Tata Steel: Phantastisches Schach in Runde 10 - Carlsen setzt sich an die Spitze

von Johannes Fischer
23.01.2019 – Die zehnte Runde des Tata Steel Turniers hatte es in sich. Carlsen gewann gegen Anand ein Endspiel, das schwer zu gewinnen war und setzte sich damit an die Spitze des Feldes. Aufregende Angriffssiege gelangen Vidit Gujrathi (gegen Vladimir Kramnik) und Jorden van Foreest (gegen Ian Nepomniachtchi). Giri gewann zum vierten Mal mit Schwarz und Rapport zauberte mit einem phantastischen Zug. Im Challengers verlor Keymer unglücklich gegen Kovalev und Praggnanandhaa unglücklich gegen Chigaev. Elisabeth Pähtz spielte Remis. | Foto: Turnierlogo

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Tata Steel Chess 2019 - Runde 10

Masters

M. Carlsen 1-0 V. Anand

Die Begegnung zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand war die Spitzengegnung der zehnten Runde. Carlsen und Anand haben nicht nur zwei Weltmeisterschaftskämpfe gegeneinander gespielt und gehören mit fünf (Anand) und sechs (Carlsen) Turniersiegen in Wijk zu den erfolgreichsten Spielern in der Geschichte des Turniers, sondern teilten sich vor der zehnten Runde mit 6 aus 9 auch zusammen mit Ian Nepomniachtchi die Tabellenführung. In dieser wichtigen Partie zeigte Carlsen sein typisches technisches und starkes Schach. In einem Spanier kam er zu einem leicht besseren Endspiel, in dem er immer neue Möglichkeiten fand, Anand Probleme zu bereiten. Das führte schließlich zu einem Springerendspiel, in dem er mit drei gegen zwei Bauern am Damenflügel spielte. Dieses Endspiel ist schwer zu gewinnen und schwer Remis zu halten, aber Carlsen setzte Anand geduldig immer mehr unter Druck. Am Ende gewann der Weltmeister und übernahm so mit 7 aus 10 die alleinige Führung im Turnier.

 

J. van Foreest 1-0 I. Nepomniachtchi

Mit einer Elo-Zahl von 2612 ist der junge Holländer Jorden van Foreest beim diesjährigen Turnier in Wijk aan Zee die Nummer 14 der Setzliste und in jeder Partie Außenseiter. Aber er spielt trotzdem selbstbewusst - gegen Magnus Carlsen scheute er sich nicht, die Sveshnikov-Variante im Sizilianer zu probieren, die Carlsen im WM-Kampf gegen Fabiano Caruana getestet hatte. Gegen Carlsen verlor van Foreest, aber den Schneid ließ er sich dadurch nicht abkaufen. Gegen Ian Nepomniachtchi, Co-Leader nach Runde 9, probierte es van Foreest wieder mit einem scharfen Sizilianer und dieses Mal hatte er mehr Glück: Er gewann eine hübsche Angriffspartie und bewies dabei sein taktisches Können.

 

S. Vidit 1-0 V. Kramnik

Vidit gelang eine hübsche Angriffspartie gegen Vladimir Kramnik. Nach einem Bauernopfer in der Eröffnung überrannte er Kramnik im Zentrum. Vidit beendete die Partie und den energisch gespielten Angriff mit einem hübschen Damenopfer.

 

V. Fedoseev 0-1 A. Giri

"Black is okay" - diesem Motto des ungarischen Großmeisters Andras Adorjan dürfte Anish Giri beim diesjährigen Turnier in Wijk aan Zee zustimmen. Vor der zehnten Runde hatte er aus seinen vier Schwarzpartien 3,5 Punkte geholt, in Runde 10 gewann er dann wieder mit Schwarz. Er besiegte Vladimir Fedoseev mit energischem Spiel. Giris Erfolge mit Schwarz provozierten Fabiano Caruana zu einem kleinen Scherz per Twitter:

 

J. Duda 0-1 R. Rapport

In Runde 10 des Masters in Wijk aan Zee gab es eine Reihe von spektakulären Partien. Aber den vielleicht spektakulärsten Zug der Runde spielte Rapport in seiner Partie gegen Duda.

 

Ding Liren ½-½ S. Mamedyarov

Die Partie zwischen Ding Liren, zur Zeit Nummer vier der Welt, und Shakhriyar Mamedyarov, zur Zeit Nummer drei der Welt, endete mit einem Remis. Mamedyarov opferte in der Eröffnung einen Bauern, für den er viel Gegenspiel erhielt, das ihm schließlich ein etwas besseres Endspiel brachte, das aber nicht zu gewinnen war.

 

S. Shankland ½-½ T. Radjabov

Zu einem unspektakulären Remis kam es in der Partie zwischen Sam Shankland und Teimour Radjabov. In einem Katalanen glich Radjabov mit Schwarz problemlos aus und nach mehrfachem Abtausch verflachte die Partie schnell. Nach 31 Zügen endete die Partie mit Remis.

 

Ergebnisse

Carlsen, Magnus - Anand, Viswanathan  1-0
Duda, Jan-Krzysztof - Rapport, Richard  0-1
Ding, Liren - Mamedyarov, Shakhriyar  ½-½
Vidit, Santosh Gujrathi - Kramnik, Vladimir  1-0
Van Foreest, Jorden - Nepomniachtchi, Ian  1-0
Fedoseev, Vladimir - Giri, Anish  0-1
Shankland, Samuel - Radjabov, Teimour  ½-½

Tabelle

 

Partien

 

Challengers

Um ein Turnier zu gewinnen, muss man nicht nur gut spielen, sondern braucht auch ein wenig Glück. In Runde 10 des Challenger Turniers in Wijk aan Zee hatten beide Tabellenführer, Maksim Chigaev und Vladislav Kovalev, beide sehr viel Glück. Kovalev stand gegen Vincent Keymer nach der Eröffnung mit einem Minusbauern klar schlechter, aber gewann am Ende noch.

 

Genauso machte es Maksim Chigaev. Er spielte mit Schwarz gegen Praggnanandhaa und verlor im Mittelspiel einen Bauern. Doch im Endspiel konnte er sich mit einer versteckten taktischen Idee retten. Sogar mehr als das. Denn Praggnanandhaa verlor die Übersicht und verpasste eine Möglichkeit, die Partie noch Remis zu halten.

 

Elisabeth Pähtz einigte sich mit Dinara Saduakassova schnell auf Remis.

 

Ergebnisse

Korobov, Anton - L'Ami, Erwin  ½-½
Keymer, Vincent - Kovalev, Vladislav  0-1
Maghsoodloo, Parham - Bareev, Evgeny  1-0
Paehtz, Elisabeth - Saduakassova, Dinara  ½-½
Kuipers, Stefan - Gledura, Benjamin  ½-½
Esipenko, Andrey - Van Foreest, Lucas  1-0
Praggnanandhaa R - Chigaev, Maksim  0-1

Tabelle

 

Partien

 

Links




Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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Krennwurzn Krennwurzn 24.01.2019 08:13
Lasst Keymer doch einfach sich weiterentwickeln .. und zu einer Entwicklung gehören auch Rückschläge dazu, denn aus diesen lernen wir Menschen oft viel mehr …
Blitz2010 Blitz2010 24.01.2019 02:20
Wenn ich als weniger guter Schachspieler noch etwas dazu sagen darf: Ich hatte den Eindruck, Kovalev spielt bei dieser Partie wie ein MONSTER! Seine Bedenkzeit schmolz dahin, aber einfach nicht die Stärke seiner Pläne und Finessen. Selbst für einen Spieler mit seiner Elo-Zahl dürfte das wohl - so vermute ich - an diesem Tag besonders gut gewesen sein. Als Keymer-Fan hatte ich auf einen Lapsus in Zeitnot von Kovalev gehofft, aber - das Monster schwächelte an diesem Tag einfach ab einem bestimmten Punkt nicht mehr...
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 24.01.2019 01:02
@ BMuntz, wenn man den Zeitverbrauch von beiden bis zum 24. Zug nimmt, dann sieht es aber eher so aus, dass Kovalev sich mehr in die Partie hineinknien musste. Ich hatte mich gewundert, warum Keymer nicht einfach 25. a4 spielt und den nervigen a-Bauern blockiert, denn faktisch hat Schwarz dann kein Gegenspiel, und Weiß steht einfach besser. Er liebt es doch so zu "würgen".... Anderseits ist das Motiv mit dem Springer auf B4 auch bockstark gespielt von Kovalev.

In der vorherigen Partie tauscht V. die Dame für 2 Türme und läuft an dem Mattnetz vorbei. Mangelnde Erfahrung, Müdigkeit ? Das Motiv ist doch bekannt...

@ Krennwurzn, ich glaube, es hilft nix, wenn man so tut, als wäre Keymer nicht da. Er erinnert mich an den jungen Etienne Bacrot, insofern kann er meine Erwartungen schon einmal nicht enttäuschen ;)
Krennwurzn Krennwurzn 24.01.2019 11:47
Kann das sein, dass manche sich 20jährige Uniabsolventen mit 10 Jahren Berufspraxis wünschen?
BMuntz BMuntz 24.01.2019 10:26
Die Niederlagen von Keymer und Praggnanandhaa stufe ich beide als "verdient" ein. Ersterer gewann zwar in der Eröffnung einen Bauern, war für den Rest der Partie aber immer unter Druck, welcher am Ende zu groß wurde. Letzterer scheint noch erhebliche Defizite, u.a. im taktischen Bereich, zu haben.
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 23.01.2019 09:26
Kann das sein, dass Vincent noch ein paar Schwächen im Endspiel hat ? Die Mattwendung in dem Spiel davor.. konnte man die sehen ? Und heute war es doch bis weit ins Mittelspiel ein Spiel auf ein Tor.
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