Rainer gegen Goliath

10.02.2005 – In der Schach-Bundesliga treffen oft Mannschaften mit ganz unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten und Potenzial aufeinander. Dann kommt es auch an den Brettern zu interessanten Partien zwischen Hobbyschachspielern bzw. Amateuren und Vollprofis. Dass diese nicht immer zugunsten der ranglistenhöheren Profis enden müssen, beweist z.B. der Berliner Rechtsanwalt Rainer Polzin, der für die SF Neukölln antritt. Beim vergangenen Spieltag gewann er gegen den Großmeister Vladimir Chuchelov. Eine Doppelrunde zuvor überlebte er auch die Begegnung gegen Alexej Shirov und ließ sich dabei gegen den Top-Ten-Spieler auch noch auf eine theoretische Diskussion im Drachen ein. Wie macht er das? Johannes Fischer weiß die Antwort und liefert eine theoretische Übersicht in einem wichtigen Abspiel der Sizilianischen Drachenvariante. Bundesligasplitter...

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Bundesligasplitter
Von Johannes Fischer

Wie spielt man gegen stärkere Gegner? In der aktuellen Bundesligasaison steht der Internationale Meister Rainer Polzin, der als Anwalt für Arbeitsrecht und Gewerblichen Rechtsschutz in Berlin eine gut gehende Kanzlei unterhält, oft vor dieser Frage. Zwar ist er bei den Schachfreunden Neukölln an Brett fünf hinter vier Großmeistern gemeldet, aber da die Neuköllner die Großmeister nicht immer einsetzen, spielt Polzin praktisch an Brett zwei und drei. Keine leichte Aufgabe, denn an Brett zwei ist mit Karsten Rasmussen nur ein Spieler mit weniger als 2500 Elopunkten gemeldet. Dafür bringen vier Spieler mehr als 2600 Punkte auf die Waage, und Alexei Shirov, der Elobeste an Brett zwei, weist sogar 2713 Punkte auf. Doch bislang schlägt sich Polzin ordentlich und hat mit zwei Siegen, zwei Niederlagen und fünf Remis die 50% Marke erreicht.

Gute Dienste leisten ihm dabei seine ausgezeichneten theoretischen Kenntnisse. Nachdem er als Jugendlicher gerne obskure Eröffnungssysteme wählte, hat sich Polzin im Laufe der Jahre zu einem Eröffnungsspezialisten mit einem gründlich analysierten Repertoire entwickelt, mit dem er auch gegen Großmeister gut besteht. Wie am letzten Bundesligawochenende beim Kampf Katernberg - Neukölln gegen Vladimir Chuchelov: In einem Sveshnikov-Sizilianer wählte Polzin eine Nebenvariante, auf die Chuchelov ungenau reagierte und die Partie bereits in der Eröffnung verlor.

Polzin gegen Chuchelov...

Auch gegen Shirov, die Nummer 10 der Weltrangliste, kam es in Runde 5 zu einem theoretischen Duell. Wie Rainer Polzin im Porträt im KARL 3/04 erzählt, verfügt er über eine umfangreiche Datenbank, in der alle Eröffnungsanalysen gespeichert sind, die er je angestellt hat. Viel Platz nimmt darin der Drachen ein, eine Eröffnung, die Polzin mit Weiß und Schwarz spielt. Nun wäre der Drachen für viele nicht die erste Wahl gegen den gefürchteten Angriffsspieler Shirov – der als Profi zudem noch über viel mehr Zeit verfügen sollte, um die aktuellen Varianten zu studieren. Aber der Berliner ließ sich nicht ins Bockshorn jagen, blieb seinen Varianten treu und lieferte Shirov als Außenseiter einen packenden Kampf:

Shirov gegen Polzin...

Trotz dieser guten Ergebnisse droht Neukölln diese Saison der Abstieg, denn bislang wurden einfach zu viele wichtige Punkte verschenkt. Das kommende Bundesligawochenende ist deshalb für die Neuköllner besonders wichtig. Während man sich gegen Porz lediglich Hoffnungen auf einen Außenseitererfolg macht, will man gegen Hofheim, den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf punkten. Eins steht in jedem Falle fest: Rainer Polzin geht gut vorbereitet in den Kampf.

 

 

 

 

 

 


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