Sie werden immer jünger...

06.07.2009 – Das altehrwürdige Spiel entwickelt sich immer mehr zu einem jungen Sport, meint Dagobert Kohlmeyer in seinem Resümee des ersten Drittels des Dortmunder Sparkassen Meetings. Magnus Carlsen wird noch in der Juniorenrangliste der FIDE geführt, ist aber im Dortmunder Feld der Erste der Setzliste und übernahm gleich die Führung. Mit 18 Jahren ist das ehemalige Wunderkind der jüngste im Feld, doch auch insgesamt liegt das Durchschnittsalter mit 26 Jahren sehr niedrig. Inzwischen hat "Turniersenior" Vladimir Kramnik den Norweger eingeholt, nachdem der Ex-Weltmeister gestern in einer spektakulären Partie zu einem Sieg gegen Arkadij Naiditsch kam. Mehr...

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Ein altes Spiel, aber das Feld ist jung
Von Dagobert Kohlmeyer

Das Sparkassen Chess-Meeting geht heute in die Halbzeit. Am fünften Spieltag will das Führungsduo Carlsen und Kramnik mit Weiß versuchen, die Kontrahenten auf Distanz zu halten. Mit je 2,5 Punkten aus den ersten vier Runden haben die beiden Turnierfavoriten einen halben Zähler Vorsprung vor den Verfolgern. Magnus Carlsen könnte mit 3,0 Punkten sogar allein vor dem Feld liegen, wenn er am Sonntag seine Schwarz-Partie gegen Etienne Bacrot gewonnen hätte.

Aber der Franzosen errichtete nach wildem Handgemenge am Ende mit Turm und drei Bauern eine uneinnehmbare Festung gegen Carlsens Dame, die nur noch einen Bauern an ihrer Seite hatte.


Etienne Bacrot

Peter Leko und Dmitri Jakowenko trennten sich zuletzt remis.

Der sympathische Russe hat seine Startniederlage gegen Carlsen gut verkraftet, kam in Runde 2 mit einem Sieg gegen Arkadij Naiditsch ins Turnier zurück und liegt jetzt mit Leko und Bacrot in Lauerstellung hinter den beiden Spitzenreitern.


Titelverteidiger Peter Leko

Magnus‘ Ersatzvater

Im Dortmunder Schauspielhaus sind die meisten Augen natürlich auf Magnus Carlsen gerichtet, der jeden Tag das gleiche Ritual vollzieht. Nie kommt er ohne seinen geliebten Orangensaft auf die Bühne. Um das Getränk hat sich Frederic Friedel gekümmert. Der Hamburger vertritt hier einige Tage lang Carlsens Vater Henrik, der mal dringend nach Norwegen zurück musste. Am Morgen organisiert Friedel ein opulentes Frühstück für den Schach-Mozart, weil Magnus bis gegen Mittag schläft. Im Schauspielhaus aber ist der junge Großmeister dann hellwach. Magnus setzt sich an den Schachtisch, reicht seinem Gegner die Hand und vergräbt das Gesicht in den Händen, bis das Startzeichen ertönt. Wenn er seine Eröffnungszüge getan hat, sieht er auf die Leinwand nach den anderen Partien. Der Weltranglisten-Dritte hat, wie es aussieht, alles unter Kontrolle.

Aber Kramnik, Leko und die anderen Stars wollen ihn noch abfangen. Der Dortmunder Seriensieger hat ihn gestern schon eingeholt, indem er Arkadij Naiditsch mit Schwarz in einer Russischen Partie eindrucksvoll überspielte. Gegen Wladimirs Mattangriff am Königsflügel war kein Kraut gewachsen. Die Zuschauer im Saal und die weltweite Schachgemeinde sahen eine eindrucksvolle Partie. Beim Dortmunder Naiditsch läuft es bisher überhaupt nicht, er hat es am heutigen Montag mit dem Spitzenreiter Magnus Carlsen zu tun.

Neben dem Hauptereignis gibt es bei diesem Schachfestival noch ein IM-Turnier und zwei Open. Das zweite Rundenturnier ist auch im Schauspielhaus, wobei die beiden wichtigsten Partien neben den Großen auf der Bühne zu sehen sind. Die zwei Open (für Meister und Amateure) finden traditionell im Dortmunder Rathaus statt. Dort mischen auch die Nationalspieler David Baramidze und Sarah Hoolt mit.


David Baramidze


Sarah Hoolt

Die offenen Turniere beginnen um 11 Uhr, am Nachmittag können die Teilnehmer dann die Partien der Großen im nahen Schauspielhaus verfolgen.

Sie werden immer jünger

Schach, das uralte Brettspiel, kam vor Jahrhunderten aus dem Orient in unsere Breiten. Seine Faszination ist bis heute ungebrochen. Millionen Menschen spielen es, begeistern sich an eleganten Figurenmanövern, schönen Kombinationen und Mattattacken auf dem Brett. Die meisten tun es zum Spaß; wer mehr Ehrgeiz entwickelt, geht in einen Schachverein. Und die Elite der Denksportler trifft sich jedes Jahr zu hochkarätigen Turnieren wie in Dortmund. Die 37. Auflage des Sparkassen Chess-Meetings ist ein vielsagender Beleg dafür, dass die Westfalen-Metropole seit langem zu den Schachhochburgen dieser Welt gehört.   

Altes Spiel, aber junge Gesichter. Im Schauspielhaus der Ruhrmetropole können die Zuschauer ein erlesenes Teilnehmerfeld bewundern, dessen Durchschnittsalter um die 26 Jahre beträgt. Die Spitzenkönner im Schach werden immer jünger. Im Computerzeitalter kann man schon mit 13 oder 14 Jahren Großmeister werden, wie Magnus Carlsen und vor ihm auch Peter Leko und Etienne Bacrot gezeigt haben. Mit 34 Jahren ist Wladimir Kramnik der Turniersenior in Dortmund. Der Exweltmeister hat als einziger die 30 schon überschritten.

Am Samstag spielte der Russe gegen Magnus Carlsen, der mit seinen 18 Jahren Jüngster im Feld ist.

Wer die Partie der beiden im Saal oder im Internet verfolgte und einen langen, kompromisslosen Fight erwartete, wurde enttäuscht. Noch ehe eine Stunde vergangen war, gab Carlsen mit seiner Dame ein Dauerschach, worauf beide Spieler schon im 19. Zug die Friedenspfeife rauchten.

Beide Superstars treffen im zweiten Durchgang  des doppelrundigen Turniers noch einmal aufeinander. Ob der achtfache Schachkönig von Dortmund, der dann mit Weiß Aufschlag hat, den jungen Norweger auch so leicht davonkommen lässt? Dennoch hat Carlsen bisher alles richtig gemacht.

Er gewann am Anfang des Turniers, als die anderen noch die Punkte teilten und hielt die starke Konkurrenz bis zum 4. Spieltag auf Distanz. Nicht umsonst ist der vielbewunderte Großmeister als Weltranglisten-Dritter in Dortmund an Nr. 1 gesetzt. Aber Carlsen bleibt der Gejagte. Bei sechs offenen Runden kann sich noch viel ändern. Die Küken werden auch in Dortmund erst zum Turnierende am nächsten Sonntag gezählt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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