Rustam Kasimdzhanov: The new McCutcheon

26.03.2015 – Die Französische Verteidigung hat viele spannende Varianten zu bieten. Dazu gehört auch die scharfe McCutcheon-Variante (3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Lb4). Nach 5.e5 h6 stehen Weiß vier Läuferzüge zur Wahl. Rustam Kasimdzhanov bietet auf seiner DVD tiefe Einblicke in alle relevanten Abspiele und erläutet, warum 6.Ld2 nicht mehr der Hauptzug ist. Dabei geht er oft über den aktuellen Stand der Theorie hinaus. Mehr...

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Rustam Kasimdzhanov: The new McCutcheon

Rezension von Yannick Koch (Hameln)

"The New McCutcheon" ist eine der aktuellsten Neuerscheinungen von ChessBase. Die DVD wurde von Rustam Kasimdzhanov aufgenommen und befasst sich mit einer der modernsten Varianten gegen die Französische Verteidigung überhaupt. Es handelt sich um eine Repertoire-DVD aus der schwarzen Perspektive, jedoch betont Kasimdzhanov, dass auch Weiß gefährliche Waffen finden kann.

Zur Person: Rustam Kasimdzhanov ist nicht neu bei ChessBase. Er hat schon zahlreiche DVDs veröffentlicht und gilt als Spezialist im Bereich der Eröffnungstheorie. Schon vor einigen Jahren veröffentlichte er mit „Beating the French“ ein Weißrepertoire gegen Französisch, das jedoch um die McCutcheon-Variante einen großen Bogen gemacht hatte. „The New McCutcheon“ schließt nun diese Lücke.

Kasimdzhanov ist Großmeister, ehemaliger FIDE-Weltmeister und hat ein aktuelles Rating von 2712 (März 2015). Sein Englisch ist über die ganze Aufnahme der DVD hinweg sehr gut verständlich, sodass man seinen Ausführungen problemlos folgen kann.

Zum Aufbau der DVD:
Intro und Outro sorgen für einen geschlossenen Rahmen der DVD. Die Grundstellung der McCutcheon-Variante entsteht nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Lb4

Die McCutcheon-Variante galt lange Zeit als fragwürdig für Schwarz, da Weiß regelmäßig Vorteil nach der Eröffnung erzielen konnte. Dies, so Kasimdzhanov, sei eine überholte Ansicht. Sogar ganz im Gegenteil: Wenn Weiß unbedarft die Hauptfortsetzung spielt hat Schwarz leichte Wege zum Ausgleich.

Zunächst werden zwei seltenere Varianten untersucht. Eine Art Abtauschvariante nach 5.exd5 exd5 und die Variante nach 5.e5 h6 6.Lxf6 hxg5 7.fxg7 Tg8. Kasimdzhanovs Analysen zeigen, dass Schwarz in beiden Varianten angenehmen Ausgleich erhält. Die Hauptanalysen bestehen in den Läuferrückzügen nach 5...h6. Er zeigt, warum 6.Ld2 zur „alten Hauptvariante“ geworden ist und erklärt, warum sich 6.Lh4, 6.Le3 und 6.Lc1 als ernsthafte Alternativen etablieren.

Der "Modeindex" von ChessBase 13 zeigt auf einen Blick, welcher Läuferzug derzeit am populärsten ist.

Was steckt hinter den einzelnen Läuferzügen?

Die Idee von 6.Lh4 ist es, den schwarzen Königsflügel zu schwächen. Nach 6...g5 7.Lg3 Se4 und 8.Sge2 möchte Weiß die Spannungen mit a2-a3 auflösen und später mit h2-h4 bzw. f2-f4 die schwarze Stellung aushebeln. 6.Lc1 sieht im ersten Moment sehr komisch aus. Warum soll der Läufer dahin ziehen wo er her kam? Die Idee dahinter ist es, dass Schwarz nach 6...Se4 7.Dg4 seinen Bauern g7 decken muss. In fast allen Hauptabspielen muss sich Schwarz nun zwischen Kf8 und g7-g6 entscheiden. 7...Kf8 wird jedoch hier kaum möglich sein, da Weiß seinen Läufer in manchen Varianten gefährlich auf a3 überführen kann.

Auch nach 6.Le3 Se4 7.Dg4 muss sich Schwarz entscheiden. Kasimdzhanov analysiert in beiden Abspielen (Lc1 und Le3) sehr genau, was für und gegen Kg7 bzw. g7-g6 spricht und welche Faustregeln beachtet werden sollten. Klar ist, dass sehr komplizierte Stellungen entstehen, in denen beiden Seiten wissen müssen, was sie tun. Kasimdzhanov legt jedoch einen großen Grundstein für dieses Wissen.

Warum ist 6.Ld2 nun aber zur „alten Hauptvariante“ geworden? Dieser Zug wurde bisher immer automatisch gespielt. Weiß deckt die Fesselung ab und ist bereit für Dg4. Doch nach 6...Lxc3 7.bxc3 Se4 8.Dg4 Kf8! hat Schwarz einen simplen Weg zum Ausgleich. Welchen? Das erfahren Sie wenn Sie sich die DVD anschauen!

Kasimdzhanov analysiert die Abspiele sehr genau und gibt tiefe und präzise Varianten an. Er verliert dabei jedoch nicht das Auge für allgemeine Erklärungen. Die Kombination aus präzisen Varianten und allgemeinen Erklärungen machen seine Videos einmalig.

Hierzu ein Beispiel:

In der vorliegenden Stellung ist Schwarz am Zug. Es handelt sich bereits um eine komplexe Stellung. Weiß konnte Schwarz mit Dg4 nötigen, sich um den Bauern g7 zu kümmern. Schwarz musste so, mit g7-g6, seine Stellung am Königsflügel schwächen. Motive wie Lxg6 liegen in solchen Stellungen in der Luft.

Trotzdem hat Schwarz einen starken Springer auf e4. Ein logischer Zug wäre also 10...Sxc3 worauf sich Weiß mit 11.dxc5 ebenfalls an den schwarzen Bauern bedient. Will Schwarz jetzt mit 11...Da5 eine Batterie gegen den Ke1 aufbauen hat Weiß die starke Antwort 12.Db4! und Weiß steht bereits besser.

Kasimdzhanov schließt so darauf, dass Sxc3 nicht die beste Antwort von Schwarz ist. Die Dame auf g4 beherrscht indirekt die 4.Reihe und muss deshalb mit 10...h5 dort vertrieben werden. Nach 11.Dh3 kann Sxc3 folgen und auf 12.dxc5 hat Schwarz 12...d4. Dieser Zug ist ebenfalls nur möglich, weil die weiße Dame von g4 vertrieben wurde.

Dieses Beispiel demonstriert genau das Angesprochene: ...h5 scheint eine Art Engine-Zug zu sein, auf den man alleine nicht kommt. Doch durch die allgemeinen Erklärungen durch Kasimdzhanov wirkt das ganze Manöver plötzlich vollkommen logisch.

Abschließend analysiert Kasimdzhanov vier McCutcheon-Partien.
Nun sollen die Theoriekenntnisse aus den vorherigen Videos angewendet und vertieft werden. Es macht hier viel Sinn, sich ganze Partien von starken Spielern anzusehen, damit man ein Gefühl für die Variante und typische Partieverläufe bekommt.

Eine der Partien ist die McCutcheon-Stammpartie aus dem Jahr 1885: Die Variante hatte einen furiosen Start. Der Amateur McCutcheon besiegte damals den amtierenden Weltmeister Steinitz in einer Simultanpartie. Einen solchen Start hatte wohl kaum eine Eröffnungsvariante!

Als Bonbon gibt Kasimdzhanov zwölf Übungsaufgaben. Sie sind größtenteils ein- oder zweizügig und eine direkte Wiederholung aus den Videos. Hier wären komplexere bzw. unbekannte Stellungstypen sinnvoller gewesen.

Insgesamt kann man ‚The New McCutcheon’ jedem empfehlen, der sich intensiv und professionell mit dieser Eröffnung beschäftigen will. Obwohl es ein Repertoire aus schwarzer Sicht ist, können auch Weißspieler von der DVD profitieren und sich mit einigen gefährlichen Varianten ausstatten. Kasimdzhanovs Erklärungen sind lehrreich und verständnisvoll. Er legt jedoch trotzdem Wert darauf, sich einer Nachbetrachtung der Varianten zu unterziehen, um alle Details abschließend zu klären. Aus diesem Grund wurde ein Datenbank mit 50 aktuellen McCutcheon-Partien und eine komplette Analyse-Datei der Eröffnungsvarianten angehangen.

Fazit: Ganz klare Kaufempfehlung für „The new McCutcheon“!

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