährung bereit erklärt haben.

Meine Bitte geht lediglich dahin, dass Sie Ihr traditionell und erfreulicherweise sehr guten Kontakte zur US-Administration einsetzen, damit eine angemessene Lösung des Falles zustande kommt.

Robert Fischer hat durch seinen legendären Sieg über Boris Spassky 1972 im „Schach-Match des Jahrhunderts“ viel für die Popularität dieses Sports in aller Welt geleistet. Aber er war auch – wie übrigens manch anderer große Schachspieler vor ihm –  ein Exzentriker und Sonderling. Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1972 zog er sich völlig aus der Öffentlichkeit zurück und gab seinen Titel kampflos ab. Erst 1992 entschloss er sich, ausgerechnet in Jugoslawien ein Revanchematch gegen Spassky zu spielen, obwohl er damit internationale Sanktionen gegen Serbien unterlaufen hat. Dies ist bekanntlich der Grund dafür, dass Fischer  jetzt, nachdem er 12 Jahre untergetaucht war, verhaftet wurde.

Seine Straftat soll nicht entschuldigt werden. Aber Fischer ist offenbar ein Monomane. Er wird geschildert als Person, deren Begabung alleine auf schachlichem Gebiet liege. Von Politik versteht er offenbar gar nichts. Soweit Robert Fischer sich zu politischen Fragen geäußert hat, sind seine Auffassungen hanebüchen und absolut indiskutabel. Dies zeigt aber gerade, dass er ernsthaft nur an dem gemessen werden kann, was er zur Weiterentwicklung der Schachkunst geleistet hat. Es wäre wünschenswert, wenn er diese seine Fähigkeit wieder optimal einsetzen könnte und er nach einer den Gesamtumständen angemessenen Bestrafung alsbald wieder in Freiheit käme.

Mit den besten Grüßen

Ihr

Max J. Stadler, MdB“

 

 

 

 



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