ChessBase 17 - Megapaket - Edition 2024
ChessBase ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan
"Eine neue DVD von GM Daniel King zu Französisch? Wow, das klingt interessant!" Dies war meine Reaktion als ich von der neuen Chessbase-DVD "Power Play 22 - Französisch - ein Repertoire für Schwarz" erfuhr. Französisch wurde in den letzten Jahren durch eine Vielzahl neuer Bücher und DVDs bereichert, immer wieder mal schien die eine oder andere Variante - besonders im Winawer-Franzosen - so gut wie widerlegt, bloß um erneut gestärkt aufzuerstehen. Was also hat der sympathische Engländer für Schwarz Neues in petto?
Die DVD verspricht 10 Stammpartien und damit 5 satte Stunden Video-Unterhaltung zur Französischen Verteidigung - das bedeutet, dass jede Partie zwischen 20 und etwa 30 Minuten Länge hat. Das ist recht ordentlich!
Zudem heißt es in der Produktbeschreibung "Französisch ist eine der flexibelsten Eröffnungen und diese DVD empfiehlt Ihnen eine Reihe unterschiedlicher Systeme. So bleiben Sie flexibel und Ihre Gegner wissen nicht, auf welche Varianten sie sich vorbereiten sollen. Daniel King untersucht vollständige Partien und zeigt so typische Strategien für beide Seiten. Außerdem machen diese Modellpartien Lust, Französisch zu spielen." Das klingt vielversprechend.
Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis der DVD fördert folgende Variantenauswahl zutage:
Wie ersichtlich, geht King das "Problem" Abtauschvariante gleich in der ersten Partie bzw. dem ersten Video an. In der Partie Agrest - Prasad zeigt der Nachziehende deutlich, wie man einen auf Remis spielenden Gegner nach und nach vor Probleme stellen kann bis dieser irgendwann einbricht.
Kings Empfehlung gegen Tarrasch, als Nachziehender mit einem Isolani zu spielen, wird nicht jedem Französisch-Anhänger liegen. Aber das ergibt sich zwangsläufig aus einem vorgefertigten, "fremdbestimmten" Repertoire, das unmöglich in jedem Fall dem eigenen, individuellen Spielstil entsprechen kann.
Der Aufbau eines Eröffnungsrepertoires setzt Selbstreflexion voraus und das genaue Wissen der eigenen Stärken und Schwächen - und das kann GM King natürlich nicht für alle Schachfreunde gleichermaßen leisten. Was er jedoch tut - und das überaus instruktiv - ist, Empfehlungen auszusprechen und zu begründen, warum die Wahl der einen oder anderen Variante gerade auf diese fiel. Und nebenbei gesagt: Die Tarrasch-Stellungen mit einem Isolani, gern von Französisch-Größen wie Wolfgang Uhlmann oder Viktor Kortchnoi angewandt, führen zu aktivem Gegenspiel und der Aussicht auf spaßige und unterhaltsame Partien! Also genau das, was GM King bezweckt - Lust auf Französisch zu machen!
Zwei Musterpartien, damit sich der Interessent ein Bild von dem machen kann, was er bei King bekommt - außer sympathischen Erklärungen und hochkarätigen Analysen:
Brethes - Edouard (Oscaro Open 2014)
Mrdja - Gleizerov (Zagreb Open 2011)
Weiß kann hier im 6. Zug eine Gangart höher schalten und den aggressiven Aljechin-Chatard-Angriff 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nc3 Nf6 4. Bg5 Be7 5. e5 Nfd7 6. h4 wählen.
King empfiehlt hier zu meiner Überraschung die Annahme des Gambit-Bauern auf g5 und als Reaktion auf Johnny Hectors 8. Dd3!? den mir völlig neuen Zug 8. ...Sf8!?, der auf den ersten Blick arg passiv wirkt.
Obwohl Weiß ein starker Großmeister mit einer Elo von 2580 ist, scheint mir sein Spiel in der Folge mit späterem exf6: sehr kooperativ, wonach die Figuren des Nachziehenden sofort zu Leben erwachen. Man wird hier den Verdacht nicht los, dass Weiß an der einen oder anderen Stelle hätte besser spielen können. Aber wenn selbst ein starker Grossmeister durch die schwarze Eröffnungswahl zu Fehlern getrieben wird, können sicherlich auch unsere Gegner fehlgreifen.
Wer für Schwarz nach Alternativen sucht, kann in 6. ...c5!? oder 6. ...O-O fündig werden, sollte aber besonders letztere eröffnungstheoretisch gut vorbereiten, um sich am Ende nicht auf der falschen Seite einer Miniatur wiederzufinden. Insofern ist Kings Strategie "Mehrbauern mitnehmen und erst einmal konsolidieren" sicherlich überlegens- und nachahmenswert. Unzählige Partien wurden so gewonnen - warum nicht also auch Ihre?
Gegen den königsindischen Angriff empfiehlt King die Spielweise, die Peter Svidler mit Schwarz gegen Anish Giri wählte. Obwohl es sich hierbei um eine Blitzpartie handelt, die sizilianisch begann und in den KIA übergeht, ist die von Svidler gewählte Strategie so typisch französisch wie sie nur sein kann und darf daher keinesfalls in dieser Sammlung fehlen!
Ich muss zugeben, dass ich anfänglich etwas zwiegespalten war, was einige der Musterpartien angeht. Der Spielstärke-Unterschied der Spieler war recht deutlich und Schwarz oft der haushohe Elo-Favorit. Auf der positiven Seite heißt das jedoch: Gerade in diesen Partien gelingt es, die Strategien des Nachziehenden in einer größeren Klarheit herauszustellen, was diese DVD umso instruktiver macht!
Fazit: Eine gute DVD für Französisch-Neulinge, aber auch solche, die Französisch schon länger spielen und ihr Repertoire um die eine oder andere interessante (Überraschungs-?)Variante ergänzen möchten, um nicht so leicht ausrechenbar zu sein!
Daniel King: Powerplay 22
€29,90 Lieferbar per Download oder auf DVD-ROM (Post). Kostenlose Lieferung innerhalb Deutschlands. Fritztrainer im ChessBase Shop bestellen. |
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