Usegroup, Maisel, West, Traxler, Tal und Pravda

27.10.2004 – Im Internet, z.B. mit der Suchmaschine Google, unter dem Stichwort "Schach" zu suchen, ist keine absurde Idee. Zu hoffen, dass man das findet, was man sucht, schon. Wer genug Zeit, mag die knapp 1,6 Mio Webseiten durchsuchen, die unter dem Suchbegriff gefunden werden. Ein cleverer Weg, das Suchergebnis einzuschränken ist es, nach Bildern unter diesem Begriff zu suchen. Schon sind es nur noch 65.000 Seiten (oder Bilder), die gefunden werden. Wenn man sich dann etwas Zeit nimmt und blättert, findet man unter Umständen manch kleine Geschichte, die zu einem Bild gehört, und die es wert ist erzählt zu werden. Conrad Schormann macht es. Usegroup, Maisel, West...

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Usegroup, Maisel, West, Traxler, Tal und  Pravda
Von Conrad Schormann

Zum Suchbegriff „Schach“ findet google mehr als 1,6 Millionen Seiten. Viele haben als ambitioniertes Projekt begonnen und verstauben jetzt (Beispiel: www.zwischenzug.de), weil der Webmaster das Hobby gewechselt oder geheiratet hat. Abseits gängiger Linksammlungen (von denen viele ebenfalls Staub angesetzt haben) Perlen aus dem Netz zu fischen, wird immer schwieriger. Jeden Tag kommen neue Seiten dazu, und jeden Tag finden Betreiber kommerzieller Seiten Wege, ihr Werk auf die Spitzenplätze der Suchergebisse zu beamen. Angesichts der Suchmisere war auf spiegel.de unlängst der Vorschlag zu lesen, google nach zufällig getippten Buchstabenkombinationen à la „wbvhv“ oder „jkld“ suchen zu lassen – was einer Kapitulation vor der Datenflut gleichkommt.

Ist der Suchbegriff halbwegs allgemein (z.B. „Schach“), lohnt häufig ein Blick auf die Ergebnisse der Google-Bildersuche. 65.500 Schach-Bilder liefert die Suchmaschine, hinter einigen verbergen sich Schach-Geschichten, die es wert sind, an dieser Stelle erzählt zu werden.


schach.jpg (
http://www.goesselgold.de/dciwam/bild_21.html)

Dieses Bild ist entstanden, als sich in Forchheim die deutschsprachige Usenetgruppe über das Verfassen von Webseiten traf. Bei Maisel-Pils ( www.maisel-braeu-bamberg.de/html/bprodukte.htm#MaiselPils) und West-Zigaretten haben die Internetexperten nicht nur über Java und Flash diskutiert. Im lauschigen Eckkneipenambiente grübelt Informatiker Jens Becker ( www.intermitto.net ), wohin er seinen König bewegen soll. Sein Gegner hat gerade 6...Sxe4+ gespielt, holt einen neuen halben Liter fürs Mittelspiel und gibt den Blick frei auf die Stellung.

Auf den Gummiwellen der Schachplane hat er dem grübelnden Becker eine harte Nuss hinterlassen.  Entgegen vieler anderer Schachfotos im Internet zeigt dieses eine richtige Partie mit einer richtigen Stellung – und was für einer: die Computerfachleute spielen Traxler Gambit, benannt nach dem tschechischen Priester Karel Traxler (1866-1936). Aller Wahrscheinlichkeit ist die Stellung entstanden nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4.Sg5 Lc5 5.Sxf7 Lxf2+ 6.Kxf2 Sxe4+. Wohin mit dem König? Vier Züge sind möglich, 7.Kg1 gilt als der beste.

Bis vor wenigen Jahren galt 5.Lxf7+ als der bessere Zug, 5.Sxf7 kam in Meisterpartien selten vor. Michail Tal hat 1968/69 eine berühmte Partie gegen diese Variante gespielt –  gegen die Leser der Jugendzeitschrift „Pionerskaya Pravda“. Dieser Variante ernsthaft angenommen hat sich im Computerzeitalter erstmals der Niederländer Maarten de Zeeuw und für seine Clubzeitschrift und "Newinchess" die Theorie der Variante neu geschrieben (Auszüge auf http://www.newinchess.com/Archives/PDFs/YB63Traxler.pdf ). Bemerkenswert ist seine Einschätzung der Partie von Tal gegen die Pioniere, und das nicht nur weil er nachweist, dass Tal zwei Mal ein Matt übersehen hat. Beide Seiten hatten keine Ahnung, was auf dem Brett passiert - das ist das computergestützte Fazit 35 Jahre nach der Partie.

Die Partie:

Pravda gegen Tal...

Details zum Duell zwischen Tal und den Pionieren finden sich in Tim Krabbes Schachkuriositäten (http://www.xs4all.nl/~timkr/chess/chess.html).

 

 

 

 



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