Solingen ist Pokalsieger - Niedergang eines Traditionsturniers

17.06.2009 – Die Turniere "Viererpokal" und "Dähnepokal" sind Traditionsturniere des Deutschen Schachbundes. Hier haben Amateure und Amateurmannschaften Gelegenheit, einmal gegen bessere Spieler oder höherklassige Mannschaften anzutreten und sorgten bisweilen auch für die typische "Pokalüberraschung". Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt fand am letzten Wochenende in Kassel das diesjährige Pokalfinale statt. Nachdem Titelverteidiger Baden-Baden schon in der Vorrunde ausgeschieden war, siegte diesmal der letztjährige Vize Solingen durch ein 2,5:1,5 über Handschuhsheim. Den Dähnepokal gewann Thomas Fiebig nach Blitz-Stichkampf über Atila Figura. Bedauerlicherweise befinden sich die Pokalfinalturniere in einem sturzflugartigen Niedergang, besonders seit der DSB sie im letzten Jahr zur Durchführung an den Amateurcup angehängt hat. Vor einem Jahr hatte sich Baden-Baden bereits über Mängel in der Durchführung beklagt, diesmal sparte Solingen nicht mit Kritik. Im letzten Jahr gab es keine Liveübertragung und keine Ergebnisse. In diesem Jahr keine Liveübertragung und bis heute auch keine Partienotationen. Während früher die ausrichtenden Vereine für eine würdige Durchführung sorgten und die Spitzenvereine noch zumeist mit ihren Großmeistern antraten, scheint nun der DSB als Ausrichter nicht in der Lage und die Amateurcup-Organisatoren nicht willens zu sein, das Pokalfinale für die Spieler und die Öffentlichkeit in einem angemessenen Rahmen zu präsentieren. Kleiner Trost: Für die Solingen-Fans hat Jörg Wegerle wenigstens seine eigenen Partien zum Nachspielen zur Verfügung gestellt.Ein Viertel Pokalfinale...Mehr...

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Trauerspiel Pokalfinale

Zum zweiten Mal fand das Pokalfinale am Rande des Amateurcupfinales statt. Früher wurde es mit Halbfinale, Finale und Spiel um den dritten Platz von einem der teilnehmenden Finalvereine durchgeführt. Dann entschied man beim DSB, zusammen mit den Organisatoren des Amateurcups, es mit dem Finale des Amateurcups zusammenzulegen, um "den Pokal aufzuwerten".

Weshalb das Pokalfinale mit bis dato doch einigen Großmeistern, darunter z.B. auch Weltklassespieler wie Peter Svidler, durch die örtliche Zusammenlegung mit dem Amateurcup "aufgewertet" wurde, fragten sich im vergangenen Jahr nicht nur die Spieler und Mannschaftsführer beim OSG Baden Baden und klagten z.B. über fehlende Absperrungen zu den Zuschauern und Getränkepreise zu Hotel-Minibartarifen. Eine Liveübertragung der Partien gab es nicht, was die Baden-Badener, Platzhirsch der Bundesliga und mit einem richtigen Sponsor ausgerüstet, besonders bedauerten.

Die Ergebnisse des Pokalfinales konnte man im letzten Jahr auch Tage danach nur in Teilen dadurch in Erfahrung bringen, wenn man die Webseiten der teilgenommenen Vereine absurfte und deren Einzelergebnisse aufsammelte. Die Partienotationen blieben jedoch unbekannt.

In diesem Jahr hat sich trotz des letztjährigen Desasters an der Situation nichts geändert. Wieder fand das Mannschaftspokalfinale als offenbar ungeliebtes Anhängsel "am Rande" des Amateurcups statt und wieder blieb die gewünschte "Aufwertung" aus. Die bereit gestellten Räume waren nicht einmal groß genug, um alle Kämpfe in einem gemeinsamen Spielsaal auszutragen. Stattdessen wurden die Wettkämpfe auf zwei Stockwerke verteilt. Einige Spieler fanden trotz Reservierung im Gastgeberhotel wegen Überbuchung kein Hotelzimmer und mussten auf ein anderes Hotel ausweichen. Immerhin schauten sich 15-20 Zuschauer vom parallel stattfindenden Amateurcupfinale auch mal die Partien des Mannschaftspokalfinales an.

Das Einzelfinale ging über mehrere Stichkampfblitzrunden, insgesamt acht Blitzpartien, und dauerte länger als geplant. Die beiden Finalisten mussten deshalb zwischendurch umziehen, weil sie der Vorbereitung für die Siegerehrung des Amateurcups im Wege waren. Bei der Siegerehrung wurden dann auch nur noch die Sieger des Pokalfinales aufgerufen, die nachfolgenden Preisträger schon nicht mehr. Time is money!

Die Partien wurden immerhin erfasst und sollen möglicherweise noch veröffentlicht werden (aber wo eigentlich?). Für eine Liveübertragung fehlte das Geld. Ein Antrag auf Aufstockung des Etats für die Durchführung des Pokalfinales, wobei der Löwenanteil für den Einzelpokal verwendet wird, wurde wegen Aussichtslosigkeit noch vor dem DSB-Kongress zurückgezogen.

 

 

André Schulz
Fotos: Frank Jarchov
















Pokalmannschaftsmeister 2009: Solingen (Hoffmann, Buhmann, Naumann, Wegerle)


Thomas Fiebig: Dähnepokalsieger

 

Ergebnisse:

Halbfinale

1 Hamburger SK 1 : 3 SG Aljechin Solingen
1 FM Wolfgang Pajeken (2283) 0:1 GM Rainer Buhmann (2569)
2 Jonathan Carlstedt (2244) 1:0 GM Alexander Naumann (2504)
3 Philipp Balcerak (2270) 0:1 IM Jörg Wegerle (2401)
4 FM Markus Lindinger (2237) 0:1 IM Michael Hoffmann (2479)
 

2 SK Heidelberg-Handschuhsheim 3½: ½ SV Lok Leipzig-Mitte
1 GM Wjatscheslaw Ikonnikow (2527) 1:0 IM Gunter Spieß (2414)
2 GM Wladimir Gurewitsch (2450) 1:0 FM Wilfrid Wernert (2326)
3 IM Wadim Tschernow (2383) 1:0 FM Manfred Böhnisch (2299)
4 FM Jörg Schwalfenberg (2294) ½:½ Thomas Schubert (2347)


Finale / Spiel um Platz 3 am 13. Juni 2009 in Kassel

F SK Heidelberg-Handschuhsheim 1½:2½ SG Aljechin Solingen
1 GM Wladimir Gurewitsch (2450) ½:½ GM Alexander Naumann (2504)
2 GM Wjatscheslaw Ikonnikow (2527) ½:½ GM Rainer Buhmann (2569)
3 IM Wadim Tschernow (2383) ½:½ IM Jörg Wegerle (2401)
4 FM Jörg Schwalfenberg (2294) 0:1 IM Michael Hoffmann (2479)
 

3 Hamburger SK 2½:1½ SV Lok Leipzig-Mitte
1 Jonathan Carlstedt (2244) ½:½ IM Gunter Spieß (2414)
2 Philipp Balcerak (2270) ½:½ FM Wilfrid Wernert (2326)
3 FM Wolfgang Pajeken (2283) 1:0 FM Manfred Böhnisch (2299)
4 FM Markus Lindinger (2237) ½:½ Thomas Schubert (2347)

 

Quelle: Schachbund

 

 

 

 


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