Steinitz gegen Zukertort

29.03.2006 – Heute vor 120 Jahren, am 29. März 1886 wurde in New Orleans der ersten Offizielle Schachweltmeister ausgerufen. In einem Wettkampf auf zehn Gewinnpartien, insgesamt waren dafür 20 Partien nötig, besiegte Willhelm Steinitz Johannes Zukertort mit 12,5:7,5. Der Wettkampf wurde mit einem Einsatz von je 2000 Dollar in den drei US-Städten New York, St.Louis und New Orleans ausgetragen. Zukertort war zunächst mit 4:1 in Führung gegangen, wurde dann von Steinitz eingeholt und brach am Ende psychisch und physisch ein. Von der Niederlage erholte sich der Anderssen-Schüler nicht mehr und starb zwei Jahre später an einem Schlaganfall. Bevor der erste Weltmeisterschaftswettkampf zustande kam, wurde auch hier schon bei den Modalitäten um jedes Detail gekämpft. CD Alle Weltmeisterschaften 1886 bis 2002 im Shop kaufen...Mehr...

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Die erste Schachweltmeisterschaft
11. Januar bis zum 29. März 1886 in New York, St.Louis und New Orleans


Zukertort, Steinitz, 1886

Seit seinem Sieg im Wettkampf gegen Adolf Andersson 1866 in London galt Wilhelm Steinitz als bester Schachspieler der Welt. Besonders in den Wettkämpfen zeigte sich seine Überlegenheit.  Nach seinem Turniersieg 1873 in Wien zog er sich für drei Jahre vom Schach zurück, bis er 1876 von Blackburne zu einem Wettkampf heraus gefordert wurde. Steinitz brachte Blackburne eine vernichtende 7:0-Niederlage bei, um sich dann für weitere sechs Jahre vom Turnierschach zurück zu ziehen. 1882 wurde er mit Winawer geteilter Erster in Wien und im folgenden Jahr musste er im Turnier zu London mit drei Punkten Rückstand auf den Andersson-Schüler Zukertort mit dem zweiten Platz Vorlieb nehmen. In diesem Jahr übersiedelte Steinitz von England in die USA und wurde amerikanischer Staatsbürger.

In den USA fanden sich Gönner und Mäzene, die schließlich die erste offizielle Schachweltmeisterschaft zwischen Steinitz und dem London-Sieger Zukertort organisierten und finanzierten.

Am 29. Dezember 1885 war zwischen Steinitz und Zukertort schließlich eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben und bei einem Notar hinterlegt worden, die ein Match um die Weltmeisterschaft mit einem Einsatz von je 2000 Dollar zum Inhalt hatte.

Vorausgegangen war ein mehrjähriger Streit um die Modalitäten dieses Wettkampfes. Gestritten wurde um die wie Zahl der Siegpartien, die für den Gewinn des Wettkampfes notwendig seien, um die Spielorte und insbesondere um sämtliche finanziellen Regelungen.

Auch die Bedenkzeit stand zur Diskussion. Steinitz bereits 1866 gegen Anderssen mit einer mechanischen Uhr gespielt. Die eigentliche Schach-Doppeluhr gab es aber erst seit London 1883 und man hatte noch nicht so viele Erfahrungen damit. Man einigte sich schließlich auf 2 Stunden für 30 Züge und danach 1 Stunde für je 15 Züge. Steinitz hatte ein langsameres Tempo gefordert, Zukertort wollte das heute übliche Tempo von 2 Stunden für 40 Züge spielen.

In Bezug auf die Siegpunkte einigte man sich auf 10 Siege, Remisen zählten nicht.

Am 11.1.1886 begann das Match in New York und erregte dort einige Aufmerksamkeit. Mit Plakaten und Reklametafeln wurde auf die Spielstätte am Broadway hingewiesen. Dort hatte bereits Morphy beim 1. USA-Kongress 1857 einen Wettkampf gespielt und auch gewonnen.


Paulsen, Morphy, 1857

Sogar auf dem gleichen Brett und mit den gleichen Figuren wurde nun der Wettkampf zwischen Steinitz und Zukertort gespielt.

Während aber der legendäre Amerikaner manchmal Ewigkeiten auf den Zug seines Kontrahenten Paulsen warten musste, war das Ende der Partien in diesem ersten Wettkampf um die Weltmeisterschaft durch die nun zur Verfügung stehende Uhr einigermaßen kalkulierbar.

Per Telegraf wurden die Züge sofort zu verschiedenen amerikanischen Schachklubs sowie nach London übermittelt.

Der Wettkampf wurde in insgesamt drei Städten ausgetragen, nämlich New York, St. Louis und New Orleans. Zukertort ging zunächst mit 4-1 in Führung (allerdings stand Steinitz in einigen Partien klar auf Gewinn). Damit war die Etappe New York abgeschlossen und man reiste zur nächsten Station. Der notorische Spätstarter Steinitz ging nun in St. Louis seinerseits in  mit 5-4 in Front.

In New Orleans, dem letzten der Austragungsorte, musste Zukertort schließlich seiner schwachenGesundheit, durch eine Herzkrankheit hervor gerufen, Tribut zollen. Sein Arzt hatte Zukertort vor der Anstrengung dieses Wettkampfes gewarnt. Tatsächlich erholte sich Zukertort nicht mehr davon und starb zwei Jahre später während eines Handicap-Turniers in London 45-jährig an einem Schlaganfall.

Steinitz schrieb indes seinen Sieg, mit dem der knapp 50-jährige der erste Schachweltmeister wurde,  vor allem seinen von ihm entwickelten positionellen, völlig neuartigen Grundsätzen zu.

Ein Paradebeispiel ist
die 9. Partie des Wettkampfes...

 

 

 



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