Tournament of Peace: Knatsch mit Fischer

von André Schulz
09.04.2020 – Fischer ist wieder da und hat bei zwei Turnieren in Jugoslawien überzeugt. Doch das waren nur ein kleiner Wettkampf und ein Blitzturnier. Beim Turnier des Friedens in Rovinj/ Zagreb muss Fischer nun zeigen, ob er dem eigenen Anspruch genügen kann und ob er tatsächlich der Beste ist. Bei der Eröffnungsfeier gab es aber erst einmal Knatsch. | Bild: turnir-mira

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Knatsch mit Fischer

18 Monate lang war Bobby Fischer verschwunden und nun ist er wieder da- und wie. Beim Wettkampf des Jahrhunderts UdSSR gegen den Rest der Welt gewann er mit 3:1 gegen Petrosian. Zwei Siege, zwei Remis. Jeder weiß, wie schwer der Ex-Weltmeister zu besiegen ist. Fischer zeigte gleich zweimal, wie es geht.

Einige der Spieler blieben nach dem Match in Jugoslawien und nahmen die Einladung zum Blitzturnier nach Herceg Novi an. Fischer war bis dato gar nicht als ausgeprägter Blitzexperte aufgefallen. Doch er gewann das Turnier mit unglaublicher Überlegenheit. Die anderen Spieler gaben vor und nach dem Turnier jugoslawischen Schachfreunden Unterricht. Fischer erteilte den weltbesten Spielern eine Lektion. Die Zuschauer nannten ihn ehrfürchtig den "schrecklichen Bobby".

Der einzige Spieler, der Fischer besiegen konnte, war Viktor Kortschnoj. Nun sind einige Spieler nach Rovinj weitergereist, um hier am "2. Turnier des Friedens" teilzunehmen. Das Turnier soll alle fünf Jahre stattfinden. Das erste "Turnier des Friedens" wurde 1965 in Zagreb ausgetragen. Der DDR-Großmeister Wolfgang Uhlmann und Boris Ivkov teilten damals den ersten Preis.

In diesem Jahr wird das Turnier anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Vereinten Nationen durchgeführt. Der Weltschachbund hat das Turnier als Großmeisterturnier anerkannt. Man kann hier also eine Großmeisternorm erzielen.

Bislang wurden übrigens 104 Spieler vom Weltschachbund zu Schach-Großmeistern ernannt. Von diesen sind 16 Spieler im Laufe der Jahre gestorben. Derzeit gibt es somit 88 Großmeister auf der Welt. Der älteste lebende Schachgroßmeister ist der 73-jährige Friedrich Sämisch. Der jüngste Großmeister ist der erst 18-jährige Anatoly Karpov.

Aus der Sowjetunion wird berichtet, dass dieser Karpov ein Riesentalent sein soll. Allerdings soll sich Michail Botvinnik bei der Durchsicht seiner Partien auch wenig schmeichelhaft geäußert und von einer Schachkarriere abgeraten haben. Man wird sehen.

Das Turnier wird vom 12.4 bis 8.5.1970 mit 18 Spielern ausgetragen, davon kommen zehn Spieler aus Jugoslawien und acht Spieler aus Ausland.

Es spielen aus dem Ausland:

Kortschnoj (UdSSR), Petrosian (UdSSR), Smyslov (UdSSR), Browne (USA), Fischer (USA), Hort (Tschechoslowakei), Uhlmann (DDR), Ghitescu (Rumänien)

Aus Jugoslawien:

Bertok, Gligoric, Ivkov, Kovacevic, Kurajica, Marovic, Minic, Nicevski, Parma, Udovcic


Die ersten elf Runden des Turniers werden in Rovinj gespielt. Das ist ein kleiner, ruhiger Badeort auf der istrischen Halbinsel.

Rovinj (Jugoslawien)

Dann zieht das Turnier nach Zagreb um, wo die übrigen sechs Runden gespielt werden.

Bei der Eröffnung und Auslosung sorgte Bobby Fischer dann gleich für einen Eklat. Er verlangte, dass von der üblichen Prozedur abgewichen werden und die Auslosung so durchgeführt werden soll, dass die drei Sowjet-Großmeister ihrer Partien gegeneinander in den ersten Runden zu absolvieren haben. Kenner der Materie wissen natürlich, was der Hintergrund dieser Forderung ist. Vor acht Jahren fühlte sich der damals 19-jährige Fischer beim Kandidatenturnier in Curacao von den sowjetischen Spielern betrogen. Petrosian, Geller und Keres spielten kurze Remispartien gegeneinander, um gegen Fischer Kraft zu sparen. Fischer hatte damals geschworen nie wieder unter solchen Bedingungen an einem Turnier teilzunehmen. Nun, Petrosian ist hier dabei, inzwischen wieder ohne Weltmeistertitel. Geller und Keres sind es aber nicht. Und Kortschnoj versicherte vehement, die Absprachen damals hätten sich auch gegen ihn gerichtet.

Die Organisatoren wiesen Fischer daraufhin, dass es sich hier nicht um ein offizielles Turnier handle, und fragten den Amerikaner direkt, ob er denn nun teilnehmen wolle oder nicht. Fischer schwieg. Er erhielt bei der Auslosung die Nummer 18 zugelost und die Organisatoren überließen es nun dem eigenwilligen Amerikaner darüber nachzudenken, ob er antreten wolle oder nicht. Wenn Fischer nicht so halsstarrig wäre, wäre er wohl schon längst Weltmeister.

Fischer und Minic bei der Auslosung | Foto: Sindik

Einen ziemlich abgekämpften Eindruck machte der tschechoslowakische Großmeister Vlastimil Hort. Auf die Frage, ob er krank sei, antwortete er sibyllinisch: "Ich war bei einem Simultan in Ogulin. Mit dem Auto. Lange Fahrt. Dort sind mir Dinge passiert, die kann ich gar nicht erzählen. Die glaubt mir niemand. Vielleicht erzähle ich es später einmal, in 50 Jahren oder so."

In den Fluren und Gängen wurde unter den Zuschauern und Journalisten über Fischer diskutiert. Hat er das Zeug zum Weltmeister? Das Ergebnis gegen Petrosian war schön, aber es war ja nur ein kurzer Wettkampf. Vier Partien, mehr nicht. Und das Turnier in Herceg Novi war nur ein Blitzturnier, so imposant auch das Ergebnis war. Hier und jetzt muss Fischer zeigen, was in ihm steckt. 

Wir bemühen uns um eine Tonleitung nach Rovinj. Vielleicht können wir einige der Runden mit einem erklärenden Kommentar versehen. In der Zwischenzeit übertragen wir täglich die Partien und Züge der aktuellen Runden per Fernschreiber. Rundenbeginn, täglich 17 Uhr.



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.