Reaktion der FIDE auf Russlands Angriff auf die Ukraine

von ChessBase
28.02.2022 – Die FIDE hat auf den Angriff Russlands auf die Ukraine mit einer Erklärung reagiert. "Die FIDE steht geschlossen gegen Kriege und verurteilt jeden Einsatz militärischer Mittel zur Lösung politischer Konflikte. In Russland und Weißrussland werden keine offiziellen FIDE-Schachwettbewerbe und -Veranstaltungen stattfinden." Bei FIDE-Veranstaltungen sollen die Flaggen von Russland und Belarus nicht gezeigt und die Hymnen nicht gespielt werden.

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Pressemitteilung

Am 27. Februar 2022, fand eine außerordentliche Sitzung des FIDE-Rates statt, die sich mit der aktuellen Situation und den dringenden Maßnahmen befasste, die nach der Militäraktion Russlands in der Ukraine zu ergreifen sind.

Wie FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich erklärte, sieht der FIDE-Rat seine Hauptaufgabe darin, die Einheit der FIDE zu wahren und die in der FIDE-Charta verankerten grundlegenden Menschenrechte zu respektieren.

In diesem Zusammenhang hat der FIDE-Rat eine Reihe von wichtigen Dringlichkeitsentscheidungen getroffen.

Der FIDE-Rat billigt die folgende Erklärung, in der die Militäraktion verurteilt wird:

"Die FIDE bringt ihre große Besorgnis über die von Russland begonnene Militäraktion in der Ukraine zum Ausdruck. Die FIDE steht geschlossen gegen Kriege und verurteilt jeden Einsatz militärischer Mittel zur Lösung politischer Konflikte. Die FIDE wird alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit der Schachspieler und anderer Mitglieder der Schachgemeinschaft zu gewährleisten. In Russland und Weißrussland werden keine offiziellen FIDE-Schachwettbewerbe und -Veranstaltungen stattfinden."

  • Nach der Aufforderung des IOC beschließt der FIDE-Rat, dass bei allen FIDE-bewerteten internationalen Schachveranstaltungen weder die russische und weißrussische Nationalflagge gezeigt noch die Hymne gespielt wird. Stattdessen soll die Flagge des nationalen Schachverbands oder das offizielle Symbol/Logo verwendet werden. Ein vereinfachtes Verfahren für das Spielen unter der FIDE-Flagge würde dort angewandt werden, wo es für die Spieler oder andere Schachfunktionäre angesichts der derzeitigen geopolitischen Lage von entscheidender Bedeutung ist.
  • Um die FIDE vor Reputations-, Finanz- und anderen möglichen Risiken zu schützen, kündigt die FIDE alle bestehenden Sponsoringverträge mit belarussischen und russischen sanktionierten und/oder staatlich kontrollierten Unternehmen und wird keine neuen Sponsoringverträge mit solchen Unternehmen abschließen.
  • Der FIDE-Rat verurteilt alle öffentlichen Äußerungen von Mitgliedern der Schachgemeinschaft, die ungerechtfertigte Militäraktionen unterstützen, und bringt den Fall der Schachgroßmeister Sergej Karjakin und Sergej Schipow vor die Ethik- und Disziplinarkommission.
  • Der FIDE-Rat bestätigt die Termine des FIDE-Kongresses, begrüßt die Bewerbung der AICF um die Ausrichtung der 44. Schacholympiade und schlägt 10 Tage für andere Bewerbungen vor.

Der FIDE-Rat schlägt vor, dass die FIDE unabhängig von der Organisation der Schacholympiade 2022 den jährlichen FIDE-Kongress zu den bisher geplanten Terminen - vom 27.07.2022. bis zum 02.08.2022. mit dem Wahltermin am 01.08.2022 - durchführen wird. Es wird bevorzugt, den FIDE-Kongress mit der Schacholympiade 2022 zu kombinieren. Es werden jedoch Konsultationen mit den potenziellen Organisatoren der Schacholympiade 2022 durchgeführt, und eine Anpassung der Termine des FIDE-Kongresses ist möglich, wenn dies keine nennenswerte Verzögerung der Wahlen zur Folge hat. Der FIDE-Rat bestätigt, dass die kontinentalen Wahlen innerhalb ihrer verfassungsmäßigen Fristen organisiert werden.

Der FIDE-Rat bestätigt sein Engagement für die Fortführung aller etablierten Entwicklungsprogramme für nationale Verbände, Zonen, Kontinente und angeschlossene Organisationen.

Beitrag auf der FIDE-Webseite...


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Gutzi Gutzi 02.03.2022 11:18
Habe grade https://www.youtube.com/watch?v=QFN0s53RpGY&t=2s geschaut - Kudos für Grishuk!
Nachdem ich zuerst die Zusammenfassung auf worlchess.com gelesen hatte, dachte ich - schwache Worte. Aber im Interview wird klar wie stark sich Grishuk da gegen den Krieg einsetzt.
100 Punkte an Grishuk
0 Punkte an Andreikin, weil er nur dumm rumsitzt
-200 Punkte an den da rechts im Bild, weil er 1) versucht, Grishuk zu unterbrechen, 2) ganz am Schluss auch noch die Bombardierungen Serbiens reinbringt - ja, Serbien, traurig, 2x bombartiert die letzten 27 Jahre. Detail: Jedesmal, während serbische Nationalisten Genocide durchgeführt hatten.
Felix Tollbert Felix Tollbert 01.03.2022 09:38
@Arelius. Keine gute Argumentation. Wichtig ist ein klares Zeichen an die russische Bevölkerung, die - man glaubt es kaum im 21. Jahrhundert - von den staatlichen Medien mit Propaganda und Falschmeldungen überzogen wird. Solange die nationalen Aushängeschilder, und das sind russische Schach-Großmeister in ihrer Heimat, weiterhin ungehindert und uneingeschränkt ihrem Geschäft nachgehen können, wird in Russland keine Veränderung wahrgenommen. Erst der Ausschluss der GMs könnten Fragen nach dem Warum aufwerfen. Das trifft dann auch viele Sportler, die persönlich natürlich keine Verantwortung am Krieg tragen, wohl aber Verantwortung bei der Aufklärung im eigenen Lande übernehmen sollten.
Anatolja Anatolja 01.03.2022 08:13
Das ist nicht annähernd genug. Dworkowitsch muss selbstverständlich sofort zurücktreten. Außerdem sind alle russischen und belarusischen Spieler bis auf Weiteres von allen internationalen Turnieren zu sperren.
Geschieht das nicht, dann liegt es in der Verantwortung von Chessbase, über solche Turniere nicht mehr zu berichten. Ich fordere Sie auf, Ihre Verantwortung wahrzunehmen!
MARIO1962 MARIO1962 01.03.2022 05:37
als nächstes wird uns @Arelius erklären, warum die Welt eine Scheibe ist. unfassbarer unseröser Quatsch.
Bulkington Bulkington 01.03.2022 09:11
Ich finde die Berichterstattung von Chessbase über das Thema verwirrend ignorant. Karjakin, Olympiade in Moskau, FIDE, Short, Sponsoren etc etc. Zu berichten gäbe es genug, stattdessen druckt man wortwörtlich irgendwelche Statements ab. Ihr seid dabei irrelevant zu werden.
Bayernfreund Bayernfreund 28.02.2022 03:51
Ach Arelius, der Vergleich mit dem zweiten Weltkrieg ist genauso sinnlos wie der mit den USA. Aber ich versteh´s schon, man versucht das Ganze zu relativieren. Wie gesagt, Sinn los.
Krennwurzn Krennwurzn 28.02.2022 03:35
IOC fordert Ausschluss von Sportlern aus Russland und Belarus. Russische und belarussische Sportler und Funktionäre sollen nach dem Willen des IOC nicht mehr an internationalen Wettbewerben teilnehmen dürfen. Diese Empfehlung sprach die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees an alle Weltverbände und Ausrichter von Sportveranstaltungen aus.
Lt Marseille Lt Marseille 28.02.2022 03:13
Vielen DAnk, Ocrana.
Wie kann man mit einer ELO von weit über 2.700 sowas von sich geben? Seine schachlichen Erfolge zeigen, dass er doch irgendwie gut denken kann. Aufgrund dieses Tweets kann man nur attestieren, dass er verwirrter ist, als Fischer es jemals war. Drogenmissbrauch? Aljechin - Syndrom? Echt sonderbar!
Ocrana Ocrana 28.02.2022 02:47
Hier ist der Brief von Sergey Karjakin an Herrn Putin zu lesen: https://www.chess-international.com/?p=52491. Ich hoffe, dass Sergey Karjakin keine Turniereinladungen mehr erhält.
flachspieler flachspieler 28.02.2022 02:45
Gutes Ende: z.B. "Putin kaput".
Matemachine Matemachine 28.02.2022 02:09
An Karjakins Tweet sieht man, dass der intellektuelle Horizont auf 64 kleine Quadrate beschränkt sein kann.
Arelius Arelius 28.02.2022 02:04
@Bayernfreund, wohl schon vergessen, wer unter großen Opfern den 2. WK beendet hat? Ich finde eine Ausgrenzung von Sportlern nicht gut, denn diese können nichts dafür.
Bayernfreund Bayernfreund 28.02.2022 01:40
Zweite Chance? Aha, verstehe.
Was ist denn hier mit dem "guten Ende" gemeint? Gut für den Angreifer? Gibt´s Kriege mit einem guten Ende?
flachspieler flachspieler 28.02.2022 12:29
Ich denke, Dvorkovich hat eine zweite Chance verdient, wenn der aktuelle Krieg zu einem guten Ende kommt.
Bayernfreund Bayernfreund 28.02.2022 11:38
Militäraktion? Das wird den Putin-Freund Arkady Dvorkovich nicht retten. Vielleicht findet sich ja endlich einmal - man denke an manchen seiner Vorgänger - ein Präsident, der zur friedlichen Schachkunst passt.
Und was sagen eigentlich die chinesischen Schachspieler dazu?
tf8-b8 tf8-b8 28.02.2022 10:48
Respekt, FIDE! Das hätte ich so nicht erwartet...
Zwar wurde eine Aussage wie "Russland hat einen Krieg gegen die Ukraine begonnen" vermieden, aber an den ersten zwei Sätzen erkennt man, wie hier offensichtlich um eine diplomatische Formulierung gerungen wurde, in der das Wort "Krieg" zumindest auftaucht.
Interessant ist die Kündigung von Sponsorenverträgen. Hoffentlich lässt die Formulierung keine Schlupflöcher zu.

Sollten russische und belarussische Spieler komplett von internationalen Turnieren ausgeschlossen werden? Ich denke, nein. Erstens gibt es schon einige Spielerinnen und Spieler, die sich eindeutig gegen den Überfall positioniert haben. Zweitens geben Veranstaltungen im Ausland den Sportlern die Möglichkeit, sich in unzensierten Medien über die Lage zu informieren (und überdies weniger abhängig zu sein von staatlicher Finanzierung).
Krennwurzn Krennwurzn 28.02.2022 10:26
Sehr interessant - weiß FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich schon mehr?
Sind die Tage von Putin an der Macht schon gezählt?

Karjakin sollte bei keinem Turnier in der freien Welt mehr spielen dürfen.
acepoint acepoint 28.02.2022 09:54
Obwohl ich die Sanktionen der FIDE begrüße, insbesondere die Fälle Karjakin und Shipov, ist es traurig zu sehen, dass die FIDE in ihrer Erklärung die Ausdrucksweise Russlands verwendet. Besser als nichts und überraschend schnell im Vergleich zu anderen Sportverbänden und in Bezug auf die starke Beziehung der FIDE zu Russland. Aber...

...es ist ein brutaler Krieg, ein Überfall, eine Invasion in ein unabhängiges Land, keine «Militäraktion». Russische - inzwischen wohl auch weißrussische - Soldaten bombardieren zivile Gebäude, darunter einen Kindergarten. Tausende Opfer, unschuldige Kinder sterben. Hunderttausende ukrainische Flüchtlinge versuchen, den russischen Bomben und Eindringlingen zu entkommen.

Nennen wir es wie es ist: Wir haben einen Krieg(!) in Europa, der von Putin und seinem kleptokratischen Zirkel initiiert wurde.

(1-1 übersetzt aus meinem Kommentar auf der englischen Chessbaseseite)
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