Ruhe nach dem Ruhetag

08.07.2009 – Drei Remis lautete die Bilanz der sechsten Runde des GM-Turniers beim Sparkassen Chess-Meeting in Dortmund. Umkämpft war dabei eigentlich nur die Begegnung zwischen Dimitry Jakovenko und Magnus Carlsen, die erst kurz nach der Zeitkontrolle Remis endete. Die anderen Spieler erkannten schneller, dass früher Frieden Nerven und Kräfte schont. Vladimir Kramnik und Peter Leko trennten sich nach 25 Zügen Unentschieden, Etienne Bacrot und Arkadi Naiditsch brauchten dafür einen Zug weniger. Damit liegt Magnus Carlsen mit 4 Punkten aus 6 Partien weiter in Führung.Turnierseite...Mehr...

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Beginn der Rückrunde in Dortmund
Von André Schulz

Nach der tagelangen Affenhitze kam es heute auch in Dortmund zu einem kleinen Temperatursturz. Um die Mittagszeit ging ein ordentlicher Regenguss nieder und hinterließ mit zahlreichen größeren Pfützen seine Spuren in der Ruhrmetropole. Im Laufe des Tages gingen weitere Schauer nieder, von denen man im Schauspielhaus aber nicht viel mitbekam.

Im Pressezentrum herrscht gelassene Betriebsamkeit. Um das Dortmunder Turnier hat sich eine große Schachfamilie gebildet, in der jeder weiß, was er zu tun hat. Neu ist Michael Meinders, der nun als Pressesprecher fungiert.

"Pass auf! Heute zwei Remis und eine gewonnene Partie," gibt Dagobert Kohlmeyer seinen Tipp ab. "Jakovenko schlägt Carlsen," glaubt der Berliner.

Eine Viertelstunde vor dem offiziellen Rundenbeginn erschienen die ersten Spieler. Magnus Carlsen macht den Anfang, legt seine Sachen nieder und verschwindet dann hinter der Leinwand im Hintergrund der Bühne, wo man für die Spieler Erfrischungen und Snacks bereit gestellt hat. Bald folgen Vladimir Kramnik, Peter Leko, Etienne Bacrot, Arkadij Naiditsch und schließlich auch Dmitry Jakovenko - etwas verspätet, was aber nicht den Partieverlust zur Folge hatte, wie ihn die FIDE gemäß der Nulltoleranzregel neuerdings vorschlägt.

Turnierdirektor Gerd Kolbe schwört das Publikum im Plauderton auf die kommende Runde ein. Hinter der Bühne sitzt Guido Kohlen, der für die reibungslose Technik sorgt, vor seinem Notebook und passt auf, dass alle Übertragungen einwandfrei laufen. Ein vom ihm geschriebenes Programm sorgt dafür, dass die Züge erst mit einer Viertelstunde Verzögerung ins Internet gehen, als Prävention gegen zumindest technisch mögliche Betrugsversuche. Es könnte ja jemand im Publikum sitzen und per Zeichen einem der Spieler die von einer Schachengine errechneten optimalen Züge durchgeben. Nicht, dass man hier den Spielern nicht trauen würde, aber nach der großen Cheating-Diskussion vor zwei Jahren wollte man ein Zeichen setzten und zeigen, dass so eine einfache wie nützliche Maßnahme leicht zu realisieren ist. Schon im letzten Jahr gab es die Züge nur mit Verzögerung im Internet zu sehen. Leider wurde diese Methode der Cheating-Prävention anderswo nicht aufgenommen.

Hinter dem Inspizientenpult hängt irgendwo an der Wand zwischen Rohren und Kabeln noch ein Kontrollmonitor mit dem Bild, das die Zuschauer im Saal von den Übertragungsbrettern zu sehen bekommen.

Neben Kohlen sitzen Sebastian Siebrecht und Klaus Bischoff im Dunkel des Bühnenhinterraums und kommentieren. Helmut Pfleger hat in diesem Jahr seine Ankündigung endgültig wahr gemacht und sich als Kommentator in Dortmund zurück gezogen. Sebastian Siebrecht sitzt nun auf dem Pfleger'schen Stuhl. "Natürlich kann ich die großen Schuhe von Helmut Pfleger nicht ausfüllen," lächelt der mit über 2 Metern längste Großmeister der Welt bescheiden. Doch Helmut Pfleger hat ihn in Bonn bei der WM als Gastkommentator erlebt und weiß: ""Der Sebastian macht das ganz großartig. Sehr schwungvoll und kompetent. Ich werde mich in den Zuschauerraum setzen und die Kommentare genießen."

Eine Livepartie ist ein ganz anderes Erlebnis als eine nackte Partienotation, die man sich vielleicht hinterher nur kurz ansieht. Auch eine vermeintlich kurze Remispartie kann live ein durchaus packendes Erlebnis sein, wenn man mit den Kommentaren von Bischoff und Siebrecht im Ohr die Züge mitverfolgt und versucht, hinter die Gedankengänge der Spieler zu kommen.

Neben den drei Großmeistertischen sorgen die zwei Spitzenpartien aus dem IM-Turnier für zusätzliche Unterhaltung. Hier beendet Thomas Trella als Erster seine Partie gegen Marcel Racherbäumer, der eigentlich Konzertpianist ist. Racherbäumer hatte eine Kombination gespielt, die allerdings ein großes Loch hatte. Da die Kombination ein Damenopfer beinhaltete, war diese nun weg. Schon im 20sten Zug gab er auf.

Die Trainingspartner Etienne Bacrot und Arkadij Naiditsch reizten sich erwartungsgemäß nicht bis aufs Blut und schlossen relativ schnell Frieden. Bei Kramnik gegen Leko hatte es allerdings den Anschein, als wollte der Exweltmeister seinem Sekundanten im letzten Match gegen Anand doch an die Gurgel. Jedenfalls stocherte der Russe mit seinem Springer lange an Lekos Stellungsrand herum. Der Ungar beantworteten die weißen Springermanöver mit kleinen aber effektvollen Läuferzügen und bestätigte einmal mehr seine Fähigkeiten als "Equalizer". Auch diese Partie endete remis.

Am längsten dauerte der Kampf zwischen Dmitry Jakovenko und Magnus Carlsen im Sveshnikov-Sizilianer. Um Zug 30 wich der Russe tapfer dem Angebot einer Zugwiederholung aus. Doch viel erreichen konnte er nicht. Bei ungleichen Läufern entstand schließlich eine Situation, in der keine der beiden Seiten zuviel riskieren konnten. Auch hier: Remis.

In der zweiten IM-Partie spielte Dähne-Pokalsieger Thomas Fiebig gegen den neuen Bundesliga e.V-Chef Markus Schäfer und durchlebte alle Höhen und Tiefen. Nachdem er einen Mattangriff überstanden hatte, stand Fiebig auf Gewinn. Doch irgendwie fand Schäfer in aussichtslos wirkender Position mit Dame gegen zwei Türme und Springer noch Gegenspiel und trickste sich schließlich in ein Endspiel mit Bauern gegen Springer und Bauern. "Das sieht aber nicht mehr leicht aus," wusste der Praktiker Klaus Bischoff sofort. Tatsächlich endete es schließlich remis.

 

Bilder der 6. Runde:




Tabellenführer Magnus Carlsen


Carlsen in Weiß und mit Schwarz


Jakovenko ist noch dabei, das Formular auszufüllen, die anderen haben schon angefangen.


Medienattraktion Carlsen


Seit Jahren in Dortmund zu Gast: Peter Leko


Vladimir Kramnik macht den ersten Zug


Und überlegt sich, was Leko sich überlegt haben könnte.


Etienne Bacrot


Dieses Jahr in Dortmund noch recht glücklos: Arkadi Naiditsch



Schachjournalist Dagobert Kohlmeyer bei der Arbeit. Am Laptop...


... und hinter der Kamera.


Manager Carsten Hensel


Schachjournalisten-Duo: GM Sebastian Siebrecht und GM Helmut Pfleger


Schachjournalisten-Trio: Siebrecht, Pfleger und GM Klaus Bischoff


Michael Negele: Der leidenschaftliche Schachfan arbeitet zur Zeit als Herausgeber an einem großen Buch über Lasker.


Die Bühne zu Beginn der Runde


Die Bühne während der Runde


Im modernen Schach wird Technik immer wichtiger.


Die Tabelle vor der sechsten Runde. Da alle drei Partien Remis endeten, führt Magnus Carlsen jetzt mit 4 aus 6. Danach folgen Vladimir Kramnik und Peter Leko mit je 3,5 Punkten.



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