Schachweltmeisterschaft Carlsen gegen Caruana: Der Tag vor dem Tag

von Thorsten Cmiel
09.11.2018 – Dass Feld ist bereitet, die Spiele können beginnen. Gestern stellten sich die Spieler den Fragen der Press, dann gab es eine Eröffnungsgala mit der Auslosung der Farbe. Das war für die Spieler das Wichtigste Ergebnis des Tages. Der Weltmeister beginnt mit Schwarz. Thorsten Cmiel berichtet aus London. | Titelfoto: Agon, alle anderen Fotos: Thorsten Cmiel

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Vorbericht zur Schach WM London 2018

London. Endlich wieder London. 25 Jahre nachdem Nigel Short und Garry Kasparow in London den Weltmeister ausspielten.

London ist eine echte Weltmetropole und eine Stadt, die scheinbar nie inne hält. Schon das Nutzen der U-Bahn ist ein Erlebnis, denn wer nicht genau weiß welche Linie er in welche Richtung nehmen will, der wird schnell von einer Menschenmenge in eine Richtung geschoben. In London herrscht nachts noch reges Treiben auf den Straßen und in den Pubs. In dieser Hektik also spielen die zwei zurzeit besten Schachspieler den Weltmeistertitel  im Schach aus, in einer Sportart, die Ruhe benötigt und ein echtes Kontrastprogramm ist zu dem Treiben auf den Straßen.

The Jack Horner

Der Spielort

In der Nähe der U-Bahnstation Holborn, unweit des „British Museum“ und nahe des Musical-Destricts im Londoner West End befindet sich der Spielort. „The College“ ist eine riesiger Veranstaltungsort auf drei Ebenen, den beispielsweise Mode-Designer oder Unternehmen für ihre Präsentationen nutzen. Nahe dem Eingangsbereich sind die zwei Köpfe der Spieler zu sehen. Manche Räumlichkeiten in der „12 Southampton Row“ sind im viktorianischen Stil eingerichtet, andere Räume sind eher modern neutral ausgestattet. Der Schachbereich ist dunkel gehalten im Stil des seit Berlin etablierten schwarzweiß Look. Der Spielsaal ist verglast und Fotos waren vor dem Start hier nicht erlaubt.

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Live-Kommentierung und wer schon da ist

Der Ausrichter World Chess versucht erneut die Weltmeisterschaft gesondert über die eigene Plattform zu vermarkten. Die Live-Kommentierung vor Ort, die online abrufbar ist, übernimmt Judit Polgar, die von den Organisatoren als stärkste Schachspielerin der Welt angekündigt wurde. Verwiesen wird darauf, dass Judit in ihrer Karriere elf amtierende oder frühere Weltmeister schlagen konnte. Sie schaute jedenfalls schon bei der Pressekonferenz kurz vorbei. Genau wie einige vor allem englische Großmeisterkollegen: Raymond Keene, der zweite britische Großmeister, inzwischen 70 Jahre alt; Daniel King, der für diese Meisterschaft Pressesprecher der FIDE engagiert wurde; Nigel Short, der dem Berufungsgericht angehört; Jonathan Speelman, der über das Event berichten wird; Nana Alexandria (GEO), die als zweite Schiedsrichterin fungiert und Alexander Beliavsky (UKR) ist ebenfalls im Berufungsgericht aktiv. Jóhann Hjartarson (ISL), isländischer Großmeister gehört ebenfalls dem Berufungsgericht an. Hauptschiedsrichter ist der französische Internationale Schiedsrichter Stephane Escafre.

Die Pressekonferenz

Einen Tag vor Beginn der Weltmeisterschaft fand eine Pressekonferenz, die live bei Facebook und Youtube übertragen wurde statt. Neben den Spielern Magnus Carlsen und Fabiano Caruana nahmen Arkady Dvorkovich, der neue FIDE-Präsident, Ilya Merenzon, CEO des Ausrichtes World Chess sowie Andrey Guryev, Vize-Präsident der russischen Schachföderation, russischer Milliardär und Unternehmer an der Pressekonferenz teil.

Die Sponsoren

Die Firma von Andrey Guryev, PhosAgro, ist bereits seit 2014 einer der Sponsoren der Schachweltmeisterschaft und im Agrochemie-Sektor sehr erfolgreich tätig. Guryev lebt in London und gilt als eher pressescheu. Die anderen Sponsoren der Veranstaltung sind: Unibet, ein Wettanbieter, der zur Kindred Group gehört, die in Stockholm an der Börse gelistet ist. Kaspersky Lab, ein Spezialist in Sachen Cybersicherheit. Prytek, ein Risikokapitalgeber dessen Schwerpunkt Technologie ist, der aber auch im Bereich Künstliche Intelligenz Projekte fördert. Die Firma Dupont bietet seit 1872 ihre Produkte an und kommt aus der Gold- und Silberschmiede-Handwerkskunst. Für das Match hat das Unternehmen spezielle Kugelschreiber kreiert.

Was Magnus und Fabiano zu sagen haben

Zunächst gab es einen kurzen Applaus als die beiden Spieler in den Raum der Pressekonferenz kamen. Magnus und Fabiano schauten zu Beginn eher grimmig drein, eher wie Boxer, die sich keine Blöße geben wollen. Vielleicht wollten die Spieler auch nur den Worten von Ilya Merenzon, Geschäftsführer von World Chess zur Geltung verhelfen: “Schachstars sind die Box Champions der 21ten Jahrhunderts. Smart ist sexy und für drei Wochen können wir die tolle Erfahrung machen den, smartesten Leute auf der Welt im Wettkampf zuzuschauen. Vor Ort oder online.”

Hinweis: Die eigentliche Pressekonferenz beginnt etwa in Minute 13.20 und der Ton wird etwas später besser.

Nach einer kurzen und immer noch zu langen Vorstellungsrunde interessierten sich die anwesenden Journalisten vor allem für die Antworten der beiden Kontrahenten. Und beide Spieler absolvierten ihr Programm durchweg souverän. Magnus meinte auf die Frage eines Journalisten von Al Jazeera was Schach „cool mache“, er fände Schach seit seinem achten Lebensjahr „cool“.

Fabiano ergänzte, dass Schach immer cooler würde, wie das Interesse mancher Berühmtheiten zeige. Wie man sich fühle und welche Bedeutung Psychologie habe fragte beispielsweise eine Journalistin vom ZDF, die Magnus als den „Mozart des Schach“ bezeichnete. Magnus meinte, dass Psychologie beim Schach im Vergleich zu anderen Sportarten keine große Rolle spiele.

Magnus Carlsen, Fabiano Caruana, Daniel King

Sowohl Magnus als auch Fabiano tauschten anerkennende Worte über die Qualität des jeweils anderen aus. Magnus deutete an, dass Fabiano in diesem Jahr bislang besser gespielt habe als er und er eine Steigerung benötige.  Aber: Bei ihm sei es eine Zeit lang her, dass er sich als der Unterlegene gefühlt habe. Denn wer sieben Jahre Nummer 1 der Weltrangliste und dreimal Weltmeister geworden sei, sich dann als Underdog fühle, mit dessen Psyche würde etwas nicht stimmen. Eine echte Kampfansage also. Fabiano meinte im Gegenzug, dass er keine wiederkehrenden Schwächen im Spiel von Magnus ausgemacht habe, aber wie jeder Schachspieler würde auch Magnus Fehler machen. Seine Aufgabe sei es dann präsent zu sein.

Fabiano wurde in einer Frage von einem Norweger mit seinem Nationenwechsel von den USA nach Italien und wieder zurück konfrontiert und löste das Problem souverän: Er habe immer noch beide Nationalitäten, habe mit 13 Jahren in die eine Richtung und in seinen Zwanzigern in die Richtig die Föderation gewechselt. Gerne würde er für beide Nationen antreten, könne das aber nicht und sei stolz für die USA anzutreten. Zum Schluss der Pressekonferenz interessierte sich eine Journalistin aus Russland dafür ob die Spieler weibliche Unterstützung hätten. Magnus meinte, niemand liebe ihn und wollte dabei wohl witzig wirken, vielleicht war er aber nur genervt von der privaten Frage. Fabiano reagierte souveräner und meinte, er habe genügend weibliche Unterstützung von seiner Mutter und in seinem Freundeskreis gebe es auch weibliche Unterstützung.

Die BBC-Reporterin interviewt englische Schachkinder

Die Farbwahl

Wer mit Weiß anfangen darf wurde dann am Abend bei einem Galadinner im Victoria & Alfred Museum geklärt. Eine geschlossene Veranstaltung, die ein gesellschaftliches Ereignis sein sollte. Vermutlich wollten die Spieler aber nach der Entscheidung über die Farbwahl einfach nur weg. Die Auslosung ergab, dass Titelverteidiger Magnus Carlsen in der ersten Partie die schwarzen Steine hat, Fabiano Caruana alsio mit Weiß beginnt.

Die Eröffnung im Victoria und Albert Museum | Foto: Agon

Die Schachgeschichte hat sich weiter entwickelt. Die PCA, die 1993 zur Vermarktung der Weltmeisterschaft in Abgrenzung zur FIDE gegründet wurde, gibt es längst nicht mehr und eine Nachfolgeorganisation, gegründet ebenfalls von Kasparow, existiert ebenfalls nicht mehr. Nigel Short ist inzwischen sogar Vizepräsident der FIDE. Zur Erinnerung Garri Kasparow gewann den WM-Kampf gegen seinen englischen Herausforderer mit 12,5 zu 7,5 Punkten (+6 -1 =13), wobei Nigel Short in der ersten Partie nach misslungenen Spiel in etwa ausgeglichener Stellung die Zeit überschritt.

 

Links

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Thorsten Cmiel ist Fide-Meister lebt in Köln und Milano und arbeitet als freier Finanzjournalist.
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