Die 85. georgische Meisterschaft und die 83. georgische Frauenmeisterschaft wurden parallel vom 27. Januar bis zum 5. Februar in Tiflis ausgetragen. Im offenen Wettbewerb wurde Topfavorit Baadur Jobava seiner Rolle gerecht. In der vierten Runde übernahm er die alleinige Führung und behauptete seinen Vorsprung bis zum Turnierende. Mit 5½ Punkten aus acht Partien ging er als Führender in die Schlussrunde, einen halben Punkt vor Tornike Sanikidze und einen ganzen Punkt vor Luka Kiladze. Gegen Sanikidze begnügte sich Jobava in der letzten Runde mit einem kurzen Remis. Da auch alle übrigen Partien unentschieden endeten, blieb die Reihenfolge an der Spitze unverändert.
Mit diesem Sieg baute Jobava seine Erfolgsbilanz bei nationalen Meisterschaften weiter aus. Bereits 2003, 2007, 2012 und 2024 hatte er den Titel gewonnen. Seinen ersten Meisterschaftserfolg feierte er im Alter von 19 Jahren und galt damit früh als einer der führenden Spieler Georgiens. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er im September 2012 mit einer Elo-Zahl von 2734, was ihn damals auf Platz 19 der Weltrangliste brachte.
Hinter Jobava belegte Tornike Sanikidze den zweiten Platz, Luka Kiladze wurde Dritter. Sowohl Jobava als auch Sanikidze blieben im gesamten Turnier ungeschlagen.

Die Meisterschaft wurde im Biltmore Hotel gespielt
In der zweiten Runde setzte sich Jobava gegen Giga Quparadze durch. In der folgenden Stellung fand der spätere Turniersieger mit 20.Se5 die präziseste Fortsetzung.
Schwarz sollte hier selbstverständlich nicht 20...Dxf4?? spielen, da nach 21.Sg6+ Kh7 22.Sxf8+! zunächst der Turm mit Abzugsschach geschlagen wird, um nach weiteren Schachs schließlich auch die Dame zu gewinnen. Das sofortige Nehmen der Dame mit 22.Sxf4+?! erlaubt hingegen 22...Tf5, womit das Schach geblockt wird – Weiß steht hier zwar auch auf Gewinn, aber dennoch ist 22.Sxf8+ präziser.
Quparadze entschied sich daher für 20...Se7. Nach 21.Dxf6 Txf6 22.Tc1 erhielt Weiß in dem anschließenden damenlosen Mittelspiel einen stabilen Vorteil.
Jobava erreichte schließlich ein überlegenes Endspiel mit Springer und Läufer gegen einen Turm. Die Verwertung verlief nicht fehlerfrei, doch am Ende brachte der spätere Turniersieger den Punkt nach Hause.

Baadur Jobava
Schlussstand
Partien
Im Frauenturnier überzeugte Nino Batsiashvili mit einer souveränen Leistung. Sie setzte sich früh an die Spitze und zog in der Turniermitte entscheidend davon. Eine Serie von fünf Siegen zwischen der vierten und achten Runde ermöglichte es ihr, sich den Titel bereits eine Runde vor Schluss vorzeitig zu sichern. Am Ende kam sie auf 7½ Punkte aus neun Partien.
Mit diesem Erfolg knüpfte Batsiashvili an ihre früheren nationalen Titel aus den Jahren 2015, 2018, 2020 und 2022 an. Ihren ersten Meistertitel hatte sie im Alter von 28 Jahren gewonnen. In der Live-Weltrangliste zog sie an Nana Dzagnidze vorbei und ist nun die bestplatzierte georgische Spielerin. Weltweit liegt sie aktuell auf Rang 17 der Frauenwertung.
Der Kampf um die weiteren Medaillen entschied sich erst in der Schlussrunde. Meri Arabidze besiegte Lela Dschawachischwili und zog nach Punkten gleich, doch Dschawachischwili sicherte sich dank der besseren Sonneborn-Berger-Wertung die Silbermedaille. Arabidze blieb damit der dritte Platz.

Die Siegerinnen im Frauenturnier: (von links nach rechts) Meri Arabidze, Lela Javakhishvili und Nino Batsiashvili
In der entscheidenden Partie der ersten Runde gegen die an Nummer drei gesetzte Bella Khotenashvili sah sich Batsiashvili mit den schwarzen Steinen in einem scharfen Mittelspiel einer dauerhaften Mattdrohung auf g7 ausgesetzt. An dieser Stelle unterlief ihrer Gegnerin jedoch mit 29.Sc4?? ein entscheidender Fehler.
Die beste Fortsetzung für Weiß ist 29.Sc6!, wonach sich folgende Varianten ergeben können:
- 29...Lxc6? ist schlecht wegen 30.Txd6 Lxa4 31.bxa4. Schwarz kann den Turm auf d6 nicht schlagen, da die Dame das Feld g7 deckt. Weiß steht klar besser.
- 29...Db7 ist die beste Verteidigung. Nach 30.Td3 (zur Deckung von b3) Td7 31.Se5 Te7 32.Ta5 behält Weiß die Initiative, auch wenn die Stellung weiterhin in der Nähe des Ausgleichs bleibt.
Spielbar für Weiß sind auch die nüchternen Züge 29.Td3 oder 29.Ta5.
Stattdessen erlaubte Khotenashvilis 29.Sc4?? die Fortsetzung 29...Lf3+ 30.Kxf3 Txd1, wonach Weiß nicht genug Kompensation für die Qualität bekommt.
In Zeitnot unterlief Weiß mit 31.Ke2? ein weiterer Fehler; besser war 31.Se5. Nach 31...Tad8 32.Ta6 T1d4 33.Da5? De4 folgte wenig später die Aufgabe.
Schwarz hat Materialvorteil und die Initiative.

Nino Batsiashvili
Schlussstand
Partien
Meldung bei der FIDE