Warum Computerschach? Interview mit Ali Nasir

23.08.2004 – Auch die Partien fünf und sechs des Computerzweikampfes zwischen Hydra und Shredder endeten unentschieden. Shredder läuft bei diesem Wettkampf wie schon bei der letzten WM auf einem sehr schnellen Quad-Opteron-Server der Tübinger Firma transtec. Noch schneller als dieser ist der Linux-Cluster, den die PAL Group of Companies für Hydra hat zusammen bauen lassen. Hydra ist jedoch keineswegs eine l'art pour l'art-Anwendung, sondern könnte dabei helfen, einen einigermaßen günstigen Super-Computer aufzubauen, der z.B. bei Anwendungen wie maschinellem Abgleich von Fingerabdrücke oder DNA-Analyen genutzt werden kann, meint Projektleiter Ali Nasir im Interview. Turnierseite... Zu Shredder... Zu Hydra...Mehr...

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Abu Dhabi Computerzweikampf

Vom 14. bis 24.August wird in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate das 14. Abu Dhabi Schachfestival veranstaltet. Die Ausrichter sind die Abu Dhabi Kulturstiftung und der Abu Dhabi Schach- und Kulturverein. Einer der Höhepunkte des Festivals, das im Foyer des Gebäudes der Kulturstiftung stattfindet, ist der Computerzweikampf zwischen Hydra und Shredder. Hydra konnte die ersten beiden Partien gewinnen, die nächsten vier gestaltete Shredder ausgeglichen. Chrilly Donningers Hydra wird nun von der PAL Group of Companies finanziert. An der Entwicklung ist außerdem Ulf Lorenz und die Uni Paderborn beteiligt. Projektleiter bei PAL ist Ali Nasir, mit dem Frederic Friedel ein Interview führte.


Stefan Meyer-Kahlen und Chrilly Donninger


Nasir, Meyer-Kahlen, Donninger


Akhtar Hashmi überwacht die Übertragung auf den Fritz-Server

Stand:

Prog./Date: 

14.8

15.8

17.8

18.8

20.8

21.8

23.8

24.8

Score

Hydra

1

1

½

½

½

½ 

 

 

4

Shredder

0

0

½

½

½

½ 

 

 

2

Partien zum Nachspielen....

Interview mit Ali Nasir, Projektleiter von Hydra bei der PAL Group

Frederic Friedel: Ali Nasir, vielen Dank für deine Hilfe und die freundliche Aufnahme hier bei euch in den PAL-Büros. Ich würde gerne übr dich sprechen. Du kommst eigentlich aus Pakistan?

Ali Nasir: Ja, ich bin in Karatschi geboren und aufgewachsen. In Abu Dhabi bin ich jetzt seit drei Jahren.

Frederic: Du bist Programmierer und Gründer von PAL?

Nasir: Genau genommen bin ich Computer Ingenieur. Ich habe Computerwissenschaft an der  Universität von Karachi studiert und bin kurz danach nach Abu Dhabi gekommen, wo ich zusammen mit vier Kollegen die Firma PAL Computer Systems gegründet habe. Wir haben uns nun mit neun Firmen zur PAL Group of companies zusammen geschlossen. Dazu gehört sogar ein TV-Sender, der populäre Fernsehshows sendet.  

Wie bekam PAL Interesse am Computerschach?

Nun, ich interessiere mich schon seit langem dafür. In Pakistan habe ich mich mit "heuristic search algorithims in parallel environment" beschäftigt, was mit Schach zu tun hat. In Abu Dhabi haben wir Computer Cluster zusammen gebaut und bald tauchte natürlich das Thema Schach in diesem Zusammenhang auf. Außerdem wurde Schach in diesem Gebiet der Welt entwickelt und ist hier immer noch sehr populär. Wenn man in ein Café geht, sieht man Leute Schach und Backgammon spielen.

Aber das hier ist Computerschach. In den Cafés sitzen keine Computer und spielen...

Nein, aber da wir Computerspezialisten sind, war es für uns normal diese beiden Ding zu kombinieren und diese spannende Technology in diese Region zu bringen. Soll ich einmal unsere erste Maschine zeigen?


Das war unsere allererste Multiprozessormaschine, eine acht-Wege Xeon 700Mhz. Das Gerät ist fünf Jahre alt.


Soll ich sie einmal öffnen?


Das sind die einzelnen Zenon 700 Mhz Module. Sie sind sehr flach und brauchen keine Zusatzventilatoren zur Kühlung.


Das hier ist unsere zweite Maschine, die wir im letzten September gebaut haben, einen 16-Prozessor IBM Maschine.


Das ist eine Vier-Prozessor-Einheit, jede mit 2,8 Ghz und 4 GMB gemeinsamen Arbeitsspeicher.


Diese System kenne ich so gut wie meine Hosentasche, weil ich es sehr oft weg getragen habe, um Fehler zu beheben.


Das ist unsere neueste Maschine, die wir im Mai diesen Jahres installiert haben. Das ein wirklich schneller Cluster mit 16 Xeons à 3.06 GHz und 16 GByte RAM im Gesamtsystem.


Für die Kommunikation der einzelnen Prozessor im Cluster wird Fiberglas verwendet, um maximale Geschwindigkeit zu gewährleisten.


Das ist die Rückseite der Maschine, in die wir die Hydra FPGA Chips eingebaut haben.


Rechts sieht man die beiden Slots, in denen die Alpha Data FPGAs installiert sind.

Frederic: Wurde diese Maschine extra für Schach gekauft?

Nasir: Eigentlich nicht, jedenfalls zu Anfang nicht. Aber als wir die Maschine hatten, haben wir sofort Experimente mit Schach gestartet. Die meisten der Top-Leute in unserer Firma interessieren sich für das Thema.

Und warum entschied man sich für Hydra, die auf Zusatz-Hardware läuft und nicht für eines der vielen SMP-Programme wie Deep Fritz, Junior oder Shredder?

Am Anfang haben wir alle Programme auf unseren Maschinen ausprobiert und auch die Programmierer angesprochen und ihnen angeboten, auf unseren Maschinen zu testen, um ihre Programme zu optimieren. Viele hatten niemals zuvor Gelegenheit, auf mehr als vier Prozessoren zu testen. Also haben wir ihnen einen Zugang ermöglich und abgewartet, was passiert. Dann bin ich letzten Oktober nach Graz gefahren und habe mich mit Programmierern getroffen um mögliche Kooperationen zu besprechen. Ich habe fünf Tage verbracht, um mit Frans Morsch, Chrilly Donninger, Stefan Meyer-Kahlen, Amir Ban und den anderen zu sprechen. Dann schlug Brutus Fritz und das war eine sehr interessante Partie und irgendwie ein Schlüsselmoment.


Ali Nasir Mohammed, Projekt Manager von Hydra

Die Entscheidung wurde aufgrund dieser einen Partie getroffen?

Nein, aber wir realisierten plötzlich, dass es sehr interessant wäre, mit diese neuen Technology zu arbeiten. Unser Management mochte  die Technologie und den Spielstil von Hydra. Wir baten um Zugang zu deren Acht-Prozessor-Maschine und führten einige Experimente durch. Ab einem gewissen Punkt entschieden wir und, die weiter Entwicklung von Hydra zu übernehmen.

Um am Schluss das stärkste Schachprogramm der Welt zu haben?

So ist die Hoffnung, aber wir bekommen auch eine Menge Erfahrung bei der Lösung der damit verbundenen Probleme.

Welche Probleme?

Das Problem eine Anwendung zu betreiben, die riesige Mengen an Rechenressourcen von spezialisierten Hardwarekomponenten beansprucht. Am Ende haben wir einen erschwinglichen Supercomputer gebaut. Wir können Cluster mit oder ohne FPGA-Hardware liefern.

Für andere Anwendungen als Schach?

Genau. Zur Zeit gibt es großes Interesse an Anwendungen zum Vergleich von Fingerabdrücken oder DNA, wo ebenfalls viel Rechenkraft benötigt wird. Diese Techniken sind sehr nahe an dem, was wir mit Hydra machen - gebraucht wird ein relativ günstiger Super-Rechner, der diese Aufgaben bewältigen kann.

Viele Dank, Ali Nasir.


 

 

 

 



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