US-Supertalent Kayden Troff

27.05.2009 – Wer sich die Namen der US-Nationalmannschaft und die Liste der US-Landesmeisterschaften anschaut, kann schnell den Eindruck bekommen, dass US-Schach sei völlig von den zahlreichen Einwanderern, besonders aus den Ländern der ehemaligen UdSSR, abhängig, doch ganz so ist es nicht. Bei den kürzlich in St. Louis gespielten US-Meisterschaften sorgte beispielsweise der 17-jährige Robert Hess mit seinen Erfolgen für Aufsehen. Am Ende belegte er zusammen mit Alexander Onischuk Platz zwei und ließ u.a. Gata Kamsky hinter sich. Doch mit Kaydon Troff besitzt die USA vielleicht ein noch mehr versprechendes Talent. Als Zehnjähriger gewann der Junge schon die Meisterschaften von Utah. Schach hat er mit drei Jahren durch bloßes Zusehen gelernt und derzeit trainiert der 11-Jährige zuhause mit Hilfe von ChessBase-Videolektionen: Sein Favorit: Nigel Davies. Frank Große hat das außergewöhnliche Talent portraitiert.Kayden Troff Blog...Mehr...

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Das US-Supertalent Kayden Troff
Von Frank Große


Quelle: http://kaydensstory.blogspot.com/

Es gibt eine Reihe talentierte und begabte, junge Schachspieler in der - an europäischen Verhältnissen gemessenen - verschlafenen (Schach)Nation USA. Amerikaner zollen Aufsehen erregenden Ereignissen dafür meist größeren Tribut. So ist es nicht verwunderlich, dass der Gewinn der Utah Meisterschaften (60-Minuten-Schach) vom 10-jährigen Kayden Troff im Frühjahr durch die nationalen Gazetten streifte. Dem Jungen, der das Schachspiel nach Aussage seiner Eltern, bereits mit 3 Jahren erlernte steht möglicherweise eine große (amerikanische) Zukunft bevor.

Quelle: http://kaydensstory.blogspot.com/
Gerade mal 11 Jahre alt, kann er bereits einen Sieg über den aktuellen U.S. Junior Champion und einen Internationalen Meister (im Blitz) an seinen Gürtel heften. Seine USCF-Wertzahl kratzt derzeit an der 2000er-Marke und er ist damit bereits in der Top 20 seines Bundesstaates. Der Junge aus der Vorstadt von Salt Lake City bestritt sein erstes gewertetes Turnier zum Jahresausklang 2004 und nur ein Jahr später – im Alter von 7 Jahren – hatte er bereits eine provisorische Wertzahl von über 1000. Seine Entwicklung setzte sich kontinuierlich fort: Ende 2006 in der Mitte von 1400 und 2007 beendete er mit einer Wertzahl von 1655.
Im vergangenen Jahr war er sehr aktiv, indem er in über 35 gewerteten Turnieren spielte, was seiner Wertzahlentwicklung keinen Abbruch tat – im Gegenteil, er konnte weitere 300 Punkte gewinnen. Nachdem er vier Jahre die Meisterschaft seiner Altersklasse gewinnen konnte, belegte er im Dezember 2008 den zweiten Platz bei der Nationalen K-12-Meisterschaft in Orlando. Er lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er sich rasch voran entwickelt und heimste in diesem Jahr mit dem Sieg bei der Utah Schnellschachmeisterschaft und dem Gewinn der Utah-Meisterschaften im 60-Minuten-Schach, sowie drei Siegen bei kleineren Turnieren seiner Altersklasse bereits einige Trophäen ein.


Quelle: http://kaydensstory.blogspot.com/

Schachspielen lernte er von seinem Vater. In der kinderreichen Familie sind die beiden Töchter dem Schachspiel zwar nicht angetan, seine älteren Brüder aber schon. Diese bekamen das Spiel und deren Feinheiten beigebracht, während Kayden auf dem Schoss verweilte. Kaum hatte er den dritten Geburtstag gefeiert, wollte er eine Partie spielen, was eher den Familienmitgliedern ein Lachen ins Gesicht zeichnete. Die Grundstellung wurde aufgebaut und Kayden wusste sowohl wie die Figuren ziehen, als auch deren Möglichkeiten zu Schlagen. Er spielte eine Partie und ist seit dem vom 64-feldrigen Virus infiziert.


Sein beiden Brüder sind bereits erfahrene Spieler. Jeremy, der bereits 16 Jahre alt ist, hält den Titel des aktuellen Utah State High School Champions. Auch die Junioren-Meisterschaft des Bundesstaates Utah konnte er 2008 für sich entscheiden. Der 13jährige Zachary betrachtet das Schachspiel eher als Hobby und verfolgt nicht so hohe Ambitionen wie seine Brüder – sein Fable hat er im Baseball gefunden. Im Sommer und Winter besuchen die ehrgeizigen Zöglinge zusammen mit der Familie das TNT Schach Camp und treiben so die Entwicklung kontinuierlich voran.

Was in Deutschland nur schwer vorstellbar bis gar nicht realisierbar ist, kann im ‚Land der unbegrenzten Möglichkeiten‘ Realität sein: So wird Kayden zu Hause unterrichtet. „Sein Unterricht begann mit 4 Jahren und konnte ein Jahr später bereits Lesen und die Addition mit zweistelligen Zahlen“, weiß seine Mutter zu berichten. Sie fährt weiter fort: „Seine große Leidenschaft ist das Lesen und gewöhnlicher weise liest er drei Bücher synchron. Eines seiner Wahl, eines zusammen mit mir und einen Klassiker, den ich auswähle“.


Quelle: http://kaydensstory.blogspot.com/

Obwohl er weit entfernt von Schach-Leistungszentren wohnt, hat er bereits mit mehreren starken Großmeistern zusammengearbeitet. Sein erster Coach war GM Igor Ivanov. Diese Zusammenarbeit begann im Alter von 6 Jahren und wurde so oft genutzt, wie Ivanov nach Salt Lake abstechen konnte. In der ersten Hälfte des letzten Jahres wurden Telefon- und Unterrichtseinheiten mit GM Gregory Kaidanov absolviert, wo er einige neue Eröffnungen kennenlernte und vor allem die Anwendung von Analysetools, wie z.B. Deep Rybka 3, erläutert bekam, um sich auch selbst helfen zu können. Dies war ein Wendepunkt in seiner Entwicklung und seit dem hebt er leistungsorientiert ab. Derzeit lernt er mit seinem Vater über Videos, wobei GM Nigel Davies sein Favorit ist.

Aufgrund terminlicher Schwierigkeiten war es Kayden Troff nicht möglich an den „Super Nationals“ in Nashville teilzunehmen. Diese Woche ist die Teilnahme an den Chicago Open http://www.chicagoopen.net/ geplant und im Juli zählt er zu den acht Youngsters, die eine Einladung von Greg Shahade’s Schachschule erhalten haben. Wenn er keine Spielpartner in der nahen Umgebung finden kann, probiert er sich auf dem Onlineserver ICC aus. Bei der Teilnahme der World Chess-Live-Onlineturnierserie gelang ihm sein Sieg über IM Alex Lendermann, der immerhin höchstgewertete U21-Blitzspieler des Landes ist. Sicherlich, es handelt sich hierbei nur um Blitzpartien, aber Lendermann gilt als ehrgeiziger Spieler, der im Zeitraum von September bis März nur ganze vier Partien verlor, wovon zwei Kayden dazu gesteuert hatte.


Kayden Troff - Alex Lenderman
WCL USCF GP Qualifier 18 World Chess Live, 02.10.2008

1.d4 Sf6 2.Sf3 e6 3.Lg5 c5 4.c3 Le7 5.Sbd2 Db6 6.Tb1 Sc6 7.e3 d5 8.Ld3 Da5 9.Ta1 h6 10.Lh4 c4 11.Lc2 b5 12.a3 Db6 13.0–0 0–0 14.Se5 Te8 15.f4 a5 16.Sdf3 Se4 17.Sxc6 Dxc6 18.Lxe7 Txe7 19.Se5 Dc7 20.Lxe4 dxe4 21.Dg4 Dd6 22.Dg3 Dd5 23.Sg4 Kf8 24.Dh4 Lb7 25.Se5 Ke8 26.Dg4 g6? 27.Dh4 h5 28.Df6

28…Kd8 29.Sxf7+ Kd7 30.Se5+ Kd6 31.Sxg6 Tc7 32.Se5 b4 33.axb4 a4 34.Ta3 Lc6 35.f5 Te8 36.fxe6 Txe6 37.Sf7+ Kd7 38.Dd8# 1–0

Eine weitere Kostprobe seines Schachverständnisses soll diese Partie eines Turniers in Utah demonstrieren:

Tony Chen (1959 USCF) – Kayden Troff
Expert Series #2, 28.03.2009

1.d4 d5 2.Sc3 Sf6 3.f3 c5 4.e4 e6 5.Le3 cxd4 6.Dxd4 Sc6 7.Lb5 Ld7 8.Lxc6 bxc6 9.exd5 exd5 10.0–0–0 Le7 11.Lg5 0–0 12.h4 Te8 13.g4 c5 14.Df4? d4 15.Lxf6 Lxf6 16.Se4 Le5 17.Dd2 Db8 18.Se2 d3? 19.cxd3 Lb5 20.f4

20...Lxd3!–/+ 21.S4c3 Lxe2 22.Sxe2 Lxb2+! 23.Dxb2 Dxb2+ 24.Kxb2 Txe2+ 25.Ka1 Te4 26.Thf1 Tc8 27.Td7 a5 28.Kb2 c4 29.Kc3 Te3+ 30.Kd2 Th3 31.Tc1? h6 32.a4 c3+ 33.Ke2 Tc4 34.Td3 Te4+ 0–1

 

 

 

 

 



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